Laos

Heute fahren wir mit einem kleinen Bus zur Grenze nach Laos. Vertreter der Reiseveranstalter sind da und unterstützen uns beim Erhalt des Visa on Arrival. Am Schalter eins den Pass mit einem Passfoto abgeben und zwei Formulare für die Immigration ausfüllen. Am Schalter zwei werden die Pässe abgeholt. Die Visagebühr von 40 US-Dollar müssen bei der Reiseleitung beglichen werden. Wie gut, dass wir Dollar mitgenommen haben, denn bei Bezahlung in Baht wird es umgerechnet gleich um 11 Dollar teurer. Kerstins Dollarscheine werden abgelehnt. Der eine hat einen winzigen  Fleck und der andere einen Knick. Martin hat auch nicht mehr Glück. Es werden nur druckfrische Scheine angenommen. Die hat natürlich keiner dabei. Also zahlen die meisten den um ein Viertel teureren Betrag in Baht. Das ergibt für die Reiseveranstalter einen schönen Bonus. Den meisten fällt es nicht mal auf.

Dann werden wir zum Mekong-Boot gebracht. Das schaut nicht besonders toll aus. Es handelt sich um ein einfaches Verkehrsmittel für Einheimische und Touristen. Wir sind neben einer englischsprachigen Dame die Ältesten und heben den Schnitt der 50 jugendlichen Rucksacktouristen deutlich an. Dann gibt es noch die Einheimischen, die überwiegend hinter dem Motor auf dem Boden sitzen oder liegen. Die Sitze des Bootes sind gebrauchte, ziemlich durchgesessene Bussitze, die nicht richtig am Boden fixiert sind. Leider hat unser Kreuz nach wenigen Stunden andere Vorstellungen vom Reisen und fängt an zu protestieren. Nach sieben Stunden mit lautstark feiernden Jugendlichen kommen wir flussabwärts in Pakbeng an. Googlemaps bringt uns zu zu unserem reservierten Hostel, in dem die Besitzer uns kein Zimmer geben wollen. Englisch ist hier eine echte Fremdsprache, was die Verständigung etwas holprig macht. Die Gastwirtin erklärt, dass sie nicht weiß, wo unser Zimmer sein soll. Somit ruft Martin die Nummer des gebuchten Hotels an. Der Angerufene erklärt der Dame, wo wir hinmüssen. Einen Augenblick später stehen wir im gleichen Haus ein Stockwerk höher. Dort ist dann auch unser Zimmer. Interessant, dass die eigenen Mitarbeiter nicht wissen, dass im Haus Zweibettzimmer vermietet werden. Das Zimmer ist einfach aber sauber. Geckos im Zimmer kümmern sich effektiv um die allgegenwärtigen Insekten. 

Am Abend gehen wir in das Lokal mit den besten Bewertungen. Das Licht dort lockt sämtliche Insekten des Mekong an und wir müssen aufpassen, dass wir nicht versehentlich einige davon mitessen. Die Entscheidung für das Steak vom hier ansässigen „Buffalo“ war nicht die beste. Erst komplett roh und sowohl unzerschneid- als auch unzerbeißbar, dann komplett durch und ebenso. Kerstin mutmaßt, dass ein Hunde-Uropa namens „Buffalo“ für die Steaks herhalten musste. Die Reis- und Nudelgerichte wären wie überall hier sicher super gewesen. Den gebotenen Verdauungsschnaps nehmen wir woanders, laotischer Gebrannter in insektenfreier Umgebung. Am Morgen sind wir etwas angespannt wegen der bevorstehenden weiteren acht Stunden am Boot. Dieses Mal wissen wir schon, was auf uns zukommt. 

Der Mekong entspringt in China, weshalb die Chinesen versucht haben, ihn als Handelsweg zu nutzen. Leider ist er nicht durchgehend gut schiffbar. Zeitweise ist er extrem schmal, mit Stromschnellen durchsetzt, sodass der Kapitän ganz schön gegenlenken muss. Schwimmen möchte man nicht unbedingt in einem der schmutzigsten Flüsse der Welt, auch wenn das die Kinder am Ufer machen. Wäsche wird ebenfalls darin gewaschen und Bauarbeiter trotzen dem Fluss an den breiteren Stellen Platz ab, in dem sie dort Erde aufschütten. Die Chinesen schürfen hier Gold mit schwerem Gerät und zerstören dabei das bis jetzt naturbelassene Flussufer über große Strecken. Zufällig diskutiert man in der EU jetzt über die Renaturierung Europas Flüsse. Hier passiert gerade das Gegenteil. Die Flusslandschaft ist schön, überall gibt es meterhoch angeschwemmte Sandbänke, die mit großen Felsen durchsetzt sind. Meist sind steile bewachsene Hügel im Hintergrund. Büffel grasen und baden, Fischer hängen an Bambusstangen kleine Netze in den Fluss. Reich sind die Fischer nicht, wenn man das nach den Häusern am Ufer beurteilen kann. Angeblich werden ungefähr 25 % des weltweiten Süßwasserfischbedarfs aus dem Mekong gedeckt. Auf manchen Hügeln wird die Vegetation abgebrannt, um die äußerst steilen Flächen zu bepflanzen.

