Der Jainismus ist eine alte Religion aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus. Genau wie der Buddhismus und der Hinduismus hat die Religion ihre Wurzeln im Brahmanismus. So genau blicken wir nicht durch, aber wir geben uns Mühe.
Jainas sind in ihren Taten sehr darauf bedacht, keinen Tieren oder Pflanzen zu schaden. Dies hat einen sehr asketischen Lebensstil zur Folge. Zum Teil gehen sie mit einem Besen vor sich her, um Insekten wegzukehren, damit sie nicht draufsteigen. In Ranakpur steht der Adinath-Tempel, einer der bedeutendsten Jain-Tempel in Indien. Dieser imposante Marmor-Tempel aus dem 15. Jahrhundert ist auf eine Plattform gebaut und in alle vier Himmelsrichtungen geöffnet. Der ganze Tempel enthält Figuren aus Marmor, sodass man schon einen ganzen Tag damit verbringen könnte, sich die Feinheiten der Decken, Wänden und Pfeiler anzuschauen. Ein Kunstwerk.















Unser nächster Halt ist Pushkar. Dies ist der Ort, von dem aus – nach dem Hinduismus – Gott Brahma die Welt erschaffen hat. Entsprechend gibt es viele Pilger und Menschen, die den Pilgern das Geld aus der Tasche leiern. In wenigen Kilometern beginnt die Wüste, sodass sich viele Kamele und Jeeps um uns herumtummeln. Brahma ist einer der drei Hauptgöttern des Hinduismus. Brahma ist der Schöpfer, Vishnu der Bewahrer und Shiva der Zerstörer. Jeder der drei hat viele Namen.
In Pushkar findet sich der einzige Brahmatempel. Wie immer geben wir brav an einer „bewachten“ Stelle unsere Schuhe ab. Drinnen sind Schuhe verboten. Dann erhalten wir noch Blüten, die wir Brahma im See opfern sollen.
Der Tempel selber haut uns nicht vom Hocker, was vermutlich daran liegt, dass wir den Tempel von Ranakur noch vor Augen haben. Beim Hinausgehen erleben wir erstmals, dass beim Abholen der Schuhe kein Geld verlangt wird. An den Stufen, die in den See führen, sammeln sich Einheimische und Pilger, die sich reinwaschen. Die einen vom Dreck und die anderen von den Sünden. Wir werden getrennt und mit roter Erde und Reiskörnern „gesegnet“. Nach der Zeremonie werden beide getrennt voneinander zum Spendenschalter geschoben und klargemacht, dass jetzt eine größere Spende fällig sei. Wie immer geben wir eine kleine Spende und riskieren einen kleinen Riss in unserem Karma.
































