Da ein Flug nach Siem Reap in Kambodscha viermal so viel kostet wie eine Busfahrt und diese auch nicht viel länger dauert, geht es am frühen Morgen mit dem Boot zum Festland und danach mit dem Minivan weiter. Veranstalter ist der lokale Mopedverleiher, der gleichzeitig Hotelier, Fahrer und Reiseveranstalter ist. Er bringt uns mit seiner Klapperkiste zur Grenze, setzt uns ab und verschwindet. Die Warnungen aus dem Intenet, dass die Beamten die Hand aufhalten, bewahrheiten sich. Drei Dollar werden pro einreisender Person ohne Quittung fällig. Das lässt sich verschmerzen, insbesondere, da das Visum selber nur 30 anstatt der erwarteten 40 US Dollar kostet. Anders als die laotischen, grüßen die Beamten in Kambodscha freundlich.







Zweimal Umsteigen weiter kommen wir zu unserer Unterkunft, einem im Kolonialstil gebauten Hotel. Wir machen uns auf zum eigentlichen Ziel, dem Angkor Wat Komplex. Dies ist eine riesige Welterbe-Städte mit vielen Tempeln. Die ältesten stammen aus dem 10. Jahrhundert. Die riesigen Gebäude sind alle sehr beeindruckend. Überall geht es über steile Stufen rauf und runter, eine schweißtreibende Angelegenheit. Man fährt mit dem Tuktuk von Tempel zu Tempel, damit man einige davon an einem Tag ansehen kann. Wir sind schwer beeindruckt von den feinen in Stein gemeißelten Verzierungen und der schieren Größe der einzelnen Tempel. Zur Entstehungszeit haben wahrscheinlich fast eine Million Menschen in der Stadt gelebt. Die meisten Tempel wurden innerhalb von 2 Jahrhunderten erbaut. Manche Tempel sind mit 200 Jahre alten Bäumen verwachsen, was geheimnisvoll schön aussieht und die Filmkulisse für Tomb Raider darstellte. Viele Kilometer mit Tuktuk, elf Kilometer zu Fuß und 20 Stockwerke später freuen wir uns auf ein wenig Erholung und lassen uns zur Pubstreet fahren. Wie der Name schon sagt, gibt es hier ein Lokal neben dem anderen. Jeder bietet zur Happy Hour Fassbier um 0,75 US Dollar an. In Kambodscha wird generell alles in Dollar ausgepreist.
In der Nebensaison gibt es hier ein Überangebot im Dienstleistungssektor. Somit kommen auf jeden Touristen gefühlte zehn Tuktuks und noch mehr leere Sessel im Restaurant. Deshalb wird man auch ohne Unterbrechung überall aufgefordert, sich hinzusetzen, etwas zu kaufen oder Tuktuk zu fahren. Die Fahrer kompensieren fehlende Aufträge gerne mit höheren Tarifen. Jede Fahrt wird erst mit fünf Dollar angepriesen, schlussendlich zahlt man meist ein Viertel davon. Man muss den Fahrern auch beim Finden der Destination mit Googlemaps helfen. Oft kennen sie sich in ihrer eigenen Stadt nicht gut aus. Das Fahren erfordert höchste Aufmerksamkeit. Auf zweispurigen Straßen wird mehrspurig gefahren. Ampeln sind Mangelware. Im Kreisverkehr wird in die falsche Richtung gefahren. Gegenverkehr auf einer dreispurigen Einbahn ist auch keine Seltenheit. Die Verkehrsregeln werden sehr kreativ ausgelegt. Täglich beobachten wir Moped-Stürze oder Beinahe-Unfälle. Die einzig klare Vorfahrt haben Kühe, die gemächlich über die Straße gehen. Auf den neuen Straßen sind manchmal riesige Radwege ausgezeichnet, die nicht von Fahrrädern frequentiert werden. Die letzten in der Verkehrshackordnung sind die Fußgänger. Gehsteige sind zugeparkt, mit Straßenküchen übersät, von Baustellen unterbrochen. Daher muss man häufig zu Fuß auf der Fahrspur den Weg durchs Chaos finden. Ein gefährliches Unterfangen.








































