Kapstadt und Umgebung

Infinity liegt mitten im besten Viertel Kapstadts – an der „Victoria & Alfred Waterfront“. Das Viertel ist sicher und schöne Häuser, tolle Lokale und Geschäfte reihen sich aneinander. Zwei Fußgänger-Hebebrücken verbinden die Fußgängerzonen im mit Kanälen durchzogenen Stadtteil. Viele Touristen strömen jeden Morgen herein und belegen die Gastgärten bis auf den letzten Platz. In der Nacht ist es ruhig. Die Temperaturen sind angenehm warm tagsüber und angenehm kühl nachts. Die Marina ist wahrscheinlich die am besten vor Wind geschützte am ganzen Kap. Mondfische kommen bis in die Marina herein. Kurzum einer der schönsten Marinaplätze seit Jahren. Mit dem Rummel an der Waterfront können wir nach den Monaten der einsamen Ankerplätze gut leben und auf das Wiedersehen mit befreundeten Seglern kann man hier wunderbar mit einem Bier anstoßen. Tobias, den wir letztes Mal auf seiner Eden in Französisch Polynesien gesehen haben, begrüßt uns freudig in seiner Heimat mit Rooibos Tee aus seinem eigenen Handel und Landjäger-Wurst vom deutschen Metzger in Kapstadt. 

Kapstadt hat einiges zu bieten. Ein Ausflug auf den Tafelberg mit wunderschönen Ausblicken auf den wolkenverhangenen Lions Head, von der Stadt bis zum Kap der guten Hoffnung und in die umliegenden Berge ist ein Muss. Wir drehen eine Runde mit dem Mietauto nach Simons Town zur Pinguin Kolonie, zum Kap der guten Hoffnung und über den malerischen Chapmans Peak Drive an der Küste wieder zurück. In den Linksverkehr finden wir uns schnell wieder ein. Für uns gewöhnungsbedürftig ist jedoch die Regelung, dass an ungeregelten Kreuzungen die Autos in der Reihenfolge des Eintreffens Vorfahrt haben. Kein rechts vor links oder Vorrangverzicht bei Stopp.

Marcelle und Robert von der Pegasos, die wir in Langkawi kennengelernt haben, laden uns zum Abendessen in ihr schönes Haus in Kalkbay ein. Vom Fenster aus sieht man die Brecher des aufgewühlten Ozeans an die Küste schmettern. Drinnen genießen wir bei den Geschichten der vergangenen Monate hervorragendes Lamm und südafrikanischen Wein. Schade, dass Freundschaften unter Seglern nur so selten aufgefrischt werden können.

Zwischendurch kümmern wir uns natürlich um Infinity. Es wäre kein Schiff, wenn nicht ständig etwas daran getan werden müsste. Die Oberfläche des Tisches innen wurde vom Tischler in Richards Bay ruiniert. Wir geben einem hiesigen Tischler die nächste Chance. Beide Wasserpumpenhalter an den Motoren lecken Öl. Also werden die beiden O-Ringe und die beiden Dichtungen erneuert. Nachdem das stehende Gut neu ist und die Stahldrähte gerade am Anfang ihrer Nutzungsdauer etwas nachgeben, möchten wir sie elektronisch nachgemessen haben. Der Rigger kommt, rüttelt und meint, das Rigg sei viel zu straff. Er misst elektronisch nach. Die Spannung hat seit der Installation im August zwar etwas nachgelassen, entspricht aber noch den Hersteller-Angaben. Die Oberwanten sollen am Katamaran mit 20 Prozent der Bruchlast gespannt sein, was bei 19er Stahl-Litzendrähten mit 12 mm Stärke ungefähr 2.500 Kilogramm entspricht. Der Rigger möchte ein paar Drehungen Spannung herausnehmen. Nach vehementer Weigerung von Martin ruft der Rigger bei der nahegelegenen Leopard-Katamaran-Werft an. Siehe da – deren Oberwanten werden mit 2.500 kg gespannt. Wir wollen gar nicht wissen, wie viele Katamaran-Riggs dieser Profi-Rigger in seiner 22-jährigen Laufbahn falsch eingestellt hat. Unser Beam-Wire muss allerdings nachgespannt werden, da der Aluminium-Beam am Vorschiff in der Mitte mittlerweile mit fünf Millimeter wesentlich weniger als die empfohlenen zehn Millimeter nach unten durchgebogen ist. Daran sieht man, wie sehr das Schiff beim Segeln arbeitet. 

