Guadeloupe – Frankreich, die zweite

Die Überfahrt von Martinique auf die zu Guadeloupe gehörenden Îlets des Saintes verläuft super. Zwischendurch haben wir einen kleinen Squall, der spontanes Reffen erfordert und zwischen den Inseln gibt es häufig starke Düseneffekte aber das gehört auf den Antillen zum täglichen Segelbrot. Das Bojenfeld auf den kleinen Inseln vor Le Bourg, ist gut gefüllt, aber es gibt noch genügend freie Plätze. Der erste Eindruck beim Landgang ist oft der Schwimmsteg für die Beiboote. Hier ein Traum, wenn wir da an das Anlanden und Kentern auf den anderen Inseln denken. Wir werden in das lebendige Städtchen gespült. In der kurzen Fußgängerzone herrscht Maskenpflicht auch im Freien, ansonsten nur in geschlossenen Räumen. Einklarieren geht wieder problemlos zum Selbermachen am PC. Ein Erkunden der Insel mit dem Auto scheitert daran, dass es kaum geeignete Straßen gibt. Wir nehmen uns ein Moped für einen Tag, stellen aber fest, dass wir nach 2 Stunden die ganze Insel gesehen haben. Die Buchten laden zum Baden ein, nur wir schwimmen lieber sandlos vom Boot aus. Täglich kommen gefühlte 30 kleine Fähren an, die die Gäste von der Hauptinsel Guadeloupe bringen. Alle wollen das wunderschöne Ambiente hier genießen.

Wir beschäftigen uns in letzter Zeit permanent mit der Frage, wo wir wann hinreisen dürfen. Nachdem derzeit keine Interviews für ein US-Visum durchgeführt werden, ist geplant, dass wir mit dem Flieger in die USA und retour fliegen. Wenn einmal ein US-Stempel im Pass ist, darf man auch auf dem Seeweg mit dem eigenen Boot einreisen. Wir fragen nicht mehr nach dem Warum bei derartigen Vorschriften. Das Gleiche gilt für Guadeloupe. Die Einreise wird von heute auf morgen auf dringende Angelegenheiten beschränkt. Von hier in die USA zu fliegen ist angeblich kein Problem, allerdings dürften wir dann nicht mehr zurück nach Guadeloupe. Freundliche Fluganbieter haben uns dennoch einen Flug verkaufen wollen. Kurz überlegen wir, doch durch den Panamakanal zu fahren, da auch eine große Fahrtensegler-Rallye gerade in diese Richtung unterwegs ist. Von anderen Seglern hören und lesen wir, dass sie keinen geschützten Platz für die Zyklonsaison finden, da Neuseeland und Australien wegen Corona dicht sind. Auf mehrere Nachfragen an den Rallye-Betreiber schickt man uns die Info, dass die „tolle“ Reiseroute in Fidschi endet – also im Zyklongebiet. Daher ist die Südsee für heuer für uns gestorben. Neben den USA bleibt für uns dann noch Grenada. Dort kann man die Hurrikan-Saison halbwegs sicher überbrücken. Allerdings ist dann dort Sommer, wo das Wasser mehr als 30 Grad Celsius hat und die Luft an die 40. Aber es gibt wahrlich Schlimmeres. Mit unseren Segelfreunden Peter und Isabel aus Bayern bzw. Spanien sind wir in regem Austausch. Jeder zapft verfügbare Informationsquellen bezüglich Weiterreise an und teilt sie.

Wir segeln Richtung Hauptinsel Guadeloupe und ankern vor der Ile de Gosier. Das ist ein winziges Eiland mit schönem Strand und Leuchtturm, das zwar keinen Windschutz bietet, allerdings mit seinem Riff den gröbsten Schwell abhält. Hier gibt es keine Bojen, womit wir wieder mal unser Ankergeschirr auspacken. Die besten Ankerplätze sind von Dauerliegern belegt, wobei die Schiffe teilweise so ausschauen als würden sie bald als Schiffswracks in den Seekarten zu verzeichnen sein. Wir finden einen nicht ganz geschützten Platz wo unser Anker aber bombenfest hält.

