Nachdem wir unsere wunderschöne Segelrunde um Langkawi vervollständigt haben, ist es wieder einmal soweit. Infinity muss aufs Trockene. Davor schlagen wir die Segel ab, ersetzen die Logge durch den Blindstopfen und bereiten alles auf den Krantermin vor. Das Kranen verläuft problemlos. Hier gibt es sogar einen Schnorchler, der sicherstellt, dass die Schlaufen des Krans reibungslos unter Saildrive, Ruder und Kiel schlüpfen bevor angehoben wird. Infinity bekommt einen schönen gepflasterten Platz und wir beginnen sofort mit den weiteren Arbeiten. Saildrive Service, Chlor gegen Schimmelbildung im Inneren, abmontieren der gebrochenen Saildrive Klammer und 50 weitere Punkte auf der Liste. Eine von vier Schrauben der Saildrive Klammer lässt sich nicht lösen. Weder WD40 noch ein elektrischer Schlagschrauber und auch kein manueller Schlagschrauber löst die Schraube. Hilfe kommt in Form der hier ansässigen Firma YSM. Mit einem verlängerten Hebel an meinem Inbusschlüssel lösen zwei winzige Asiaten im ebenso winzigen Motorraum die Inbus-Schraube. So einfach kann es sein. Damit kann die Klammer endlich zum Schweißen gebracht werden und kommt nächsten Tag perfekt in einem Teil zurück. Die beiden Öl-Ablassschrauben der Volvo Saildrives müssen ersetzt werden. Diese Schrauben sind sehr speziell mit einer Dichtung und einer Magnetspitze und es handelt sich um kritische Teile, denn sie können nur gewechselt werden, wenn das Schiff ausgekrant ist. Wenn sie undicht werden, gibt es ein Riesenproblem mit dem Getriebe. Nachmachen kommt nicht in Frage. Also Bestellnummer im Internet suchen, draufkommen, dass es in Langkawi keinen Volvo-Händler gibt, zehn Leute anschreiben, dreimal präzisieren, einmal bestellen. Paket verfolgen. Das Paket wird zu Martins Eltern nach Hause geliefert und fälschlicherweise beim Nachbarn versteckt abgestellt. Gottseidank findet es der Nachbar und bringt es. Danke! Jetzt noch sicherstellen, dass es die richtigen Schrauben sind. Nachfragen, warum in der Explosionszeichnung vom Volvo Saildrive eine andere Dichtung als die gelieferte ist. Verifizieren ob die Antwort stimmen kann, denn eine absolute Wahrheit gibt es bei Booten nie und Volvo lässt sich nicht direkt anschreiben. Zeitaufwand alles in allem für zwei Schrauben: circa 5 Stunden. Willkommen im Bootsleben. Das tolle ist, dass wir nachts die Klimaanlage laufen lassen können und am Abend nach getaner Arbeit im 30 Grad warmen Pool entspannen und in der anwesenden Selbsthilfegruppe für Segler die Geschehnisse des Tages verarbeiten können. Manchmal werden die gemeinsamen Sorgen mit und manchmal ohne Alkohol verarbeitet. Falls es wen interessiert: Es geht allen gleich. Es gibt kein perfektes Schiff und keine perfekte Prävention für sämtliche kaputtierbaren Sachen an Bord.
Nach einigen intensiven Tagen und einem Abschlussgetränk mit Robert, wird Infinity mit einem dichtmaschigen Netz umwickelt und damit vor Affen, Ungeziefer und Schmutz geschützt in Rebak allein dem Regenzeitschlaf überantwortet. „Schlaf gut“, denn bald geht es über den indischen Ozean.
















Jetzt begeben wir uns als Rucksacktouristen mit Handgepäck nach Nordthailand. Wir freuen uns, von der sengenden Hitze erst einmal wegzukommen. Von Langkawi fliegen wir nach Chiang Mai, der ehemaligen Hauptstadt des vergangenen Lanna Königreichs. Reste der Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert sind noch zu sehen. Den Tag lassen wir auf einem der größeren Food-Märkte in Phra Sing ausklingen, wo wir die hiesigen Köstlichkeiten der thailändischen Küche probieren. Da ist es wieder, das gute Essen. Da ein Spießchen und dort ein Sushi, ganz anders als in Malaysien. Entsprechend verklärt sich unser Gesichtsausdruck. Natürlich gibt es auch wieder Tempel zu bestaunen. Mit Tuktuk fahren wir anhand einer Karte mit Bildern die sehenswerten Orte in der Umgebung ab.
Der Fahrer bringt uns als erstes zum Doi (Berg) Suthep mit prächtigem Tempel, goldglitzernd und mit Aussicht auf die Stadt. Leider ist Chiang Mai großteils durch Smog spärlich sichtbar. Am Ende der Trockenzeit stauen sich die Rauchpartikel der Feuer der Landwirte, die durch Abbrennen der Felder die nächste Saat vorbereiten. Da fehlen wohl noch einige Regentage, bis der Himmel wieder klar ist. Der Weg zum Tempel hinauf ist eine unendlich lange Treppe mit Drachengeländer. Nach der langen Zeit auf dem Boot dürfen die Beine auch wieder mal arbeiten. Auf dem Weg zum nächsten Tempel machen wir einen Zwischenstopp … bei einem anderen Tempel. Der Wat (Tempel) Pha Lat ist das genaue Gegenteil vom Wat Suthep, mitten in der Natur mit Pilgerpfaden umgeben. Wat Doi Khum glänzt dagegen wieder in strahlendem Gold. Auf der Bergkuppe gebaut, bietet er einen Ausblick über Chiang Mai.



































