Als wir nach dem Essen ausatmen, merken wir, dass wir wieder in China sind. Selbst das Ausatmen fühlt sich im Mund noch scharf an. Das Essen ist gut aber die meisten Gerichte sind scharf gewürzt. Man gewöhnt sich daran. Überall gibt es gekochtes heißes Wasser in Boilern, das man in getrocknete Nudelgerichte füllen oder für Tee verwenden kann. Gekühlte Getränke und Getränke mit Kohlensäure werden hier kaum getrunken. Wir merken, dass wir mit heißer Suppe und warmem Tee viel weniger schwitzen als mit den bei uns gebräuchlichen gekühlten Getränken. Bahnhöfe, Flughäfen und U-Bahnstationen sind wieder überdimensional riesig und neu. Touristenattraktionen bedeuten in China gleichzeitig Menschenmassen, die sich wenig um anderer Gehweg scheren. Slalomgehen ist angesagt.
In den Straßen von Chengdu werben Verkäufer mit einer Art Stimmgabel Leute zum Ohrenputzen an. Dabei nimmt man auf einem Sessel Platz und die Gehörgänge werden mit verschiedensten Instrumenten bearbeitet. Chengdu ist aber berühmt für seine Pandabären-Aufzuchtstation. In den umliegenden Gebieten leben 1.800 Pandas in der Wildnis. Die ganze Stadt ist Panda-verrückt. Egal wohin der Blick in der 13-Millionen-Einwohner-Stadt fällt, man sieht mindestens einen Panda. Sei es als Eiscreme-Verzierung, als Sitz, Stoffpanda, Bild, Skulptur, Keks, Plakat oder als Panda verkleidete Menschen. Im riesigen Areal der Panda-Station gibt es unzählige Pavillons und Freigehege, in denen 80 Pandas leben. Wie überall in China ist es ratsam, einige Tage vorher Tickets zu reservieren. Mittlerweile sind in China Sommerferien und der Andrang ist beinahe vergleichbar mit Disneyland nahe Los Angeles. Nur, dass die Besucher hier keine Mickey-Maus-Ohren sondern Panda-Ohren am Kopf tragen. Die Panda-Behausungen und umgebenden Parks sehen topmodern und geschniegelt aus. Die putzigen Protagonisten des WWF-Logos gibt es in zwei Stellungen: schlafend oder fressend. Kein Wunder, die Bären müssen täglich 30 Prozent ihres Körpergewichts in Bambusform zu sich nehmen, was 12 Stunden lange dauert und ihnen ganz nebenbei das kräftigste Gebiss sämtlicher Bärenarten beschert. Danach sind sie verständlicherweise müde und müssen schlafen. Wir haben Glück und erwischen eine Panda-Mutter beim Spielen mit ihren Kleinen. Dabei krabbeln und kugeln sie herum und beißen sich gegenseitig sanft in sämtliche Körperteile. Am Nachmittag sind die Pandas im Sommer nicht im Freigehege anzutreffen. Erstens sind sie dämmerungs- oder nachtaktiv und zweitens ist es ihnen nachmittags zu heiß. In freier Wildbahn würden sie sich in der wärmeren Jahreszeit in höhere Lagen zurückziehen. In der Aufzuchtstation begeben sie sich in ihre klimatisierten wohldimensionierten und gut ausgestatteten Wohnzimmer. Nur wir Touristen schwitzen draußen. Durch die Einschränkung ihres Lebensraums vom Aussterben bedroht, haben die Pandas eine ausgezeichnete Lobby, weil sie so drollig aussehen. So viel Glück haben leider nicht alle vom Aussterben bedrohten Tierarten. Nach fünf Stunden und sechs Kilometern Pandas sind wir ganz schön fertig. Als das elektronische Zahlen im Bus nicht gleich funktioniert, werden wir trotzdem mitgenommen. Überhaupt sind die Leute hier zugänglich und vielerorts genießt man aufgrund des fremdartigen Aussehens – ob man will oder nicht – eine Sonderbehandlung. Auch in Millionenstädten wird man oft auf der Straße gegrüßt. Die Leute fragen freundlich woher man kommt und sagen dann: „Welcome to China“. Die Konversation bleibt mangels Sprachkenntnissen meist kurz. Man wird fotografiert. Einige machen es verstohlen, andere fragen vorher. Wir sehen in Chengdu wieder nur ganz wenige andere westliche Touristen.









































Am Abend sitzen wir in einem klimatisierten Bierlokal. Nachdem wir fast alleine sind, fragen wir, ob man die Klimaanlage über uns etwas wärmer stellen kann. Nein das geht nicht, aber sofort wird das Fenster für uns geöffnet, um Wärme hereinzulassen. Die Klimaanlage bollert ungeachtet dessen volle Tube weiter. Die Fenster bleiben den ganzen Abend offen. Im TV werden außer den Spielen der Fußballeuropameisterschaft auch die olympischen Spiele gezeigt. Moment mal, die beginnen doch erst in einigen Wochen. Bei genauerem Hinsehen merken wir, dass Ausschnitte aus vergangenen Bewerben gezeigt werden. Aber nur solche, bei denen Chinesen die Goldmedaille eroberten – auch wenn die Beiträge dutzende Jahre alt sind. Nicht Bronze, nicht Silber, nur Gold wird gezeigt. Das ist der Anspruch.
Kurzfilm: Giant Panda Breeding Center Chengdu
Um nach Tibet zu gelangen, benötigt man ein gesondertes Visum. Das bekommt man nur, wenn man über ein Reisebüro bucht, das die Reise organisiert. Wir haben das vor einigen Wochen online über ein chinesisches Reisebüro gemacht. Die erste Etappe führt von Xining aus mit der Eisenbahn in 20 Stunden nach Lhasa. Mit dem Zug wollen wir von Chengdu in 15 Stunden nach Xining fahren. Leider fällt genau dieser Zug aus und wir würden mit dem nächsten verfügbaren Zug den Anschluss zur Tibetbahn verpassen. So müssen wir improvisieren und fliegen kurzerhand nach Xining. Das Reisebüro übernimmt nur die zusätzlich anfallenden Hotelkosten aber nicht die Mehrkosten für den Flug.
Mit der Tibetbahn werden wir 1.142 Kilometer auf der höchstgelegenen Eisenbahnstrecke der Welt überwinden. Dabei passieren wir Pässe, die auf 5.000 Metern Seehöhe liegen.

Hallo Ihr Reisenden,
wir würden das auch gerne mit einem chinesischen Reisebüro buchen. Würdet ihr mir das von Euch gewählte Reisebüro nennen?
Lieben Dank im Voraus!
Hallo, wenn ihr nur nach Chengdu wollt, braucht ihr kein Reisebüro. Wenn ihr nach Tibet wollt: http://www.tibettravel.org. Viel Spaß.