Eigentlich haben wir uns für diese Saison weniger Seemeilen vorgenommen, aber es kommt ja meistens anders als man denkt. Es sind doch schon wieder 9.999 Seemeilen in den letzten 12 Monaten seit Neuseeland geworden. Knapp 850 Meilen sind wir jetzt schon alleine in Thailand unterwegs. Zu feiern gibt es aber nicht nur die zehntausendste Seemeile seit einem Jahr, sondern auch 30 Jahre Zusammensein (davon die letzten vier unter verschärften Bedingungen), Ostern mit zwei handbemalten Eiern und Martins Geburtstag. Na bumm!
Wir gehen es langsam an. Unterwasserschiff reinigen geht wegen der Quallendichte nicht und wird verschoben. Unsere Mitzi wird beim Anlanden am Strand gefühlt von Tag zu Tag schwerer, sodass wir beschließen, ein kleineres leichteres zu kaufen. Damit sparen wir gleich einmal 50 Kilo. Tut dem Rücken gut und auch der Infinity. Neue Mitzi bestellt und alte im Phuket-Willhaben „Bahtsold“ sowie in einschlägigen Facebook-Foren zum Verkauf angeboten.





























Dazwischen haben wir Zeit für eine kleine Runde. In Ko Ngai gehen wir an eine Boje. Hier sind wir endlich mal wieder alleine. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Nationalparkgebühr 400 Baht kostet und auf der Nachbarinsel Ko Muk nur die Hälfte. Immerhin dürfen wir für diesen Preis fünf Tage hier oder in Ko Muk bleiben. Dort treffen wir uns mit Hermann, der vom Visa-Run aus Langkawi zurückkommt, in der Mong-Bar. Nachdem Mitzi abspecken muss, versuchen wir das gleiche mit Dingen, die in den Bilgen seit einigen Jahren kaum verwendet wurden. So werden Kleider, Töpfe und so weiter der Mong-Bar gestiftet. Dort wird versprochen, das Zeug mit den Inselbewohnern zu teilen. Am nächsten Tag sehen wir bereits stolz getragene Kleidungsstücke und ein Seil in Verwendung. Das Seil hat die wichtige Aufgabe bekommen, ein Beiwagenmoped zusammenzuhalten, mit dem wir mitfahren dürfen. Auf der anderen Inselseite gibt es einen fantastischen Strand mit einem Ressort auf einer spitzen langen Sandhalbinsel. Der Strand am Spitz der Insel ist nur noch bei Niedrigwasser benutzbar. Rund um die Terrasse wurden schon kleine Mauern aufgestellt, da der wachsende Meeresspiegel allmählich den Strand wegknabbert. In der Mittagshitze bewegen wir uns nur sehr langsam und so wenig wie möglich, sodass wir den Weg über die Insel mit einem Moped-Tuktuk bestreiten. Kostet pro Person und Strecke zwei Euro. Von unserem Fahrer erhalten wir für die spätere Rückfahrt die Telefonnummer seiner Frau. Sie kommt uns dann tatsächlich abholen. Im Gegensatz zu ihrem spindeldürren Gatten bringt die freundliche Dame geschätzte 130 Kilo auf die Waage. Wir versuchen unser Gewicht auf der anderen Seite des Tuktuks zu bündeln, um in den Kurven nicht wegkatapultiert zu werden. Irgendwie geht hier immer alles.
Langsam müssen wir wieder Richtung Norden. Dazu legen wir diesmal einen Stopp im Phra Ae Beach von Koh Lanta ein. Nach wie vor wimmelt es vor Quallen, die zwar im Wasser nicht bewusst auf Kollisionskurs gehen, aber dafür auch nicht ausweichen. Wenn man eine streift piekst es für einige Stunden ein bisschen. Ein guter Grund, das Putzen des Unterwasserschiffs wieder einmal zu verschieben. Statt Meerbad ist uns auch deshalb ein gemütlicher Pool lieber. Wir finden einen Pool direkt am Strand. Natürlich nur für Hotelgäste. Aber eigentlich sind wir das ja, weil wir dort essen und trinken. Also schnell ausgezogen und rein ins warme Nass, bevor irgendjemand auf die Idee kommt, es uns zu verbieten.

























