Das Hochland von Sri Lanka bietet gute Bedingungen für die Landwirtschaft und natürlich für den für Sri Lanka bekannten Ceylon-Tee-Anbau. Die Nationalparks, die die höchste Leopardendichte aufweisen, lassen wir aus, weil man Leoparden tagsüber selten sieht und wir keine neuerliche Rundfahrt mit Rehbesichtigung brauchen.
So lassen wir uns vom Fahrer Gamini der Firma Lanka Travel Bee ins Hinterland kutschieren. Travel Bee hat uns sofort ohne viel Verhandeln ein sehr gutes Angebot gemacht und wir sind sehr zufrieden mit Auto, Fahrer und Route. Es ist toll, dass wir laufend Fragen stellen können, so erfahren wir viel über Land und Leute. Auf dem Weg nach Ella probieren wir Curd mit Kokossirup. Curd ist Joghurt aus Büffelmilch und wird ungekühlt und frisch am Straßenrand verkauft. Sehr lecker. Natürlich darf Buddha auf unserem Weg nicht fehlen, sodass wir einen Zwischenstopp beim Budurowagala Tempel einlegen, wo im zehnten Jahrhundert nach Christus Buddha-Figuren aus dem Felsen herausgemeißelt wurden. Dann noch einen kurzen Stopp an einem ansehnlichen Wasserfall direkt neben der Straße.
Ella liegt auf zirka 1.000 Meter Seehöhe, hat ein angenehmes Klima und eine sehr schöne hügelige Landschaft. Damit gibt es an vielen Stellen eine tolle Aussicht. Leider hält sich das Wetter nicht an die Trockenzeit und es regnet immer wieder, was Wanderungen nicht besonders einladend macht. Nicht weit von Ella gibt es den Adam‘s Peak, einen Felsen mit Buddhatempel. Um dorthin zu gelangen, sind 5.000 Stufen inmitten von schnaufenden Menschenmassen fällig, sodass wir lieber die Aussicht von Little Adam‘s Peak genießen. Auch sehr schön. Rundherum finden sich Teefelder des berühmten Ceylon-Tee. Hier beginnt auch eine der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt. Von den Briten erbaut, findet sich eine Brücke mit neun Bögen, die als Sehenswürdigkeit gilt. Natürlich muss man sich die Brücke mit Zug anschauen. Damit finden sich zur Durchfahrtszeit des Zuges dutzende Schaulustige auf den Schienen, neben den Schienen, auf Terrassen von Restaurants und den Aussichtsplätzen. Gamini ist immer superpünktlich, sodass wir so ziemlich die ersten am Aussichtspunkt sind. Dort gibt es sogar extra einen Abfallkübel für die Plastikabfälle. Flugs erscheint ein älterer Herr um den Kübel zu leeren. Dabei wird der Müll über die Absperrung der Plattform gekippt und voilà: es ist wieder Platz im Mülleimer. Ansonsten sind die Menschen diszipliniert, es liegt kein Müll herum und diese Beobachtung ist ein einmaliger Ausreißer in Sri Lanka. Ella ist eine nette Kleinstadt, wo sich viele Rucksacktouristen einfinden. Damit gibt es auch ein kleines aber feines Nachtleben.
Die schönste Eisenbahn-Strecke nehmen wir mit dem Zug von Ella nach Nuwara Eliya. Die dauert nur drei Stunden, sodass wir uns mit einem Sitz in der dritten Klasse zufriedengeben. Es gibt keine Klimaanlage, dafür kann man die Panoramafenster weit öffnen und die Landschaft genießen. Die Fahrt ist kurzweilig und bequem. Überall sieht man an den Hängen Teepflanzen, die zirka alle zwei Wochen abgepflückt werden. Diese Arbeit wird nach wie vor ausschließlich von Frauen gemacht, die 20 kg Tee am Tag pflücken. Eine schweißtreibende Arbeit. Da die Arbeitskraft billig ist, gibt es nicht viel automatisierte Arbeit. Die Zugfahrt ist landschaftlich wirklich reizvoll, die Menschen sehr freundlich.



























