Sri Lanka – Landtour mit Schwimmstart

Trincomalee hat schöne Strände und einen 360 Grad geschützten Hafen, der im Laufe der Jahrhunderte schon viele Flotten beherbergt hat. Hier leben unter anderem auch Tamilen, sie haben eine eigene Sprache und Schrift und sind überwiegend Hindus. Auch leben hier viele Muslime, vereinzelt Christen und vor allem Singalesen, die die größte Bevölkerungsgruppe darstellen. Sie sind überwiegend Buddhisten. Damit finden sich in Trincomalee auch verschiedenste Huldigungsstätten für sämtliche Götter, wobei die hinduistischen mit ihren farbenprächtigen Figuren die auffälligsten sind. Deshalb erfüllen auch verschiedene Klänge die Ankerbucht. Es beginnt der Muezzin, bei dem auch mal versehentlich die Katze ins Mikrofon miaut. Es folgen Kirchenglocken, dazwischen die Gesänge der Hindus. Das Sahnehäubchen ist die Militärmusik der nahen Navy-Halbinsel, die mehrmals täglich Marschmusik trommelt. Durch die moderate Lautstärke alles in allem ein abwechslungsreicher fröhlicher Lärm. Es gibt ein kleines Marine-Museum in einem liebevoll renovierten Kolonialbau, eine ansehnliche, zutrauliche Rehkolonie und ein historisches Fort, das vom Militär noch immer benutzt wird. Der Hügel mit dem Tempel bietet einen schönen Ausblick auf die umliegenden Strände.

Bald starten wir unseren Landtrip. Wir bereiten uns und die friedlich ankernde Infinity auf 14 Tage Landgang vor. Mit Bewegungsmelder, Sicherheitskamera, Alarmsirene und Solarlampen. Alles ist abgesperrt. Mitzi wollen wir nicht so lange am muschelbelegten Steg lassen sondern ebenfalls abgesperrt an den Davits sichern. Das stellt sich als Problem heraus. Denn niemand darf uns von Infinity abholen. Deshalb müssen wir mit unserem Beiboot nochmals an den Stadtsteg um unser Gepäck hinzubringen. Wegen unseres Vorhabens finden sich uniformierte Beamte ein und jeder redet mit. Die Versammlung vergrößert sich, auch von der Agentur finden sich zwei Mitarbeiter ein. Dazu eine Anzahl interessierter Beobachter. Der bereits anwesende Fahrer für unsere Rundreise betrachtet das Spektakel mit einem Lächeln. Mehrere Personen versuchen zu vermitteln und zu übersetzen. 

Nachdem uns scheinbar niemand von unserem Ankerplatz zum Steg bringen darf, fährt Martin kurzerhand mit dem Beiboot zurück zu Infinity und schwimmt Richtung Strand. Er wird aber vom am Steg eingetroffenen weiß uniformierten Hafenkapitän persönlich Richtung muschelbelegten Steg umgeleitet. Mit triefender Badehose darf er eine Belehrung über sich ergehen lassen, dass Schwimmen in der ganzen riesigen Bucht verboten ist. Das dürfte für belustigende Momente in der hiesigen Marineszene gesorgt haben, wie wir später erfahren haben. Dass es die einzige Möglichkeit blieb, ohne Beiboot an Land zu kommen, interessiert ihn nicht. Außerdem sei es verboten, dass Schiff vor Anker zu verlassen. Der Hafen ist 360 Grad geschützt, es gibt keine Wellen, der Wetterbericht verheißt ausschließlich ruhiges Wetter. Wir können die Position des Schiffs von der Ferne überwachen, es gibt automatische Feuerlöscher und es ist eine Alarmanlage installiert. Egal, trotzdem müssen wir eine Person nennen, die 24 Stunden unser Boot im Auge behält. Für eine vernünftige Gebühr wird kurzerhand der Frachterkapitän samt Crew am vordersten Ende des Docks engagiert und die Daten mittels Agenten an den Hafenkapitän übermittelt. Wir sind schon gespannt auf die Vorschläge, wie wir wieder auf unser Boot zurückkommen sollen. Es ist ja jeglicher Transport und auch schwimmen verboten und unser Beiboot ist an Infinity gekettet.

