Teneriffa – die größte Insel der Kanaren

Froh, Gran Canaria endlich im Kielwasser lassen zu können, segeln wir nach Las Galletas auf Teneriffa. Viele andere Marinas nehmen keine Gastlieger oder haben keinen Platz.

Die Fahrt ist wie im Bilderbuch. Start mit 11 kn Wind, innerhalb weniger Minuten frischt er auf bis er konstant über 25 Knoten weht: die typische kanarische Düse zwischen den Inseln. Mit diesen Bedingungen kommen wir auf eine Geschwindigkeit von bis zu 11,3 Knoten über Grund. So kann es bleiben.

Um uns auf unsere Gäste vorzubereiten, räumen wir das Schiff um und brauchen einen Leihwagen zum Einkaufen. Da unsere Sonnenbrillen in Santa Cruz de Teneriffa zum Abholen bereit sind, machen wir uns zuerst auf den Weg dorthin und hängen gleich noch eine kleine Sightseeing Tour an. Wie könnte es auch anders sein in diesem wunderschönen Land: mit den Brillen geht es nicht ganz glatt. Martins Brillen kommen wie gewünscht daher. Durch meine Sonnenbrillen kann ich gut sehen und bin schon zufrieden bis Martin mich fragt, ob die Gläser polarisierend sind. Im Laden zurück, stellen wir dann fest, dass meine Brillen nicht mit polarisierenden Gläsern ausgestattet sind wie bestellt. Gerade beim Segeln sind polarisierende Gläser wichtig, da man damit Untiefen im Wasser besser sieht. Da wir beim Ankern nicht auf Korallenstöcke auflaufen wollen, entscheiden wir uns dafür, die Brillen umzutauschen. Dank Martins Ausdauer, Geduld und Telefonaten gelingt es, die beiden Optiker-Filialen davon zu überzeugen, dass die falschen Brillen nicht erst zurück nach Gran Canaria zur Überprüfung geschickt werden sondern, dass direkt neue Brillen bestellt und geliefert werden.

Da wir ja vorsichtshalber eine größere Zeitspanne eingeplant haben, können wir noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Santa Cruz anschauen. Es gibt eine nette Altstadt, einen großen Markt, das futuristische Auditorio de Tenerife sowie ein paar nette Plätze. Aber wir wollen uns natürlich noch anderes auf Teneriffa anschauen. San Christobal de la Lagune hat eine schöne Altstadt. Diese ist zum Weltkulturerbe erklärt worden, da es die erste Stadt war, die bereits im 15. Jahrhundert schachbrettartig angelegt wurde und über eine Trinkwasserleitung verfügte. Nach ihrem Vorbild wurden in der neuen Welt die rasterartig angelegten Städte gebaut.

Durch die besondere Lage der kanarischen Inseln, wo fast immer der Wind aus Nordosten kommt, trifft die Luft über dem Meer nach langer Zeit auf Land und Berge. Und die Berge sind auf Teneriffa ziemlich hoch. Der Teide ist mit 3.718 m der höchste Berg der Kanaren sowie ganz Spaniens. Nördlich vom Berg steigt die Luft den Berg hinauf, kühlt ab und kann damit nicht mehr so viel Wasser tragen. Dadurch entstehen Nebel und Niederschläge auf der Nordseite. Dort ist es auch entsprechend grün. Die Wälder sind voller Moos. Wenn man wie wir schon lange nicht mehr im Wald war, genießt man die feuchte Erde, den Waldgeruch und das satte Grün. Der Aussichtspunkt Pico del Ingles bietet eine atemberaubende Aussicht inklusive den Gipfel des Teide, wenn er nicht gerade im Nebel verschwindet. Den Rückweg nach Las Galettas nehmen wir über die Westseite. Dort gibt es die Stadt der Balkone, La Orotava. Unbedingt sehenswert, wiederum mit Teide im Hintergrund.

Die nächsten Tage widmen wir unseren Gästen und lernen dabei auch La Palma und La Gomera kennen. Beide Inseln sind sehr schön, vor allem Santa Cruz de La Palma ist ein wunderschönes Städtchen. Alles in allem bietet aber Teneriffa die größte Vielfalt, auch mehr Weite, es gibt ein paar Ankerplätze, die von der Schaukelei her allerdings eher an eine Nachtfahrt erinnern als eine Nacht vor Anker. Nach Abfahrt unserer Gäste müssen wir natürlich noch auf den Teide rauf. Insgesamt können nur wenige Gruppen gemeinsam auf den Gipfel, dazu muss man sich Wochen vorher anmelden. Ist nicht schlimm, dass wir keinen Platz bekommen haben. Ich habe mir eine Zehe angeknackst, damit sind Bergwanderungen gerade nicht so mein Ding. Also fahren wir mit der Seilbahn zur Bergstation und spazieren dort auf gut gesicherten Wegen. Die Aussicht ist grandios. Der Teide ist heute nicht wie so oft im Nebel, alles ist klar zu sehen.

Vom Meeresniveau sind wir in 90 Minuten auf 3.555 m Höhe gelangt. Da wird die Luft ganz schön dünn. Der Luftdruck sinkt nämlich bei dieser Höhe von ca. 1010 hPa auf ca. 650 hPa. Oben trinken wir unsere Plastik-Wasserflaschen aus und verschließen die Flaschen wieder. Unten angekommen sind die Flaschen ohne Einwirkung zu unserer Verblüffung komplett zerdrückt. Wir rufen uns den Physikunterricht in Erinnerung und führen das Phänomen darauf zurück, dass der außerhalb der Flaschen gestiegene Luftruck beim Herunterfahren die dünnere Luft in den verschlossenen Flaschen zusammengedrückt hat. Ein Feldversuch mit Luft und Wasserflaschen.

Auf dem Rückweg machen wir Rast in Vilaflor, einer idyllischen Gemeinde im Bergland. Dort findet man fast nur Einheimische und ein hervorragendes und preiswertes Restaurant.

Für uns gibt es jetzt noch jede Menge zu tun. Am österreichischen Staatsfeiertag schmeißen wir uns so richtig ins Zeug. In Santa Cruz holen wir die Brillen, welche erstaunlicherweise fertig sind und diesmal auch mit den polarisierenden Gläsern geliefert wurden. Wir klarieren bereits hier im Hafen aus, weil das auf El Hierro nicht geht und kaufen sowohl einen Schlauch für die Motorkühlung ein (irgendwas geht ja immer kaputt) als auch Lebensmittel. Martin bringt den Leihwagen zurück zum Flughafen und wir verstauen noch alles.

Am letzten Tag erfahren wir hautnah das Elend der Flüchtlinge. Sie kommen mit kleinen Holzbooten aus Afrika. Das rund 10 Meter lange Boot soll 65 Personen befördert haben. Im Hafen ist ein guter Teil abgesperrt, obwohl die Flüchtlinge längst angeblich in einem Hotel untergebracht wurden. Da das Boot allerdings an der Tankstelle liegt, muss Martin neun 20-Liter-Kanister zur Tankstelle schleppen und gefüllt wieder zurück tragen, damit wir für die Atlantik-Überfahrt gerüstet sind. Auf unserer nächsten Station El Hierro gibt es nämlich angeblich keine Boots-Tankstellen. Wir bereiten noch die letzten Dinge vor um am frühen Morgen Teneriffa zu verlassen und Richtung La Gomera aufzubrechen, wo wir nach einer Nacht vor Anker Richtung El Hierro weiterfahren. El Hierro wird unsere letzte Station diesseits des Atlantik sein. Von dort aus geht es 2.600 Seemeilen in die Karibik nach Barbados.

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