Auf dem Weg nach Phuket und ins neue Jahr

Die Wartung der Rettungsinsel und der Feuerlöscher steht an. Die Insel ist ziemlich schwer und unhandlich. Außerdem war es schwierig, für unsere italienische Rettungsinsel jemanden zu finden, der sie wartet. Der erste Fahrer verweigert gleich einmal die Fahrt, weil er meint die Insel wäre zu schwer für das Auto. Er ignoriert das Argument, dass das Auto für mindestens vier Personen zugelassen ist und die Rettungsinsel leichter als eine Person ist. Mit dem zweiten Fahrer klappt es. Es ist ziemlich weit und wir finden die Werkstatt verlassen vor. Die Bürodame am Telefon lotst uns zu einem anderen Ort. Dort angekommen, sollen wir wieder zur Werkstatt fahren. Außerdem wären die qualifizierten Arbeiter gerade die ganze Woche auf Schulung. So funktioniert das nicht. Der Chef wird von Martin aufgeklärt, dass wir für heute einen Termin haben und übermorgen wieder fahren. Daraufhin beweist der Chef Sportsgeist und bringt die Rettungsinsel zu einer zwei Autostunden entfernten Werkstatt und wieder retour. Die Rettungsinsel ist nach zwei Tagen pünktlich wieder an Bord. Die Feuerlöscher sind auch gewartet. Allerdings werden sie vom Mitarbeiter unabsichtlich über den Steg gekippt und einige Verschlüsse brechen ab. Der Chef nimmt die Feuerlöscher wieder mit und bringt sie in der gleichen Nacht wieder. Natürlich vergisst er die Splinte zur Sicherung der Feuerlöscher-Hebel. Mit der Bitte, diese mit der Post zu übermitteln verlassen wir diesen Ort.

Silvester feiern wir in Koh Lanta am Klong Dao Beach. Das ist ein toller Sandstrand, so breit, dass wir das Dinghi nur mit vereinten Kräften zur Hochwassermarke bringen können. Die Tide beträgt hier fast drei Meter und der Strand ist flach. Nach der Plagerei haben wir uns ein Bier zur Happy Hour in der nächsten Beachbar verdient. Das Publikum ist gemischt. Familien mit Kindern verbringen ihre Ferien hier. Gleichzeitig sind viele ältere Leute da, die den Winter hier verbringen. Direktflüge aus den meisten europäischen Großstädten machen das Reisen leicht. So werden viele Bungalows gleich für mehrere Monate angeboten. Wir können das gut verstehen, heizen im Winter in Österreich ist vielleicht nicht viel günstiger als hier zu leben. Dazu trifft man auch immer wieder Freunde aus den Jahren davor. Covid hat aber auch hier zu Veränderungen geführt. Trotz fehlender Einkünfte ist die Pacht der Beachbars erhöht worden, sodass einige den Standort wechseln mussten und andere ganz geschlossen haben. Staatliche Unterstützung gab es kaum. Auch einige Dauergäste sind ferngeblieben, da sie während Covid ihre Reisegewohnheiten geändert haben. Während eines Lockdowns möchte man vielleicht doch lieber zuhause sein. Kathja und Sven als Thailand-Erfahrene führen uns durch den Ort, zeigen uns die besten Restaurants und Massage-Anbieter. Entsprechend gut speisen wir und machen uns für die große Silvesterparty bereit. Die älteren Herrschaften sitzen vor dem Ressort mit Buffet, die Kinder laufen quirlig durch die Gegend. Man hört ein Sprachen-Wirr-Warr. Auch immer mehr russisch. Die Beschilderungen sind zum Teil auch in kyrillischer Schrift verfasst. Wem will man es verdenken, dass man dem Krieg entfleucht wenn es geht. 

Am Strand bauen Ressorts und Bars ihr Feuerwerk auf. Zum Einstieg gibt es jede Menge Feuershows. In der Easy Bar ist der Sekt schon aus, so stoßen wir mit Bier an. Pünktlich zum neuen Jahr werden Feuerwerkskörper abgeschossen als gäbe es kein Morgen. Wahrscheinlich wäre der Ausblick vom Boot aus am spektakulärsten, aber wir wollen ja mittendrin sein. Der mitternächtliche Donauwalzer findet nur in unseren Köpfen statt. Das neue Jahr gehen wir gemütlich an, Friseur, Massage und relaxen. Die weiten Segelstrecken haben wir diese Saison hinter uns und wir können nun von Bucht zu Bucht bummeln.

