Unser erster Stopp in Peru ist Puno, die Stadt am Titicaca-See. Dieser sei der höchste schiffbare See der Welt, sagt man. Auch in höher gelegenen Seen würden wahrscheinlich Schiffe schwimmen, nur haben es diese bis dorthin halt (noch) nicht geschafft. Puno selbst hat nicht viel zu bieten, daher konzentrieren wir uns auf den See auf 3.800 Meter Seehöhe. Die bolivianische Seite bleibt uns wegen anhaltender Unruhen und damit einhergehender geschlossener Grenze verwehrt. Wirklich interessant am See ist die Kultur der Uros, die auf selbst gebauten schwimmenden Inseln leben. Eigentlich haben sie am Seeufer gelebt, bis sie von den Inka vertrieben wurden. Die Inka waren nicht wasseraffin und deshalb haben die Uros auf ihren Inseln überdauert. Nachdem sie es sich auf dem See gemütlich gemacht hatten, waren sie auch nach Untergang des Inkareichs auf ihren Inseln geblieben – und das mittlerweile seit 600 Jahren. Die Uros nutzen das Schilf des Seeufers samt den Wurzeln für ihr schwimmendes Zuhause. Das Schilf wird in Schichten zweiwöchig über die gesamte schwimmende Insel wieder und wieder aufgelegt. Die unterste Schicht verrottet regelmäßig. So bleiben die Inseln wie neu und Boden-Wischen wird damit ebenfalls überflüssig. Lange lebte das anpassungsfähige Volk in erster Linie vom Fischfang. Die Haupteinnahmequelle heute ist der Tourismus. Ausflugsschiffe fahren unterschiedliche schwimmende Inseln an. Man lernt von ihrer Kultur, danach soll man Handarbeitsartikel kaufen. Ein kunstvoller Polsterbezug der Uros findet dabei den Weg in unsere bescheidene Sammlung. Der nächste Stopp ist die weniger touristische nicht schwimmende Insel Amantani. Die Menschen hier arbeiten in der Landwirtschaft. Die Felder sind terrassenförmig angelegt und es wird zum Beispiel Quinoa und Mais angebaut. Dazwischen laufen Schafe herum.




































Allein die Fahrt mit dem Bus nach Cusco lohnt sich. Der Bus hält bei der St. Peter Apostel von Andahuaylillas Kirche, welche auch die Sixtinische Kapelle von Südamerika genannt wird – außerdem bei einem imposanten Inka-Heiligtum. Cusco war die Hauptstadt des Inkareiches, welchem die Spanier nach nur wenigen 100 Jahren seines Bestands leider das Ende bereiteten. Die Inka haben im 15. Jahrhundert andere indigene Völker unterworfen und es in kurzer Zeit zu einer bemerkenswerten Hochkultur gebracht. Man weiß heute noch immer nicht genau, wie sie Steine so bearbeiten konnten, dass sie fugenlos aufeinander passten. Sie kannten weder Eisen, Mörtel, noch Lasttiere. Die Mauern sind erdbebensicher und heute noch zu bewundern. Zur Vermeidung der Erosion und Erleichterung der Landwirtschaft in den Bergen bauten sie ganze Berghänge mit ihren Steinmauern zu Terrassen um. Leider fanden sie keine Notwendigkeit, eine Schrift zu erfinden. Deshalb gibt diese interessante Kultur noch immer viele Rätsel auf. Die Spanier kamen in Person von Pizarro nur mit ungefähr 160 Männern und entzweiten das durch einen Bürgerkrieg gespaltene Reich, das bereits durch die europäisch importierten Pocken personell geschwächt war. Sie töteten den Inka-Häuptling und hatten durch Stahl- und Schusswaffen einen mehr psychologischen als echten Vorteil gegen die millionenstarke Bevölkerung. Die Tempel wurden in Kirchen umgebaut oder zerstört. So findet sich in Cusco eine Mischung aus Inka-Grundmauern und darauf aufgebauter Kolonialstadt. Diese Stadt hat etwas ganz Besonderes. Der Hauptplatz aus Inkazeit mit inzwischen zwei riesigen Kathedralen ist lebendig. Die kunstvollen Inka-Steinmauern sind allgegenwärtig.
Der Juni mit der Wintersonnenwende ist seit Inkazeiten der Feiermonat in Peru. Ein Tag gehört den Schulkindern, die gemeinsam tanzend ihre Tradition leben. Auf die Nationalspeise gegrilltes Meerschweinchen verzichten wir. Die süßen Alpakas findet man überall. Nicht nur auf Speisekarten, sondern auch auf Pullovern, Tischdecken, Bildern, Straßen etc. Am Sonntag wird der neue Präsident gewählt, daher gibt es am Vortag und am Wahltag keinen Alkohol. Früher wurde von den Parteien gratis Alkohol ausgeschenkt, um das Ergebnis zu beeinflussen. Im Stadtzentrum hält man sich auch wirklich daran.













































