Panama City und Las Perlas Inseln

Oh, wie schön ist Panama. Einen neuen Ozean zu befahren ist etwas Besonderes. Dass wir hier sind belohnt uns für viele Strapazen und Wartereien wegen Corona. Die Marina Flamenco ist mit vier Metern Tidenhub, also Höhe zwischen Hoch- und Niedrigwasser, mit Schwimmstegen ausgestattet. Bei ständigem Wasseraustausch durch die Tide sollte die Marina eigentlich sauberes Wasser haben. Das ist leider nicht so. Direkt gegenüber liegt Panama City und es gibt rundherum viel Großschifffahrt. Der Panamakanal verläuft nebenan. Durch den Kanal werden jedes Jahr 28.000 dieser Meeresgiganten geschleust was circa drei Schiffe pro Stunde bedeutet. Das Wasser in der Marina scheint den Kugelfischen zu gefallen. Diese tummeln sich zuhauf in der Marina. 

Wir verbringen noch einen schönen Tag mit unseren Freunden Mimi und Werner, dann heißt es leider Abschied nehmen. Aber wir werden uns im Pazifik wiedersehen, das ist schon fix. Natürlich gibt es gleich wieder Arbeit an Bord, auch wenn wir vieles schon in Colon gemacht haben. Das Wichtigste ist erst einmal, das Paket mit Volvo-Ersatzteilen von FedEx zu bekommen. Da sich keiner richtig auskennt und die meisten auch nur spanisch verstehen, fahren wir mit dem Taxi zum Flughafen, um zu zahlen und zu erfahren, dass das Paket am nächsten Tag in der Marina in der Zollstelle ankommt. Immerhin können wir unsere Wäsche in einer Wäscherei abgeben, da sich schon wieder einiges an Schmutzwäsche angesammelt hat. Der Taxifahrer erzählt uns ein bisschen von der Stadt, die erste Stadt der Spanier auf der Seite des Pazifiks. Panama City besteht aus verschiedenen Teilen. Das Panorama wird von riesigen Wolkenkratzern bestimmt, die den Reichtum als Steueroase und des Kanals reflektieren. Die Großschiffe zahlen zwischen 100.000,- und 1 Million Dollar pro Kanaltransit. Dafür spart man sich viele tausend Meilen um das Kap Horn. In der Stadt selber wird man aber auch mit viel Armut konfrontiert. So sollte man nachts nur mit dem Taxi fahren und nicht alleine spazieren gehen. Die Taxifahrer sind hier eine seltsame Spezies. Alle Taxis sind zerbeult, die Fahrer sind wohl alle durch die Fahrprüfung gefallen und haben deshalb ein gelbes Auto mit schwarzen Streifen – sozusagen als für andere sichtbare fahrbare Blindenschleife bekommen. Von Raserei bis gegen die Einbahn fahren, Vollgas und Vollbremsung abwechselnd, Blinker nie ausschaltend haben wir hier alles erlebt. Sie behaupten sogar selbst die Panamesen wären die schlechtesten Autofahrer der Welt. 

Panama City beherbergt auch zwei UNESCO Weltkulturerbe-Stätten. Zum einen eine archäologische Ausgrabungsstätte an der ursprünglichen Stelle der Stadt, die durch den Freibeuter Henry Morgan zerstört wurde und die Altstadt. Dort gibt es gut erhaltene und renovierte spanische Kolonialhäuser, eine schöne Kathedrale sowie eine kleinere Kirche, in der es durch eine unscheinbare Tür zu einer gewaltigen Krippe geht. Dort ist nicht nur die Geburt zu sehen, sondern auch einige Ereignisse aus dem Leben Jesu. Alles ist in liebevoller Arbeit hergestellt und arrangiert. Auch die Geschäfte und Lokale sind fantasievoll gestaltet, jeder buhlt hier um Gäste. Es ist praktisch überall leer. Selbst in der Rooftop Bar mit hervorragender Live-Musik finden sich nur vereinzelt Gäste. Vermutlich sind dies noch Begleiterscheinungen von Covid.

Hier gibt es in den Geschäften neben den bereits bekannten Molas und Armbändern jede Menge Hüte. Der klassische Panama-Hut ist in verschiedensten Preisklassen zu erwerben. Die Originale, die man sogar aufgewickelt verstauen kann, sind in trockenen Gebieten nicht besonders geeignet, da sie eine gewisse Luftfeuchtigkeit brauchen, damit die Fasern nicht brechen. Natürlich gibt es auch Plagiate. In manchen Geschäften gibt es hunderte Hüte. Wir lernen einen Einheimischen mit guten Englischkenntnissen kennen, der uns vieles erzählt. Von den Panama-Papers mit Geldwäsche und Korruption bis hin zu den kleinen Alltagsgeschichten, die ein Land erst wirklich lebendig werden lassen.

Jetzt wird es Zeit, die Reiseplanung auf die Galapagosinseln abzuschließen. Dazu gehört es auch, noch einmal kräftig einzukaufen. Neben einem neuen Tablet für die Navigation am Steuerstand ausgerüstet mit entsprechend vielen Ladekabeln, kaufen wir Lebensmittel in Hülle und Fülle ein. Hier ist man auf Langfahrer spezialisiert. Die Nudeln gibt es in 3 Kilogramm Säcken, Reis in noch größeren Mengen. In einigen Reispackungen im Supermarkt gibt es kleine Krabbeltiere, sodass wir jede Packung akribisch untersuchen, aussortieren und an Bord vakuumieren. Wir produzieren eine zwei Meter lange Rechnung mit Hilfe von vier Einkaufswägen, die wir tatsächlich in einem winzigen Taxi unterbringen und aufs Boot bringen. Der Taxifahrer kann es nicht glauben, dass wir trotzdem mit seinem kleinen Taxi fahren wollen und kriegt sich vor Lachen gar nicht mehr ein. Nach 10 mal high five hilft er uns, die Waren in den Transportwägen der Marina zu verstauen. 

Nach dem Einkauf hält uns nichts mehr in der Marina. Wir fahren noch kurz vor der Schließung zur Tankstelle, um unsere Kanister anzufüllen, auch in den Tank passen nach der Kanalpassage, die nur unter Motor absolviert werden darf schon wieder 120 Liter. Bei 74 Motorstunden macht das gerade mal einen Verbrauch von 1,6 Liter pro Stunde aus. Kaum zu glauben, allerdings haben wir öfter den Motor nur zur Stromerzeugung mitlaufen lassen.

Nach dem Tanken übersiedeln wir zum nebenbei gelegenen Ankerplatz, wobei es leider schon so dunkel ist, dass wir nicht durch das Ankerfeld fahren wollen. Daher befinden wir uns genau zwischen den Berufsfischern. Die arbeiten fast die ganze Nacht durch, haben riesige, helle Lampen, die ins Schlafzimmer leuchten. Besonders erholt sind wir nach der Nacht nicht, aber eine weitere Nacht in der teuren Marina wollen wir nicht zahlen. 

Morgens werden noch alle Einkäufe verstaut. Die älteren Lebensmittel werden hervorgeholt, die neuen darunter gestaut. Dabei werden gleich alle vorhandenen Konserven, Mehl, Reis, Zucker, Salz und so weiter kontrolliert und zum Teil auch gleich vakuumiert. