Die Fahrt nach Penang erfordert noch einmal unsere volle Konzentration. Neben Schmutz und Gestrüpp bringen uns die Fischer wieder zum Slalomfahren. Große Quallen umringen das Boot. Die Marina in Penang ist so gut geschützt, dass wir kaum hineinkommen. Ein Baggerschiff steht vor der Einfahrt, trotzdem zeigt unser Tiefenmesser nur 0,8 m an. So tasten wir uns vorsichtig in die Marina, zeitweise vermutlich mit nicht mit mehr als der sprichwörtlichen Handbreit Wasser unter dem Kiel. Erst mal angekommen, fühlen wir uns super. Infinity braucht eine Wäsche, das Einklarierungsverfahren will erledigt und die Crewliste erweitert werden. Kathja und Sven von der Ananda, die jeden Sommer Yogacruise in Griechenland anbieten, kommen zu uns an Bord. Nach fast vier Jahren seit unserem gemeinsamen Lockdown in der Marina in Trogir haben wir uns viel zu erzählen. Nicht lange nach uns schleicht ein uns sehr bekannter Mast in die Marinaeinfahrt. Unten dran ist die SV Wasa mit Paul und Jannis. Beide sind von den langen Motorfahrten ermüdet und sehnen sich nach einer Pause. Das können wir sehr gut verstehen und wir hoffen ebenfalls auf Besserung von Wind, Wasserqualität, Krokodilen und Quallen.
Auf der Insel Penang befindet sich Georgetown, genau wie Malakka ein UNESCO Weltkulturerbe als alte Kolonialstadt in der Straße von Malakka. Hier gefällt es uns gut. Mit einer Rikscha lassen wir uns durch das chinesische und das indische Viertel kutschieren und schauen uns die alten hölzernen Docks an, die bewohnt sind und wo Händler alles Mögliche anbieten. Neben den historischen Gebäuden gibt es auch eine sehr bekannte und vielfältige Streetart-Szene. Die Stadt lädt zum Bummeln ein, hinduistische und buddhistische Tempel wechseln sich mit Moscheen und Kirchen ab. Alle Kulturen und Religionen sind sichtbar und hörbar, leben dabei wie wir es schon oft in den vergangenen Monaten erlebt haben, friedlich miteinander. Vielleicht ein Vorbild für andere Länder.





























Trotzdem zieht es uns weiter nach Langkawi, einer malayischen Inselgruppe direkt an der Grenze zu Thailand. Auf der privaten Insel Rebak gibt es eine Marina und ein Ressort, wo wir Weihnachten feiern wollen. Die Liegeplatzgebühr ist günstig und dazu erhalten Segler auf Speisen und Getränke 25 Prozent Rabatt. Obendrein gibt es einen gepflegten Pool und einen netten Strand. Grete und Leo von der Escape laden uns auf ein Weißbier ein. Die große österreichische Heimatflagge ist in der Marina nicht zu übersehen. Ihre Lagoon 380 haben sie sich zum Cruisen in Thailand gekauft. Die Weltumsegelung haben sie mit ihrer Amel „YinYang“ in Fidschi pausiert und YinYang haben sie einem Neuseeländer verkauft. Wie es der Zufall will, kommen wir im Gespräch drauf, dass wir wir in Whangarei neben YinYang gelegen sind. Wir haben uns über die österreichische Flagge gewundert, wobei der neue Eigner Neuseeländer ist.
Die Swiss Lady mit Claude und Theres findet sich auch für die Feiertage ein und natürlich dürfen Paul und Jannis nicht fehlen. So verbringen wir eine sehr lustige gemeinsame Zeit auf Rebak. Hier werden wir Infinity im Mai für die Pause während der Regenzeit aus dem Wasser nehmen. Auch werden wir im März hierher zurückkommen, da dann unser Visum für Thailand abläuft. Eine Gratisfähre pendelt zwischen der Rebak-Marina und der Hauptinsel Langkawi. Damit haben wir alle Annehmlichkeiten der Stadt und der ruhigen Insel. Leider finden wir niemanden, der unseren Wassermacher reparieren kann. Daher müssen wir in der Marina Wasser bunkern, da auch das Regenwetter nun hinter uns zu liegen scheint. Jannis als Experte für Motoren gibt unserer Starterbatterie seine letzte Ölung, sodass wir sie guten Gewissens ersetzen können. Immerhin hat sie uns mehr als fünf Jahre nie im Stich gelassen. Leider gibt es unsere Starterbatterie hier nicht zu kaufen, womit wir unsere Einkaufsliste in Phuket um einen Punkt ergänzen müssen.