Nach sieben Jahren sind neue Matratzen fällig. In Kapstadt bekommt man aufgrund der hier ansässigen Boots-Industrie so gut wie alles zu einem guten Preis mit einer vernünftigen Lieferzeit. Starlink pausieren wir, weil es nach zwei Monaten in südafrikanischen Gewässern ohnehin automatisch den Dienst versagt. Die hiesige Regierung konnte sich mit Starlink noch nicht auf einen Vertrag einigen. Angeblich soll Starlink nach dem Verlassen der Zwölf-Meilen-Zone rund um Südafrika wieder funktionieren. Das werden wir dann auf dem Weg nach Namibia herausfinden.

Ein Ausflug in die nahegelegene Weinregion mit den Orten Stellenbosch, Paarl und Franshoek zeigt uns eine weitere Facette des Kaps mit seiner Schönheit und der hohen Lebensqualität. Die Weingüter sind unbeschreiblich. Oft ist gleich ein ganzer botanischer Garten und eine Kunstgalerie angeschlossen. Ein luxuriöser Hofladen mit landwirtschaftlichen Produkten, ein Streichelzoo, ein Café und sogar eine Bierbrauerei im Weingut sind keine Seltenheit. In manchen Weingütern könnte man mit Spaziergängen zwischen den Attraktionen und verschiedenen Restaurants am Anwesen einen ganzen Tag verbringen. Mit historischen busähnlichen Fahrzeugen wird man den ganzen Tag von Verkostung zu Verkostung zwischen den Weingütern herumgefahren. Und der Wein? Der ist sowieso hervorragend. Ein derart luxuriöses Ambiente haben wir nur in Nappa Valley in Kalifornien oder in manchen Weingütern in Australien oder Neuseeland gesehen. Dort allerdings für mindestens das drei-fache des Preises. Beim Ausblick von den Terrassen in die umliegenden Berge kommt man ins Schwärmen. Die Dörfer sind schön hergerichtet, durchsetzt mit historischen Häusern und die Architektur der Neubauten ist modern und abwechslungsreich. Die Weingüter schließen hier um fünf Uhr nachmittags. Damit bleibt für die Restaurants am Abend mit ihren außergewöhnlich exzellenten Steaks auch noch genug Umsatz.

Der monströse runde Granitfelsen „Paarl Rock“ wäre an sich schon die Wanderung wert – ist er doch einer der größten Granitfelsen der Welt. Damit nicht genug, eröffnet er herrliche Ausblicke auf die umgebende Landschaft mit Wein- und Obstkulturen, Olivenhainen sowie auf Flüsse und die schroffen Berge. 

Etwas mehr als sieben Prozent der südafrikanischen Bevölkerung sind Weiße. Restaurantgäste sind überwiegend weiß und im Service arbeiten überwiegend Schwarze. Südafrika ist für uns ein Land der Gegensätze. Die in den letzten Jahrhunderten aus Europa geflüchteten weißen Siedler, die schwarzen Einwohner, die vergangene Apartheid, reich und arm, Modernes und Ursprüngliches, friedliches Zusammenleben und Bedrohung. Auch wenn noch einiges zu tun ist, es scheint vieles richtig zu laufen, denn Wohlstand ist hier im Vergleich zu vielen anderen Ländern viel deutlicher sichtbar.

2 Kommentare

  1. Liebe Kerstin und lieber Martin, wir wünschen euch im Sommer der südlichen Hemisphäre einen guten Rutsch ins neue Jahr und vor allem weiterhin viel Rückenwind und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und eine Handbreit Rum im Glas🤪 LG K&A

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