Wieder unter Segeln

Wir sind wieder im Wasser, wichtigster Punkt erledigt. Wasser bleibt draußen und Luft drinnen, Mast oben, Kiel unten. Das wäre also soweit ein guter Start. Natürlich funktioniert nicht alles. Der Außenborder springt nach einem ersten vielversprechenden Start nicht mehr an. Zum ersten Mal in fünf Jahren ist unser gebunkertes Benzin in einem halben Jahr schlecht geworden. Aber immerhin lässt sich dieses Problem leicht lösen. Die vor zwei Jahren getauschte Seewasserpumpe rührt sich auch nicht mehr. Dank Recherche stellen wir fest, dass es in Langkawi die entsprechende Pumpe als günstiges Plagiat gibt. Eigentlich ist nur ein kleiner Drucksensor kaputt, welchen Martin gleich im Geschäft einbaut und gleich noch einen Ersatzsensor mitnimmt. Der Mitarbeiter wollte uns fortschicken, um das Teil in zwei Minuten selbst einzubauen und dafür einen entsprechenden Stundenlohn einzufordern. Für solche Spielchen haben wir keine Zeit, denn andere Einkäufe müssen wir auch noch erledigen.

Kaffeebohnen müssen her, sonst können wir unsere Espressomaschine nicht starten. Kaffee ist hier kaum in Bohnenform zu kriegen und wenn, dann ist er sehr teuer. Wir ergattern trotzdem welchen. Unser erster geplanter Cappuccino fällt aus, da leider der Milchaufschäumer seinen Dienst versagt. Er ist ja schließlich zwei Jahre alt. Beim Reparaturversuch bricht der Kunststoffboden. Die Haltbarmilch wird jeden zweiten Tag sauer, trotz Kühlschrank. Kaffeehaus werden wir wohl keines eröffnen.

Vor der Überfahrt über den indischen Ozean möchten wir noch einen professionellen Rigg-Check machen. Chris, der einzige Rigger auf Langkawi, lässt sich sehr bitten. Um nach Rebak zu kommen, hat er keine Zeit. Hier macht er aber einen Wochenend-Urlaub mit Bar-Marathon. Wir bestechen ihn mit zwei Tequilas.  Also gut – in zwei Tagen können wir ihn in der Bucht Telaga treffen.

Damit wird es auch für uns konkret mit der Abreise. Theres und Claude haben uns ein Feinkostgeschäft empfohlen: Lavish in Kuah. Dort geraten wir in Verzückung. Fleisch, Käse und Wurst, sogar Schwein. Aus einer Truhe schauen uns „Rostbratwürstel“ vom Greisinger an. Das ist ein Metzgerei-Betrieb nur wenige Kilometer von unserem Zuhause in Österreich entfernt. Dazu gibt es noch Frankfurter und Debreziner. Fisch ist leider ausverkauft. Noch ein letztes Mal bei Alex im Tapaz essen, Wäsche waschen, Segel rauf, letzter Großeinkauf, dann noch eine letzte Poolrunde mit alten und neuen Freunden. Elfi und Willi aus Oberösterreich haben wir im April kennengelernt. Sie sind wieder auf ihrer Beneteau „Emma“ im Winterquartier in Rebak. Wir können über alte und neue Witze lachen, die nur Oberösterreicher verstehen. Anekdoten aus dem Bootsleben werden ausgetauscht. Die beiden spielen fast jeden Tag Tennis und sind entsprechend fit. Wir staunen nicht schlecht, als wir hören, dass sie ihren 51. Hochzeitstag feiern. Da feiern wir doch gerne mit. Wenn wir in 24 Jahren auch so fit sind, freuen wir uns einen Hax‘n aus. Der letzte Tag im „Schrebergarten“ Rebak-Marina rückt an. Sobald man die Namen der Hunde kennt, soll man weiterziehen, heißt es. Also legen wir nach einem halben Jahr das erste Mal wieder ab, verabschieden uns vom Hund Susi und ankern in Telaga. Spätestens jetzt macht sich das Gefühl breit, wieder an Bord angekommen zu sein.

Sofort lassen wir Mitzi zu Wasser, um zur Marina zu fahren. Eine rote Boje ist auf der falschen Seite der Hafeneinfahrt. Die Boje entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Sturzhelm eines Schwimmers. Mit all den Fischerbooten herum ist das wohl gar keine schlechte Idee. Der reservierte Leihwagen der Marina ist zwar wie immer altersschwach, bringt uns aber im Linksverkehr sicher nach Kuah. Dort müssen wir aus Malaysien ausklarieren.