Nach Phnom Penh nehmen wir wieder den Bus. Die Busse in Kambodscha finden wir bequemer als jene in Laos. Die Sitzplätze bieten viel Freiraum. Es werden ausreichend Pausen zum Füße vertreten gemacht. Wenn man will, kann man für einen Aufpreis auch einen Liegeplatz buchen.
Wir sind nicht sicher, was uns in Phnom Penh erwartet. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist der Königspalast. Kaum im Hotel angekommen, machen wir uns auf den Weg dorthin. Bevor wir zum Eingang kommen, werden wir von einem Tuktuk-Fahrer angesprochen, der uns unterrichtet, dass der Königspalast geschlossen sei, da der König im Schlosspark joggen wäre. Egal, wir können ja am nächsten Morgen hin. Der Tuktuk-Fahrer hat gleich auch ein Alternativprogramm mit weiten Strecken in der Hinterhand. Darauf lassen wir uns aber nicht ein und fahren stattdessen zum Zentralmarkt, einer weiteren Sehenswürdigkeit. Das Angebot ist riesig und interessant. Besonders die Lebensmittelstände, die für Fleisch und Fisch ohne Kühlung auskommen.
Pnom Penh hat mit zwei Millionen Einwohnern und vereinzelten Wolkenkratzern ein großstädtisches Flair mit netten Ausgehmeilen. In einer dieser Meilen treffen wir zufällig auf Christian. Mit der in Südostasien eher seltenen grauen Haarfarbe sticht er aus der Menge heraus. Martin spricht ihn scherzhaft beim Vorbeigehen auf die gleiche Haarfarbe an und wir kommen drauf, dass er auch aus Oberösterreich stammt. Jetzt sieht er sich hier nach 18 Jahren Australien um einen neuen Wohnsitz um. Was für ein Zufall! In oberösterreichischem Dialekt redet es sich gleich leichter. So verbringen wir zwei lustige Abende gemeinsam. Christian hat von einem Freund einen geheimen Lokaltipp bekommen. Es handelt sich um eine versteckte Bar, die wir tatsächlich nur finden, als wir in der Nähe Nachbarn um den Weg fragen. Die Tür schaut aus wie eine Bretterwand und nur ein kleines Schild mit dem Namen des Lokals „Tictic“ zeigt uns, dass wir hier richtig sein müssen. Zunächst landen wir in einer normalen Bar, erst beim Nachfragen werden wir in den ersten Stock geleitet und es wird ein großer Kühlschrank für uns geöffnet. Dahinter befindet sich das eigentliche gemütliche Lokal. Wir sind natürlich nicht die einzigen, die den Weg in die geheime Bar finden. Es gibt auch jede Menge „Girl-Bars“, wo die jungen Frauen vor den Lokalen ihre Kundschaft anwerben. In der Nebensaison geht es ihnen ähnlich wie den Tuktuk-Fahrern: viel Angebot und wenig Nachfrage.

























Die jüngere Geschichte Kambodschas hat mit den roten Khmer in den siebziger Jahren ein unfassbar trauriges Kapitel. Junge Menschen aus ländlichen Gebieten wurden von den putschenden roten Khmer indoktriniert. Unter Führung von Pol Pot folterten und töteten die roten Khmer ein Viertel des eigenen Volks. Getötet wurden ungefähr 1,2 Millionen Menschen. Opfer waren vornehmlich Angehörige der alten Regierung, Intellektuelle, Lehrer, Wohlhabende, Mönche. Dabei wurden auch deren Kinder selten verschont. In der entstandenen urkommunistischen Gesellschaft war nach der Enteignung einheitliche dunkle Kleidung und kurzer Haarschnitt für alle Pflicht. Viele mussten Zwangsarbeit auf den Feldern verrichten und kamen dabei um. Nach der Befreiung Kambodschas durch die Vietnamesen im Jahr 1979 nahmen die roten Khmer andere Namen an und flüchteten in das Grenzgebiet zu Thailand. Viele Angehörige der Opfer und natürlich auch die Täter leben heute noch im gleichen Land nebeneinander. Ausschließlich die höchste Führungsebene der roten Khmer wurde in den 90er Jahren angeklagt und verurteilt. Wir besuchen ein schauriges Relikt dieser dunklen Zeit, das Genozid-Museum in Phnom Penh, das in einem der ehemaligen Gefängnisse untergebracht ist. Alleine in diesem Gebäude wurden 20.000 Menschen inhaftiert, gefoltert und umgebracht. Am Ende der Schreckensherrschaft haben nur zwölf Insassen überlebt. Die Bilder der Gefangenen werden genauso gezeigt wie jene der Wärter. In der Ausstellung befinden sich Folterinstrumente, Gräber, Knochen und die Gefängniszellen. Die Toten wurden in riesigen Massengräbern am Stadtrand verscharrt. Drei Überlebende sind im Museum anwesend, um Fragen zu beantworten und ihre Bücher zu verkaufen.
Nach dem bedrückenden Besuch im Genozidmuseum beschließen wir, den Königspalast noch einmal in Angriff zu nehmen. Wieder stoppt uns davor ein Tuktuk-Fahrer und sagt, dass heute Gebetstag sei und der Königspalast deshalb am Nachmittag geschlossen sei. Er könne uns aber stattdessen zum weit entfernten goldenen Tempel fahren. Wir lassen uns auch heute nicht auf den weiten Weg ein. Aber diesmal überprüfen wir den Palasteingang selber und siehe da, der Palast ist für Besucher geöffnet. Wahrscheinlich war das am Vortag auch schon der Fall. Den Tuktuk-Fahrern scheint jeder Grund recht zu sein, um Gäste für weiter entfernte Ziele zu akquirieren. Auf den Palastbesuch verzichten wir trotzdem, da man nur in den Garten gehen darf und kaum Räume im inneren des Palastes für teures Eintrittsgeld zu sehen sind. Dafür besuchen wir das Nationalmuseum, das Statuen beherbergt, die zwischen dem fünften und dem 19. Jahrhundert entstanden sind.
Unsere nächste Destination ist Saigon, oder auch Ho Chi Minh Stadt genannt, in Vietnam. Dazu buchen wir wieder ein Busticket und machen uns mit dem bequemen Reisebus auf den Weg zur sechs-stündigen Reise.
