Port Blair ist unspektakulär bis auf das Cellular Jail. Dabei handelt es sich um ein sternförmiges Gefängnis, das um 1900 von den britischen Besatzern gebaut wurde. Dort wurden indische Aufständische eingesperrt und gefoltert. Jetzt dient es als gut besuchtes Museum und Symbol des Widerstands. Wie in jedem neuen Land versuchen wir erst einmal zu einem Bankomaten zu gelangen, dann geht es um Sim-Karten und um die Kleiderwäsche. Darauf folgt ein kleiner Rundgang durch das Städtchen mit Café-Besuch. Gegessen wird am Boot, da wir noch so viele Gerichte vom Stammtisch mithaben.
Sobald wir in der Nähe des Dinghi-Docks gesichtet werden, kommt Umar schon angetrabt und kümmert sich für eine kleine Gebühr ganztags um unsere Mitzi, damit sie nicht an der Hafenmauer aufgerieben oder gar entwendet wird. Der Müll ist wie immer in Indien allgegenwärtig. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum derzeit nur fünf fremde Yachten auf den 200 Inseln unterwegs sind und nicht 200 Yachten wie früher. Ein anderer Grund ist sicher die Bürokratie und die im Internet kursierende falsche Annahme, dass man nur mit Visum aus der Botschaft des Heimatlandes die Andamanen besuchen kann. Definitiv funktioniert hier das Online Visum ohne Botschaftsbesuch zuhause.















Wir kämpfen uns erstmal einige Stunden gegen den Nordost-Passat zur Insel Havelock nach Nordosten und ankern im Westen der Insel am Strand Nummer sieben. Natürlich fangen wir gleich einen Plastiksack mit dem Propeller. Hoffentlich hat er sich nicht in die Dichtung hineingefressen. Dafür finden wir bei der Schaukelei endlich das Leck im Backbord-Rumpf. Die innere Verschraubung am Seeventil war locker und so kam tropfenweise Wasser von höheren Wellen in den Rumpf. Auch beim Wassermacher machen wir Fortschritte. Die Luftblase aus dem Filter entfernt sich, als wir alle Filter mit Wasser anfüllen und das Seeventil erst öffnen, als der Wassermacher an ist. Scheint nun alles wieder dicht zu sein.
Wir sind es gar nicht mehr gewohnt, dass wir mutterseelenalleine vor einem beschaulichen Eiland ankern dürfen. Ein Strand wie aus dem Bilderbuch, wenn auch zum Sonnenuntergang gut besucht. Kurz nach Sonnenuntergang beginnen die Ordner am Strand die Menschen wieder mit der Trillerpfeife vom Strand wegzuscheuchen. Dann ist der Spuk vorüber und der Strand gehört wieder uns alleine. Fast ausschließlich indische Touristen machen Urlaub in den zahlreichen Ressorts auf Havelock. Vor einigen Jahren wurde am Strand ein Tourist von einem Krokodil getötet. Das tut dem Andrang aber keinen Abbruch. Taxis und Tuktuks verdienen Geld damit, die Touristen von einem Strand zum anderen zu karren. Davon gibt es sieben. Der Nachbarstrand, früher zum Baden mit Elefanten beliebt, ist durch den steigenden Meeresspiegel bei Hochwasser fast verschwunden. Dafür wurde er als Activity-Beach umfunktioniert. Mit dem Moped oder Boot gelangt man zum Spielplatz mit Bananenboot, Jetski, Glasbodenbooten und so weiter. Dem Lärm und Stress setzen wir uns nicht aus. Einmal fahren wir in den Ort um festzustellen, dass die Strände dort ebenfalls verschwunden sind. Damit verzichten wir gerne darauf, uns in den Norden zu verlegen. Glasklares Wasser reinigt unser Unterwasserschiff samt Ankerkette, die in Thailand mit Seepocken übersät war und jetzt wieder sauber wird. Die Sichtweite unter Wasser ist sensationell. Leider ist das nahegelegene Riff zu 70 Prozent kaputt und das Schnorcheln fällt deshalb nur kurz aus.














Seit Neuseeland frieren wir das erste Mal wieder, wenn wir uns nachts nicht zudecken. Was für ein Luxus. Trotz der windabgewandten Seite brechen sich die Wellen am schönen Strand stattlich, sodass wir kurzerhand das Dinghi schwimmend mit dem Bug in Richtung brechende Wellen an Land bringen, um nicht wieder einmal kopfüber darin anzusurfen.
Die Quake-Feed App informiert uns, dass es vor 30 Minuten in 238 Kilometern Entfernung in der Nähe der Andamanen ein Seebeben mit der Stärke 5 gegeben hat. Ui, so nahe waren wir noch nie dran, auch wenn es nicht stark und in großer Tiefe ist. Wir funken auf Kanal 16 die Küstenwache und die Port Control in Port Blair an und fragen, ob es eine Tsunami Warnung gibt. Keine Antwort. Unseren Agenten rufen wir über WhatsApp an. Sowohl er als auch die Seite www.tsunami.gov geben keine Warnung aus. Nachdem Tsunami-Wellen mit circa 900 Kilometern pro Stunde reisen können, wäre es in so kurzer Distanz aber wahrscheinlich ohnehin schon zu spät, um zu reagieren. Die beste Praxis wäre, sofort in tieferes Wasser zu fahren. Ab 180 Metern Wassertiefe bemerkt man Tsunami-Wellen am Meer kaum. Kommen sie in seichteres Wasser, baut sich eine entsprechend höhere Welle auf, weil sie über das Land „drüberstolpern“. Wenn man also tieferes Wasser nicht in absehbarer Zeit erreichen kann, sollte man schleunigst landeinwärts den nächsten Hügel aufsuchen. Ein Tsunami kommt nicht mit einer riesigen Welle, sondern mit mehreren Wellen in einigen Minuten oder sogar mehr zeitlichem Abstand. Das heißt, man hätte unter Umständen etwas Zeit sobald die erste Welle eintrifft. Wir bekommen in den nächsten 24 Stunden noch weitere Bebenwarnungen. An der Lokalisation erkennt man, dass die zwei nächstgelegenen Kontinentalplatten aneinander reiben. Wir hoffen es bleibt bei „Plattenkuscheln“ und es wird kein „Plattenrempeln“ daraus.
