St. Lucia – Regenbögen, Regenwald und Meer

Wir kommen nach 15 Stunden flotter Fahrt freitags kurz vor der Dämmung in St. Lucia an. Über Funk antwortet wie so oft niemand in der Marina oder vom Zoll. So fahren wir einfach in die Rodney Bay Marina und parken am nächstbesten Platz. Dann erfahren wir, dass wir zum Einklarieren heute zu spät sind und am Steg bleiben müssen. Dafür kommen am nächsten Morgen zwei nette Damen vom Gesundheitsdienst vorbei. Sie haben unsere hochgeladenen Unterlagen vorab angeschaut. Es kommen keine Fragen nach Tests oder Ähnlichem. Sie geben uns ein blaues Band, auf dem steht, dass wir in der Caribbean Bubble sind und uns nach dem Einklarieren frei auf der Insel bewegen können. Ein willkommenes Wunder zu Corona-Zeiten!

Da wir schon neugierig auf die Insel sind, nehmen wir einen Leihwagen und fahren zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Es geht los Richtung Regenwald. Wir fahren zum Adventure-Park. Dort wollen wir mit einer Bahn durch die Baumkronen fahren. Die Straßen sind nicht besonders gut, kurvig und schmal. Außerdem ist das Lenkrad auf der falschen Seite und die anderen Autos sind lauter Geisterfahrer wegen der englischen Vergangenheit der Insel. Am Parkeingang werden wir nach dem Namen gefragt, dann wird Temperatur gemessen und wir dürfen aufs Gelände. Kaum ausgestiegen erfahren wir, dass der Park eigentlich schon zu hat. Wie schwierig kann es für einen Portier sein, die Öffnungszeiten zu kennen? Egal, Martin hat Fahrpraxis gesammelt, wir fahren durch den Regenwald und sehen uns einige Dörfer an. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist hier scheinbar nicht ganz so groß wie in Barbados. An der Ostküste machen wir in einem kleinen Fischerdorf halt. Das Meer auf der Ostküste ist wild, die Wellen können den ganzen Atlantik lang Anlauf nehmen und kommen mit entsprechender Gewalt daher. Man kann sich mit unseren Beiboot-Salto-Erfahrungen nicht vorstellen, wie die Fischer da raus- und wieder reinfahren. Wir setzen uns an einem kleinen Stand, wo der Wirt mit uns plaudert. Er spricht mit einem Einheimischen und fragt uns dann, was er gesagt haben könnte. Geklungen hat es wie ein Liebesgeständnis an Julia, tatsächlich hat er gefragt, ob der andere noch ein Bier mag. Die Sprache Patios setzt sich aus englisch, französisch, spanisch, holländisch und afrikaans zusammen. Klingt sehr schön, verstehen kann man nichts. Er erzählt, dass die Franzosen und Engländer hier lange bekriegt haben und die Herrschaft zwischen den beiden Ländern sieben mal hin und her gegangen ist. Im Dorf haben sich alle in Schale geworfen. Es ist Sonntag und sämtliche Kirchen haben ihre Tore geöffnet. Die Insel ist christlich und es gibt unzählige kleine Gemeinden. Die Zeugen Jehovas sind genauso vertreten wie die Katholiken und die Sieben-Tage-Adventisten. Rastafari gibt es natürlich auch. Im Auto hören wir Radio. Auch dort werden sonntags Kirchenlieder gesungen.

Am südlichen Ende der Insel hat man einen tollen Ausblick sowohl auf die Ost- als auch die Westseite der Insel. Dort befindet sich der Flughafen und die Stadt Vieux Fort. Anschließend fahren wir zum Tet Paul Nature Trail. Für uns ist dies ein absolutes Highlight. Die zwei prägnanten Berge sind der große und der kleine Piton. Auf diesem Trail, eigentlich ein Wanderweg, befindet man sich in der Mitte der beiden. Ein Reiseführer begleitet uns und erklärt uns alles über die Pflanzen, den Ackerbau, die Dörfer.

Eine weitere Sehenswürdigkeit nehmen wir noch mit. Angepriesen wird diese als „Drive-in Vulkan“. Nachdem wir doch schon einigermaßen Bewegung hinter uns haben, freuen wir uns über diese Möglichkeit. Und wieder die gleiche Prozedur: Maske, Name, Temperatur, Hände desinfizieren. Fürs Drive-in brauchen wir auch eine Reiseleiterin. Sie steigt mit uns ins Auto und wir fahren los. Nach 200 Metern ist die Fahrt auch schon zu Ende. Der „Vulkan“ ist eine Stinkbombe an einem Hügel mit blubberndem Schwefelwasser. Die Reiseleiterin hat aber alles ausgebügelt. Nett und witzig erzählt sie uns vom Vulkan und zeigt uns wieder Pflanzen. Auf der ganzen Insel wuchert Bambus, der irgendwann illegal eingereist ist. Mit einem Wachstum von 20 cm pro Tag ist das mittlerweile eine Plage und eine Gefahr für die heimische Flora.