Während des Segelns nach Iles des Saintes wurde versehentlich ein Bild per WhatsApp im Netz von Dominica versendet. Kostenpunkt: 60 Euro Roaminggebühr. Die Kosten für Internet und Telefon sind mit dem österreichischen Anbieter utopisch. So müssen auf jeder Insel funktionierende Simkarten gekauft werden, denn ohne Internet macht man viele leere Kilometer. Die Google-Umkreissuche für Wäscherei, günstige Lebensmittel, Friseur etc. und natürlich der Kontakt mit Freunden und Familie sind unbezahlbar. Auch die Wetterdaten kommen in Landnähe über Internet wie so viele Informationen, die das Reisen erleichtern. Die Mobilfunk-Shops zu finden und dann die Simkarten auszuwählen und freigeschaltet zu bekommen ist jedes mal ein Hürdenlauf. Man sollte glauben, dass in einem größeren Urlaubsort eine Simkarte käuflich ist, das ist aber nicht so. Jede der fünf nach dem Weg befragten Anwohnerinnen antwortet hier freundlich und weist den Weg. In Wahrheit scheint aber der Satz „ich weiß es nicht“ nicht zu existieren, sondern man sagt einfach irgend etwas. Alle fünf Tipps gehen ins Leere und wir steigen entnervt bei beginnendem Wolkenbruch in ein Taxi, das uns zum richtigen Shop bringt, wo wir auch kurz vor Ladenschluss ankommen. Der Shop hat allerdings heute keine Simkarten mehr. Ohne Erfolg machen wir uns auf den Heimweg und mieten ein Auto, welches pro Tag nicht mehr kostet, als die Taxifahrten für 4 Kilometer. In der Hauptstadt werden wir auch gleich fündig und kaufen eine Simkarte, die hoffentlich auf den meisten anderen Karibik-Inseln funktioniert. Die Hauptstadt Pointe a Pitre ist nicht besonders charmant und so machen wir uns an das Entdecken der Insel.

Guadeloupe besteht aus zwei Hälften und sieht einem Schmetterling ähnlich. Die beiden Hälften werden von einem Fluss getrennt, der von Mangroven gesäumt ist. Der östliche Teil bietet von der Natur her nicht viel Besonderes. Es ist flach hier und es gibt Wiesen mit grasendem Vieh. Das sieht ein bisschen aus wie Niederösterreich mit Palmen. Strandurlauber werden sich hier wohlfühlen. Die Westseite bietet dafür wieder alles, was wir von den übrigen Inseln kennen. Üppige Natur, Grün soweit das Auge reicht, einen Vulkan, der immer in den Wolken verborgen bleibt und viele Wanderwege. Ein Zoo mit botanischem Garten und Hängebrücken durch die Baumwipfel verzaubert uns. Das Kaffeemuseum ist interessant und geschickter Weise mit einem Schokoladenmuseum verknüpft. Weiters sehen wir uns die westlichen Küstenorte an, die als Ankerplatz in Frage kommen. Dort sind auch die Pigeon Islands, die schon Tauchikone Cousteau begeistert haben. Ein Museum mit Informationen über Kreolen, Insel-Flora und Piratenausstellung sind abwechslungsreich und helfen uns, Französisch zu üben, da die in mehreren Sprachen verfügbaren Audioguides wegen Corona nicht ausgegeben werden. Jetzt haben wir genug von der Landseite gesehen und segeln weiter an die Westküste von Guadeloupe.

Im folgenden Video erlebt ihr die Schönheit des Cousteau-Tauchreservats Pigeon Islands mit Schildkröten und vielen Riff-Fischen:


Kurzvideo Tauchen in Guadeloupe

Ein Kommentar

  1. Lieben Dank😍für die interessante Nachricht und die wunderbaren Bilder mit Video und fürs dabei sein dürfen🙏 Herzliche Grüße von daheim! Mama und Papa

    Von meinem iPad gesendet

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