Viva Las Vegas

Dass in Hollywood nicht alles ist wie es scheint, vergisst man sofort wenn man in Las Vegas ankommt. Hier ist alles wie es ist. Schrill, bunt, laut und aber auch gar nichts ist echt. Das erwartet man auch nicht. Da wir an einem Wochenende ankommen, ist entsprechend viel los und man kann sich vorstellen, dass die Macher vom Film Hangover nicht viel Fantasie benötigt haben, um das Drehbuch zu schreiben. Einen Tiger haben wir nicht gesehen aber sonst scheint hier alles möglich zu sein. Die Frauen, die für Fotos posieren, tragen Körperfarbe anstatt Stoff. Dazwischen stehen Prediger, die das Heil Gottes verkünden, wenn man sich denn von den Lastern befreit. Corona existiert hier übrigens nicht.

Als Erstes erkunden wir den Las Vegas Strip mit all seinen Kasinos. Es ist schier unglaublich was es dort alles zu sehen gibt. Das Venitian ist aus unserer Sicht das am aufwendigsten gemachte Hotel-Kasino. Innen gibt es wie überall eine Shopping Mall, aber mit Canale Grande in der Mitte und blauem Wolkenhimmel, natürlich klimatisiert. Dort kann man ganz stilecht mit einer Gondel fahren. Vor dem Hotel gibt es einen weiteren Canale Grande zum Gondelfahren, dazu den Markusplatz, die Seufzerbrücke und den Glockenturm des Markusdoms. Über die Rialto-Brücke geht es mit Rolltreppe rauf und auch wieder mit Rolltreppe runter. Das Bellagio sticht durch seine Wasserspiele vor dem Hotel, das Mirage mit dem täglichen Vulkanausbruch und das Paris mit dem 164 m hohen Eiffelturm. Interessant ist auch das New York, New York mit seinen Hochhäusern, einer 50 m hohen Freiheitsstatue und einer Achterbahn, die durch den ganzen Hotelkomplex geht. Das pyramidenförmige Luxor mit Sphinx und Pyramide müssen wir natürlich auch anschauen. Am ersten Tag schaffen wir 18 Kilometer zu Fuß. Da am Wochenende die Preise entsprechend hoch sind, quartieren wir uns erst mal über AirBnB ein. Dort steht, 4/20 sei kein Problem. Das ist in den USA der Code für regelmäßiges Cannabisrauchen. Hier kriegt man das Zeug legal in allen Variationen angeboten. Fertig gerollte Zigaretten, Dampf für E-Zigaretten und auch Gummibärchen. Wir lassen trotzdem die Finger davon und haben auch so unseren Spaß. Während der Woche sind dann auch die Hotels am Strip leistbar, sodass wir ins STRAT übersiedeln. Ist zwar nicht das erste Hotel am Platz aber es gibt den großen Aussichtsturm mit 350 Metern Höhe. Und da in den USA alles in Superlativen beschrieben wird, ist der Turm natürlich der höchste freistehende Turm (in den USA westlich des Mississippi). Auf der obersten Plattform gibt es einige Fahrgeschäfte.

Hier mitten in der Wüste steht eine der größten Geldmaschinen, die wir bisher gesehen haben. Nicht umsonst die Stadt der Sünde genannt. Die Sünden wurden hier durch das organisierte Verbrechen im letzten Jahrhundert gepflanzt und sie gedeihen prächtig. Alles wird bar bezahlt am Automaten, Roulette- oder Blackjack-Tisch und verschwindet im Nu. Interessanterweise darf zwar jeder mit Cash spielen und Geldausgeben, aber um einen Gewinn auszahlen zu lassen, braucht man neben Kreditkarte auch noch den Reisepass. Die Automaten sind für die Außenstehenden eine Black-Box. Hier kann das Kasino am besten zu seinen Gunsten manipulieren. Aus einem Gespräch mit einem Servicemitarbeiter erfahren wir, dass die Automaten angeblich ungefähr 3 Prozent der Einnahmen als Gewinn ausschütten. Damit gehen 97 Prozent ans Kasino und die Leute schmeißen ihr Geld in rauen Mengen dort hinein. Wechselt ein Spieler am Black-Jack oder Roulette-Tisch einen höheren Geldbetrag in Jetons, wird sofort der Mindesteinsatz am gleichen Tisch erhöht. Auch wenn das alles ein Riesen-Nepp ist: Wir spielen generell nicht aber einmal muss man trotzdem gespielt haben, wenn man in Las Vegas ist. Martin setzt 10 Dollar beim Roulette und gewinnt das zweifache des Einsatzes, bekommt aber nur das einfache ausgezahlt. Er macht die Croupier-Dame darauf aufmerksam. Sie quittiert mit einem „oh, sorry, you are right“ und rückt den Rest herüber. Man will gar nicht wissen, wie häufig keiner seinen Gewinn einfordert. Die Regeln werden hier ganz offensichtlich zugunsten der Casinos gebogen. Die Auszahlungsquoten sind niedriger als woanders und es gibt zum Beispiel beim Roulette drei verschiedene Nullen anstatt einer. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Zahl gewinnt, liegt also bei 1/39 statt bei 1/37. Ein großer Vorteil für das Kasino.