Jetzt wird es wieder Zeit für Phuket. Vielen Dinghi-Interessenten stößt das Gewicht unserer zum Verkauf stehenden Mitzi sauer auf. Das verstehen wir. Aber nun gibt es den einen, den die 40 Kilo Bauchspeck zu den 50 restlichen Kilos nicht stören. So ankern wir wieder vor Ao Yon. Jetzt wird die neue Mitzi an den Strand geliefert. Der Juniorchef überreicht uns das Beiboot. Unsere treue alte Mitzi wird vom Motor getrennt und zu ihrem neuen Eigentümer, dem Australier Billy geschleppt. Kerstin nimmt ihn ins Gebet, dass er ja gut auf sie achtgibt. Billy freut sich, weil er ein stabiles gutes Beiboot zum bequemen Einsteigen gefunden hat. An den Strand braucht er es nicht ziehen, da er mit Crew segelt. Sein vor kurzem neu gekauftes Beiboot wurde ihm nämlich gestohlen. Wir sind gewarnt.
Auf der anderen Seite der schmalen Halbinsel von Ao Yon, geht es gleich zum Khao Khad Beach. Das dort befindliche Restaurant „At the Beach“ ist sensationell gut und günstig. Dadurch wird es zu unserem Stammlokal für einige Tage. Als wir uns mit Hermann über Schweinsbraten im Backofen mit Unterhitze unterhalten, wird man am Nachbartisch hellhörig. Da sitzen zwei Niederösterreicher, Marina und Gerhard, mit denen wir augenblicklich ins Gespräch kommen. Mit Gerhard und Marina genießen wir die Sonnenuntergänge im „At the Beach“ sowie die Feuershow vom echten Profikünstler.
Martin hat in der Boat Lagoon Marina Aluminium-Anoden für die Saildrives bekommen. Leider haben wir noch eine in Zink, die wir allerdings mit den Alus nicht mischen dürfen. Klaglos dürfen wir im gleichen Geschäft Zink aus Kroatien gegen Alu aus Thailand tauschen. Die zweite Dosis Dengue-Impfstoff holen wir eisgekühlt aus dem Bangkok-Hospital in Puket. Auf dem Weg schauen wir in die winzige IKEA-Filiale rein, wo wir Geschirr aus Hartglas mitnehmen, dass unser schweres Porzellan ersetzen wird. Die alten Teller werden der nächsten Strandbar gespendet wo man sich sehr darüber freut. Zu unseren neuen Gasschläuchen gibt es erfreuliche Neuigkeiten. Die auf die Schläuche gedruckte Jahreszahl 2018 ist das Datum, an dem das Gesetz erlassen wurde, nach dem die Schläuche produziert wurden. Beim Produktionsdatum handelt es sich laut übermitteltem Zertifikat also nicht um 2018 sondern um 2023. Also alles gut mit den neuen Schläuchen. Nächster Tausch 2029!
Kurzvideo: Feuershow am Strand
Wir gönnen uns einen Tag Sightseeing und fahren in das nahegelegene Aquarium. Es bietet sich uns ein trauriger Anblick. Die Fische vegetieren in viel zu kleinen Aquarien, das Wasser ist trüb. Am Ende des Aquariums zeigt man uns noch den Weg zur Schildkrötenauffangstation. Der wenig liebevoll gestaltete Betonweg im Gestrüpp soll ein Naturlehrpfad sein. Überall liegt Müll. Die Schildkröten wurden angeblich gerettet und müssen in Plastikbottichen ihre Haft absitzen. Alles in allem ein schauriger Ort dieses Aquarium. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Natur- und Tierschutz im Museum genau den Stellenwert hat, den er hier auch in der freien Natur hat. Es gibt zwar gute Ansätze mit Bojen und Naturschutzgebieten, aber bei Müllentsorgung, Fischerei, Tourismus und Umweltauflagen für Boots- sowie Straßenverkehr fehlt es noch weit.