Zuerst zum Hafenmeister, der allerdings nicht geöffnet sei, sondern erst in zwei Stunden wieder aufmacht. Die Immigrationsbehörde öffnet zwar vorher, ist aber als letztes dran. Zwei Stunden später erfahren wir, dass der Hafenmeister vor zwei Stunden geöffnet hatte, womit wir einige Zeit sinnlos gewartet haben. Erst brauchen wir das Formular ausgefüllt, gestempelt und mit 27 Ringgit in bar bezahlt. Dann können wir zum Zoll gehen. Dort geht es schnell, aber die Herrschaften der Immigration fertigen erst noch eine Fähre aus Thailand ab.

Mittlerweile ist Chris auf dem Boot beim Riggcheck. Ein paar Anpassungen, alles ok. Jetzt sind wir reisefertig.

Nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir Anker auf und verlassen Malaysia. Ein kleiner Gecko lugt aus der ausgerollten Genua hervor. Sehr süß und nützlich gegen Insekten. Er darf erst einmal mitfahren. Mal sehen, wie er sich als Heimtier so macht. Wenn man so lange an Land war, vergisst man leicht die gefühlten zwei Millionen schlecht sichtbaren Fischfallen zwischen Langkawi und Phuket. Unter Segeln ist das Slalomfahren nicht immer leicht, teilweise sieht man die Fallen relativ spät. Plötzlich verlangsamt sich unsere Fahrt. Schon ziehen wir eine lange Leine mit winzigen Bojen hinterher. Ein Fischernetz – willkommen in Thailand. Die Leine des Fischernetzes verhakt sich im Backbord-Ruder. Wieder haben wir Glück, dass unsere Ruder vor den Propellern sind und damit größeren Schaden vermeiden. Schoten los, um den Zug zu verringern. Vorsegel einrollen. Das Großsegel lassen wir draußen, da wir wegen dem Netz nicht gegen den Wind motoren können, um das Großsegel ebenfalls einrollen zu können. Wenn Martin jetzt unter Wasser das Netz losschneidet und Infinity mit dem gesetzten Groß wegstartet, muss Kerstin nochmal umdrehen. Immerhin könnte sie ohne Netz im Propeller die Motoren starten. Martin klammert sich nach der Aktion an eine vorbereitete Leine und geht nicht verloren. Gut, dass uns kein Fischer wegen Schadenersatz auf den Fersen ist. Wir segeln weiter Slalom durch die Bojen.

An ereignislosen Segeltagen ist die Mahlzeit der Höhepunkt. So gibt es heute Rostbratwürstel mit Kartoffeln und Krautsalat. An das Schlafen an einem unruhigen Ankerplatz müssen wir uns auch erst wieder gewöhnen. Wobei uns das Schaukeln weniger stört als das Knarzen der Schränke bei der Schiffsbewegung.

Nachdem unsere AGM-Batterien das Zeitliche segnen, brauchen wir neue. Wir möchten keine alte Technologie mehr einbauen, sondern LiFePo-Batterien. Weniger Gewicht, mehr Speicherkapazität, rascher aufzuladen, langlebiger, dafür etwas teurer. Da diese Batterien bei einer Umgebungstemperatur über 35 Grad abbauen und sich die Anzahl der Ladezyklen verringert, messen wir am Platz der alten Batterien im Motorraum die Temperatur. Die Außentemperatur beträgt bereits 33 Grad Celsius. Nach eineinhalb Stunden mit laufendem Motor messen wir 44 Grad am Platz der alten Batterien. Das dürfte dann wohl nicht der ideale Platz für die neuen sein. Damit werden sie wahrscheinlich unter das Bett kommen und die Leinen, die sich derzeit dort befinden, müssen übersiedeln.

Schön ist es wieder in einer einsamen Bucht zu frühstücken, vielleicht kommt auch bald klares Wasser, damit man morgens lieber ins Meer hüpft. Heute geht es nach Koh Muk an den Charlie Beach und zur Mong-Bar. Dort warten die gebackenen Schrimps mit süß-saurer Sauce auf uns. Mong erkennt uns gleich wieder und lädt uns auf einen Snack und Früchte ein. Schöne Grüße an seinen Freund Hermann, der derzeit in den Philippinen segelt.

Das Segeln zwischen den Inseln ist verbunden mit vielen Winddrehern und rasch wechselnden Windgeschwindigkeiten zwischen fünf und fünfzehn Knoten. Die Wellenhöhe hier ist vernachlässigbar. Täglich am Nachmittag gibt es ein kleines Unwetter mit Regen und einen Anstieg der Windgeschwindigkeit auf 25 Knoten. Immerhin hat der Nordost-Monsun pünktlich eingesetzt. Damit können wir einigermaßen bequem nach Nordwesten segeln. Der nächste Stopp ist Koh Phi Phi Don.

2 Kommentare

Kommentar verfassen