Damit kann unser Trip mit einer einstündigen Verspätung losgehen. Das sollte aber noch nicht das Ende dieses Intermezzos sein. Nach dem Wochenende bekommen wir mitgeteilt, dass sich die Wachperson in der Nacht an Bord befinden muss. Wir schreiben zurück, dass das zwar möglich sei, wir aber sämtliche Alarmvorrichtungen abschalten müssten und wir in diesem Fall keine Verantwortung mehr für die Sicherheit des Schiffs übernehmen könnten. Außerdem würden wir das österreichische Honorarkonsulat über diese Vorgänge informieren müssen. Daraufhin war es kein Problem mehr, die Wache an Land zu lassen. Die andere Alternative wäre gewesen, das Schiff an ein Dock zu bringen. Diese sind aber vor allem für die Großschifffahrt gebaut und mit alten Autoreifen gesäumt. Die Leinen scheuern an den Betonstegen. Möglicherweise gibt es Ratten. Mit dem Schiff in dieser geschützten Bucht vor Anker fühlen wir uns wesentlich wohler. Schließlich sind wir vor allem wegen des sicheren Ankerplatzes in Trincomalee und nicht in Galle, wo uns alle paar Tage Horrormeldungen von anderen Yachten ereilen, dass wegen des Schwells auch bei ruhigem Wetter in der Nordostpassat-Saison Leinen reißen und Klampen aus dem Schiff herausgerissen werden. Der Ankerplatz in Trincomalee ist hingegen mehr als perfekt und wir können diesen Platz samt Sabril, unserem hilfreichen Agenten der Firma GAC sehr empfehlen.

Der Roadtrip kann beginnen und wir fahren nach Polonnaruwa, Hauptstadt des zweitältesten Königreichs aus dem 11. Jahrhundert nach Christus. Es wurden damals schon Bewässerungsanlagen mit mehreren künstlichen Seen geschaffen, damit konnten die Bauern auch in der Trockenzeit Reis anbauen. Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert an die Inder verloren. Es existieren überwiegend Ruinen, Buddhas sitzend, stehend, liegend, einige Stupas und Reste von Palästen. Hier in Sri Lanka ist es im Gegensatz zu Indien aufgeräumt, sauber und organisiert. Dafür werden die Touristen bei den Eintrittspreisen gemolken. 

Für unsere erste Übernachtung fahren wir weiter nach Sigiriya. Dort befindet sich der UNESCO-geschützte Lion Rock. Unser Fahrer Gamini schlägt vor, dass wir den Felsen zum Sonnenaufgang besichtigen sollen. Damit machen wir uns auf die Suche nach unserem reservierten Hotel, wobei Google seine eigene Meinung hat, wie wir dort hingelangen. So fahren wir über Sandstraßen, die Gamini mit immer stärker gerunzelter Stirn beäugt und auch schon mal aussteigt, um zu überprüfen, ob wir noch weiterkönnen. Kurz vor dem Ziel blockieren zwei große Steine den Weg, den wir vermutlich auch ohne Steine nicht geschafft hätten. Also alles wieder zurück und die alternative Route nehmen. Angekommen, stellen wir fest, dass der neue Pool voller Algen ist, das Restaurant und die Bar geschlossen sind. Immerhin ist es ein Plätzchen mit toller Lage mitten im Dschungel und Aussicht auf einen See. Am nächsten Morgen sind wir kurz nach fünf Uhr am Fuße des Lion Rock. Mit Stirnlampe bewaffnet folgen wir den anderen Touristen. Von unten ist dieser Felsen schon imposant und ragt fast senkrecht aus dem übrigen Gelände. Um den Zugang auch Nicht-Freeclimbern möglich zu machen, wurden Stiegen an den Felsen befestigt, sodass man nach 1200 Stufen das Plateau erreicht. Dort sitzen schon viele Leute und starren Richtung Sonnenaufgang. Auf dem Plateau wurde im 5. Jahrhundert eine Festung gebaut, von der heute noch Reste zu sehen sind, insbesondere auch die aus dem Felsen gehauenen Löwenklauen am Eingang der Festung, die dem Felsen den Namen geben. Wir sind außer Puste und beeindruckt von der umliegenden grünen Landschaft mit Wäldern aus denen der Nebel aufsteigt, den Ruinen und dem Sonnenaufgang. Der kommende Muskelkater lohnt sich definitiv. 