Unsere im Vorfeld gebuchte Reise durch das Heilige Tal und Machu Picchu stellt sich als Fake heraus. Das Versprechen im Internet mit fixem Datum ist unhaltbar, denn man muss mit Bus und Zug oder per Wanderung nach Aguas Calientes, um dort mit seinem Pass persönlich seine Eintrittskarte zu kaufen. Je nach Verfügbarkeit kann dies im Juni mehrere Tage Wartezeit bedeuten. Reservieren ist angeblich innerhalb eines bestimmten Zeitraums nicht möglich. Pro Tag dürfen ungefähr 5.000 Touristen dieses Weltwunder bestaunen. Für uns bleibt die Reise jedenfalls dadurch spannend. Die Fahrt ins heilige Tal mit straffem Zeitplan fordert alle von Busfahrer, Tourguide bis zu den Touristen. Die gesamte Tour dreht sich um das Inkareich. Dabei starten wir in Chinchero. Dort ist gleich der höchste Punkt mit 3.760 Metern erreicht. In Chinchero gibt es eine alte Terrassenanlage mit toller Aussicht. Natürlich gibt es hier auch begabte Handwerkerinnen, von denen man Alpaka-Strickware erwerben soll. Der nächste Punkt sind die Terrassen von Moray. Die kreisförmigen Terrassen sind in einem Meteoritenkrater angelegt und dienten den Inka als landwirtschaftliche Versuchsstation.
Besonders interessant ist die Salzmine in Maras. Dort sind stufenartig Becken angelegt. Aus einer einzelnen Quelle wird salzhaltiges Wasser in alle Becken eingeleitet. Das Salz sammelt sich am Boden. Die Sonne erledigt das Austrocknen der Becken und die Menschen das Abfüllen des Salzes in Säcke. Die einzelnen Becken sind seit Generationen in Familienbesitz und werden jeweils an ihre Nachkommen weitergegeben. Die Anlage bestand bereits vor der Inka-Hochkultur und wird vermutlich nur noch zehn weitere Jahre Salz liefern. Dann wird aufgrund des Klimawandels das Versiegen des salzhaltigen Bächleins erwartet, das von einem Vulkansee gespeist wird. Eine Jahrhunderte alte Tradition neigt sich leider dem Ende zu. Ollantaytambo ist eine Inka-Festung mit nicht fertiggestelltem Sonnentempel, den man sich auf der Bergkuppe mit 200 Stufen verdient. Die Aussicht lohnt sich. Am gegenüber liegendem Hang sieht man ein Inka-Äquivalent zum heutigen Kühlschrank. Die Höhe, Wind-Exposition und die damit einhergehende Temperatur war optimal zur Lagerung von Lebensmitteln. Der letzte Höhepunkt dieses Tages ist Pisac – eine kleine Stadt, die seit jeher von Silber- und Goldkunst lebt. Auch dort gibt es beeindruckende Inka-Anlagen. Größer als Machu Picchu, aber nicht so gut erhalten, denn Machu Picchu wurde von den Spaniern wegen seiner besonders versteckten Lage am Berg nie gefunden und daher auch nie zerstört oder überbaut.

















Bei der Rückkunft in Cusco ist die Sonne bereits untergegangen und wir haben um vier Uhr morgens ein Rendezvous mit dem nächsten Bus. Dieser soll uns wieder nach Ollantaytambo bringen, damit wir in den Zug nach Aguas Calientes am Fuße von Machu Picchu steigen können.
