Im Richards Bay Yachtclub stehen alle Schiffe in den Startlöchern. Verproviantiert, Wäsche gewaschen und vorgekocht. Fleißig werden Meinungen und Wetterdaten ausgetauscht, bis der erste sagt: „Wir segeln los.“ Dann kommt Bewegung in die Flotte. In Richards Bay muss man ausklarieren obwohl man das Land nicht verlässt. Und man muss einen „Flightplan“ ausfüllen. Falls man nicht zur angegebenen Zeit im angegebenen Hafen ankommt, wird ein Rettungstrupp losgeschickt. Das ist in Südafrika gängige Praxis, da die „Wild Coast“ wegen starker Strömung und wechselnden Winden eines der gefährlichsten Seegebiete der Welt ist.
Das Wetterfenster ist kurz aber Durban ist nicht weit. Mit der Strömung und dem Gennaker geht es vor dem Wind flott voran. Auf Vince’s Smartphone in Durban geht ein Alarm los, wenn eines seiner Schäfchen ankommt. Er fängt das AIS Signal der ankommenden Boote auf und ist der gute Engel der Organisation OSASA in Durban. Da unser Großsegel in Durban als Muster für ein neues dient, segeln wir mit dem großen Gennaker, was uns Platz eins in der ankommenden Segler-Meute beschert. Wir kommen noch im Dunkeln im riesigen Hafen von Durban an. Die Einfahrt ist gut betonnt, die Lichter funktionieren und die Seekarten stimmen. In der Morgendämmerung zwängen wir uns in den nicht gerade üppig bemessenen Liegeplatz. Während die anderen eintrudeln, schlummern wir nach unserem Anlegerbier bereits selig. Internationale Gäste werden herzlich im Royal Natal Yachtclub von Durban aufgenommen, samt Mitgliedern vorbehaltenen Rabattaktionen im zugehörigen Restaurant.
























Trotz Wollsocken und dicken Decken wird es nachts richtig frisch. Bei 12 Grad macht das Aufstehen morgens gleich weniger Spaß. Daran müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Auch gewöhnungsbedürftig ist die Sicherheitslage. Die Innenstadt von Durban hat sich wie auch andere Plätze in Südafrika in den letzten Jahren durch Misswirtschaft und Korruption zu einem heißen Pflaster entwickelt. Die Straßen sind kaputt, Müll liegt herum. 50 Prozent Arbeitslosigkeit ohne entsprechende Versorgung hinterlässt Spuren in der Gesellschaft. Es wird stark davon abgeraten, sich zu Fuß außerhalb des gesicherten Marinageländes zu bewegen. Jedes auch noch so kleine Stück außerhalb wird mit dem Auto zurückgelegt. Die Supermärkte liefern bis in die Marina.
Mit dem Mietauto machen wir uns auf in die naheliegenden Drakensberge. Bester Ausgangspunkt ist Underberg in 1.600 Metern Seehöhe. Unser kleines Cottage zum Übernachten ist liebevoll gestaltet, die Wände und Fenster sind aber dünn und die Heizung besteht aus einem altersschwachen Kamin. Die UNESCO-geschützten Drakensberge sind ideal für Wanderungen, die Landschaft ist einzigartig. Obendrein gibt es hier auch noch Höhlen, die 10.000 Jahre alte Zeichnungen der Ureinwohner beheimaten. Mit Verena und Tim von der Moana machen wir eine Wanderung zur Bathplug-Höhle im Cobham Nationalpark. Die Höhle bot auch in der Steinzeit bereits ein gewisses Maß an Luxus, Schutz vor Wind, Wetter und Feinden. Ein kleiner Wasserfall beschert fließendes Frischwasser in der Höhle. Wir suchen die Wände nach den alten Höhlenmalereien ab und werden schließlich in Augenhöhe fündig. Mit roter Farbe gemalte Menschen und Tiere sind gut erkennbar, wenn man genau hinsieht. Unglaublich, dass die Farbe tausende Jahre überdauert hat.
Unsere Allrad-Safari über den Sani Pass nach Lesotho beginnt damit, dass wir ein Schweizer Pärchen mitnehmen, die das falsche Auto ausgeliehen hatten. Die unbefestigte Straße durch das Niemandsland den steilen Pass empor verlangt einem Fahrzeug einiges ab. Die Kupplung des Motorrades eines deutschen Paares streikt. Die Beifahrerin muss zu Fuß weitergehen. Wir sammeln sie ein und kommen schließlich zu sechst an der Grenze zu Lesotho auf 2.867 Höhenmeter an. Jetzt sind wir wirklich in Afrika. Die Menschen sind arm. Viele sind zu Fuß mit Packeseln unterwegs. Feuerholz muss von weit hergebracht werden. Am Wegesrand treffen wir immer wieder Schafherden und ihre Hirten. Unser erster Stopp ist ein typisches Rundhaus, wo die Lebensweise der Basotho erklärt wird. Sie kleiden sich in Decken, die aus Schurwolle gemacht und bei jedem Wetter getragen werden. Mit Wollmützen vermummen sie ihr Gesicht. Die Hütten sind am Boden mit Steinen ausgelegt und mit Lehm bedeckt. In der Mitte der runden Hütte wird auf einem großen Stein offenes Feuer gemacht und damit gekocht und gebacken. Dabei erhitzen sich die umliegenden Steine des Fußbodens, die die Wärme für die Nacht speichern. Das Dach ist mit Gras gedeckt, das zwar den Rauch raus-, aber den Regen nicht reinlässt. Das noch heiße Brot aus dem Topf der Feuerstelle schmeckt hervorragend. Die Körner für das Mehl werden wie vor tausenden von Jahren auf Steinen zu Mehl zerrieben.
Durch die imposante Landschaft fahren wir auf einer neuen ashpaltierten Straße zu einer Heilerin. Traditionelle Tänze und Gesänge begleiten uns in ihre Hütte. Die Heilerin genießt ihren Auftritt in rotem Gewand mit einem Hut aus Schakalpelz. Überall in der Hütte sind Abbildungen von Löwen angebracht. Gegenüber hängt das Programm des Senders „Radio Maria“. Die Heilerin heißt Maria und fühlt sich als Löwin. Heilerin wird man mit besonderen Eingebungen. Danach geht man zu einer Mentorin, die einem die nötigen Fähigkeiten beibringt. Das nächste Krankenhaus ist weit weg. Deshalb übernimmt sie die meisten Behandlungen mit selbst gemachten Medikamenten, auch das Richten von Knochenbrüchen. Die Heilmethoden werden dramatisch dargeboten. Es wird getanzt und mit aus Kronenkorken aneinandergebunden Schellen gerasselt. Die 77-jährige Heilerin scheint sie selber dabei fit zu halten.














































































Ein Besuch der nächsten größeren Stadt Mokhotlong begeistert uns nicht. Letzte Station an der Grenze zu Südafrika ist das höchste Pub Afrikas in 2.874 Metern Seehöhe. Skier an der Wand zeugen von liftlosen Wintersportaktivitäten.
Ein mehrtägiges Wetterfenster tut sich auf. Als wir bekanntgeben, dass wir fahren, schließen sich spontan vier Boote am gleichen Tag an. Wir möchten die unspektakulären und zum Teil schmutzigen Schutzhäfen East London und Port Elizabeth auslassen und visieren direkt Knysna an der Gardenroute an. Die Einfahrt in die Knysna Heads ist wegen ihrer gefährlichen brechenden Wellen berüchtigt. Wir hoffen, dass uns Neptun wohlgesonnen ist und die Wellen im Zaum hält, sobald wir ankommen.