Unsere Zeit in Thailand geht dem Ende zu. Am 3. April läuft unser dreimonatiges Visum ab. Ein letztes gemütliches Essen im „At the Beach“ mit Gerhard, Marina, Hermann und Hubert. Jetzt heißt es Richtung Malaysien ausklarieren. Bei den Amtshandlungen des Hafenmeisters, Zolls und der Einwanderungsbehörde läuft alles wie geschmiert und schon befinden wir uns am Weg zum berüchtigten Wasserdock von Chalong. Dabei handelt es sich um eine winzige Betoninsel mitten im Wasser. Man hängt sich ohne Fender mit einer Leine in Lee der Strömung an die Insel und bekommt den Schlauch zugeworfen. Nach dem Tanken zahlt man umgerechnet einige wenige Euro. Dazu bekommt man von der Betoninsel einen Plastikbehälter mit einer Angel präsentiert. Der Austausch des Wechselgelds funktioniert genau so. Sehenswert und innovativ!
Haben wir schon erwähnt, wie windarm diese Gegend momentan ist? Martin hat mit der Windvorhersage ausgetüftelt, wie wir mit möglichst wenig Motorstunden nach Süden kommen. Dazu segeln wir zunächst am Nachmittag 20 Seemeilen auf Halbwindkurs nach Koh Racha Noi. Und von dort soll es am nächsten Nachmittag und nachts 80 Seemeilen platt vor dem Wind in die Butang Gruppe nach Koh Lipe gehen. Schon vor dem Frühstück in Koh Racha Noi schnorchelt Martin die Bucht ab. Intakte Bommies mit bunten Fischen. Schön und herrlich erfrischend. Auch diesen Vormittag finden wieder einmal eine hervorragende Ausrede warum wir das Unterwasserschiff jetzt gerade nicht putzen können.
Unser Plan geht auf. Wir segeln die Nacht durch und landen mit dem letzten bisschen Wind in der Butang Gruppe. Wegen des Neumonds hatten wir Bedenken, denn hier draußen schwimmen große weiße Styroporblöcke, die vermutlich Fischfallen beherbergen. Wenn man die unter Segeln zwischen die Rümpfe bekommt oder noch schlimmer deren Leinen unter Motorfahrt in den Propeller, wird aus einem gemütlichen Nachttörn plötzlich ein unangenehmer Nachttauchgang mit Messer und Leinen kappen und ein potentieller Grund für Bruch. Deshalb machen wir unsere Nachtwache sitzend auf dem Vordeck. Dadurch können wir besser unter unserem Bluewaterrunner durch schauen und wir haben vielleicht eine Chance, dem dümpelnden Styropor ein Schnippchen zu schlagen. Wir entdecken im Dunkel tatsächlich zwei Blöcke, die allerdings knapp nicht auf Kollisionskurs sind. Nun kommen wir endlich in der finsteren Nacht zwischen den Inseln an. Mit Satellitenbild, Radar und Seekarte tasten wir uns wie auf rohen Eiern an die Küste heran. Zum Ankern ist es an den meisten Stellen zu tief und das Riff geht innerhalb weniger Meter von sehr tief auf zu seicht. Allerdings wurden angeblich Bojen ausgelegt. Genau die versuchen wir zu finden. Unserem Handscheinwerfer haben wir für diesen Zweck heute extra noch drei neue fette Batterien spendiert. Mit etwas Glück machen wir wirklich eine Boje damit aus und liegen einige Minuten später nahe am Pass sicher in der ziemlich starken Strömung, die alle sechs Stunden die Richtung wechselt. Die Inseln hier erinnern uns ein wenig an Koh Rok. Weiße Sandstrände mit bewaldeten Hügeln. Traumhaft.