Da etwas Wind angesagt ist, machen wir uns am nächsten Tag auf nach Ko Rok, bestehend aus einer südlichen und nördlichen Insel mit einem Pass in der Mitte, der eine beachtliche Strömung birgt. Wir machen an einer Boje fest und liegen damit sicher. Aufgrund der Schönheit der Inseln werden viele Touristen von Phuket bis Krabi als Tagesausflug hierher geschippert. Eigentlich handelt es sich um einen Nationalpark, für den wir auch eine Gebühr zahlen müssen. Für die Eiligen gibt es eine Tour mit vier Inseln an einem Tag. Da wird man am Steg der nördlichen Insel abgesetzt. Nach 2 Stunden geht es noch schnell schnorcheln und dann weiter zur nächsten Insel. Sind wir froh, dass wir nicht im Urlaubsstress sind. In der Nacht sind wir fast alleine in der Bucht. Wir landen mit dem Beiboot in Ko Rok Yai an und sehen ein Schild, das einen Rundweg von 1,2 Kilometer über die Insel anzeigt. Gleich morgens machen wir uns auf den Weg. Es geht über Treppen in ungleichen Stufen auf und ab. Dabei handelt es sich gleichzeitig um den Tsunami Fluchtweg, der zur höchsten Stelle der Insel führt. Laut Fitnesstracking-App haben wir 3,5 Kilometer zurückgelegt, was auch mit unserer Wahrnehmung besser zusammenpasst als die 1,2 Kilometer vom Schild. Zur Belohnung kommt auch noch ein großer Waran aus dem dichten Unterholz und präsentiert sich im Sonnenlicht für ein Foto. Natürlich schnorcheln wir im Pass. Die Sicht ist nicht besonders aber die Korallen sind schön. Die meisten Fische finden wir in der Nähe unseres Bootes. 

Heute lassen wir uns wieder Zeit und bummeln nur 16 Seemeilen nach Ko Ha Yai. Die Insel ist für Schnorchler und Taucher interessant. Die hiesige Rangerstation ist auf einem Boot installiert. Wir dürfen dieses Mal sogar mit dem Ticket der letzten Insel bleiben, da sie zum gleichen Nationalpark gehören. Die wenigen Bojen sind gefährlich nah an den Felsen. Dort hängen Schnellboote mit Touristen für die Blitz-Schnorchel-Session. Für die Nichtschwimmer unter den Touristen sind überall Leinen gespannt, damit sie mit ihren Schwimmwesten nicht aus dem sicheren Bereich heraustreiben. Bei Sonnenuntergang kehrt wieder Ruhe ein. Wir sind begeistert von den riesigen Fischschwärmen in der Lagune. 

Wie fast jede Nacht kommt Wind auf und die Wellen schaukeln uns dermaßen, dass der entspannte Nachtschlaf heute ausbleibt. Das ist der Preis, wenn man zu dieser Jahreszeit an der Ostseite einer Insel festmacht. Zwischen November und Mai herrscht Nordostmonsun. Morgens machen wir uns gleich auf nach Ko Racha Yai. Hier wimmelt es nur so von Booten, sodass wir froh sind, eine freie Boje zu erwischen. Wir fahren mit dem Dinghi zum feinen Sandstrand für einen Ausflug zum Restaurant und zur Strandbar mit perfektem Blick aufs Wasser. 

Heute geht es früh los, da wir langsam in Thailand einklarieren müssen. Nach zehn Tagen sollte man den Aufenthalt in Thailand offiziell bestätigen und in Phuket einklarieren. Hermann aus Österreich auf seiner 2fast4you haben wir in Panama kennengelernt und in Französisch-Polynesien wieder getroffen. Er ist vorausgesegelt und hat uns für Malaysien und Thailand mit hilfreichen Informationen unterstützt. Nun freuen wir uns auf ein Wiedersehen. Er lotst uns zum besten Ankerplatz beim Einklarieren und informiert uns über Abläufe und Korruption. Das Einklarieren funktioniert nach einiger Wartezeit gut. Wieder auf dem Boot fahren wir zu einem klapprigen, halb verrosteten kleinen Frachter, der sowohl Diesel als auch Wasser verkauft. Das Anlegen ist abenteuerlich. Es handelt sich leider nicht um Trinkwasser, Diesel tanken wir durch unseren Filter, dann legen wir ab Richtung Nai-Harn-Bucht. Dort winkt uns Hermann schon beim Ankermanöver zu. Wir tratschen beim Sundowner und gehen gemeinsam über den mit Dinghis überfüllten Steg in das am Strand liegende nette Restaurant „On the Rock“. Das Essen in Thailand schmeckt ausgezeichnet und ist meist günstig.

