Nach einer Proviant-Einkaufstour mit unserem neuen Taxi-Freund samt 160 Litern Diesel in Kanistern und einem Besuch im Rooftop Seashell Restaurant machen wir uns Sonntag abends mit unserem Agenten Ashraf ans Ausklarieren. Es gibt keinen Aufpreis für das Wochenende. Niemand kommt diesmal an Bord. Wieder werden dutzende Zettel kopiert, gestempelt, unterschrieben und verteilt. Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei und wir dürfen morgen früh das Land verlassen. Nach einem kurzen Funkspruch bekommen wir nach einer halben Stunde nun auch wirklich die Erlaubnis aus dem Naturhafen Port Blairs abzusegeln. Die Route führt uns an der Ostküste von Andaman Island Richtung Süden, bis wir nach Südwesten abbiegen können. Ab dann geht es mit Vorwindkurs, leichten Winden und Gennaker vier Tage dahin. Drei davon haben wir ungefähr einen Knoten Gegenstrom. Wir fahren einen Umweg von 50 Seemeilen nach Süden, da man uns beim Anliegen auf Trincomalee dadurch einen besseren Windwinkel und Strömung von hinten vorhersagt. Das stimmt auch alles im Wesentlichen und wir können beinahe die gesamte Strecke segeln, da wir uns gegen Ende der Strecke bei abflauendem Wind mit unserem eigenen Fahrtwind gegenan noch eine Schippe Wind zum Segeln drauflegen. Beim kürzeren direkten Vorwindkurs wäre der Wind von hinten zu schwach geworden.
























Das Segeln ist anders als im Pazifik und im Atlantik. Strömungen sind hier ein bestimmender Faktor und die Wellen sind allgemein kürzer und steiler. Alles in allem ist es trotzdem eine selten bequeme, wenn auch keine ultraschnelle Überfahrt. Es ist vor allem wieder sehr angenehm, vor Fischern, ihren Netzen und unbeleuchteten Gegenständen im Wasser nicht auf der Hut sein zu müssen. Das letzte Mal hatten wir das im Norden Australiens, was nun schon zwei Jahre her ist. Das Anglerglück ist uns nicht hold. Dafür nimmt Starlink seinen Dienst in internationalen Gewässern ohne Probleme wieder auf. Die Zeit unterwegs nutzen wir, um kleinere Reparaturen vorzunehmen. Die Hahnepot-Seile für den Anker sind von der Kette etwas abgewetzt und werden getauscht. Sämtliche Leinen, Schoten und Fallen werden gekürzt, um die Stellen mit Reibung zu verschieben. Die kleinen Softschäkel, die als Schotbefestigung am Gennaker dienen, sind fast durchgescheuert und werden ebenfalls getauscht. Die GoPro am Heck unter Wasser gehalten bemerken wir, dass sich am Steuerbordruder eine Leine verfangen hat. Damit diese nicht in die Schraube gelangt sobald wir den Motor starten, nutzen wir die Zeit beim Segelwechsel auf Genua und Groß zu einem kleinen Bad im unvergleichlichen Blau des 3.000 Meter tiefen Wassers, um die Leine zu entfernen. Da unser Schiff mit Strömung und Wind vor Topp und Takel noch immer zwei Knoten schnell fährt, tut man gut daran, sich während Unterwasseroperationen an einer Leine festzuhalten.
Highlights unterwegs sind das selbst gekochte Essen, die Farben der Sonnenauf- und untergänge, der Vollmond und der Sternenhimmel mit Kreuz des Südens und großem Wagen gleichzeitig im Sichtfeld, einige Delfinbesuche, fliegende Fische, die unzähligen reflektierenden Farben der Wellen und das beruhigende Gefühl, einmal ganz weit weg zu sein von allem. Auch wenn sich die Distanz zur Außenwelt mit Starlink spürbar verkleinert. Wir wählen bewusst nicht den Standardstopp Galle auf Sri Lanka, da sich dort derzeit Dutzende Yachten am Weg ins Rote Meer tummeln. Da sind wir lieber auf derzeit nicht frequentierten Routen unterwegs und freuen uns auf Trincomalee, einen der größten Naturhäfen der Welt.









Die letzte Nacht wird etwas anstrengend, da es vor Fischern nur so wimmelt und die Fischerboote lange Netze schleppen, deren Ende allerdings durch Lichter oder AIS gekennzeichnet sind. In der Einfahrt in die Bucht von Trincomalee nehmen wir genüsslich den Duft von Erde und Rauch wieder in uns auf. Sanfte bewaldete Hügel und Inselchen sowie große Schiffe sind das erste, was wir optisch von Sri Lanka mitbekommen. Die Port Control dirigiert uns zum Town Jetty, einem Betonsteg mit einem einzigen zu kleinen freien Platz, wo wir am Kopf längsseits gehen. Wir sind die erste Yacht, die heuer in Trincomalee einklariert. Der Agent kommt mit sämtlichen Beamten an Bord. Der Papierkrieg ist ähnlich intensiv wie in Indien aber es ist alles in kurzer Zeit erledigt, da der Agent alles vorbereitet hatte und alle zu uns an Bord kommen wenn auch mit schmutzigen Schuhen. Wir haben seit Monaten keinen richtigen Regen mehr gesehen und genauso sieht auch unser Schiff im Außenbereich aus. Das Wasser am Steg ist nur ein schwaches Rinnsal aber es reicht, um Salz und Staub einigermaßen loszuwerden. Nachdem wir heute für ein paar Stunden schon mal an einem Steg stehen, nutzen wir die nahe Infrastruktur, um ein paar Kanister Diesel und Sim-Karten zu erwerben. Den letzten Steg sah unser Schiff vor einigen Monaten in Phuket und der nächste wird wohl noch einige Monate auf sich warten lassen. Nachdem Sonntag ist, muss die Wäsche bis morgen warten. Einen Besuch im Eis-Cafe lassen wir uns heute trotz um sich greifender Müdigkeit nicht entgehen.

Hallo Kerstin und Martin,
ihr habt von eurem Bootsstempel erzählt, muss da was bestimmtes drauf stehen oder
reicht der Name des Bootes?
Liebe Grüße an euch und gute weiter Fahrt!
Hallo, bei uns steht der Bootsname drauf, MMSI, Callsign, Eigentümer, Registrierungsnummer und Flaggenstaat. Gebraucht haben wir ihn nur in Indonesien und Indien. LG