Hier regnet es täglich. Stärker und länger in der Nacht, aber auch tagsüber kommen immer wieder kurze Schauer auf. Daher gibt es hier wunderschöne und spektakuläre Regenbögen zu sehen. Einmal kommt ein Regenbogen in unsere Bucht und schimmert ganz niedrig auf dem Wasser! Jedenfalls ist es nicht verwunderlich, dass die Insel so viele kräftige Grüntöne hat. 

Der Ort Rodney Bay bietet alles notwendige an. Es dauert zwar fast zwei Stunden um eine neue Simkarte zu erstehen, dafür gibt es preiswerte Brillen und einen guten Zahnarzt. Insgesamt ist die Marina sehr gut in Schuss. Die Leute sind sehr nett und man fühlt sich willkommen. Nachdem hier der Zielhafen der Atlantic Rallye for Cruisers ist, ist hier alles auf Yachties eingestellt. Die Hauptstadt Castries ist nicht sehenswert. In den Jahren vor Corona war es ein großer Kreuzfahrtschiff-Hafen. Jetzt ist fast alles verwaist. Weiter südlich ist die Stadt Soufrière empfehlendswert, die bunt und voller Leben ist.


Video-Eindrücke aus St. Lucia

Aber wir wollen wieder Meer sehen. Also machen wir uns mit dem Boot zum Jalousie Plantation Beach auf. Dort liegen wir Mutterseelen alleine in der ganzen großen Bucht mitten zwischen den beiden Pitons und werden ganz wunderlich. Die Eindrücke dieses UNESCO Weltnaturerbe lassen sich nicht mit Worten beschreiben. Da wir etwas zu spät abgelegt haben, kommen wir im Dunkeln in der Bucht an und wollen unser Bojenmanöver nach Lasso Art fahren. Man fährt zur Boje. Vorne fängt einer die Boje mit der Leine ein, zieht sie hoch und fädelt die vorbereitende Leinen durch. So viel zur Theorie. Tatsächlich ist es stockdunkel und Kerstin leuchtet vom Bug aus auf das finstere Wasser bis wir eine Boje ausmachen. Die Boje hat einen Durchmesser von einem Meter und ist ziemlich schwer. Martin gelingt es, die Boje zu fangen aber hochheben ist bei dem Gewicht nicht möglich. Nachdem die Schlaufen zum Festmachen oben auf der Boje und nicht wie sonst drunter sind, kriegen wir es ganz gut hin. Damit feiern wir unser erstes nächtliches Bojenmanöver im Stockdunkeln. Zu Feiern gibt es irgendwie immer etwas! 

Am Morgen kommen zwei junge Fischer vorbei und Martin fragt, ob sie uns Fisch verkaufen. Sie sagen, dass sie erst etwas fangen müssen und uns dann was bringen. Tatsächlich kommen sie bald zurück und wir laden sie auf ein Bier auf dem Boot ein. Sie erzählen von ihrer Arbeit beziehungsweise der derzeit fehlenden Arbeit und bieten uns an abends mit ihnen zu grillen. Nachdem es hier angeblich Lobster gibt, machen sie sich auf den Weg einen zu fangen. Unseren Fisch frieren wir ein, machen Kartoffelsalat für den Abend Vor Sonnenuntergang werden wir abgeholt. In einer kleinen Ecke am Strand liegen kleine Fische auf dem Grill, die größeren haben sie uns wohl schon verkauft, und ein Lobster. Sie haben ihn vorgekocht und er liegt zum warm halten auf dem Grill. Ein Cousin ist auch gekommen und zum Essen trinken wir Piton-Bier zwischen den Pitons und anschließend Rumpunsch. Auf dem Steg steht ein älterer, ausgemergelter Mann und schaut aufs Wasser. Wir fragen nach seiner Geschichte. Der Mann ist in der Bucht Elefantenpfleger gewesen bis zum Tod des Elefanten. Ein Engländer hat sich in der Bucht eine Villa bauen lassen und dann den Elefanten aus Indien hergebracht. Nach dem Tod des Elefanten hat sich der Pfleger wohl aufgegeben. Er wird hier gleich mitverpflegt. Unsere Fischer richten ihm einen Teller her, den er mit Genuss leer putzt.

