Am letzten Abend schauen wir uns noch eine der wenigen Sehenswürdigkeiten in Da Nang an, nämlich die Show auf der „Drachenbrücke“. Wir stauen uns gemeinsam mit anderen Taxis durch Mopeds und schlängeln uns zur Brücke. Diese ist überfüllt wie bei einem riesigen Open Air Konzert. Kinder hüpfen auf die Schultern ihrer Väter, Luftballons werden verkauft und alle starren gebannt auf die Brücke. Auf der Brücke befindet sich ein überdimensionaler Drache, der jedes Wochenende am Abend zweimal Feuer speit und hinterher Wasser spuckt. Die Menge jubelt begeistert. Nach acht Minuten ist der Spaß vorbei. Die tausenden Menschen wollen jetzt alle wieder weg, was das Verkehrschaos wiederholt. Der Verkehr kommt rund um die Brücke zum Erliegen. Für die Zeit des Feuerspeiens hält ein Stadtviertel für acht Minuten inne.
Ein wartendes Taxi bietet uns um eine horrende Summe eine Fahrt an, daher laufen wir zwei Straßen weiter, wo sich der Fahrpreis gleich einmal halbiert. In einem Biergarten spielt ein Streichquartett Pop und Rockmusik vom Feinsten. Beim Gespräch nach der Aufführung stellt sich heraus, dass es sich um Musiker mit klassischer Ausbildung aus Russland und Weißrussland handelt. Früher spielten sie in Opernhäusern in ganz Europa, wie zum Beispiel auch im Linzer Brucknerhaus. Jetzt wohnen sie in Hanoi. Wir kommen mit einem anderen Gast ins Gespräch, einem Airline-Piloten aus St. Petersburg. Er freut sich über unsere Unterhaltung. Russen ernten möglicherweise im Ausland derzeit nicht viele Sympathiepunkte. Wir plaudern über Familie und St. Petersburg und lassen die Politik außen vor. Als wir gehen wollen, stellt sich heraus, dass der freundliche Pilot unseren „Saparklingwine“ gezahlt hat. „Sp“ können die Vietnamesen nicht aussprechen. So verkauft man den Kindern hier auch „Sapiderman-Figuren“. Hört sich im Originalton sehr lustig an.














Von Da Nang aus steht wieder Zugfahren an. Ein ganz eigenes Erlebnis. Wir haben einen Sitzplatz in einem besseren Abteil, nämlich „Softsitze“. Die anderen Sitze sind echte Holzklasse. Auf Klappstühlen kann man auch im „Speisewagen“ sitzen, wo eine Sängerin vietnamesische Karaokeschlager anstimmt. Zunächst fahren wir eine kurze Strecke bis Hue, einer ehemaligen Kaiserstadt und Weltkulturerbe. Diese Strecke ist malerisch mit Buchten am Meer, Bergen im Hintergrund, alles in schönstem Sonnenschein. Daher genießen wir diese Bummelfahrt, die teilweise langsamer ist als 20 Kilometer pro Stunde. Junge Frauen wechseln sich damit ab, sich gegenseitig in Szene zu setzen und sich zu fotografieren. Dabei haben sie keinen Blick für die Landschaft. Es scheint wichtiger zu sein, anderen zu zeigen wo man ist, als zu genießen, wo man ist.
Die ehemalige Kaiserstadt Hue wurde ziemlich zerstört. Der reich verzierte Palast und ein Tor sind noch erhalten. So richtig haut uns die Zitadelle mit verbotener Stadt aber nicht vom Hocker. Dadurch sind wir mit der Besichtigung schneller als gedacht, womit wir noch Zeit für eines der berühmten Kaiser-Mausoleen in der Umgebung finden.
Nach 3 Stunden sind wir wieder am Bahnhof, um nach Dong Hoi zu fahren. Dies ist der Ausgangspunkt für den Ausflug in den Phong Nha Nationalpark, ein Weltnaturerbe. Dieses Mal haben wir nur noch einen Liegeplatz in einem Abteil mit sechs „Betten“ reservieren können. Ohne Platzreservierung kein Einsteigen.



















