Andalusien, Portugal und Gibraltar

Nachdem Marokko mindestens bis 10. August für uns wegen Corona tabu ist, die Engländer kurzfristig beschlossen haben, keinen mehr aus Spanien hereinzulassen und damit auch Gibraltar flach fällt, entscheiden wir uns für eine Rundreise mit dem Auto durch Andalusien. Infinity lassen wir sehr schweren Herzens in Puerto Noray, der günstigen Marina von Melilla und beauftragen die Marineros und unseren Nachbarlieger, ein Auge darauf zu werfen.

Es gibt 2 Fährgesellschaften, die von Melilla nach Malaga sowie nach Almeria fahren. Almeria und Granada haben wir bereits vor Jahren besucht, deshalb entscheiden wir uns für Malaga. Die Fähren sind praktisch leer. Meistens bringen sie Gastarbeiter aus Marokko zur Arbeit und zurück zu ihren Familien. Dies ist seit März nicht mehr möglich. Marokkaner dürfen mittlerweile unter strengen Quarantäne-Bedingungen zurück nach Marokko, ein Urlaub ist aber nicht möglich. 

Also raus aus Afrika, rein nach Europa. Am Tag der Reise hat in Spanien die Maskenpflicht auch im Freien begonnen. Die einzigen Ausnahmen sind essen, trinken und rauchen. Einige tragen die ganze Zeit eine nicht angezündete Zigarette mit sich herum, um keine Maske tragen zu müssen. Die Sehenswürdigkeiten in Malaga sind mit Cordoba oder Sevilla nicht zu vergleichen, die meisten Museen und Kirchen sind wegen Corona geschlossen. Allerdings vibriert die Altstadt am Abend vor Leben. Im Gastgarten darf man sitzend die Masken runternehmen. Daraufhin busseln sich alle ab, die sich an einem Tisch treffen. Essen und trinken ist gut und günstig, die Gassen sind bunt, die Menschen auch.


Andalusien, Portugal und Gibraltar im Video-Zeitraffer

Da wir uns für die nächsten Tage einiges vorgenommen haben, nehmen wir einen Mietwagen – einen Fiat 500 – und machen uns auf den Weg nach Cordoba. Gottseidank ist kein Regen gemeldet. Somit können wir die Stadt ganz gemütlich bei 41 Grad im Schatten fast alleine besichtigen. Dabei ist vieles nur von außen zu besichtigen. Als allererstes schauen wir uns die Mezquita Catedral de Cordoba an und kommen gleich einmal nicht aus dem Staunen raus. Zunächst wurde sie als Moschee gebaut und auf ein Grundstück gebaut, wo sich bereits ein römischer Tempel und eine katholische Kirche in der Vergangenheit befunden haben. Ein maurischer Prinz oder Scheich hat alles weggerissen und auf 23.000 m2 eine Moschee gebaut! Von der Fläche her ist das der größte Sakralbau, größer als der Petersdom oder die Hagia Sofia. Mit Vertreibung der Mauren wurde sie geweiht und als Kathedrale umgebaut. Wenn man durch diesen Bau geht, ist man überwältigt. Den Hochaltar haben wir erst nach einer Viertelstunde gefunden. Fotos können nur einen kleinen Ausschnitt erfassen, die Atmosphäre spürt man nur live, da hilft auch kein 5D-Kino. Die anderen Sehenswürdigkeiten sind zwar auch toll, nach der Kathedrale tut sich der Rest aber schwer. Es wird nicht kühler, der Wind entwickelt sich zu einem durchaus brauchbaren Föhn. Leider sind kaum Cafes oder Restaurants geöffnet. Daher fahren wir weiter nach Sevilla.

Zum Übernachten buchen wir nur Hostels, da wir für Nächtigungen nicht viel ausgeben wollen. Dabei finden wir das ein oder andere „Juwel“. In Sevilla zum Beispiel das Kitsch Hostel Art vollbeladne mit buntem Kitsch von Barbiepuppen bis modernen Wandmalereien.