Jetzt bleiben wir erst einmal in Nai Harn in der Nähe von Phuket. In Phuket soll es vieles zu kaufen geben, daher machen wir uns auf den Weg auf die Ersatzteilrallye. Martin hat im Vorfeld schon mal recherchiert, eine leichte kleine Tauchflasche bestellt, einen Menschen gefunden, der vielleicht unseren Wassermacher reparieren kann und einen großen Shop, wo man vielleicht eine neue Batterie für unsere EPIRB bekommt. Also rein ins „Grab-Auto“. „Grab“ funktioniert in Asien wie Uber. Manchmal kommt es zu lustigen Momenten mit den Fahrern. Einmal benachrichtigt uns die App: „Your driver is Deaf.“ Nachdem „Deaf“ großgeschrieben ist, glauben wir, dass er Deaf heißt. Er gibt sich wortkarg. Die Frage, ob er kurz auf uns warten kann, bejaht er und brumm, weg ist er. Wahrscheinlich war er wirklich taub. Bei einem anderen Fahrer zeigt die App an, dass der Fahrer behindert ist. Wir sind neugierig welche Behinderung es wohl sein mag, dass man sie den Fahrgästen vorab mitteilen muss. Wir merken nichts bis zur Nennung des Preises. Da wussten wir, es ist eine Rechenschwäche. Denn er verlangt irrtümlicher Weise das zehnfache des Preises. Grab ist immer für Überraschungen gut. Der Stopp eins unserer aktuellen Fahrt: Abholen der Tauchflasche. Dazu brauchen wir im Stau eine dreiviertel Stunde. Nachdem wir Tauchkompressor und die schweren Stahlflaschen los geworden sind, brauchen wir zumindest eine gefüllte kleine Flasche, sollten wir den Anker mal nicht raufkriegen. Der Händler befindet sich in Patong, dem „Ballermann“ von Phuket. Tagsüber sieht man nicht viel vom Trubel. Die Flasche ist bereits da und wir können sie gleich mitnehmen. Das stellt uns vor das Problem, dass wir damit nicht spazieren gehen können. Deshalb geht es mit dem gleichen Fahrer von Patong quer über die Insel nach Ao Po zu einer neuen Marina. In der Marina finden wir nach langem Fragen und Suchen die Firma Bombora, die angeblich den Wassermacher reparieren kann. Der Chef ist nicht da, aber ein Mitarbeiter übernimmt zumindest unseren Wassermacher und Martin kriegt vom Chef telefonisch das Versprechen, dass er sich heute noch darum kümmert. Gut, dann schnell weiter zur Boatlagoon Marina, die leider immer überfüllt ist. Dort sind auch alle wichtigen Geschäfte für Bootszubehör. Die meisten sind sonntags geöffnet und gut ausgestattet. Im Geschäft „East Marine Asia“ kriegt man den Mund vor lauter Staunen nicht zu. Die haben wirklich fast alles, leider finden wir unsere wichtigsten Dinge nicht. Vor allem nicht unsere streikende Starterbatterie mit je zwei Plus- und Minuspolen. Nach langem Recherchieren kommen wir darauf, dass diese wohl in Thailand nur zum doppelten Preis erhältlich ist und wir verschieben den Ersatz auf den Zeitpunkt, wo wir zurück in Langkawi sein werden. Dort hat uns ein chinesischer Händler versprochen, dass er unsere Batterien zu einem normalen Preis ersetzen kann. Auf Lithium wollen wir nicht umsteigen, weil wir jetzt schon nicht wissen, wohin mit der ganzen Solar-Power. Deshalb werden es wieder AGM-Batterien werden. Gut, dass unsere streikende Starterbatterie mit der Haushalts-Batteriebank zusammengeschlossen werden kann, so dass der betreffende Motor auch mal ohne Starterbatterie auskommt. 