Angeblich gibt es in der Stadt mehr als 500 Tempel, die wir im Gewühl nicht finden. Mit einem Guide sehen wir zum ersten Mal einen Sikh-Tempel. Die Sikh arbeiten viel und sind weltweit in vielen Unternehmen involviert. In Pushkar leben fünf Sikh-Familien. Ihr Tempel ist relativ neu und riesig, natürlich aus weißem Marmor. Sikhs sind leicht an ihren speziell gewickelten Turbanen erkennbar. Ihre Haare schneiden sie nicht und wickeln sie im Turban ein.
Jaipur ist die Hauptstadt von Rajasthan mit drei Millionen Einwohnern. Uns interessiert der Stadtkern, der für den Namen „Pink City“ verantwortlich ist. Angeblich sind die Häuser innerhalb der Stadtmauern pink. Wir erkennen mit gutem Willen altrosa, überwiegend aber rostbraun. Pink angestrichen wurden die Gebäude erstmals 1876, als der Prince of Wales zu Besuch kam. Diese Farbe bedeutet Gastlichkeit in Rajasthan.
Bei der Stadtbesichtigung verlassen wir uns ganz auf unseren Fahrer Ramesh, der die Tour in Jaipur schon oft gemacht hat. Wir beginnen die Besichtigung mit dem Fort Amber, das etwas außerhalb der Stadt liegt. Dort nehmen wir einen netten älteren Herrn als Führer. Der Palast im Fort wurde vom 17. bis 18. Jahrhundert gebaut. Sogar ein Jacuzzi ist eingebaut, dazu ein System für kaltes und warmes Wasser. Natürlich wurden auch schöne Deko-Elemente eingesetzt. Zu dieser Zeit war Glas und Spiegel aus Belgien „en vogue“.
Im Palast gibt es jeweils gleiche Apartments für die Frauen des Rajas, die über Stiegen ungesehen in das Gemach des Rajas kamen, so, dass seine anderen Frauen nicht wussten, wer bei ihm ist. Für den Chef gab es auch eine Extratür zu einem weiteren Harem von 100 Frauen, von dem die Ehefrauen wahrscheinlich kaum Bescheid wussten. In die Mauern wurden erotische Darstellungen gemeisselt damit die Damen wussten was zu tun war. Vorläufer von Pornos quasi. Die Wachen waren keine kastrierten Männer, sondern Transgender, die es hier immer noch gibt. Unser Guide erklärt alles mit Begeisterung, freut sich sichtlich, dass uns der Palast gefällt.

































































Nach einem abschließenden Blick auf den künstlich angelegten See mit Garten fahren wir zurück Richtung Innenstadt. Pflichtstopp ist der Jal Mahal, ein Palast im See. Hinein darf man nicht, so reihen wir uns in die Schlange der Taxis ein, die dort ihre Gäste zum Fotografieren aussteigen lassen.
Die UNESCO gekrönte Altstadt ist unser nächstes Ziel. Dort gibt es neben dem großen City Palace einen Park aus dem 18. Jahrhundert, Jantar Mantar. Jai Singh II., der Maharadscha von Amber beziehungsweise Jaipur, war Hobbyastronom und hat mit Hilfe anderer Astronomen 19 verschiedene Instrumente zur Zeitbestimmung, Vorhersagen von Sonnenfinsternissen und Verfolgung der Bahn verschiedener Sterne gebaut, unter anderem eine 27 Meter hohe Sonnenuhr. Aufgrund der Größe lässt sich die Uhrzeit auf die Sekunde genau ablesen. Wir sind beeindruckt.
Wichtiger Teil der Altstadt ist der City Palace, der nach wie vor der Wohnsitz der königlichen Familie von Jaipur ist, welche derzeit 500 Bedienstete beschäftigt. Ein Teil des Palastes dient als Museum mit Restaurant und Geschäften.
Das berühmteste Gebäude der Stadtpaläste ist der Palast der Winde, den wir uns für den Schluss aufheben. Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Lustschloss gebaut. Das Gebäude ist nur acht Meter breit und fünf Stockwerke hoch. Es diente dazu, dass die Haremsdamen die häufig durchgeführten Festumzüge betrachten konnten, ohne dabei gesehen zu werden. In der Fassade sind fast 1.000 vergitterte Fenster eingebaut, durch die frische Luft hindurch wehen kann. Daraus ist der Name „Palast der Winde“ entstanden und die rostbraune Fassade zu einem der berühmtesten Fotomotive Indiens geworden.
Ein weiteres Fort „Nahargahr“ liegt etwas oberhalb der Stadt und bietet einen schönen Ausblick. Es diente als Rückzugsort für die königliche Familie zu Kriegszeiten. Auch das Albert Hall Museum wird von uns besichtigt. Wir haben ein Kombiticket gekauft und klappern damit alle Sehenswürdigkeiten ab.
Danach gönnen wir uns einen Ruhetag und verarbeiten die vielen Eindrücke bevor es weiter zur heiligen Stadt Varanasi geht, wo das Himmelstor den Hinduisten das ganze Jahr über offensteht.
