Patagonien – von Argentinien nach Chile

Von El Chalten geht es mit den wirklich bequemen aber leider kaum geheizten Reisebussen über El Calafate nach Puerto Natales. Der Grenzübertritt von Argentinien nach Chile auf dem Landweg ist einfach. Mit uns ist lediglich eine französische Reisegruppe unterwegs, die für einen kleinen Stau an der Passkontrolle sorgt. Diese Region ist bekannt für den Nationalpark Torres del Paine, zu deutsch „blaue Türme“. 

Wie auch schon zuvor haben wir riesiges Wetterglück und der patagonische Herbst schillert in den schönsten Farben. Die Sonne geht erst um neun Uhr auf, so erleben wir die Morgendämmerung mit schönen Aussichten und Begegnungen vom Leihauto aus. Neben der Straße wird eine Herde Schafe von Hütehunden und zwei Gauchos patagónicos zu Pferd getrieben. Da die Straßen fast leer sind, begleiten wir die Gruppe eine zeitlang in Schrittgeschwindigkeit und werden freundlich gegrüßt. 

Das Gebirge Torres del Paine dominiert die Umgebung und ist bereits von weitem zu bewundern. Es begegnen uns große Lama-Herden, die sich von vorbeifahrenden Autos nicht stören lassen. Pferde, Kühe und Laufvögel namens Darwin-Nandus bevölkern die gelblich schimmernden Weiden in den Tälern. Schwarzhalsschwäne und Anden-Flamingos findet man an den unzähligen Seen der Umgebung. Einige Wanderwege sind bereits schneebedeckt und man benötigt Steigeisen für die längeren 20 Kilometer Wanderwege. Wir begnügen uns mit den kürzeren ohne Schnee und Eis.

Am Salto Grande, einem schönen Wasserfall mit Regenbogen wandern wir vorbei zu einem Aussichtspunkt auf die Cuernos del Diablo – die Teufelshörner. Am Ende der Runde beginnt bereits wieder die Dämmerung. Die neun Stunden Tageslicht nutzen wir aber voll aus und machen noch eine kleinere Wanderung zur Aussicht auf den Grey-Gletscher. Auf dem Heimweg spiegeln sich die Berge in den Seen und vor uns geht der Vollmond auf. Ein unvergesslicher Tag. Der nächste Tag glänzt ebenso im Sonnenlicht mit strahlend blauem Himmel. Heute drehen wir die Runde durch den Nationalpark in entgegengesetzter Richtung. Die Wanderung auf den Aussichtspunkt Cóndor steht auf dem Programm. Knappe vier Kilometer mit 250 Höhenmetern fordern uns. Der Wind weht zeitweise kräftig, aber die 360-Grad-Aussicht entschädigt uns. Damit sind unsere Wanderambitionen erschöpft und wir treten den Heimweg an. Zum Abendessen wird heute das typisch patagonische Gericht Cordero al Palo serviert, ein im Ganzen gegrilltes Lamm. 

Wie auch in El Chaltén haben wir für Puerto Natales zusätzliche Tage für Schlechtwetter eingeplant, die wir mit unserem Wetterglück wieder nicht benötigen. Es ist zwar von sieben Tagen nur zwei Tage schönes Wetter, aber die reichen uns für die Nationalparks. Puerto Natales liegt am Meer, was man zwischen all den Seen nicht so richtig realisiert. Segelboote zählt man zu dieser Jahreszeit an einer Hand ab. Der Fjord trägt den Namen Última Esperanza, Bucht der letzten Hoffnung, da früher die Seeleute gehofft haben, hier einen Durchgang zur Magellanstraße zu finden. Mit dem Linienbus wollen wir weiter nach Punta Arenas, direkt an die Magellanstraße und von dort mit der Fähre durch den Beagle Kanal ans Ende der Welt – Puerto Williams nahe am Kap Hoorn.  

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