An der Küste Surinames angekommen, segeln wir 25 Seemeilen den gleichnamigen Fluss hinauf, vorbei an der Hauptstadt Paramaribo nach Domburg in die River Breeze Marina. Sind wir es sonst gewohnt, ein Segelmanöver am Tag zu fahren, wenden und halsen wir hier alle 15 Minuten bis die Hände wund sind, um die S-Kurven des Flusses hinaufzusegeln. In Domburg angekommen, legen wir an einer Boje an. Nach der ständigen Sorge um den Anker im Kourou-Fluss ist es ein gutes Gefühl, das Boot immer wieder exakt am gleichen Platz wiederzufinden und nicht zwanzig Meter weiter flussabwärts. Eines Morgens fehlt allerdings ein Paddel von Mitzi. Es war angeschraubt – hat wohl wer dringender gebraucht als wir.















Niederländisch ist aufgrund der niederländischen Vergangenheit offizielle Landessprache in Suriname und die geschriebene Sprache für uns daher einigermaßen gut verständlich. Erik, Marina-Besitzer und Yachtagent startet den Einklarierungsprozess und zeigt uns sein Lokal. Guy von der Oddball ist mittlerweile seit sechs Wochen hier. Wie viele Niederländer spricht er sehr gut deutsch. Da vergisst man schnell die Zeit beim Gedankenaustausch. Er zeigt uns Paramaribo. Seine Mutter war gebürtige Surinamerin und Guy kennt Geschichte und Gebäude. So lernen wir unter anderem die Volksschule seiner Mutter kennen. Der Wächter erklärt, dass hier früher die afrikanischen Sklaven von den Schiffen gebracht und je nach „Qualität“ in verschiedenen Kategorien verkauft wurden.





















Die Kolonialisierung hat nicht nur die holländische Architektur gebracht, sondern auch die Vertreibung der indigenen Bevölkerung. Trotzdem leben allerlei Hautfarben und Religionen friedlich zusammen. Die sogenannten Marrons sind zum Großteil die direkten Nachkommen der Sklaven. Diese haben sogar einen eigenen Markt in Paramaribo, wo Kräuter und für uns undefinierbares wohlriechendes Gestrüpp verkauft wird. Die größte ethnische Gruppe sind mit 31 Prozent die Hindostanen. Sie stammen von indischen Vertragsarbeitern ab, die nach Abschaffung der Sklaverei für die Arbeit auf den Plantagen hergebracht wurden. Auch aus Java sind damals viele Arbeiter ins Land gekommen. Das erklärt die große Anzahl von Moscheen in der Stadt. Hie und da sieht man einen Hindutempel und natürlich gibt es auch Kirchen. Sogar eine Synagoge gibt es. Angeblich die einzige weltweit, die direkt neben einer Moschee steht. Seit einigen Jahren kommen immer mehr Chinesen ins Land, die nach und nach die Geschäfte übernehmen. Entsprechend abwechslungsreich sind auch die Speisekarten in den Lokalen.
Die Altstadt von Paramaribo ist UNESCO-Weltkulturerbe aber leider sind viele Häuser nicht renoviert. Auch die vielen Plantagen werden nicht mehr bewirtschaftet. Heutzutage wird Gold geschürft – pro Jahr knapp 15 Tonnen von kleinen Gewerben und Illegalen, und über 18 Tonnen von den großen Unternehmen. Zum Schürfen wird Quecksilber verwendet, was Fische und Wasser verseucht. Den dichten Dschungel mit seinen vielen Tieren lassen wir diesmal aus, denn wir freuen uns schon auf sauberes Wasser mit Sandstrand und Salz auf den Lippen. Die Karibik in Form von Tobago wartet auf uns. Wir sind schon gespannt, wieviel sich in den letzten 6 Jahren verändert hat.