Video: Tauchen in St. Lucia

Am nächsten Tag heißt es „umbuchten“. Wir fahren in die Anse Cochon, zu deutsch „Schweinebucht“. Da klingt das Französische gleich viel besser. In dieser Bucht gibt es ein Wrack zu betauchen und schöne Korallen. Größere Fische gibt es nicht. In dem Naturschutzgebiet oder eher „Fischer-Schutzgebiet“ wird ab dem Morgengrauen alles rausgefischt, was sich nicht bei drei hinter einer Koralle verstecken kann. In der Bucht treffen wir auf ein englisches Schiff. In den Hotels mit zugehörigen Restaurants und Tauchcenters gibt es zum Teil eine eigene Hotel-Bubble. Die Gäste werden vom Flughafen abgeholt und dürfen nur im jeweiligen Resort bleiben. Wir dürfen dort nicht hinein, da wir uns anstecken könnten und so das Corona-Virus außerhalb dieser Hotel-Bubble verteilen könnten. Der Manager eines dieser Hotels erlaubt uns, am Rand des Hotelstrands eine von der Hotelküche zubereitete Mahlzeit einzunehmen. Wir wundern uns schon über die günstigen Preise, bis wir auf dem Rechnungsbeleg sehen, dass die Preise in US Dollar und nicht wie üblich in karibischen Dollar waren. Den äußerst amüsanten Sundowner nehmen wir daher auf unserem Boot gemeinsam mit einem englisch-sibirischen Paar ein, das neben uns das einzige Schiff in der Bucht ist.

Die beiden Tauchgänge mit dem in St. Lucia verpflichtenden einheimischen Tauchguide sind interessant. Beim ersten Tauchgang schauen wir uns das einzige sehenswerte Wrack der Insel an. Es ist noch nicht sehr alt, die Sicht nicht überwältigend und der „Guide“ umrundet es gleich einmal in einer rekordverdächtigen Viertelstunde. Dabei „kriecht“ er fast am Meeresboden dahin, kommt mit den Flossen ans Wrack und schaut nicht nach uns. Wir beschließen beim zweiten Tauchgang den Guide zu ignorieren und uns auf die Natur zu konzentrieren. Das geht sehr gut und wir können die schönen Korallen und kleinen Fische genießen. Ab und zu lugen ein paar Fühler von den heimischen Lobstern hervor. Das sind die, die die besten Verstecke haben und deshalb bisher von den Fischern verschont geblieben sind.

Aber jetzt wollen wir in die berühmte Marigot Bay, einen tiefen steilen Einschnitt, den man gesehen haben muss. Voller Erstaunen stellen wir fest, dass auch hier fast keine Schiffe liegen. In der inneren Bucht liegen Marina-Bojen aus. Da wir aufgrund der Quantäneregeln des dazu gehörigen Hotels keine Leistungen in Anspruch nehmen dürfen, bleiben wir in der äußeren Bucht. Natürlich kommt sofort ein Boatboy an um uns beim Anlegen zu helfen. Er trägt eine Weihnachtsmütze und erklärt, dass er „Noel“ heißt wie „Weihnachten“ auf französisch. Zumindest hat er damit einen eindeutigen Wiedererkennungswert. Eigentlich möchte er uns Obst verkaufen, allerdings hat es der Boatboy der letzten Bucht übertrieben, als er seine Chance gesehen hat, unseren Kühlschrank mit Obst zu füllen. Wir nehmen ein wirklich gutes Mittagessen in einer einheimischen Strandbude ein. Das Ambiente ist authentisch und erfrischend anders. Die Leute dort verstehen wir zwar nicht, aber „Chicken, Fish und Beer“ ist international. Am Schluss machen wir noch einen Ausflug zum in der Bucht gelegenen Dr. Doolittle Strand, wo die erste Filmversion von Dr. Doolittle in den Sechzigern gedreht wurde.

Jetzt steht noch ein Treffen auf St. Lucia mit unseren deutschen Freunden von der Isabel an und dann geht es weiter nach Martinique. Kurz vor deren Abreise aus Barbados erfahren unsere Freunde, dass man von Barbados nach St. Lucia nur mehr mit 14 Tagen Quarantäne einreisen darf. Barbados gehört seit dem heutigen Tag nicht mehr zur karibischen Reise-Bubble. Flexibel muss man in diesen Zeiten sein, also starten unsere Freunde aus Barbados und wir aus St. Lucia direkt nach Martinique und werden uns eben dort treffen.

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