Wir beobachten fassungslos wie die oft angetrunkenen jungen Männer in wenigen Minuten hunderte und tausende Dollar verspielen. Die können oft nicht einmal richtig bis 21 rechnen und liefern sich bei Black Jack den Croupiers aus. Ein trauriger Anblick. Als Croupiers werden hier oft junge Damen mit wenig Kleidung eingesetzt, die in ihren Spielpausen nebenbei auch noch Table Dance veranstalten. Elegante Spieler wie in den Filmen sieht man hier nicht. Die „Spielhöllen“ der Kasinos sind überall gleich. Man versucht, die Tische durch Automaten zu ersetzen um den Kasino-Gewinn zu maximieren. Allen gemeinsam ist auch, dass man im Kasino rauchen darf.

Geld kann man aber auch anderweitig loswerden mit Hubschrauberrundflügen, Stretchlimousinen und Sportwagen fahren. So gibt es auch in praktisch jedem Kasino Tätowierer, die rund um die Uhr Tattoos stechen. Die Leute stehen Schlange davor. Etwas ausgefallener ist der Pool Crash, wo man von einer Pool-Party zur nächsten gefahren wird. Beliebt bei Junggesellinnenbschieden und Geburtstagsgruppen. Die nächste Stufe ist dann bei 40 Grad Außentemperatur die Minus-fünf-Grad Bar im Planet Hollywood zu besuchen. Diese ist komplett aus Eis gebaut –  man darf sich gegen eine saftige Gebühr einen Pelzmantel ausborgen. Das Ausgefallenste ist allerdings: man kann hier eine UFO-Sichtung buchen! Wir probieren nichts von alledem aus – uns genügt der Trubel auch so schon. 

Bekannt ist Las Vegas auch wegen seiner Shows. Führende Künstler treten hier laufend auf. Die berühmten Shows kommen wegen Corona erst im Spätsommer zurück. Es gibt aber derzeit trotzdem eine Auswahl von Varieté, Illusionisten, Musikern die sich sehen lassen kann. 

Neben dem Las Vegas Strip gibt es noch Downtown, wo man die alten Kasinos findet. Dort gibt es auch die meisten Elvis-Kapellen in denen man mal eben von einem als Elvis verkleideten Friedensrichter getraut werden kann. Die Freemontstreet, die früher das Zentrum war, ist heute wiederbelebt. Es gibt fast jeden Abend Livemusik und das auf 4 Bühnen gleichzeitig und in hervorragender Qualität. Manche Stellen sind für Künstler oder Bettler reserviert. Dort kann man seine Kunststücke aufführen oder auch Geld einsammeln, damit die Enkelin aufs College gehen kann. Die gesamte Straße ist mit einer riesigen LED-Leinwand überdacht, beschallt und klimatisiert. Über das LED-Dach laufen 24 Stunden täglich Musikvideos und Kunstprojektionen. Über die ganze Straße kann man sich unter dem LED-Dach an einem Seil hinweg „schießen“ lassen.

Das Spazieren in der Stadt hat etwas von Saunagängen. Man geht die Straße lang bis man durch die 40 Grad Außentemperatur aufgeheizt ist, dann geht man durch ein Kasino oder durch eine Mall bis man friert. Herinnen gibt es auch Sauerstoff-Bars. Dort kann man hochprozentigen Sauerstoff über eine Nasenbrille zu sich nehmen. Daneben gibt es noch Kabinen, in denen man mit Wasserstrahlen durch eine Art Plastiksack massiert wird. Las Vegas, wir freuen uns, dich kennengelernt zu haben, und wir sind genau so froh, dass wir dich wieder verlassen dürfen. 

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