Endlich in Luang Prabang angekommen sind wir froh, dass wir gleich ein Tuktuk bekommen, das uns zum Hotel bringt. Leider stirbt zwischendurch der Motor ab, sodass wir umsteigen müssen. Der große Platz mit den Straßenküchen erinnert uns an das Essen in Thailand. Es gibt alles was das Herz begehrt. 

Bei Tageslicht erkennen wir, warum die Altstadt als UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde. Viele Häuser aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind gut erhalten und liebevoll restauriert. Hier merkt man den ehemaligen Einfluss der Franzosen. Wir staunen über die schönen klassischen Cafés und Restaurants und widmen uns einem tragischen Kapitel der laotischen Geschichte. Da Laos eine lange Grenze zu Vietnam mit Transportwegen hat, wollten die Amerikaner im Vietnamkrieg den Nachschub zu blockieren, in dem sie 200 Millionen Tonnen Bomben und Streubomben über Laos abgeworfen haben. Geleitet wurde die Operation vom CIA und war nicht durch den Senat in den USA abgesegnet. Damit ist Laos das pro Kopf gerechnet am meisten bombardierte Land der Welt. Nicht nur, dass das zu Kriegszeiten katastrophal war, auch jetzt noch leiden die Menschen unter den nicht explodierten Streubomben. 30 Prozent waren Blindgänger und liegen überall in der Erde. Daher kommt es immer wieder zu schlimmen Verletzungen. Die Entschärfung dauert lange und ist mühevoll. Obama war der erste amerikanische Präsident, der sich bei der laotischen Bevölkerung entschuldigt hat. 

Von einem Tuktuk lassen wir uns zu einem der wichtigsten Klöster aus dem 15. Jahrhundert bringen.  Den Hausberg Phu Si bezwingen wir in der Mittagshitze. Er bietet einen tollen Ausblick über Mekong, Umland und Stadt. Ein Völkerkunde-Museum steht ebenfalls auf dem Programm und nahe am Hitzeschlag suchen wir uns ein Café mit Klimaanlage. Dort verbringt neben uns ein orange gekleideter buddhistischer Mönch seine Zeit mit Laptop und Smartphone. Das Nationalmuseum im Königspalast will uns nicht. Weder Taschen noch Kleidung werden von der resoluten Eingangsdame akzeptiert. Beim Grüßen und Lächeln ist man übrigens anders als in anderen südostasiatischen Ländern in Laos nicht vorne dabei.

Nach unserer Erfahrung mit lokalen Verkehrsmitteln entscheiden wir uns, nach Pakse zu fliegen. Das liegt ganz im Süden von Laos. Geht schnell und ist nicht teuer. Vom Ankunftsflughafen nehmen wir gleich ein Taxi bis zu Vat Phou, einer Tempelanlage der Khmer. Erwähnt wurde sie bereits im 5. Jahrhundert, die Bauten stammen aus dem 12. Jahrhundert. Sie liegt auf einer Anhöhe mit schönem Blick auf das Flachland. 

Am nächsten Tag geht es gleich weiter nach Don Khone, einer der 4.000 Inseln im Mekong. Zunächst mit kleinem Auto zur Schiffsanlegestelle und von dort aus mit einem wackeligen kleinen Fischerboot stromaufwärts zur anderen Mekongseite. Nachdem wir in den Kleinbus umsteigen, fällt uns erst auf, wie bequem die Fahrt am Wasser ist. Die Straße ist so holprig und der Fahrer so ambitioniert, dass wir mangels Sicherheitsgurten unregelmäßig in den Schwebezustand versetzt werden. So freuen wir uns schon wieder auf die ruhige Überfahrt per Boot zur Insel. 

Don Khone ist eine kleine Insel mit einem Umfang von 13 Kilometern. Viele mieten hier ein Fahrrad. Kerstin plädiert für Moped, denn zu Mittag ist es glühend heiß. Zur Buchung der Busreise nach Siem Reap in Kambodscha bekommen wir mit etwas Verhandlungsgeschick als Dreingabe ein Moped für einige Stunden. Mit dem begeben wir uns zum tollen Mekong-Wasserfall Li Phi Somphamit. Hier wurde in den letzten Jahren viel modernisiert. Die Straßen sind neu, die Hotels restauriert und der Wasserfall mit neuen Hängebrücken zugänglich gemacht. Hinter dem abgetrennten Schwimmbereich schwimmen gleich die Büffel im kühlen Wasser. Über die alte französische Brücke drehen wir eine Runde über die Nachbarinsel Don Det. Zurück schaffen wir es gerade noch bevor das nachmittägliche Gewitter zuschlägt. Sehr malerisch, diese Mekong-Inseln.

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