Malakka und Kuala Lumpur

In der Straße von Malakka fahren wir entweder dicht an der Großschiffahrtsstraße oder bei Tageslicht. Das anzutreffende Treibgut gibt uns recht. Senkrecht im Wasser treibende Baumstämme, Fischernetze, Holzstücke, Müll und so weiter. Wie erwartet gibt es hier kaum Wind, deshalb ist ein voller Dieseltank und mindestens ein funktionierender Motor Pflicht. Dazu kommend die häufig auftretenden Gewitter samt heftigem Regen. Wenn es zu blitzen beginnt, räumen wir gerade entbehrliche elektronische Geräte in den Backofen und stecken alle Stecker aus. Ein GFK-Schiff ist kein faradayischer Käfig, deshalb muss man sich anders behelfen. Zusätzlich halten wir uns selbst vom Mast und Stahl an Bord fern.  

Nach einem Zwischenstopp im Süden der kleinen Insel Pisang wo wir gerade noch dem kilometerlangen Schleppnetz eines Fischers ausweichen können, geht es nächsten Morgen weiter nach Malakka. In Malakka ankern wir auf 5 Metern Wassertiefe vor der Marina und gehen mit dem Dinghi in der Marina an Land. Die Altstadt ist geprägt durch rot gefärbte Bauten aus der niederländischen Zeit. Es finden sich aber auch noch der alte hölzerne Sultanspalast, die steinerne portugiesische Festung aus dem 16. Jahrhundert und elegante Gebäude aus der späteren britischen Phase. 

Malakka war schon immer ein Handelsplatz wo sich die Seefahrer der Chinesen, Europäer, Indonesier sowie weiterer Völker zum Feilschen trafen. Ein spannender Platz. Besonders ist hier nicht nur die Geschichte, sondern auch die Fahrradrikschas, die mit Stofftieren bekannter Comics und grellen Farben geschmückt sind. Dabei hat jede Rikscha ein eigenes Thema. Von „Hello Kitty“ bis zu „Arielle“ der Meerjungfrau ist alles dabei. Besonders stolz sind die Betreiber auf deren Soundanlage. Mit ohrenbetäubendem Krach werden die Touristen durch die Innenstadt geradelt. Am Fluss liegt die nette und abwechslungsreiche Barmeile. In Malaysien gibt es überall mehr oder weniger schwer nachzuvollziehende Bierangebote in den Lokalen. Das interessanteste Angebot, das wir entdeckt haben ist: Vier kleine Bier kosten in Summe weniger als drei kleine Bier der gleichen Marke. Die Angebotserklärungen der Anwerber und die Rechnerei bei den Happy-Hour-Angeboten haben einen hohen Spaßfaktor. Das führt so weit, dass man aus einem Sektkübel einen Golfball ziehen muss um ein Angebot zu gewinnen. Schwieriger wird es nicht.

Am nächsten Morgen geht es weiter nach Port Dickson. In der Admiral Marina gibt es wieder einen Pool, eine Bar und so weiter. Alles was das Herz begehrt. Um den Diesel wird sich ebenso umgehend gekümmert wie um die Wäsche und um das Wasser. Tja, unser Wassermacher hat den Geist aufgegeben. Im Kontakt mit dem Hersteller konnte Martin das Problem auf die Hochdruckpumpe eingrenzen. Es fließen viele Stunden Arbeit hinein – bisher leider ohne Erfolg. Wir haben ja viel Werkzeug mit, aber einen „Stirnlochschlüssel“? Wir hoffen, den kriegt man hier irgendwo. Inzwischen sammeln wir Regenwasser und sehen uns Kuala Lumpur an. Mit dem Auto geht es in die Hauptstadt. Unser Fahrer hat chinesische Vorfahren und kann kein Englisch. Die Adresse des Hotels überträgt er in sein Navi und prompt bringt er uns zum falschen Hotel. Nachdem wir uns damit nicht zufriedengeben, beginnt eine dreiviertelstündige Odyssee um unser richtiges Hotel. Der Fahrer gibt sich beratungsresistent bis er schließlich aufgibt und nach unserem Navi fährt. Uns macht die gratis Stadtrundfahrt nichts aus. Diesmal haben wir Glück mit dem Hotel. Ein Hochhaus mit Pool auf dem Dach und tollem Ausblick auf zwei der sieben höchsten Gebäude der Welt. Die Petronas Towers sind die Nummer sieben und das neue über 600 Meter hohe Merdeka-118-Gebäude, dessen obere Stockwerke oft in den Wolken hängen, ist die Nummer zwei. 

Historische Gebäude findet man nicht allzu viele. Der Sultanspalast, einige Tempel, der alte Markt, der Bahnhof und die Moschee am Fluss zählen zu den älteren Semestern. Ansonsten kann man hier tolle neue Architektur bestaunen. Natürlich wollen wir auf das zweithöchste Gebäude der Welt. Dieses Unterfangen müssen wir aber schweißgebadet aufgeben, denn es ist noch nicht fertig und die Rezensionen im Internet sind entweder ein Fake oder der Turm ist für Touristen vorübergehend geschlossen. Schließlich geben wir uns mit den Petronas Towers zufrieden. Tickets wollen wir am Eingang erstehen wo man uns erklärt, dass sie für die nächsten Tage ausverkauft seien. Aber wenn wir bar zahlen geht es zufällig in einer halben Stunde. Klingt zwar mafiös, aber dann zahlen wir halt bar. Die Aussicht von der tieferliegenden Brücke zwischen den Türmen ist schon toll, aber vom 86. Stockwerk ist sie noch besser. Glücklicherweise sind keine tiefhängenden Wolken im Blickfeld und wir genießen die zwei Mal zehn Minuten oben im riesigen Gebäude des staatlichen malayischen Ölkonzerns Petronas. In den Untergeschossen findet sich ein Einkaufszentrum, dessen Weihnachtsschmuck seines Gleichen sucht, ganz zu schweigen vom monströsen künstlichen Weihnachtsbaum vor dem Gebäude. Der Fluss in Kuala Lumpur heißt „Fluss des Lebens“ und  transportiert nach einem heftigen Regenguss so viel Müll, dass der Name „Fluss des Mülls“ wesentlich treffender wäre. Interessanter Weise sind ansonsten die Straßen in Malaysia relativ frei von Müll.  

Im chinesischen Viertel gibt es eine belebte Straße, an der am Abend tausende Speisende unter Dach sitzen. Unweit davon befindet sich die schön besprühte Graffiti-Alley und eine Bar- und Restaurantstraße, die direkt in die Massage-Straße mündet. Alles da. Sogar ein Ikea. Nach Jahren Ikea-Abstinenz sammeln sich schon so einige Ikea-Wünsche im Frauenherz an.

Das nächtliche Schwimmen und die Aussicht am Dachpool entspannen uns und im klimatisierten Hotelzimmer schlafen wir selig. Das Klima hier ist schon anstrengend, weil es so heiß ist und eine derartige Luftfeuchtigkeit hat, dass man Tag und Nacht durchschwitzt. Da kommt man mit dem Trinken kaum nach. 

Von Port Dickson aus geht es weiter in der Straße von Malakka nach Norden, wo wir in Penang unsere nächsten Gäste Kathja und Sven erwarten. Wir haben uns vor vier Jahren im Lockdown in der Marina Trogir kennengelernt und freuen uns schon auf das Wiedersehen. 

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