Nai Harn Beach, Patong und Similan Islands

Die Ankerbucht Nai Harn im Südwesten Phukets haben wir wegen seiner Ruhe, seiner Infrastruktur und seines außergewöhnlich schönen Sonnenuntergangs liebgewonnen. Den gut frequentierten Sandstrand schauen wir uns lieber vom Boot aus an, aber in der Nähe gibt es günstige Bars und Massagen. Nicht zu unterschätzen ist der gute Zugang zum Land über ein schwimmendes Dinghi-Dock. Es ist zwar eine Gebühr fällig, dafür muss man unsere 80 Kilo Mitzi aber nicht bei Niedrigwasser oder brechenden Wellen den Strand hoch zerren. Direkt beim Dinghi-Dock befindet sich ein kleiner Laden mit täglich frischem Obst, sensationellen Passionsfrüchten und ein Mopedverleih. Ein Moped kostet pro Tag umgerechnet zirka 6 Euro. Der Linksverkehr ist zwar zum Teil wild, aber mit dem Moped steht man an jeder Ampel in der ersten Startreihe und die Dinger gehen 90 Kilometer pro Stunde, was beim Dauerstau rund um Phuket ein echter Vorteil gegenüber den Autos ist. Auch wenn die Verkehrsteilnehmer und -innen zum Teil rücksichtslos wirken: sie lassen sich gegenseitig Platz. Das funktioniert ohne hupen und blinken, Vogel zeigen oder sonst etwas. Fast wie am Motorrad-Ring. Negative Emotionen zeigen ist hier ein No go. Das ist ganz schön entwaffnend, wenn alle immer nur freundlich grinsen, auch wenn sie kurz vor dem Explodieren sein müssten. Das trägt zur allgemeinen entspannten Stimmung bei. Eines der hier oft anzutreffenden asiatisch-europäischen Paare erzählt uns, dass er ihr Moped samt Thai-Freundin auf dem Sozius bei Regen in zwei andere Mopeds gecrasht hat. Alle verletzt, Moped kaputt. Nicht ein Wort des Vorwurfs oder Missfallens – null Krise. Wunden geheilt, neues Moped gekauft, fertig. Alles andere wäre ohnehin sinnlos gewesen. Leider gibt es im Schnitt drei Verkehrstote pro Monat auf der Insel, was einen beim Mut mancher Moped-Fahrer nicht wundert. Allein bei unseren spärlichen Mopedausflügen beobachten wir zwei Unfälle mit Blechschäden, oder heutzutage besser gesagt „Plastikschäden“. Verkehrskontrollen gibt es auch, aber da wird hauptsächlich bei Touristen abkassiert, die keinen internationalen Führerschein mithaben. Dem Verleih reicht ein normaler Führerschein.

Unsere Ausflüge führen uns zum „Big Buddha“ auf einem Hügel im Süden Phukets und nach Wat Chalong, dem größten Tempel auf der Insel. Nachdem es auf das chinesische Neujahrsfest zu geht, ist alles schön geschmückt und Wat Chalong erinnert an ein Heiligtum mit riesigem Kirtag und vielen Ständen. Big Buddha thront auf der Hügelkuppe und schaut verschlafen in die Ferne. Im Areal unter seinem Gesäß befindet sich passender Weise ein WC. Man könnte also sagen, er sitzt am Klo. Rundherum sind ebenfalls viele Stände von Essen bis Kuriositäten. Die Aussicht auf die Südspitzen der Insel ist nicht schlecht.

Wir verlegen uns für einige Tage nach Patong, dem Zentrum für die Nachtschwärmer Phukets, genießen die allabendliche Live-Musik und bestaunen alles was da abends so durch die Gassen kreucht und fleucht. Nachdem wir leichtes Ohrensausen bekommen, messen wir im Lokal die Lautstärke mit dem Smartphone. 115 Dezibel. Das ist in etwa so laut wie ein Passagierflugzeug beim Start in 100 Metern Entfernung. In Österreich sind zum Beispiel bei einem Zeltfest 93 musikalische Dezibel erlaubt. Plus sechs Dezibel sind eine Verdoppelung des Schalldrucks. 115 Dezibel sind also ungefähr drei Mal so laut wie 93. Für einige Abende ist das kein Problem aber das hier arbeitende Personal kann einem schon leidtun.