Sevilla hat seinen eigenen Reiz, besonders für Seefahrer. In früheren Zeiten war Sevilla eine der wichtigsten Hafenstädte Spaniens. Man kann tatsächlich auf dem Fluss bis knapp vor die Stadt segeln, obwohl es weit landeinwärts liegt. Heute ist sie die Hauptstadt Andalusiens. Als erstes nehmen wir uns den Torro del Oro vor. Dort findet sich – juhu – ein Marinemuseum. Und wir können wieder einiges dazulernen. Amerigo Vespucci (Namensgeber von Amerika) und Ferdinand Magellan starteten beide in Sevilla ihre berühmten Seereisen. Ein kleiner Rest von Magellans Mannschaft beendete leider ohne ihn die erste Weltumsegelung.  Ein Nachbau seines Schiffes liegt direkt in Sevilla am Steg. Die sehenswerte Kathedrale kann man nur besichtigen, wenn man Tage vorher im Internet Karten bestellt. Das Archivo General de Indias, bedeutend und Unesco-Weltkulturerbe, bleibt gleich ganz geschlossen. Es ist mittlerweile schwierig Gebäude und Kultur zu finden, die zwar einzigartig sind, aber nicht besser, größer oder berühmter als bereits Besichtigtes. Der Maurenpalast in Sevilla ist wirklich sehenswert, reicht aber nicht an die Alhambra in Granada heran. Es muss aber auch nicht immer mehr sein. Oft liegt das Besondere in den Details. 

Bei weiterhin 41 Grad im Schatten freuen wir uns jetzt schon aufs Meer. Unser nächstes Ziel Faro liegt schon an der portugischen Algarve. Da brauchen wir abends schon eine Jacke, so verweichlicht wie wir mittlerweile sind. Nach der ganzen Maskentragerei freuen wir uns wieder einmal ungefilterte Meeresluft schnuppern zu können. Auch gibt es wieder reges Leben in der Stadt. Martin brennt schon darauf mir Lagos zu zeigen mit seinen Stränden, die er seinerzeit mit Interrail entdeckt hat. Natürlich hat sich vieles verändert. Die Stadt ist gewachsen, die Strände Corona-bedingt nicht ganz so voll. Die Klippen sind bei meiner Höhenangst eine ziemliche Herausforderung. Eine Höhle ist nur vom Wasser aus erreichbar. Ein Kajak zum rüber paddeln kostet für einige Stunden so viel wie unser Mietauto für zwei Tage. Wucher unterstützen wir nicht und wir schwimmen kurzerhand die 100 Meter hin und zurück, wobei das in der Brandung ganz schön anstrengend ist. Dazu muss man ständig blinden Kajakfahrern ausweichen. Obwohl die Strände relativ leer sind, geht es abends in der Altstadt hoch her. Man hört deutsch, englisch, französisch, spanisch, portugiesisch und weitere Sprachen. Einige kommen schon seit Jahren her, andere nützen die Reisefreiheit trotz Corona.

Nachdem wir nicht endlos Zeit haben, machen wir uns auf den Rückweg über Cadiz.  An der ganzen Algarve finden wir jede Menge Storchennester. Eines ist mitten im Kreisverkehr. Das sind die Störche, die keine Lust haben weiterzufliegen, schließlich haben sie ja schon das Mittelmeer vermutlich bei Gibraltar zurück nach Europa überquert. In Cadiz ist es ziemlich teuer, daher beschließen wir ein Hostel weiter draußen zu buchen. Wieder einmal ein Glücksgriff. Der „Hotelier“ ist ganz erstaunt, als wir erzählen, dass man nicht nach Gibraltar könne. Er erklärt, dass alle Engländer über Gibraltar nach Hause fliegen um nicht in Quarantäne zu müssen. Damit wächst die Hoffnung, dass auch wir dorthin kommen können. In El Puerto de Santa Maria finden wir nicht nur einen Schlafplatz, sondern auch ein liebenswürdiges Städtchen. Es gibt viele Lokale und Bodegas. Nach der langen Fahrt bleiben wir erst einmal dort und finden auf Anhieb ein Lokal, in dem zu günstigsten Preisen Tapas zu kriegen sind. Wie mittlerweile überall in Spanien scannt man mit QR-Code am Tisch die Speisekarte, um nicht Corona-verseuchte Speisekarten herumreichen zu müssen. Allerdings sind die Übersetzungen auf Google abenteuerlich. Hier wird „Matsch“ und „Schlumpf“ gekocht. Daher vertrauen wir auf den Kellner und werden nicht enttäuscht. Die Stimmung ist überall gut, Cadiz heben wir uns für den nächsten Tag auf. Dort gibt es eine sehr nette Altstadt. Wider Erwarten finden wir leicht einen Parkplatz.  Bei der Rückfahrt ist plötzlich die Schranke offen, sodass wir gratis parken. Zurück in El Puerto de Santa Maria kehren wir in einer der vielen Bodegas ein. Dort gibt es Portwein von weiß bis dunkelrot. Wir wagen eine Verkostung. Die ersten 3 von 5 sind für uns nahezu ungenießbar bitter. Danach wird’s langsam zu süß. Offenbar gibt es trotzdem genug Fans. Dort befindet sich nämlich die Bodega Osborne – ziemlich groß. Die verkaufen sogar Als Weinbauern eine eigene Modelinie und sie haben eine eigene Kunstgalerie im Gebäude. Mich erinnert es an meine Heimat. Mein Vater hat oft nach dem Essen einen Osborne Veterano zur Verdauung getrunken als ich noch bei meinen Eltern gelebt habe.

