Huahine und Raiatea

Wir machen gemeinsam mit unseren Gästen den ersten größeren Schlag gleich über Nacht. Daher werden Reisetabletten und Vitamin C verteilt. Damit schaffen alle, wenn auch zum Teil mit flauem Magen die Fahrt ohne Nahrungsmittelwiedergabe. Allerdings stellen wir fest, dass eine Rückreise unter Segel Richtung Tahiti gegen Wind und Welle wohl nicht das Mittel der Wahl ist, sodass sich Daniela und Familie zu einem Rückflug von Raiatea nach Tahiti entscheiden. Das ist sicher die bessere Wahl für einen entspannten Urlaubsausklang ohne Gegenanbolzen.

Air Tahiti hat einen Online-Service für die Buchung, allerdings kann man als Heimatland nur eine polynesische Insel angeben, telefonisches Nachfragen endet damit, dass der Gesprächspartner einfach auflegt. Da gehen wir halt zum Reisebüro, dort wird behauptet, dass man dort nicht buchen kann. Zum Schluss bleibt der Flughafen. Da wird ja hoffentlich jemand von der Fluggesellschaft zu finden sein. Nach einer Stunde Wartezeit sind die Tickets letztendlich gekauft.

Huahine empfängt uns mit gemischtem Wetter. Wir finden einen geschützten Ankerplatz hinter dem Riff. Wir haben etwas Strömung, liegen ansonsten aber ruhig. Die Wetterwarnung hat recht gehabt, Wellen auf dem offenen Meer mit über 4 Meter, an den Riffen bis zu 8 Meter, böiger starker Wind. In der Nähe der Marina in Papeete haben sich die Surfer ausgetobt. An unserem Boot kommt ein Stück Holzsteg samt Dusche vorbeigeschwommen und wir freuen uns über unser ruhiges Plätzchen. Da wir in der Nähe des Hauptortes Fare liegen, machen wir uns mit dem Dinghi auf zum Shoppen und Sightseeing. Wir sind begeistert. Es gibt einen Yachtclub mit Dinghisteg und Restaurant, wo man sogar außerhalb der Küchenöffnungszeiten etwas zu trinken bekommt. Es gibt einen gut sortierten Supermarkt. Gut, dass wir auch Fisch kaufen können, denn das Anglerglück ist nicht auf unserer Seite.

Hannah und Elias lieben Sashimi und Obst, sodass der Wunsch nach Süßigkeiten im Rahmen bleiben. Eis geht natürlich immer. Tagsüber gibt es Roulottes, die günstige Speisen anbieten, bei Einheimischen gibt es Früchte und Gemüse, Fischer verkaufen ihren Fang. Bei einem Strandspaziergang kommen wir zu einem Hotel mit Swimmingpool. Die Kinder toben erst im Meer dann im Pool, die Erwachsenen trinken das einzige einheimische Bier Hinano. Die Insel gefällt uns auf Anhieb. Sie ist touristisch genug um ausreichend Infrastruktur zu haben. Gleichzeitig ist sie naturbelassen, sodass wir zu einem netten Ankerplatz mit schönem Korallengarten wechseln.

Dort gibt es nur eine kleine Hütte, wo ein pensionierter Fallschirmspringer von der Fremdenlegion aus Muscheln und roten Bohnen hergestellte Schmuckstücke verkauft und den Strand sauber hält. Um 5 Dollar gibt es eine ganze Bananenstaude, die Bananen sind klein und süß, sodass sie in Rekordgeschwindigkeit in unseren Bäuchen verschwinden. Wir packen wieder unseren Grill aus, wo wir den Rest der Hitze zum Marshmellows Rösten nutzen. Dank Mosquitospray bleiben wir trotz Dämmerung von Insekten weitgehend verschont und können den Sonnenuntergang genießen. Die Kinder veranstalten ein Krebsrennen. Dabei wird jedem Erwachsenen ein Einsiedlerkrebs zugewiesen und sobald der erste eine Markierung im Sand überschreitet, ist er der Sieger. Am folgenden Tag wird am Strand alles für eine Hochzeit vorbereitet und wir ziehen weiter in den Süden. Zum Abschluss unseres Besuches auf Huahine nehmen wir an einem traditionellen tahitianischen Essen teil. Fleisch, Fisch, Gemüse und Obst wird in Blättern eingewickelt, in einer Art Erdofen gegart und als Buffet serviert. Neben zahlreichen Touristen finden sich auch viele Einheimische ein.

Nur eine kurze Überfahrt und wir landen auf Raiatea. Mehrere Charterunternehmen haben hier ihren Stützpunkt, da von hier aus die Entfernungen zu den anderen Gesellschaftsinseln machbar sind.

Das erste Highlight auf Raiatea gleich im Osten ist die Bucht Faaroa. Von dort aus kann man den einzigen Fluss der Insel mit dem Dinghi befahren. Gleich zu Beginn treffen wir auf James (Telefon: +689 89606846), der uns den Weg weist und uns alles über die Gegend erklärt und alle Fragen beantwortet. Am Ende des Weges findet sich ein schöner, liebevoll eingerichteter botanischer Garten mit einem Blick auf den Mont Tefatuaiti mit seinen 1017 Höhenmetern. James erklärt, dass man den Berg durchaus besteigen kann, aber nicht, wenn es geregnet hat. Allerdings regnet es praktisch jeden Tag. Die Hälfte der Bergsteiger würde tödlich verunglücken, die andere mit dem Hubschrauber wieder herunterkommen. Bevor er uns wieder zur Flussmündung begleitet, besorgt er uns noch frisches Obst, vor allem Passionsfrüchte, Pampelmusen, Mangos und eine große Bananenstaude. Auf dem Rückweg genehmigen wir uns frisches Kokosnusswasser direkt aus der Frucht. Wieder einmal ein unvergesslicher Tag.

