Endlich wieder vor Anker

Wenn man in der Fremde zu einem Stammtisch in Las Palmas eingeladen ist, freut man sich außerordentlich. Ein sehr netter Abend mit niederländischen Seglerinnen und Seglern. Andererseits ist es ein Zeichen dafür, dass unsere Wurzeln hier langsam bis in den Meeresgrund wachsen. Auch unser Speedlog ist eingewachsen, sodass bis zum Putzen des Unterwasserschiffs weder Wind- noch Bootsgeschwindigkeit angezeigt werden. Eingekauft haben wir hier und viele Arbeiten erledigt. Jon, unser Mechaniker, hat versucht unseren Trenntrafo für den Landstrom in Las Palmas einzubauen. Natürlich ist das neu gesendete Teil kaputt und muss daher nochmals bestellt werden. Die Nachbestellung wurde zusätzlich in UK verschlampt und so müssten wir mindestens eine weitere Woche in Las Palmas bleiben. Das machen wir jetzt nicht mehr mit. Angeblich haben in Gran Canaria schon mehr Segler aufgrund von Reparaturen und Wartezeiten auf Ersatzteile die Lust am Weiterfahren verloren und sind hier geblieben. Wir haben das nicht vor, denn Jon hat ein Auto und bringt uns den Trafo zum Einbauen auch in den Süden der Insel. Also heißt es aufbrechen. Nach einer gefühlten Ewigkeit im Hafen von Las Palmas fahren wir guter Dinge am Vormittag los, der Wind meint es gut mit uns. Vor Anfi del Mar finden wir einen nahezu leeren Ankerplatz. Die Störungen durch Jet-Ski-Fahrer halten sich in Grenzen und die zugegebenermaßen nicht sehr attraktiven Hotelgebäude sind kaum belegt, sodass alles sehr ruhig ist. Was für die Insulaner eine touristische Katastrophe ist, ist für uns wieder mal ein Glücksfall.

Am Ankerplatz heißt es jetzt alles an Arbeiten erledigen was in der Marina nicht möglich war. Martin nimmt den Ankerkasten halbwegs auseinander, um an den Tauchkompressor zu kommen. Gott sei Dank hat er noch in Las Palmas die Theorie dafür gelernt. Zum Einen muss man die Schalter von der rudimentären schwarz-weiß Beschreibung in Natura alle erst einmal finden und zum Anderen haben die Vertriebsmitarbeiter des Kompressors die falschen Filterpatronen beigelegt. Umtausch in Spanien ist nicht möglich, aber immerhin hat Martin eine Patrone bekommen, sodass wir unser nächstes Projekt „Tauchen“ in Angriff nehmen können. Allein den 45 kg schweren Kompressor aus dem Kasten rauszubekommen, ist ein Kraftakt für sich. Vorher muss natürlich alles aus dem Weg geräumt werden, wie zum Beispiel der Benzingenerator, die Gasflaschen, eine Riesenkiste mit allem möglichen Kleinkram, der Zweitanker mit 25 kg und Kettenvorlauf und so weiter. Martin schafft es, den Kompressor zu starten und unsere beiden 15 l Stahlflaschen zu füllen. Zwischenzeitlich nehme ich „Verschönerungen“ an unserem Beiboot Mitzi vor. Da das Lieblingsdiebesgut in allen Gewässern ein Beiboot ist und gerne nach einer Woche gleich wieder zum Verkauf angeboten wird, mache ich aus unserer Mitzi mit gelber Farbe ein Piratenboot mit Totenköpfen. Damit hat es einen sehr hohen Wiedererkennungswert und ist für Diebe daher nicht mehr so interessant.

Da unser Unterwasserschiff nach so langer Zeit im Hafen nicht gerade glatt wie ein Babypopo ist sondern einer schweren Akne gleicht, heißt es putzen. Nach einer Seite an der Wasseroberfläche bin ich schon komplett fertig. Mein Kreislauf scheint längeres Schwimmen im ca. 23 Grad warmen Wasser nicht mehr gewöhnt zu sein, sodass ich relativ schnell wieder auf dem Boot bin. Martin hat damit den großen Rest übernommen. Danach genießen wir zum ersten Mal seit Albanien einen Sonnenuntergang auf dem Vordeck mit toll gefärbtem Abendhimmel.

Tags darauf wird Neues ausprobiert. Erst Tauchen und dann Drohne fliegen, die endlich mit dem Paket gekommen ist. Aller Anfang ist schwer. Daher müssen wir erst die neue Tauchausrüstung trimmen und dann können wir nach einer längeren Phase Schnappatmung meinerseits unter Wasser gehen. Auf geht es wie geplant zunächst zum Anker, der sich tadellos eingegraben hat, laut Tiefenmesser auf 7 Meter. Die Sicht ist leider nicht so gut aber um uns herum sehen wir einige Fischschwärme mit kleineren Fischen. Nachdem ich am Vortag ein Stück Schlauch verloren habe, suchen und finden wir es tatsächlich nach kurzer Suche am Grund. Dank Strömung und Tidenhub ist der Meeresboden hier relativ sauber.

Mit der Tauchermontur kann man natürlich super das Unterwasserschiff unterhalb der Wasserlinie putzen, auch wenn es nicht ganz ohne Kraftaufwand geht. Martin hat sich die Propeller mit Spachtel vorgenommen. Ich versuche mich am Rumpf.

Nach dem Tauchen und einer kleinen Pause nimmt Martin das nächste Projekt in Angriff: die Drohne. Laut Beschreibung gar nicht schwierig, denn man kann mit einer Fernbedienung und dem iPhone die Drohne im Autoflugmodus bedienen. Also nichts wie rauf auf das Dach und starten. Leider funktioniert der Autoflugmodus nicht richtig. Somit fliegt die Drohne erst einmal in eine Leine. Die Drohne trägt zwar ihre Schwimmfüsschen, aber man will sie ja nicht beim ersten Flug im Wasser landen lassen. Martin kriegt langsam den Dreh raus. Mitten im Flug kommen von der Flugapp auf einmal Meldungen aufs iPhone, die man neben dem Fliegen und bei starker Sonneneinstrahlung praktisch nicht lesen kann. Nach ein paar Runden landet sie aber trotzdem dort, wo wir sie haben wollen.

Erster Drohnenflugversuch und erster Tauchgang

Ein Nachtrag zu unserem gestohlenen Rucksack: Um den für Diebe wertlosen Inhalt unseres gestohlenen Rucksacks vielleicht wieder zu bekommen, versuchen wir unser Glück beim Fundbüro von Las Palmas. Per e-mail antwortet niemand. Beim Anruf wird man eine Woche vertröstet. Eine Woche später sagt man uns am Telefon, dass das Fundbüro umgezogen sei und die Telefonnummer nicht mehr stimmt. Es weiß auch niemand wohin und wie die neue Telefonnummer lautet – auch Google nicht. Da lernt man zu schätzen, wie gut organisiert, problemlos und professionell das Meiste zuhause abläuft.

Nachdem wir immer mehr internationale Zugriffe auf die Webseite bekommen, kann man diese jetzt über das Menü in vielen Sprachen aufrufen. Uns gefällt chinesisch und hebräisch am besten 😂.

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