Unsere ersten Gäste an Bord

Nachdem wir jetzt mehr als 7 Monate allein auf unserem Boot unterwegs sind, freuen wir uns auf unsere ersten Gäste. Rosa, Anna Maria und Werner fliegen nach Teneriffa, Corona trotzend, und kommen freudestrahlend an Bord. Sie sind sofort begeistert und wir fühlen uns alle wohl. Einkauf und Vorbereitungen erledigen wir im Vorfeld, so dass sich der erste Tag an Bord für unsere Urlauber bereits als Urlaubstag anfühlt.

Nach einem gemütlichen ersten Abend planen wir nach der Sicherheitseinweisung gemeinsam den Törn. Das Wetter ist uns wohlgesonnen, da ein Tiefdruckgebiet weit südlich in Richtung Kanaren zieht mit dessen Südseite wir auch aus den westlichen Kanaren leicht zum Ausgangspunkt in der Marina del Sur auf Teneriffa zurückkehren können. Anna Maria und Rosi sind das erste Mal auf dem Meer unterwegs, daher bestimmen sie die Intensität der Route. Das Wetter erlaubt gleich einen Schlag nach La Gomera. Mutig wie die beiden sind, segeln wir am ersten Tag direkt 25 sm von Marina del Sur auf Teneriffa nach La Gomera.

Sie sind unsere Glücksbringer. Zwar müssen wir einen Teil mit Motor fahren, da der Wind eher schläfrig ist, dafür entdecken wir eine Herde Pilotwale, wobei mindestens zwei Jungtiere dabei sind. Ein seltener und toller Anblick. Bevor wir in die Marina fahren, legen wir einen Badestopp in einer Bucht ein. „Herrlich“, wie Werner unser Regattasegler zu sagen pflegt!

„Herrlich“ bleibt ab jetzt unser Lieblingswort. In der Marina San Sebastián angekommen lotst uns Anna Maria zielsicher in ein gemütliches Lokal, wo wir ausgezeichnet essen. Essen, Trinken und Genießen gehören natürlich zu einem gelungenen Reiseprogramm. Da wir La Gomera auch von der Landseite entdecken wollen, mieten wir ein Auto, wobei uns Martin den Chauffeur macht, Rosa führt uns zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Insel. Auf La Gomera kann man viel Zeit verbringen. Insbesondere Radfahrer und Wanderer haben hier ideale Bedingungen, um im Winter ihrem Hobby nachgehen zu können. Das Valle Gran Rey bietet einen sensationellen Blick und im Ort einen schönen Strand mit entsprechendem Sonnenuntergangsprogramm für alte und neue Hippies. Daneben befindet sich der Fischerhafen Puerto de Vueltas, wo es im Hafen vor lauter Fischen nur so wimmelt. Dazwischen schwimmen ganz entspannt große Rochen – für jedermann von der Hafenmole bequem anzusehen. Wir sind begeistert von den neuen Eindrücken und von unserem Glück, diese eleganten Tiere aus dem Trockenen beobachten zu dürfen.

Da der Wind nun dreht, haben wir ideale Bedingungen um die nächste Insel „La Palma“ anzusteuern. Dabei streikt der Stopper der Genua-Rollleine, die kurzerhand mit der Mittelklampe umgangen wird. Mithilfe von Werner, der unter anderem bereits das Fastnet Race als Segler miterlebt hat, ist das kein Problem und wir segeln in einer flotten Rauschefahrt Richtung Nordwesten. In Santa Cruz de La Palma findet sich das notwendige Ersatzteil und unserer Schweizer Nachbarlieger leiht uns den Bohrer zum Ausbohren der alten Schrauben. In wenigen Stunden sind wir wieder in „ship shape“.