Die restlichen Tempel befinden sich in der Stadt, sodass wir langsam zurück tuktukern. Wat Sowndock kann mit den anderen nicht ganz mithalten. Der Stopp taugt aber zum Füße vertreten. Wat Lok Molee ist in Teilen bis zu 2500 Jahre alt und dabei erstaunlich gut erhalten. Die anderen knapp 200 Tempel in Chiang Mai überlassen wir den Mönchen und Pilgern.
Am Night Bazar macht Kerstin leider einen Nahrungs-Fehlgriff mit anschließender Lebensmittelvergiftung und zugehöriger temporärer WC-Gebundenheit. Wie gut, dass wir bei der dreistündigen Busfahrt nach Chiang Rai ganz hinten beim WC sitzen. In der Pension organisiert die Hauswirtin für den nächsten Tag gleich eine Tour zu den Sehenswürdigkeiten des hiesigen Bezirks. Da es in Chiang Rai nicht so viele historische Sehenswürdigkeiten gibt, hat man sich entschlossen, neue zu schaffen. Der erste Tempel ist opulent weiß und gerade einmal 30 Jahre alt. Ein bekannter thailändischer Künstler hat sich dort verewigt. Der nächste Tempel in blau ist noch jünger. Das „schwarze Haus“ beherbergt ein Kunstmuseum.
Im Norden Thailands leben auch die sogenannten „Hilltribe“ Völker, die nicht in die Gesellschaft integriert sind und weder Schulbildung noch Sozialleistungen erhalten. In früheren Zeiten haben viele von ihnen von der Opiumproduktion gelebt, welches vor mehr als zweihundert Jahren als eines der ersten Schmerzmittel seinen Siegeszug begann. Um die verschiedenen Volksgruppen bequem besuchen zu können, hat man eine Art Dorf gebaut, wo man fünf verschiedene Stämme „kennenlernt“. Das heißt, man kann ein paar wenige Menschen in ihren verschiedenen Trachten sehen, die alle das Gleiche an die Touristen verkaufen möchten. Eine Hilltribe-Oma trennt sich widerwillig von ihrem Videotelefonat und sprüht bei ihrer Tanzvorführung verständlicherweise nicht vor Begeisterung. Bei den Völkern stechen die Long Neck Karen heraus, bei denen die Frauen Messing Halsbänder tragen, die immer weiter erhöht werden, um den Hals zu verlängern. Das ursprünglich aus Myanmar stammende Volk ist nach Nordthailand geflüchtet. Durch die Tourismuseinnahmen sind jetzt einige finanziell unabhängig. Wie die Tradition mit den Halsbändern entstanden ist, ist nicht klar. Attraktivitätssteigerung, gegen Sklaverei und Tigerbisse? Nichts davon ist belegt. Durch die gut zwei Kilo Gewicht des Messings werden Schlüsselbeine und Brust heruntergedrückt, womit die Brustwirbel nach oben verschoben werden. Die Tradition wird auch von den jungen Mädchen und Frauen unterstützt, möglicherweise auch aus Gründen der Chance auf höhere Tourismus-Einnahmen.
















































Nächster Halt: Teeplantage. Sie erinnert an weitläufige Weingüter mit professionellem Verkostungsrestaurant. Man nippt Tee in allen Variationen heiß und kalt und genießt die akkurat bepflanzte Herzeige-Hügellandschaft. Am nördlichsten Punkt Thailands schauen wir hinüber nach Myanmar und wünschen den Bewohnern ein baldiges Ende der dortigen Konfrontation. Auch hier gibt es wieder einen Tempel, diesmal in lila. Der lila drachenbestückte Eingang erinnert uns an eine Geisterbahn.
Im goldenen Dreieck wird die Geschichte des Opiums in Form des Opium-Museums lebendig. Es liegt im Drei-Länder-Eck Thailand-Myanmar-Laos. Die Fahrerin macht die Tour nicht zum ersten Mal und schwärmt vom klimatisierten Museum. Sie fährt am wild winkenden Sicherheitspersonal vorbei. Die Türen sind offen, an der Kasse sitzt niemand. Es ist verdächtig unbeleuchtet hier drin. Was soll’s, wenn wir falsch sind, wird uns das schon jemand sagen. Irgendwie spürt man nichts von einer Klimaanlage. Im zweiten Ausstellungsraum schwant uns allmählich, dass das Museum wohl geschlossen ist. So lange uns keiner rausschmeißt, schauen wir uns mit Handy-Taschenlampen die sehr interessante Ausstellung an. Von Produktion über Geschichte, Handel, Kriminalität, Rolle in der Medizin ist alles anschaulich abgedeckt. Interessanter Weise steht auf Opium-Handel in Thailand die Todesstrafe wohingegen Marihuana derzeit erlaubt ist. Beim Museumsausgang erfahren wir, dass die Klimaanlage defekt ist und erst repariert werden muss, bevor das Museum wieder öffnet. Glück gehabt. So ein dunkles Museum hat was. Jetzt geht es zum Dreiländerpunkt mitten in der Flussmündung des Ruak in den Mekong. An der Farbe des Wassers erkennt man leicht, wo sie aufeinandertreffen. Der Ruak ist schlammig und hellbraun, wohingegen der Mekong hier grün-gräuliches Wasser führt.
Zurück in Chiang Rai gibt es Bier und Tapas zum Moto-GP-Rennen im Fernseher. Ein heftiges Gewitter mit feuerwehrschlauchartigem Regen amüsiert die Eingeborenen. Also nehmen wir es auch gelassen und sitzen es aus. Die Regenzeit hat jetzt definitiv begonnen. Heute heißt es noch packen, denn morgen werden wir um fünf Uhr morgens abgeholt. Mit einem Kleinbus geht es zur laotischen Grenze und von dort weiter durch Laos per Boot zwei Tage flussabwärts am Mekong nach Luang Prabang.
