In der Moramba Bay an der Westseite Madagaskars genießen wir den geschützten Ankerplatz und die tollen einsamen Strände mit den eindrucksvollen Affenbrotbäumen bevor sich das erhoffte Wetterfenster für die erste Teilstrecke nach Richards Bay in Südafrika ankündigt. Diese ist ungefähr 400 Seemeilen lang und führt erst einmal quer über den Kanal von Mosambik auf Höhe von Cape St. Andre Richtung Ilha do Fogo. Nördlich von hier ist Mosambik für uns wegen Islamisten und Kriminalität tabu. Der Kanal von Mosambik ist aufgrund seiner Strömung und den starken Südwinden berüchtigt. Durch die laufend heranrollenden Tiefs aus Süden und die dadurch entstehenden gefährlichen Bedingungen ist es wichtig, den Zeitplan bei der Überfahrt um jeden Preis umzusetzen. Deshalb ist auch der Einsatz der Motoren gefordert, sobald der Wind nicht den gewünschten Vortrieb leistet. Wir verlassen die seichte Baly Bay in stockfinsterer Nacht mit allem was die Navigationstechnik von Radar über Seekarte bis Satellitenbild hergibt und gleiten praktisch ohne Welle mit der Strömung wie auf Schienen Richtung afrikanischen Kontinent. Die knapp dreitägige Überfahrt ist skurriler Weise bisher eine der ruhigsten, die wir im gesamten Indischen Ozean erlebt haben. So weit so gut.













Wir klarieren in Mosambik erst einmal nicht ein, da angeblich Korruption und Willkür an der Tagesordnung stehen. Außerdem wollen wir uns hier nur so lange aufhalten, bis der Wind uns wieder Richtung Süden weiter lässt. Das Inselchen Fogo mit seinem Riff bietet nicht so viel Schutz, als das Gemütlichkeit am Ankerplatz aufkommt, aber wir liegen einigermaßen sicher und niemand behelligt uns. Auf der Insel befindet sich ein stillgelegtes Resort mit drei Wächtern. Die Landessprache ist Portugiesisch. Dieser sind wir leider nicht mächtig. Einer der Wächter kommt mit einem Plastikkanu zu uns hergepaddelt. Mit freiem Auge lässt sich leicht erkennen, dass eine neue Hose dringend erforderlich ist, die sogleich gespendet wird. Wir dürfen die Insel betreten. So machen wir Mitzi startklar und fahren zum Strand. Bei drei Meter Tidenhub ist das Ankern mit größerem Schwell schon eine kleine Rechenaufgabe, das Raufziehen von Mitzi auf den Strand dafür aber eher ein Kraftakt. Was wir nicht bedenken, ist der glühend heiße Sand. So hüpfen wir mangels mitgebrachter Schuhe wie Rumpelstilzchen schleunigst in den Schatten. Schön blöd, wir hätten wissen können, dass Ilha do Fogo „Feuerinsel“ heißt. Die drei Wächter müssen sich das Lachen verkneifen.
Die Insel ist paradiesisch schön, ruhig, mit weißem Sand und Korallen. Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Für die drei Wächter sieht das realistischer Weise folgendermaßen aus: Zwar gibt es Hütten, Wege mit Beleuchtung, Wasserleitungen, Watermaker, Tauchkompressor, Auto, Bagger, Traktoren, einen kleinen Airstrip, riesige neuwertige Generatoren und ein Feld mit Solarpaneelen. Leider leiden die Solarpaneele unter Kurzschluss und die Dieseltanks der Generatoren unter Leere. Damit ist die Insel strom- und wasserlos – kurz gesagt eine Wüste. Der Chef des Resorts hat sich für November angekündigt. Da wartet wohl eine Mammutaufgabe auf ihn. Sämtliche Geräte sind seit vielen Monaten nicht mehr gelaufen und gefallen sich mittlerweile in ihrem Dasein als rostiger Schrotthaufen.
Das Inselchen dient Infinity und uns hauptsächlich als Sandbett für unseren Anker. Wir warten wieder einmal auf ein Wetterfenster. Mit drei Tagen ohne Südwind wären wir schon zufrieden. Damit könnten wir den nächsten Trittstein Richtung Süden in Mosambik erreichen. Nur bleibt uns das leider seit elf Tagen nicht vergönnt. Mit entsprechendem Südwind und der gegenläufigen Strömung sind hier zehn Meter hohe Wellen und mehr gemessen worden. Da warten wir lieber noch ein wenig. Wir geben die Hoffnung auf, keinen Zwischenstopp in Bazaruto einlegen zu müssen. Dort ist man anscheinend besonders kreativ im Abkassieren ohne Belege samt dazugehörigen Drohungen. Auch unser Wetter-Router aus Südafrika tut sich naturgemäß schwer und er empfiehlt uns ein zu kurzes Wetterfenster – die perfekte Anleitung für ein Desaster. Wir lassen uns aber nicht darauf ein und kurz danach widerruft auch er seine vorherige Empfehlung.
















Wir ankern auf die Westseite der Insel um, da starker Ostwind auf uns zukommt. Jetzt folgen zwei Tage Schaukelei und schließlich verlegen wir uns wieder retour auf den alten Ankerplatz als der verlässliche Südwind wieder einsetzt. Nachdem wir genug Proviant, Strom und Wasser haben, ist das Warten ein geringes Übel für uns. Es kommt sogar hie und da ein Kreuzworträtselheft und eine unserer alten DVDs zum Einsatz. Wer einen Lese- oder Hörtipp sucht: Schon lange nicht mehr so gelacht wie bei den vier Känguru-Hörbüchern von Marc-Uwe Kling.
Das nächste Wetterfenster kommt vielleicht in vier Tagen, vielleicht aber auch erst in zehn oder noch später. Geduld und Sicherheit sind Trumpf. Wenigstens ist das Ausgeben von Geld hier unmöglich.