Weiter geht es zum Bangkok-Hospital in Phuket. Mit der Tauchflasche schreiten wir zur Anmeldung. Es gibt eine neue Dengue-Fieber-Impfung, die man auch ohne vorherige Infektion bekommen kann. Nachdem wir uns lange in den Tropen aufhalten, macht das für uns absolut Sinn. Nach Ausfüllen eines Fragebogens und Blutdruckmessen sowie ärztlicher Aufklärung bekommen wir den ersten von zwei Shots. Danach geht es zum Kassier. Die Impfungen kosten hier ungefähr die Hälfte von zuhause. Der Ablauf ist professionell und das Krankenhaus ist eines der schönsten, das wir je zu Gesicht bekommen haben. Sogar Starbucks liegt gleich rechts neben der Anmeldung. Nach drei Stunden reiner Fahrzeit rund um Phuket und den Aufenthalten sind wir froh, wieder beim Boot anzukommen. Das Tourismusprogramm verschieben wir auf morgen. 

Die Altstadt von Phuket ist sehr schön. Hippe Lokale und Cafes in historischen Häusern reihen sich aneinander und wechseln sich mit schönen Geschäften ab. Man kann kaum Fotos machen ohne Personen am Foto zu haben, die Fotos machen. Wir möchten noch das Kloster „Wat Khao Rang Samakkhitam“ besuchen, laut Reiseführer ein Muss. Wir gehen versehentlich in den Hintereingang rein und wundern uns, warum wir keine lange Kleidung tragen müssen. Die Tempel glitzern und glänzen. Sie sind so angeordnet, dass man Stufen hinaufgehen muss. Die kommen wir nun hinunter und am Fuß der Treppe stehen Statuen mit Getränken als Opfergabe. Diese sind für die Mönche, die kein Geld und Eigentum haben und so versorgt werden. Auch viele Wirte servieren ihnen gratis Essen. Manch ein hungriger Mönch ist angeblich kein echter. Der Aussichtspunkt von Khao Rang bietet einen unspektakulären Blick über die Stadt. Allerdings gibt es hier das Tunk-ka Café. Man geht vom Aussichtspunkt direkt in das nette Dschungelcafe. 

Im Lokal „Stammtisch“ mit heimischer Küche treffen wir uns mit Hermann. Hier geht Martin nach so langer Zeit ohne heimische Küche das Herz und auch der Magen auf. Nach einem originalgetreuen Leberkäse bestellt er glatt noch ein Gulasch hinterher. Ganz klar, hier sind wir nicht zum letzten Mal. Eigentlich ist die thailändische Küche hervorragend, aber nach vielen Monaten freut man sich über heimische Hausmannskost.  In Thailand gibt es viele deutschsprachige Langzeitgäste aus Europa, die ebenfalls so ein Stück Zuhause lieben. 

Schließlich wartet auch wieder Arbeit auf uns. Martin hat am Mastfuß eine abgefallene Mutter entdeckt. Und wo eine lose Mutter ist, muss auch eine lose Schraube sein. Jetzt heißt es erst einmal den Mast rauf. Nach einer kompletten Mastinspektion findet Martin den Übeltäter in Stehhöhe und kann die Schraube wieder befestigen. Unser Laptop-Bildschirm geht in Altersteilzeit und zeigt Streifen an. Gut, dass es in Phuket zahlreiche Reparaturservices für Elektronik gibt. Nach zwei Tagen sehen wir wieder streifenfrei.

Nach getaner Arbeit besuchen wir am Abend Patong mit großem Strand und noch größeren Lokalen mit Party-hungrigen Menschenmengen. Sofort hält man uns die obligaten Ping-Pong-Show-Schilder vor die Nase und Ladyboys posieren auf der Straße. Es gibt aber auch viele Lokale mit toller Livemusik und ebensolcher Stimmung. Als die letzte Band um drei Uhr morgens einpackt, treten wir den Heimweg an. Am nächsten Tag müssen wir einen Gang zurückschalten. Wir sind halt keine zwanzig mehr. 

Die Jubelmeldung, dass der Wassermacher repariert zurückkommt, entpuppt sich als falsch. Am Boot angeschlossen, produziert er nicht nur kein Wasser sondern jetzt leckt er auch noch. Die meisten Komponenten hatte Martin schon vorher auseinandergebaut und den Fehler nicht gefunden. Nun baut Martin auch die Boosterpumpe aus und gibt sie dem „Reparateur“ zusätzlich mit. Nochmals mit konkreten Anweisungen, wo er suchen muss. Das Trinkwasser Schleppen geht also für uns weiter. Aber auch das Bummeln durch die wunderschönen Buchten rund um Phuket. 

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