Wie jedes Jahr dürfen wir über Videokonferenz bei der Entzündung des Christbaums zuhause bei unserer Familie dabei sein. Frohe Weihnachten! Nach einer ruhigen Weihnachtsfeier mit tollem Buffet in der Rebak Marina heißt es Abschied nehmen, nicht nur von Malaysien, sondern auch von Paul und Jannis, die beschlossen haben, nicht nach Thailand zu segeln, sondern eine Verschnaufpause einzulegen. Zum Abschied werden wir noch von Paul bekocht und wir genießen sein hervorragendes vegetarisches Curry auf Infinity. Da wir unseren Tauchkompressor zu selten nutzen, verschenken wir ihn in dem Wissen, dass Paul und Jannis ihn mehr nutzen werden. Tauchen vom Boot aus lässt bei uns oft die Entspannung vermissen, die wir damit verbinden, wenn man vom Tauchcenter gefüllte Flaschen bekommt und zur besten Zeit an die richtigen Stellen gebracht wird, um sorgenfrei dem Tauchguide nachzuflosseln. Kein Herausheben des Tauchkompressors aus dem Ankerkasten, keine Sorgen um das Dinghiboot am Tauchplatz mit den damit verbundenen oft langen Fahrten. Das Schönste am Schenken ist aber wie immer die Freude der Beschenkten.













Nach problemlosem Ausklarieren nehmen wir mit dem ersten Wind Kurs Richtung Thailand, wo wir Silvester feiern wollen. Für uns ist hier Schrift und Sprache noch ein Buch mit sieben Siegeln. Kathja und Sven bringen uns die wichtigsten Worte als erfahrene Thailand-Reisende bei. Unsere erste Nacht in Thailand verbringen wir auf der Insel Tarutao. „Insel“ heißt auf thailändisch „Ko“ bzw. „Koh“. Die Fischer in Thailand sind genauso fleißig wie ihre südlichen Nachbarn. Allerdings werden die Fischfallen kennzeichnenden Fähnchen immer kleiner und schwieriger auszumachen. Die Fischfallen schwimmen in einer Dichte, sodass Nachtfahrten hier für uns nur in der Fantasie stattfinden werden. Meist benutzen die Thai sogenannte Longtail-Boote. Am Heck ist ein offener Motor mit einer langen Propellerwelle befestigt, was ein wenig aussieht wie ein Stabmixer. Die Motoren sind ultralaut und es stinkt und qualmt wie aus einem Schornstein.
Am nächsten Tag geht es weiter nach Ko Bulon Le, einer kleinen Insel mit einigen Ressorts. Dort probieren wir das erste Mal die original thailändische Küche und sind sofort begeistert. Die Insel ist klein und leicht zu erwandern. Es gibt nur wenige schmale Wege, dafür allerdings zwei Sendemasten. Wir gönnen uns einen Kaffee im Lokal. Da kommt ein junger Mann schnurstracks auf den Kellner zu. Statt einer Begrüßung schnauzt er nur: „WIFI, Password“. Ein klassischer Fall zum Fremdschämen. Die Einwohner sind sehr nett, überall gibt es Photovoltaikanlagen, allerdings auch einen Generator; Kindergarten und High-School stehen im Grünen. Ein Mopedfahrer kommt auf einem klapprigen Beiwagenmotorrad um die Kurve und ruft unüberhörbar, dass wir bloß schnell aus dem Weg gehen sollen. Dazu grinst er von einem Ohr zum anderen.






