Nachdem wir derzeit ohne Gäste unterwegs sind, segeln wir nur wenn der Wind passt. Wind gibt es derzeit nur wenige Stunden am Tag. Und dann ist es meist nicht viel. Aber genug um einige Inseln und Buchten anzufahren. Glück haben wir mit der Ostseite der Insel Ko Mai Thon. Man muss zwar schnorcheln, um eine der ausgelegten Muringleinen unter Wasser zu finden, da das Ankern verboten ist, aber wenn man erst mal hängt, ist das Schnorcheln toll. Man hängt direkt über den Korallen und in einer halben Stunde im Wasser sehen wir zwei stattliche Schwarzspitzenriffhaie, eine Schildkröte und jede Menge bunte Rifffische samt zugehöriger Korallen. Auch der Fehlerteufel schlägt wieder einmal zu. Der in Neuseeland vor zehn Monaten ersetzte Lewmar Genua-Schotwagen ist wieder kaputt. Mal sehen wie die Gewährleistung in Neuseeland funktioniert. Wir rechnen nicht damit. Nachdem weder Martin noch der hier ansässige Spezialist den Wassermacher reparieren kann, macht sich dieser mit DHL auf den Weg zu seiner Geburtsstätte nahe Barcelona. Der Wassermacher wird trotz beiliegender Pro Forma Rechnung vom spanischen Zoll festgehalten. Dabei ist es offensichtlich, dass er in Europa hergestellt und gekauft wurde, gebraucht ist und nur zur Reparatur kurz in die EU gesendet wird um dann wieder zu uns zurückzukommen. Als Bürger fühlen wir uns nicht zum ersten Mal willkürlich und ungerechtfertigt durch EU-Behörden gegängelt. Der Zoll möchte ungerechtfertigter Weise Bearbeitungsgebühr und Importzoll und/oder Mehrwertsteuer einheben obwohl keine anfällt. Mal sehen wie lange das dauert und wieviel es dann trotzdem kostet.


Kurzvideo: Tauchen auf den Similan Islands

Martin entschließt sich, einige Tage auf einem Tauchboot in den Similan-Islands zu verbringen. Mit dem Bus und dem Schnellboot geht es in vier Stunden zum vor Ort liegenden Tauchboot. Elf Tauchgänge in drei Tagen und zwei Nächten sind eine Ansage. Dabei verbringt man 20 Prozent der Zeit unter Wasser. Die Sicht ist einmal besser, einmal schlechter und die Strömung einmal mehr und einmal weniger. In Summe ein gelungener Ausflug. Fischreichtum und Größe sind sehr gut. Die Korallen sind schön und man sieht einiges, das einem nicht so oft über den Weg flosselt. Oktopusse, Tintenfische, Langusten, Seeschlangen, jagende Muränen, große Schwärme kleiner Fische, riesenhafte Papageien- und Drückerfische, jede Menge Thunfische und so weiter. Die Szenerie der unbewohnten unter Naturschutz stehenden Inseln erinnert laut anderen Teilnehmern teilweise an die Seychellen. Auf dem Tauchboot tummeln sich Gäste aus der ganzen Welt inklusive aus den momentan im Krieg befindlichen Ländern Russland und Israel. Es ist sehr interessant, die persönlichen Meinungen der Betroffenen zu erfahren. Kerstin hütet derweil das Boot vor Anker in Nai Harn. Auf einer Kreuzfahrt würde das wohl „Erholung auf See“ heißen. Sie genießt die Ruhe an Bord ohne Skipper. Öl- und Thai-Massagen stehen ebenfalls auf ihrem Programm. „Zu 75 Prozent tut das einfach nur weh“ meint Martin. Man hofft halt, dass es danach besser wird. Es wird auch besser, denn wenn die Massage vorbei ist, lässt der Schmerz auch nach.

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