Maria La Gorda mit Wassereinbruch

Von der Marina Hemingway machen wir uns auf nach Maria La Gorda. Eine riesige Bucht im Südwesten von Kuba mit großartigen Tauchplätzen. Der größte Teil der Strecke ist vor dem Wind und dementsprechend angenehmes Segeln. Das letzte Stück nach der Südwestspitze Kubas ist am Wind und weniger angenehm. Die Wellen krachen mit Gewalt gegen das Schiff. Um dieses Kap gibt es magnetische Anomalien und wilde Strömungen samt dazugehörigen Wellen. Hier liegen nicht ohne Grund hunderte spanische Segelschiffe aus den vorigen Jahrhunderten auf Grund. Wir planen die Ankunft mit Sonnenaufgang. Martin hört in seiner Nachtwache plötzlich ein komisches Geräusch aus dem Steuerbordrumpf. Als er sich über die Stufen in den Rumpf begibt, bemerkt er schon die Misere. Mit jeder Welle kommt ein Spritzer Wasser durch die Fluchtluke und spritzt zum Teil quer nach oben auf die Decke. Ein Teil der Lukendichtung wurde durch die Gewalt der herankrachenden Wellen nach innen verschoben. Die Bilge ist durchgehend mit 5 cm Wasser voll. Wir schalten in den Krisenmodus und probieren verschiedene Kurse zum Wind in verschiedenen Geschwindigkeiten. Mit allen Mitteln wird versucht, das eintretende Wasser zu minimieren. Ein mitgebrachtes gelartiges Dichtmittel bringt nichts, da es dem Druck nicht standhält. Wir wollen die Luke nicht aufmachen um die Dichtung wieder zurückschieben zu können, da eine eintretende Welle bei offener Luke wesentlich mehr Wasser hereinbefördern würde als die vielen Spritzer durch die verschobene Dichtung. Kerstin versucht mit Schneidebrettern und Handtüchern die Luke notdürftig abzudichten während Martin die Pumpen in Stellung bringt. Die Pumpen funktionieren aber sie fördern kein Wasser, da dafür der Wasserstand höher sein müsste, damit die Pumpe bei der Schaukelei keine Luft mehr bekommt. Mit verringerter Geschwindigkeit und den provisorischen Dichtversuchen tritt fast kein Wasser mehr ein. Notsignal geben wir keines, da derzeit keine Gefahr für Schiff und Leben besteht. Kerstin befördert das Wasser mit einem Schwamm und Eimern aus der Bilge. Nach 3 Stunden kommen wir bei Sonnenaufgang am Ankerplatz an und werden über Funk informiert, dass wir an einer Boje festmachen sollen. Völlig erschöpft fallen wir erst einmal ins Bett. Die oft zitierten Blauwasser-Segler-Sprichworte können wir absolut bestätigen: „Blauwassersegeln heißt, das Schiff an den schönsten Plätzen der Welt zu reparieren. Oder: Segeln ist wie unter der kalten Dusche Geldscheine zu zerreißen.“

Die Fluchtluken bei einem Katamaran sollen bei einer Kenterung das Aussteigen erleichtern. Sie liegen an der Wasserlinie. Wir würden ein Schiff ohne Fluchtluken vorziehen aber es handelt sich dabei um einen weltweiten „Sicherheitsstandard“. Das Verhältnis von gekenterten Katamaranen im Vergleich zu den Problemen, die diese Fluchtluken für alle nicht gekenterten darstellen, rechtfertigt für uns bei Weitem nicht derartig riesige verglaste Löcher an der Wasserlinie. Noch dazu wurden diese Fluchtluken bei uns letztes Jahr wegen eines Rückrufs der Werft ausgetauscht weil die vorherigen Luken ein Sicherheitsproblem wegen eines Konstruktionsfehlers darstellten. Eine gewaltige Verbesserung der neuen Fluchtluken stellen wir jetzt einmal nicht fest. Immerhin fällt das Glas nicht mehr raus wie das angeblich bei den alten der Fall war. 

Am nächsten Tag räumen wir erst einmal die gesamte Bilge aus. Alles wird mit Süßwasser gespült und die Bilge geputzt. So kann man auch schöne Tage in einer schönen Bucht verbringen. Die Dichtung wird so eingeklebt, dass sie nicht mehr herausgespült werden kann. Bei der Gelegenheit checken wir auch die gegenüberliegende Fluchtluke und stellen fest, dass der Kleber der Dichtung auch hier an einer Ecke nicht mehr hält. Wer stellt eigentlich so etwas her? Wir erweitern das Mantra, das uns unser Segellehrer aus Frankreich mitgegeben hat „Beware of the fishermen!“ mit „Beware of Gojot-hatches!“ und wir sind froh, dass unser kroatischer Segellehrer Nikola Recht behalten sollte: „Ihrr wärrdet übärrrrläbben!“

Das Wasser ist herrlich, glasklar mit Sichtweite von 40 Metern, korallengesäumt und warm. Wir freuen uns aufs Tauchen und Schnorcheln. Viele kleinere intakte Korallenstöcke sind direkt unter dem Schiff. Der Tauchkompressor kommt zum ersten Mal seit vielen Monaten wieder zum Einsatz und der Benzinmotor springt aufs erste Mal an. Wir können vom Boot aus tauchen und schnorcheln. Unsere Freunde von der Tula kommen an und liegen an der Boje neben uns. Gemeinsam schmälern wir Weinvorräte und nach einem kleinen Küchenbrand auf der Tula kommen wir sogar in den Genuss von Tula-Pizza aus unserem Ofen. Bei der Gelegenheit wird gleich hervorragendes Brot gebacken und verkostet. Die Ursache für den Küchenbrand war eine leckende Petroleumleitung, die natürlich sofort repariert wird.

Als nächstes werden wir auf die Isla de Juventud fahren. Dort dürfen wir hoffentlich wieder an Land gehen, denn unsere frischen Vorräte gehen dem Ende zu. Für den Weihnachtsbraten reicht es jedenfalls nicht so ganz aber verhungern werden wir keinesfalls.

Tauchen in Maria La Gorda

2 Kommentare

  1. Also wenn ich denke, ich bin HIER ständig am Reparieren und Troubleshooting – dann muss ich nur Euren BLOG lesen um eines besseren belehrt zu werden. Ihr habt ja zuletzt echt Pech gehabt.

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