Dong Hoi selbst wird als Stadt ohne Sehenswürdigkeiten geschildert. Es stimmt. Ausländische Touristen sind die Ausnahme, so gibt es fast überall auch nur Einheimischen-Lokale. Bei der Übersetzung der Speisekarten finden wir fast nur Innereien. Wir probieren es mit gebratener Ente. Zur Bestellung kommt ein siebenjähriges Mädchen, das die besten Fremdsprachenkenntnisse in der Familie haben dürfte. Sie erklärt, dass sie „An-Bau“ heißt. In der Schule heißt sie An, zuhause Bau. Sie überbringt uns dann auch die Nachricht, dass die Ente länger dauern könnte. Wir erklären ihr, dass das kein Problem sei. Von der Mutter-Köchin zurück zu uns geschickt, sagt sie, die Ente hätte noch Federn, ob wir vielleicht nicht doch etwas anderes wollen. Na gut, dann nehmen wir das Grillhendl. Ob es vielleicht Kartoffel dazu gibt? Nein, aber französische. Okay, nehmen wir halt die. Diese entpuppen sich als gezuckerte und gesalzene Maiskörner. Das ist auch kein Problem. Dann kommt das Huhn. Vermutlich nach 10 Jahren Eierlegen spontan verschieden, liegen graue Hühnerteile in heißem Wasser. Normalerweise schafft Martin jede Art von Gummiadler soweit zu zerkleinern, dass essbare Happen herauskommen. Aber dieses Mal scheitert auch er. Gibt es eben Reis mit Wasser. Es handelt sich dabei allerdings um einen absoluten Einzelfall nach vielen Monaten Südostasien, dass Essen einmal ungenießbar ist. Wir sind froh, dass wir keine Probleme mit dem Magen bekommen und konzentrieren uns auf den Ausflug am folgenden Tag.
Die erste Attraktion ist die Paradise Cove, eine der größten Trockenhöhlen der Welt mit einer Länge von 32 Kilometern. Diese Höhle ist gewaltig und bietet erstaunlich große Stalagmiten und Stalagtiten. An manchen Stellen sind sie im Laufe von 30 Millionen Jahren von unten und oben zusammengewachsen. Das macht ein paar tausendstel Millimeter Wachstum pro Jahr für 20 Meter hohe Säulen. Die Höhle hat zu Recht den Status eines Weltnaturerbes. Dafür nehmen wir die mehr als 500 Stufen gerne in Kauf. Danach geht es zu einer weiteren Höhle, die man mit einem kleinen Boot besichtigt. Wenn man die Paradise Cove nicht vorher schon gesehen hätte, wäre die Phong Nha Höhle auch sehr imposant. So genießen wir überwiegend die Fahrt mit einem kleinen Boot, dass von einer Frau und einem kleinen Mädchen gesteuert wird. Die Landschaft um die Höhlen erinnert ein bisschen an das Mühlviertel. Bewaldete Hügellandschaft, Flüsschen, ab und zu eine Kirche und ein Dorf.
Die siebenstündige Reise nach Hanoi treten wir wieder mit dem Zug an. Durchschnittsgeschwindigkeit mit Diesellok ungeführ 50 Kilometer pro Stunde. Leider ist in unserem Waggon die Klimaanlage defekt und es ist brütend heiß. Der Zug ist bis auf den letzten Platz besetzt. Dann steigen drei entspannte Frauen mit sechs lebhaften Kindern ein. Die Kleinen können natürlich nicht mehrere Stunden stillsitzen und teilen sich laut mit. Uns klingeln die Ohren. So freuen wir uns, als wir endlich in Hanoi ankommen. Wir machen uns auf den Weg durch das malerische französische Viertel. Einen Pflichtstopp machen wir bei der Zitadelle Thang Long mit seiner verbotenen Stadt. Auch davon ist nicht mehr viel übrig. Dafür kann man darin aber den Kommandobunker aus der Zeit des Vietnamkrieges besichtigen. Diesmal von der kommunistischen Gegenseite des Südvietnams. Der Vietnamkrieg wird hier teilweise so dargestellt, als wäre er nicht gegen Südvietnam, sondern nur gegen USA geführt worden. Dabei mussten angeblich 3 Millionen Vietnamesen und 58.000 Amerikaner ihr Leben lassen. Noch einmal 60.000 amerikanische Soldaten haben sich nach dem Krieg zuhause aufgrund des Erlebten das Leben genommen.