Nuwara Eliya liegt auf knapp 1.900 Metern Seehöhe und die Temperatur ist entsprechend frisch. Der Nebel hängt zwischen den höchsten Bergen Sri Lankas tief und es regnet immer häufiger. Logisch, dass sich hier die Engländer wohlgefühlt haben. Unseren Plan, den höchsten Berg Sri Lankas zu besuchen, lassen wir fallen, da die Sicht gleich null ist und eine Besserung nicht zu erwarten ist. So erkunden wir die vielen britischen Gebäude, die vom ehemaligen Glanz der Kolonialzeit zeugen. Als Freunde höherer Temperaturen fühlen wir uns im Nieselregen mit nächtlichen Temperaturen von 15 Grad ohne Heizung in nicht isolierten Gebäuden nicht wohl und beschließen, bereits am nächsten Tag nach Kandy weiterzufahren. Am Weg dorthin besuchen wir eine Teefabrik. Die meisten bestehen seit über 100 Jahren und es wird noch sehr traditionell gearbeitet. Sie produzieren den Tee für unterschiedliche Marken wie zum Beispiel für Lipton. Nach dem Pflücken kommt der erste Trocknungsvorgang, dann die Zerkleinerung, das Sieben und dann gegebenenfalls weitere Trocknungsvorgänge. Schwarzer Tee wird fermentiert, grüner Tee wird ohne Fermentierung komplett getrocknet, der weiße Tee kommt von einer anderen Teepflanze. Vor Ort kann man auch Tee erwerben, er ist aber um ein vielfaches teurer als der gleiche Tee im Supermarkt.
Kandy ist nach Polonnaruwa die dritte und letzte Königsstadt Sri Lankas, die bis zur Kolonialisierung durch die Briten 1815 bestehen konnte. Die historische Bedeutung findet sich auch im Buddhismus. Die heilige Stadt, ein kleiner Stadtteil direkt am künstlich angelegten zentralen See gelegen, beherbergt den Zahntempel, in dem angeblich ein Zahn Buddhas aufbewahrt wird. Damit ist sie ein großes Pilgerziel für Buddhisten und durch seine Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe auch für internationale Touristen. Vereinzelt finden sich noch Gebäude aus der Kolonialzeit. Direkt bei der heiligen Stadt befindet sich das Queens Hotel, ein Hotel aus der Kolonialzeit, welches kaum verändert scheint. Nach dem Genuss von Salat im Restaurant Hideout leiden wir am folgenden Tag an einer Lebensmittelvergiftung, was bei uns einmal in zwei Jahren vorkommt, obwohl wir in jedem Land wirklich alles essen. Mit der Quote sind wir zufrieden und sehen nicht ein, warum wir deshalb auf so vieles verzichten sollen. Interessanterweise kommen die seltenen Probleme meist nach dem Besuch von besseren Restaurants. Bei einfachen hatten wir noch nie Probleme. Trotzdem sind wir am nächsten Tag gerädert und machen uns mit Zwischenstopps auf nach Anuradhapura, der ältesten Königsstadt Sri Lankas.
Als erstes besichtigen wir ein Edelsteinmuseum. Blauer Saphir aus Sri Lanka ist weltbekannt. Die Minen entstehen auf einem trockenen Reisfeld in Form einer zirka zwei mal zwei Meter breiten, händisch ausgehobenen senkrechten Grube von bis zu dreißig Metern Tiefe. Das Material wird mit Eimern an einer Seilwinde hinaufgebracht. Der senkrechte Stollen ist immer unter Wasser und wird permanent mit einer Benzinpumpe ausgepumpt. Die Wände des Stollens werden von Kautschukbaumstämmen stabilisiert und mit Wasser aufnehmenden Kräuterstauden abgedichtet. Zehn Arbeiter arbeiten an einer Grube und wechseln sich alle zwei bis drei Stunden mit dem Schaufeln ab. Wenn man auf Kies stößt, wird waagrecht weitergegraben und der Kies oben ausgewaschen. Hier finden sich verschiedenste Halbedel- und Edelsteine. Der Bauer, dem das Feld gehört bekommt einen Anteil an den gefundenen Steinen. Wenn nichts gefunden wird, bekommt er nichts. Sobald in der Grube nichts mehr zu finden ist, wird diese wieder zugeschüttet. Die Steine werden von Experten geprüft und geschliffen. Natürlich darf man die kunstvoll in Schmuck verarbeiteten Edelsteine auch gleich kaufen und wird dazu in einen Verkaufsraum gebracht. Kaum, dass man ein Schmuckstück länger als zwei Sekunden anschaut, wird es schon von einer aufmerksamen Mitarbeiterin präsentiert und von einem geschickten Verkäufer angepriesen.