Die nächste Attraktion, der ebenfalls UNESCO geschützte buddhistische Felsentempel von Dambulla, enthält neben vielen Buddha Statuen sehr gut erhaltene Höhlenmalereien, die die Geschichte Buddhas und des Buddhismus auf den natürlichen unebenen Wänden erzählt. Auch hier lohnt es sich, die 160 Höhenmeter mit Stufen zu erklimmen. 

Zur Belohnung gönnen wir uns an unserem nächsten Ziel Colombo, der Hauptstadt, ein Hotel mit Dachpool und Jacuzzi zum Entspannen. Gamini erklärt uns, dass in Colombo vor allem Beton zu sehen ist. Viele Kolonialbauten aus der Zeit der portugiesischen, holländischen und englischen Besatzung sind in einem schlechten Zustand. Die Smogschicht über der Stadt trübt die Sicht und es mangelt an öffentlichen Verkehrsmitteln. Da Autos teuer und hoch besteuert sind, fahren die meisten mit Tuktuks und damit einhergehenden Abgasen.

Mit unserer weitreichenden Erfahrung hinsichtlich Strand, Meer und Sonnenuntergang beschließen wir, die touristischen Orte mit den Stränden an der Westküste rechts liegen zu lassen und fahren direkt nach Galle. Am Südwestende von Sri Lanka gelegen hat es noch ein vollständig erhaltenes Fort aus der Zeit der holländischen Besatzung. Der Ort war schon sehr früh ein bedeutender Seehafen mit regem Handel von Persern, Arabern, Griechen, Römern, Malaien und Indern. Ende des 16. Jahrhunderts fielen die Portugiesen ein, welche dann Mitte des 17. Jahrhunderts von den Holländern vertrieben wurden. Bemerkenswert ist, dass das aus dieser Zeit stammende Fort sogar den großen Tsunami von 2004 unbeschadet überstanden hat. Damit ist auch die darin liegende Altstadt noch sehr gut erhalten. Die Briten, die Sri Lanka – damals Ceylon genannt – Ende des 18. Jahrhunderts von den Holländern übernommen haben, mussten nicht viel ändern. So fühlt man sich in der kleinen Altstadt als Europäer fast wie zuhause. Die Gebäude wurden kaum verändert und stehen ebenfalls unter dem Schutz der UNESCO. Eine Kathedrale entpuppt sich in der Nähe mittlerweile als Moschee. Das Zusammenleben der Kulturen scheint heute problemlos zu sein. Dabei liegt der Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singalesen erst 16 Jahre zurück. 

In Galle treffen wir auch Robert von Agapi wieder. Auch bei seinem Schiff sind drei Leinen gerissen und das Boot hat etwas von der Farbe der Autoreifen des Betonstegs angenommen. Die Boote rucken trotz ruhigen Wetters laut knarzend in die Leinen ein, Müll schwimmt überall und wir sind dankbar, dass wir Trincomalee als Anlaufstelle gewählt haben. Sri Lanka ist mangels Ankerplätzen und Yachthäfen keine typische Segeldestination. Man lässt das Schiff zurück und bewegt sich an Land fort. Für das Betreten der Marina in Galle benötigt man einen Passierschein, den uns unsere Agentur kurzerhand ausstellt. Beim zweiten Anlauf dürfen wir das Marinagelände betreten. Besonders interessant finden wir außerdem den Fischereihafen. Ein Gewühl an aneinander vertäuten knallbunten Holzbooten. Sehr malerisch, auch geruchstechnisch mächtig eindrucksvoll. Am Steg werden riesige Thunfische entladen. Für einen 20 Kilogramm schweren frischen Thun möchte man hier zum Großhandelspreis umgerechnet 60 Euro. Sensationell. Dazu gibt es in der Nähe einen verhältnismäßig gut bestückten nagelneuen Sparmarkt. Für Provisionierung und Tourismus wäre Galle der bessere Standplatz, aber Sicherheit geht eben vor.

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