Die Überfahrt nach Bali ist die erste Strecke unter Segel für unsere Gäste. An der Nordostseite in Ahmed gehen wir vor Anker. Während der Fahrt organisiert Martin einen Taxifahrer, der uns gleich bei unserer Ankunft bereitsteht. Wir starten gleich mit einer Besichtigungstour, die uns zunächst an der Küste entlang zu einem japanischen Schiffswrack führt. Dort kann man über groben Kies ins Meer gehen, wo man nur ein kurzes Stück schnorchelt um zu einem Schiffswrack zu gelangen, das nur wenige Meter unter Wasser liegt. Anna-Maria schnappt sich mittlerweile routiniert Maske und Flossen und stürzt sich in die Fluten. Meerestiere gefallen ihr sehr gut, nur Schlangen mag sie so gar nicht. Beim Verlassen des Wassers sehen Kerstin und sie auf zirka 50 cm Wassertiefe eine kleine gelb-schwarz gestreifte Wasserschlange, die sich unter einem Stein versteckt. Ein Baby der wohl giftigsten Seeschlangenart der Welt. Wie gut, dass Anna-Maria das erst nachher außerhalb des Wassers erfährt. Wie immer suchen Tiere keinen Streit und es ist ungefährlich mit ihnen im Wasser zu sein.
Bali ist im Gegensatz zu den meisten indonesischen Inseln nicht muslimisch, sondern hinduistisch geprägt. Vor gefühlt jedem Haus steht ein kleiner Familientempel. Die Atmosphäre ist anders als auf den anderen Inseln. So machen wir uns auf den Weg zum Tempel Penaratan Agung Lempyang, welcher unter anderem berühmt ist für sein „Himmelstor“ mit Blick auf den Dreitausendervulkan Agung. Es ist eines der meist fotografierten Objekte auf Bali. Demnach sind die Mitarbeiter der Tempelanlagen auf Handy-Fotos spezialisiert. Man kommt zum Eingang, erhält eine Nummer. Wenn diese aufgerufen wird, darf man sich exklusiv in das Himmelstor stellen und in verschiedenen Posen mit der eigenen Kamera fotografieren lassen. Jeweils vier Posen für die Aufnahmen. Wer keine Yogaposen kann, schaut sie sich schnell noch von den anderen Posern ab. Der Vulkan ist aufgrund des Nebels hier oben nicht zu sehen. Der ist angeblich nur morgens sichtbar. Es dämmert schon fast und wir sind die letzten, die noch fotografiert werden. Um einen Spiegel-Effekt auf dem Foto zu erhalten, wird ein Spiegel direkt unter die Kameralinse gehalten, womit die Fotos in horizontaler Achse gespiegelt werden. Sieht auch bei Nebel nett aus. Wir fragen einen Wächter, wie alt der Tempel sei. Die Antwort lautet 2.000. „Gewaltig“ denken wir uns, bis wir realisieren, dass er meinte, der Tempel wurde im Jahr 2000 gebaut. Naja, trotzdem schön hier. Im Dunkeln kommen wir zurück zum Ankerplatz, erfüllt mit neuen Eindrücken.
Tags darauf motoren wir im Windschatten des Nordens von Bali weiter nach Lovina, der Region im Nordwesten der Insel. Dort ist es ruhig, denn die Tourismushochburg ist der Süden. Bei der Ankunft überrascht uns lauter gebetartiger „Gesang“ aus Lautsprechern. Diesmal hinduistischen Ursprungs. Der Lärm geht bis in die Nacht hinein. Wir hatten uns eigentlich schon auf eine Pause von den Muezzins gefreut. Das nicht enden wollende Geschrei findet aber hier Gottseidank nur einmal im halben Jahr statt, da es sich zufällig an diesem Tag um den hiesigen Tempelfeiertag handelt. Der Zutritt für Touristen ist während der Zeremonie verboten. Nichtsdestotrotz versucht uns gefühlt jeder zweite, einen Sarong zum Verhüllen entblößter Körperteile zu verkaufen um vielleicht doch teilnehmen zu dürfen.