Motiviert durch unseren Hotelier fahren wir Richtung Gibraltar. Sicherheitshalber nehmen wir ein Hotel in Algeciras, eine Hafenstadt für die Großschifffahrt, die leider jeden Charme vermissen lässt. Bevor wir im Hotel einchecken fahren wir nach Gibraltar und siehe da! Es steht zwar eine Schlange vor der Grenze, aber wir kommen rein. Pünktlich in Großbritannien angekommen wird es bewölkt. Wir beginnen mit unserer Besichtigung ganz im Süden und stehen auf dem südlichsten Punkt von Europas Festland „Europa Point“. Afrika ist gerade noch in Umrissen erkennbar, Riesenschiffe fahren vorbei. Wir denken an unsere Passage durch Gibraltar mit Infinity 2018 samt Höhen und Tiefen. Natürlich müssen wir rauf auf den Affenfelsen. Dabei nehmen wir die nächste Straße rauf um festzustellen, dass nur offizielle Reiseleiter dort fahren dürfen. Es gibt zwar auch eine Seilbahn aber wir entscheiden uns für das Angebot des Reiseleiters mit dem Sammeltaxi. Damit werden wir praktisch überall hin kutschiert, inklusive Höhlen, Sky-View und Affen. Ich fühle mich wie ein Held! Ich bin auf die Glasplattform gestiegen mit freiem Blick nach unten. Na gut, nach unten geguckt habe ich nicht. Die Affen haben für einen lustigen Ausgleich gesorgt.

Die Affen darf man nicht angreifen, sie sind flink, klauen alles Essbare – bevorzugt Süßes. Sie werden nämlich mit Gemüse gefüttert. Die Chef-Affenfamilie lebt ganz oben am Felsen bis der nächste Clanchef den derzeitigen besiegt. So gibt es einige Familien, alles alte Bekannte der Reiseleiter. Die Chef-Familie hat einen eigenen Teich, ein Jacuzzi und wird am häufigsten mit Leckerlies gefüttert, damit sie für Fotos und Videos posieren. Auch wenn es eine Touristenattraktion ist, sie sind einfach entzückend. Ich könnte Tage mit ihnen verbringen. Aber irgendwann geht es wieder weiter. Schließlich wollen wir auch steuerfrei einkaufen. Die Hauptstraße der Altstadt ist praktisch eine Art Bazar. Es gibt unzählige kleine Geschäfte, von denen viele das Gleiche verkaufen. Rum und Gin ist hier sagenhaft günstig wodurch wir natürlich zuschlagen müssen. Mittlerweile ist der kleine Fiat schon ziemlich angefüllt. Das wird eine Schlepperei zum Schiff. In Gibraltar findet man sofort einen riesigen Unterschied zu Spanien. Es ist bewölkt, man versteht englisch, überall gibt es Fish and Chips, die Menschen sind nicht mehr braun sondern schweinchenrosa und offensichtlich auch etwas gemästet. Wir spüren den Burger schwer im Magen liegen, nach den Tapas eine Umstellung.

Langsam müssen wir nach Malaga zurück, da wir am 9. August wieder auf dem Schiff sein wollen. Dann entscheidet Marokko, wie es weitergehen wird. Auch reißt die Reise ein gescheites Loch in unsere Kasse, sodass wir in diesem Monat einen negativen Budgetüberschuss haben werden. Kein Wunder bei Fixkosten wie Liegeplatz, Mietauto und Hostel. Nachdem Marbella so schön sein soll, legen wir einen Zwischenstopp ein. Es ist wirklich so schön. Wir sind überrascht, dass es nicht teurer ist. Der Nobelort ist so teuer wie Österreichs Normalo-Gastronomie. Noch ein letzter Tag in Malaga, dann kommen wir wieder heim nach Afrika zurück auf unsere Infinity.

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