Mendoza und Salta

Die Busfahrt haben wir nur zum Teil verschlafen, daher sind wir bei der Ankunft in Mendoza etwas gerädert. Trotzdem machen wir uns gleich auf den Weg. Hier geht es deutlich ruhiger zu als in Santiago. Die Beine brauchen Auslauf und wir frische Luft, sodass wir die Stadt zu Fuß erkunden.

Das eigentliche Highlight ist allerdings nicht die Stadt selbst, sondern die umliegende Weinregion. Für den nächsten Tag buchen wir eine kleine Tour mit Weinverkostung. Gemütlich werden wir von Weingut zu Weingut gebracht. Die Sonne wärmt die Terrassen, sodass wir auf so manche Führung verzichten und stattdessen lieber ein Achtel Malbec genießen. Wissenschaftlich betrachtet dient das vermutlich der besseren Aufnahme regionaler Kultur.

Mit Blick auf die frisch angeschneiten Anden ist die das nahegelegene Valle de Uco ein Paradies für Weinliebhaber. Für den darauffolgenden Tag nehmen wir daher einen Mietwagen. Unser erster Stopp ist gleich ein erstklassiges Weingut, dessen Spitzenweine regelmäßig zu den besten der Welt gezählt werden. Das Gebäude erinnert an eine Inka-Pyramide. Nach einigem Verhandeln dürfen wir trotz fehlender Reservierung einen Blick ins Heiligtum werfen. Catena Zapata beeindruckt mit moderner Innenarchitektur und einem fantastischen Ausblick über die Weingärten bis hin zum Gebirge. Die Verkostungen haben allerdings einen stolzen Preis. Offenbar enthalten die edlen Tropfen nicht nur Wein, sondern auch einen Anteil Gold.

Nach einigen weiteren Weingütern verbringen wir die Nacht auf einem kleinen Gut, das ebenso wenig beheizt wird wie die bisherigen Unterkünfte. Beim Wein gilt in diesem Haus immerhin das Motto „all you can drink“. Vor dem offenen Kamin lassen wir uns nieder und wärmen uns auf. Sogar zwei Füchse lassen sich zwischen den Weinstöcken blicken. Vermutlich wollten auch sie überprüfen, ob das Angebot tatsächlich unbegrenzt ist.

Unser nächstes Ziel in Argentinien heißt Salta. Die Stadt ist größer als Mendoza und auch deutlich belebter. Das nächste ungeheizte Hotel, ein kurzer Rundgang durch die Stadt und schon geht es weiter. Mit dem Mietwagen fahren wir bei strahlendem Sonnenschein durch Täler mit verschiedenfarbigen Bergen. Das Tal Quebrada de Humahuaca mit seiner indigenen Bevölkerung ist Weltkulturerbe. Die schönsten Aussichtspunkte erreicht man über Schotterstraßen, die offenbar nach dem Motto gebaut wurden: Der Weg ist das Abenteuer.

Beeindruckend sind die Gesteinsformationen mit ihren bunten Felsen und die unzähligen Kakteen, die hier wachsen. In Humahuaca selbst gibt es alles aus Alpaka-Wolle zu kaufen, was man sich nur wünschen kann. Am höchsten Aussichtspunkt befinden wir uns auf 4.300 Metern über dem Meeresspiegel. Schwindel und Kopfschmerzen machen sich breit. Die Höhenluft erinnert uns daran, dass Sauerstoff keineswegs selbstverständlich ist.

Nach sieben Stunden Fahrt kehren wir in Tilcara ein. Die überdimensionalen Portionen in den Restaurants führen dazu, dass wir uns zum Abendessen meist eine Portion teilen. Dabei fühlen wir uns als waschechte Senioren. Die wichtigste Voraussetzung für die Wahl eines Lokals ist allerdings eindeutig ein Platz am Feuer. Im Hotel gibt es ausnahmsweise sogar einen winzigen Heizkörper – ein Luxus, der uns inzwischen fast zu Tränen rührt.

Der nächste Tag führt uns zunächst nach Purmamarca, einem kleinen Dorf mit einem berühmt gewordenen farbigen Berg im Hintergrund. Die Lipán-Slope-Panoramastraße ist malerisch. Der Pass erreicht erneut über 4.000 Meter Höhe, doch langsam gewöhnen wir uns an die dünne Luft. Ziel der Fahrt sind die Salinas Grandes, ein riesiger Salzsee. Nach einer Pause auf Salzbänken an Salztischen – ein Konzept, das erstaunlich konsequent umgesetzt wurde – fahren wir weiter Richtung Süden nach Cafayate.

Eine Zwischenübernachtung legen wir nach langer Fahrt über die Schotterpiste im verschlafenen Ort San Antonio de los Cobres ein. Das Zimmer verdient einen Spitzenplatz in der Rangliste der furchtbarsten Hotels, in denen wir jemals übernachtet haben. Alles ist staubig. Das Badezimmer winzig. Der Lichtschalter befindet sich versteckt hinter der Tür, und das Waschbecken ist so nahe am Klo montiert, dass man beim akrobatischen Versuch, an die hinter dem WC am Boden angebrachte Klopapierhalterung zu gelangen, beinahe einen Yogakurs absolvieren muss. Natürlich ist auch dieses Hotel ungeheizt. Die Höhenlage von 3.775 Metern sorgt zusätzlich dafür, dass sich das Atmen anfühlt, als würde man mit einem Sandsack auf der Brust schlafen. Wir schwören uns, beim nächsten Hotel etwas weniger zu sparen. Manche Reiseerfahrungen muss man schließlich nur einmal machen.

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