Wir Mädels nutzen währenddessen die Zeit, durch die Hauptstraße von Santa Cruz zu bummeln. Kaum ein Geschäft ist sicher vor uns. Im Vergleich zu Österreich sind die Preise wesentlich niedriger was äußerst verführerisch ist. Die Stadt ist bisher die schönste, die wir an der Küste der Kanaren gesehen haben. Der Altstadtkern ist zum kunsthistorischen Baudenkmal erklärt worden. Die Uferstraße zeigt viele Häuser im kanarischen und kolonialen Stil mit verzierten Holzbalkonen in verschiedensten Farben mit Blumenkästen, wobei bei jedem Haus liebevolle Details zu entdecken sind. Für die Frauenwelt hat diese Stadt Herrn Manolo Blahnik hervorgebracht, dessen hochpreisige Schuhe sehr beliebt sind. Jeder, der jemals „Sex in the City“ gesehen hat, kennt Manolo-Schuhe.

Der einzige Regentag dieser Woche führt dazu, dass wir bei stürmischem Wetter einen ruhigen Hafentag einlegen. Für Werner gehört eine Nachtfahrt zu einer gelungenen Seereise dazu. Diesen Wunsch erfüllen wir gerne und wir legen um Mitternacht Richtung „Los Gigantes“ auf Teneriffa ab. Wir genießen den Anblick des großartigen Sternenhimmels und der fluoreszierenden Algen im Kielwasser, die sich wie Feenstaub ausnehmen. Martin und Werner übernehmen die erste Wache ab Mitternacht. Nach 10 Stunden Fahrt gehen wir in einer Bucht nördlich von Los Gigantes vor Anker und relaxen und baden den ganzen Tag. Die Bucht gehört uns heute alleine, genauso wie der köstliche Sundowner, die Pasta und der herrlich in allen Farben schillernde Sonnenuntergang. Nach diesem Tag befinden wir, dass Ankern wesentlich schöner ist als in einer Marina zu liegen. Daher segeln wir Richtung Süden in die Bucht „Varadero“ unterhalb vom Punta de Las Gaviotas. Dort liegen wir wieder ganz alleine, in den Felsen sind noch alte Hippiehöhlen zu sehen. Wenige Wanderer und vereinzelte Badegäste stören diese traumhafte Idylle nicht. Am Abend packt Martin noch die Gitarre aus und wir singen laut, falsch und mit Begeisterung in die Nacht hinein. Zum Frühstück gibt es an Bord frisch gebackenes Vollkornbrot. Die Seeluft, das Schaukeln des Schiffes sowie das Schwimmen machen Appetit.

Allmählich kommen die Vorbereitungen für die Rückreise, was bei allen Wehmut auslöst. Irgendwie ist das Leben an Bord, die Landschaft, das Wetter komplett anders als der Alltag zuhause. Weit weg von Nebel, Regen, Kälte und Corona. Heute ankern wir in der Bucht vor Los Cristianos und fahren mit dem Beiboot in den Ort um den Abschlussabend zu genießen. Dabei ist es nach drei Tagen vor Anker ein gutes Zeichen, dass wir sowohl Gesichtsmasken als auch Schuhe an Bord vergessen haben. Nach einem wunderbaren Essen mit ebensolchem Sonnenuntergang kehren wir im Dunkeln zurück auf Infinity und lassen den Törn bei einem Gläschen Wein so gemütlich ausklingen wie er begonnen hat.

In 9 Tagen sind wir jeden Kurs zum Wind gesegelt und haben 0 bis 8 Windstärken erlebt. Wir haben Ankerbuchten, Kultur, Kulinarik, Tierwelt und Natur auf drei Inseln erkundet und sehr viel Spaß beim gemeinsamen Blauwasserleben gehabt. Auch beim Segeln in Böen von bis zu 8 Windstärken haben sich die beiden neuen Seglerinnen an Bord wohl und sicher gefühlt. Unser Regattasegler Werner beginnt bei diesem Wind freilich erst so richtig aufzuleben. Besonders freut uns, dass das gemeinsam festgelegte Törnprogramm die richtige Mischung für neue und erfahrene Segelbegeisterte gefunden hat und wir selbst haben es mindestens genauso genossen. Anna Maria, Rosi und Werner, danke, und wir freuen uns schon auf das nächste Mal. Solche Mitseglerinnen und Mitsegler sind bei uns immer herzlich willkommen.

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