Um wieder schnorcheln zu können verlegen wir unseren Ankerplatz raus aus der schlammigen Flussmündung direkt an die Passeinfahrt zur Insel Tipaemau. Dort ist eine kleine geschützte Bucht, wo sich vor allem die Kids wieder im Wasser austoben können. Mittlerweile schnorcheln sie schon sehr gut und tauchen unter, Elias beweist seine Sportlichkeit immer wieder aufs Neue. Hannah prüft erst skeptisch, was auf sie zukommt, dann ist sie mit gleicher Begeisterung dabei. Sie springen mit Salto, Schraube und Köpfler ins Wasser, als hätten sie nie etwas anderes getan. Am nächsten Tag steht Kultur auf dem Programm. Marea Taputapuātea ist ein Ort, der eine zentrale Rolle in der polynesischen Kultur spielt. Er hat eine tausend-jährige Geschichte als politischer und ritueller Treffpunkt. Er befindet sich im Zentrum der Polynesiens. Hier wurde auch das Wissen über hochseetaugliche Auslegerboote und Navigation weitergegeben, welches ermöglichte, dass die verschiedenen und verstreut lebenden Häuptlinge immer wieder zusammentreffen konnten. Zu sehen gibt es in erster Linie rechteckige Plätze, auf denen verschiedene Rituale und Versammlungen abgehalten wurden. Dieser Ort ist mit den umliegenden Dörfern und Korallenriff ein UNESCO Weltkulturerbe, welches mittlerweile auf Grund von Klimaveränderungen gefährdet ist. Das Korallensterben ist auch hier schon im Gange, durch Steigen des Meeresspiegels droht die Anlage mittelfristig zu versinken, Meerwasserüberschwemmungen schädigen bereits jetzt die Anlage.

Nach dem kurzen Ankerstopp bei Marea Taputapuātea suchen wir uns wieder ein Plätzchen auf Sand in Korallennähe um die Unterwasserwelt zu genießen. Der Ankerplatz ist seicht. Daher finden sich hier auch nur Katamarane, alle anderen Boote würden festsitzen. Unser nächster Stopp ist auf der Westseite von Raiatea, wo es angeblich das beste Essen der ganzen Insel gibt. Leider ist der Weg zum Anlegesteg des Restaurants schwer durch die Korallenköpfe hindurch zu finden, womit wir erst im dritten Anlauf mithilfe des Satellitenbilds anlanden können.

Ab jetzt können wir nicht mehr einfach innerhalb des Riffes herumschippern, da es zwischen den einzelnen Ankerplätzen zu flach zum Durchfahren ist. So brauchen wir 4 km Fahrt um zu einer Bucht zu gelangen, die nicht ganz 500 Meter vom letzten Ankerplatz entfernt ist. Es handelt sich um die Bucht der 100 Wasserfälle, die leider fast alle trocken sind, da der Regen dafür derzeit zu wenig ist. Also brausen wir wieder durch den kleinen Pass hinaus und in den nächsten wieder hinein. Dort wartet eine Boje auf uns. Martin hat für den nächsten Tag den Besuch einer Perlenfarm vereinbart. Wir werden direkt vom Boot abgeholt mit Badesachen, da wir bei der Farm auch schnorcheln können. Erst erhalten wir einen Einblick in die Produktion der Perlen und sehen, wie der Arbeiter auf der Farm auch Perlen aus der Muschel holt. Hannah und Elias bekommen je eine Perle geschenkt. Im Ausstellungsraum finden sich genügend käufliche Perlen, sodass die Damen Hannah, Daniela und Kerstin von Christoph und Martin beschenkt werden. Beim Schnorcheln können wir dann auch sehen, wie die Muscheln unter Wasser aufgehängt sind. 

Von der Perlenfarm aus können wir innerhalb des Riffes weitersegeln. Nächster Stopp ist Uturoa, der Hauptort von Raiatea. Auf dem Weg kommen wir an mehreren Marinas vorbei, Jetski-Fahrer machen Lärm und Welle. In der Stadtmarina ist praktisch alles frei, da sie wegen Renovierung geschlossen ist. Trotzdem kann man dort derzeit gratis anlegen. Martin fährt zu einem Geschäft, wo man unseren Rost vom Herd schweißen kann. Da ist eine Halterung abgebrochen, die muss wieder angeschweißt werden. Das wird prompt und falsch erledigt.  Der „Schweißer“ hat das Teil genau verkehrt herum befestigt. Also alles von vorne. Immerhin haben die Mitarbeiter in der Firma unter lautem Gelächter nun eine Geschichte, die sie dem Schweißer immer wieder unter die Nase reiben können. 

Damit können wir uns dann auch von Uturoa und Raiatea verabschieden. Es fällt uns nicht schwer, da es hier momentan so viel regnet, dass unser Wassertank bald überläuft. Damit geht es einen kurzen Sprung weiter nach Tahaa, der Vanille-Insel, die innerhalb des gleichen Atolls liegt.

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