Maupiti, Bora Bora’s kleine Schwester

Wie immer sind wir bei neuen Passeinfahrten ganz bei der Sache und beim Pass von Maupiti besonders. Der ist wirklich nur bei guten Bedingungen befahrbar. Von Weiten kann man keine Einfahrt sehen. Die brechenden hohen Wellen prasseln auf das Riff, dass die Gischt spritzt. Dann kommen wir zur Einfahrt, einer schmalen ruhigen Schneise in den brandenden Wellen. Danach folgt eine kurze Flussfahrt stromaufwärts. Immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis. Alles gut gegangen.

Maupiti schaut ähnlich wie Bora Bora aus, nur eben kleiner. Die Strände und Riffe sind genauso schön, allerdings gibt es hier keine großen Resorts oder teuren Restaurants. Als wir an Land gehen, fühlen wir uns gleich wieder auf die Tuamotus zurückversetzt. Es gibt ein paar kleine Lebensmittelgeschäfte, die fast ausverkauft sind. Einmal im Monat kommt das Versorgungsschiff, diese Woche wird es erwartet. Wegen der schlechten Wetterbedingungen und der hohen Wellen kommt es aber nicht durch den Pass. Da stellt sich die Frage, wann es wohl das nächste Mal kommen mag. Hähne gibt es jedenfalls zuhauf. Die ganze Insel kräht und gackert 24 Stunden am Tag. Komisch, dass es in den Geschäften keine Eier zu kaufen gibt. Vermutlich muss man sich dafür nur bücken. Es ist ähnlich wie auf vielen anderen Inseln. Dinge im Überfluss, wie Obst und Gemüse sowie Fisch gibt es nicht zu kaufen, dafür bekommt man sie geschenkt wenn man jemanden fragt. 

Wir sind jedenfalls positiv überrascht. Die Leute sind entspannt, freundlich, sie grüßen. Das einzige Restaurant hat sehr eingeschränkte Öffnungszeiten, sodass wir zu einem Snack gehen, den wir glatt übersehen haben. Es gibt einen großen Platz mit Vulkangestein begrenzt, wie früher die heiligen Stätten der Polynesier. Dahinter ist ein Gebäude, zu einem großen Teil aus Holz und mit Palmwedeln gedeckt. Dort gibt es tatsächlich etwas zu essen. Die Wirte dürfen wochentags allerdings ihren Gastraum nicht öffnen, weil es der Bürgermeister während der Schulzeit verboten hat. Es gibt nur Essen zum Mitnehmen. Also bestellen wir Chao Men, das sind chinesische Nudeln mit Fleisch und Gemüse. Schmeckt immer sehr gut. Da wir das Essen allerdings nicht mit zum Boot nehmen wollen, fragen wir nach einer Gabel. Da ist man sofort hilfsbereit, holt uns hinter die Hütte und richtet uns einen Sitzplatz am Bootsanlegesteg her. Dann bringen uns die beiden Besitzer auch richtige Teller und Servietten. Also irgendwie findet man doch immer eine Lösung. Was wir noch nirgendwo anders entdeckt haben, sind die Familiengräber, die sich hier vor jedem Haus im Garten befinden. Es sind mehr oder weniger aufwändig betonierte und geflieste Miniterrassen im Garten, die blitzblank geputzt sind. Auf manchen stehen Blumenvasen.

Eine Inselrundfahrt braucht hier kein Auto, man borgt sich ein Fahrrad für ein paar Stunden. Das hat keine Gangschaltung und ausschließlich Rücktrittbremse. Eigentlich fährt man ja nur in Küstennähe, da geht es nicht bergauf. Nach einem Viertel der Strecke gibt es aber dennoch steil bergauf. Da müssen wir schieben. Oben angekommen, sehen wir ein Schild, dass man auch runterschieben soll, weil die Bremsen für die Abfahrt nicht gut genug sind. Wir riskieren und brausen hinunter. Wie gut, dass es hier kaum Autoverkehr gibt. Der Weg lohnt sich auf jeden Fall, denn wir kommen zu einem wunderschönen Strand mit kleinen Pensionen. Jeder darf dort schwimmen, das Wasser ist klar, türkis und seicht. 

Beim Snack „Chez Mimi“, ist entsprechend viel los. Die Sitzplatzwahl ist nicht schwierig. Man sollte nur darauf achten, nicht unter einer Kokospalme zu sitzen wegen herabfallender Nüsse. Weil Sturzhelm gibt es keinen bei der Fahrradmiete. Man trägt sich einfach seinen Tisch an den gewünschten Platz und wir genießen die Aussicht und die Atmosphäre. 

Außer uns kommen noch einige Jachten durch den Pass und warten auf ein Wetterfenster um Richtung Westen aufzubrechen. Nick, den wir beim Ausklarieren in Bora Bora kennengelernt haben, kommt auch an und wir verbringen einige schöne Stunden mit Weißbier in bayrisch-österreichischem Dialekt.

Ein Tiefdruckgebiet bringt das ganze Wettersystem durcheinander, der Wind kommt von Norden statt von Osten, teilweise so stark, dass sich viele andere Schiffe in eine etwas ruhigere Ecke verziehen. Jörg und Astrid von der Jams, die wir seit Fakarava immer wieder treffen, bleiben wie wir am Ankerplatz und es gibt ein tolles vegetarisches Menü auf ihrer Outremer und einen lustigen Abend.

Unser Anker ist bombenfest eingefahren, damit schaukelt es bei Böen bis 37 Knoten zwar, aber Sorgen machen wir uns keine. Wir machen kleine Ausflüge zum Pass. Donnerstag stehen die brechenden Wellen mitten im Pass, damit ist die Durchfahrt unmöglich. Freitag schaut es schon besser aus. Wir fahren mit dem Dinghi hin, Jörg schaut sich das Ganze von oben mit der Drohne an. Mit diesen Informationen legen wir fest, dass Samstag unser Abreisetag wird. Der Wetterbericht ist gut und wir bereiten uns auf die Downwind-Strecke vor. Der Bluewaterrunner wird in Stellung gebracht. 

Unser Törn wird zwischen 7 und 9 Tagen dauern. 1200 Seemeilen liegen vor uns bis nach Apia, der Hauptstadt von Samoa. Wir freuen uns schon sehr. Französisch-Polynesien hat seine Reize, aber fünf Monate reichen für uns. Samoa ist durch Neuseeland geprägt, bis vor einem Jahrhundert war es sogar einmal eine deutsche Kolonie. Gesprochen wird dort Englisch, was insbesondere Kerstin erfreut. Das Leben wird wieder günstiger und wir kommen unserem nächsten großen Ziel Neuseeland ein gutes Stück näher. Auf dem Weg dorthin werden wir in Längengraden gemessen die halbe Welt umsegelt haben. Wie schnell die Zeit vergeht.


Kurzvideo Drohnenflug in Maupiti

Noch ein letzter Video-Chat mit der Familie. Wir gratulieren Daniela und Christoph zur Hochzeit, die sie von Bora Bora aus bei uns kurzfristig organisiert haben. Hannah, unsere Ankerlichtbeauftragte, fragt am Telefon, ob das Ankerlicht auch aus ist. Elias, Strombeauftragter, fragt nach dem Batterie-Stand. Es war eine schöne Zeit mit euch.

Jetzt freuen wir uns auf eine längere Passage und auf die Ruhe da draußen, die Farben, den Wind und das dahin Rauschen auf dem pazifischen Ozean.

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