Der Straßenverkehr in Hanoi ist noch dichter und verrückter als in den anderen Städten bisher. Uns fällt auf, dass niemand Brillen trägt. Das macht den Verkehr nicht sicherer. Es wird gehupt statt geblinkt und beim Einbiegen in eine Hauptstraße wird einfach gefahren und nicht geschaut. Man verlässt sich darauf, dass die anderen schon bremsen werden. Wenn dann ein zweiter auch nicht schaut, kracht es. Mittlerweile konnten wir einige Verkehrsunfälle mit Mopeds beobachten, die gottseidank glimpflich verlaufen sind.




























Die eigentliche Attraktion von Hanoi ist die Halong Bucht, die man mit dem Bus erreichen kann. Sie zählt ebenfalls zum Weltnaturerbe und zu den sieben Naturwundern der Welt. Spitze Kalksteinfelsen, Höhlen und Inseln im Meer. Auch wir lassen uns für einen Tagesausflug mit einer Gruppe dorthin kutschieren. Auf dem Ausflugsboot finden wir als erstes eine Sauna und einen Whirlpool. Eine Sauna braucht es hier wirklich nicht. Die Temperatur ist gefühlt drinnen und draußen gleich. Nur die Luftfeuchtigkeit wäre in der Finnensauna niedriger. Das Gesamtpaket beinhaltet eine Höhle, einen Strand und eine kleine Lagune. Die Buchten sind voll mit Booten, aber die Organisation ist gut. Jedes Boot hat ein Zeitfenster, wo es bei den Attraktionen anlegen kann. Während der Aktivitäten auf den Inseln fahren die Boote an eine Boje und kommen erst wieder zum Aufsammeln zurück an den Steg. Der einzige Strand in der Umgebung ist recht klein und damit trotz guter Organisation überfüllt. Schwimmen geht kaum, da zu viele Leute im Wasser stehen. Der winzige Strand beherbergt noch dazu einen Volleyball- und Fußballplatz was die Platzsituation noch mehr anspannt. Die Aussicht vom Hügel aus erinnert an Raja Ampat in Indonesien. Es erübrigt sich, zu erwähnen, dass mit dem Ritterschlag der UNESCO die meisten Naturerbestätten einen gehörigen Teil ihres Zaubers wegen der in der Folge auftretenden Touristenmassen einbüßen.
Und schon geht unsere Zeit in Vietnam zu Ende. Jetzt besuchen wir China. Derzeit geht das für 15 Tage ohne Visum. Dafür fliegen wir über Bangkok nach Shanghai mit Vietjet. Vietjet ist eine Billiglfluglinie aus Vietnam. Selbst auf längeren Flügen gibt es kein Wasser geschweige denn einen Snack und der Sitzabstand ist selbst für Asiaten recht klein. Es wird nur Bargeld akzeptiert. Entweder Landeswährung oder neue US-Dollar-Noten. Unsere gut erhaltenen US-Dollar aus 2004 werden nicht akzeptiert. Gut, dann eben kein Wasser. In Bangkok angekommen, will man uns von Vietjet nicht für den Weiterflug nach China einchecken lassen, da unser Flugticket, mit dem wir China verlassen von Peking weggeht und nicht von Shanghai wo wir einfliegen. Wir erklären, dass es derzeit eine Ausnahme für Reisende aus vielen Ländern gibt und dass diese Regel für unsere Einreise nicht gilt. Wir zeigen eine in Thai übersetzte Version der Informationen der chinesischen Botschaften aus Wien und Berlin. Hilft alles nichts. Vorschrift ist Vorschrift, auch wenn sie auf einem vergilbten veralteten Zettel steht, die nichts mit dem zu tun hat, was aktuell gilt. Bevor wir lange diskutieren, fälscht Martin rasch am Handy ein Ticket mit Abflughafen Shanghai und macht Druck beim Personal. Endlich werden wir durchgelassen. Am Flughafen in Shanghai zeigen wir bei der Einreise nach China unsere echten Abflugtickets für Peking und es gibt überhaupt kein Problem. Interessant, wie Flughafenpersonal aus einem anderen Land in vermeintlicher Vertretung der chinesischen Einwanderungsbehörde falsche Behauptungen aufstellt und noch dazu versichert, sie wären mit den chinesischen Behörden in ständigem Kontakt.
Auf China sind wir schon sehr gespannt. Wir lassen uns überraschen.