Wir machen eine Rundfahrt von Lovina ins Landesinnere mit einem Auto inklusive Fahrer. Die Fahrer kennen die Insel und wir haben keinen Stress mit dem Finden der richtigen Route. Unser Fahrer kann Englisch und erklärt uns noch dazu die Sehenswürdigkeiten. Heutzutage kann man natürlich auch alle Informationen im Internet finden und selber fahren, das macht aber nicht so viel Spaß. Wir geben die Destinationen vor und unser Fahrer fährt sie in der besten Reihenfolge ab. Zunächst bringt er uns zu einer Kaffeeplantage mit Luwak-Kaffee. Kaffee haben wir schon woanders gesehen, aber noch nie einen probiert, der vorher „durch die Katze“ gegangen ist. Luwak ist eine Schleichkatzenart, die die Kaffeebohnen mit der Schale fressen und dann wieder ausscheiden. Die so „veredelten“ Bohnen werden danach aufgesammelt, gewaschen, geschält und geröstet. Auf den Kaffeeplantagen waren die Luwak früher eine Plage, da ihr Lieblingsfutter aus reifen Kaffeekirschen besteht. Davon übriggeblieben sind „nur“ noch Häufchen mit den Kaffeebohnen drin. Ein findiger Bauer hatte eine Geschäftsidee. Er sammelte die Häufchen ein und verkaufte den darin enthaltenen Kaffee mit einem saftigen Aufpreis. Schließlich ist es ja auch mehr Arbeit. Anscheinend wird der Kaffee bei der Darmpassage fermentiert und wird damit milder im Geschmack. Mittlerweile werden die Luwak von den Plantagenbesitzern gehalten, um diesen Geschmack zu erzielen und den Ertrag zu steigern. Die von uns besuchte Plantage bietet eine informative Tour sowie eine Kaffee- und Teeverkostung. Im Anschluss dürfen wir all die Köstlichkeiten auch im superteuren zugehörigen Shop erwerben.






















Die nächste Station sind die Tegalalang Reisterrassen, welche UNESCO Weltkulturerbe sind. Die Terrassen und ihre Wassertempel werden durch ein komplexes Bewässerungssystem mit Kanälen und Wehren gespeist, die auf das 9. Jahrhundert zurückzuverfolgen sind. Der Ausblick ist unvergleichlich, ähnliche satte Hellgrüntöne sind in Europa nur im Frühling zu sehen.
In Goa Gajah, ebenfalls mit UNESCO Welterbestatus, sehen wir uns die historischen Tempelanlagen an, die im 9. Jahrhundert gebaut wurden. In einer zur Meditation gebauten Höhle findet man Nischen mit verschiedenen Statuen. Überall stehen kleine Schälchen mit Opfergaben, die aus kleinen Blumen, Zigaretten und Speisen bestehen. Der Guide erklärt uns, dass diese Opfergaben auch von anderen mitgenommen werden dürfen. Indonesiens Männerwelt besteht praktisch aus Kettenrauchern. Das Land mit den meisten Rauchern der Welt. Geraucht werden einheimische Marken, die mit Aromen versetzt sind. Wenn ein Mann nicht raucht, wird er ironischer Weise als „Ladyboy“ bezeichnet.
Das Städtchen Ubud ist unsere nächste Station. Die schmalen Straßen versinken im Verkehrsstau und sie besteht praktisch aus Restaurants und Cafes. Den hier liegenden Affenwald lassen wir wegen Platzregen sausen. Die Affen stehen nämlich auch nicht gerne im Regen und sind daher während Regens kaum anzutreffen.
Gestärkt mit einem wie immer in Indonesien geschmacklich vorzüglichem Mahl, geht es weiter zum Wassertempel am See „Pura Ulun Dani Bratan“. Trotz des Nebels ist der Blick auf die Gebäude und den See atemberaubend schön. Man spaziert durch eine toll gepflegte Parkanlage und bewundert die für unsere Augen fremdartigen spirituellen Gebäude. An unserem letzten Stopp, dem „Twin Lake View“, kommen wir beim letzten Sonnenstrahl an und erhaschen noch den tollen Ausblick auf die beiden Seen und die umliegenden hohen Berge vulkanischen Ursprungs. Sieht von der Weite ein wenig aus wie im Salzkammergut. Eine gelungene Tour neigt sich dem Ende zu und gleichzeitig auch unser Aufenthalt in Bali.