Als nächstes steht eine Besichtigung einer Gewürzfarm an. Ein Guide erklärt uns die verschiedenen Pflanzen und Heilkräuter. Es gibt eine Nackenmassage und er beschwört die Heilkraft von Ayurveda und versucht uns, die händisch verarbeiteten Heilsalben, -öle und -wässer näherzubringen. Einiges dürfen wir vor Ort ausprobieren. Die Wirkung ist durchaus eindrucksvoll und sofort merkbar obwohl wir als gelernte Naturwissenschafter immer skeptisch sind. Im angeschlossenen Geschäft entpuppen sich die Mittel zum Teil hochpreisiger als die zuvor präsentierten Schmuckstücke. Wir sind leider auch hier keine guten Kunden.
Als letzte Station nehmen wir uns die erste Königsstadt von Sri Lanka vor, Anuradhapura. Diese wurde bereits im dritten Jahrhundert vor Christus gegründet und blieb dort für zirka 1.000 Jahre. Die Ausdehnung und Ausgrabungen, Stupas, Brunnen und Pools sind eindrucksvoll. Dort finden sich auch die Anfänge des Buddhismus in Sri Lanka mit entsprechend vielen heiligen Orten. Zu dieser Zeit gab es eine große Universität für eine Kapazität von 3.000 Mönchen, die dort neben Buddhismus verschiedene Wissenschaften und Handwerke erlernen konnten. Danach wurden sie mit ihrem Wissen verabschiedet, um es den Menschen weiterzugeben. Ein Ast vom heiligen Feigenbaum, an dem Buddha seine Erleuchtung hatte, wurde hier 288 vor Christus gepflanzt und durchgehend von Mönchen überwacht, sodass dieser als der älteste von Menschen gepflanzte Baum gilt. Er wird seit über 2.000 Jahren gehegt und gepflegt und von goldenen Stützen gehalten. Unzählige Wallfahrer finden sich täglich ein, um zu beten. Durch die speziellen Kontakte unseres Führers dürfen wir mitten in das Mittagsgebet für Mönche hineinplatzen, wo uns der Abt gleich näher winkt. Wir sind die einzigen nicht Orangen im ganzen Raum und alle schauen betend auf uns. Freundlich gebietet uns der Abt nach einigen Minuten, dass wir uns wieder zurückziehen dürfen, aber wir sollen bitte hinten rum raus gehen. Nachdem ein Blitzschlag den riesigen Edelstein auf der Spitze der Stupa in Mitleidenschaft gezogen hatte, wurde laut unserem Guide ein neuer Edelstein von Österreich gespendet. Als Dankeschön bekommen wir eine Buddhafigur geschenkt und nehmen diese dankbar als Vertreter des Staates in Empfang. Wir werden sie selbstverständlich bei nächster Gelegenheit mit den besten Empfehlungen unserem Bundespräsidenten überreichen. „Eine Buddha Statue kann man nicht kaufen“ sagt unser Guide. „Denn was sei ein angemessener Preis für Buddha?“ Wir stimmen ihm zu, obwohl die Unterseite unseres Buddhas ein Preisschild zeigt.










































































Bei Sonnenuntergang geht es noch zu einem nahegelegenen Aussichtspunkt, der wiederum ein Wallfahrtsort ist. An der Aussicht merken wir schon, dass wir jetzt wieder an der Tiefebene angelangt sind. Zum Abschied essen wir gemeinsam mit unserem netten Fahrer die Nationalspeise Reis mit Curry. Dabei kommt ein großer Topf Reis in die Mitte und darum herum gibt es mehrere Beilagen, Saucen und Hühnchen, die man sich auf den Teller nimmt. Alles sehr schmackhaft. Zurück in Trincomalee nutzen wir das Auto noch gleich für einen Einkauf im Supermarkt. Der gesamte Supermarkt scheint mit Rüsselkäfern verseucht zu sein, so dass wir später alles auseinandernehmen, auspacken, abwaschen und einsprühen müssen.
Zurück am Dock werden wir von Security und Wachpersonal herzlich begrüßt. „Alles ok“ sagen sie. Diesmal dürfen wir ohne Mätzchen von einem Fischerboot zu unserem Schiff zurückgerudert werden. Wie erwartet steht Infinity samt Mitzi allein auf weiter Flur am gleichen Platz und außer einigen Vogelhinterlassenschaften ist alles unberührt. Wir sind ja auch im Land des guten Karma.