Für die Nacht fahren wir zu einem geschützten Ankerplatz auf Ko Petra. Die hiesigen Inseln bestehen aus Granitfelsen mit Höhlen und eigenartigen Felsformationen. Auf den unbewirtschafteten Stränden sammelt sich leider überall Plastikmüll an. Vor Ko Petra genießen wir den Sonnenuntergang an einer steilen Felswand. Die Drohne haucht heute ihr Leben aus. Nachdem sie ein Foto von uns Vieren auf dem Deck gemacht hat, versinkt sie stromlos im Meer obwohl sie voll aufgeladen war. Klassischer Selbstmord. So schlimm sahen wir eigentlich gar nicht aus. Nach dem Thema „Tauchkompressor“ ist damit ist auch das Thema „Drohne“ für uns erledigt. Weniger Zeug, weniger Komplexität, weniger zu warten, zu reparieren, upzudaten, weniger Gewicht am Schiff und weniger Sorgen. Mit einem Wort „besser“. Allmählich verbessert sich auch der Nachtschlaf, da Temperaturen und Luftfeuchtigkeit nicht mehr so lähmend sind wie zuletzt in Malaysien.
Für den folgenden Tag planen wir einen Schwimmstopp und einen weiteren Ankerplatz für die Nacht ein. Die Entfernung zwischen den einzelnen Inseln und Ankerplätzen erinnert uns ein wenig an Kroatien. Für jede Windrichtung gibt es ein geschütztes Plätzchen. Dementsprechend ist Thailand auch ein beliebtes Charterrevier. Ko Liang besteht aus zwei Hälften, wobei man genau in der Mitte ankern kann. Auf einem Strand sollte eine Backpacker-Unterkunft sein mit einem Cafe. Da erst einmal eine Gebühr fällig wäre und man uns nichts weiter anbieten kann, verlassen wir das halbe Eiland wieder. Zwischen den beiden Inselteilen knattern die Longtail-Boote hin und her. Auf der südlichen Insel finden wir am schönen Strand einen Plastikfriedhof, aber auch großartige Ausblicke zu den umliegenden Granitriesen. Auf Ko Muk machen wir es uns am Strand in der Mong Bar gemütlich. Nach so langer Zeit in relativer Abgeschiedenheit freuen wir uns über das lebhafte Treiben. Sven und Kathja erkunden die Insel, während wir die Morakot Höhle besichtigen. Es handelt sich dabei um einen versteckten Strand, zu dem man nur durch eine Höhle vom Meer aus schwimmend Zugang findet. Während der Zeit um Niedrigwasser kann man durch den dunklen Tunnel schwimmen, um zum einsamen Sandstrand zu gelangen. Gut, dass nicht viele Gäste die Tour bereits am Morgen machen. Ein schöner Platz mit kraterartiger Öffnung für den innenliegenden Strand mit hochaufragenden bewachsenen Granitwänden.
Aufgrund der unzähligen Möglichkeiten an Ankerplätzen fällt uns die Entscheidung bezüglich Route nicht leicht. So fahren wir die gerade mal drei Meilen entfernte Insel Kradan an und hängen uns für eine Nacht an die Boje. Kradan wird als Schnorchelstopp empfohlen. Die Sicht unter Wasser ist leider schlecht, es gibt Fische aber das Riff ist halb abgestorben. Nachdem der Strand von Kradan von einer britischen Zeitschrift als „schönster Strand der Welt“ gekürt wurde, kommen pro Tag zwischen 60 und 300 Boote her. Hunderte Touristen tummeln sich am Strand. Sonnencreme ist Gift für die Korallen. Der Strand ist wirklich schön, auch wenn er nicht zu unseren Topfavoriten gehört. Gegen Abend verschwinden die Menschen wieder und die nun eingekehrte Ruhe erscheint fast geisterhaft. Die Natur scheinbar unberührt. Nur die Lichter am Strand zeugen von den Bewohnern. Der Status als Nationalpark hindert einige Angler nicht daran, die bisher verbliebenen Fische zu fangen. Trotz der schönen Stimmung geht es heute früh ins Bett, denn morgen ist Silvester.

Hallo zusammen,
Eure Berichte sind sehr interessant und informativ. Dank der Fotos können wir uns die wunderschönen Strände und Orte vorstellen und somit an Eurer Reise teilnehmen.
Es freut uns, dass Kathja und Sven auch mit dabei sind.
Wir wünschen Euch weiterhin eine gute Reise und stets eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.
Liebe Grüße
Traudel und Helmut
Vielen Dank, das freut uns. Wir sind auch froh, dass Kathja und Sven dabei sind. LG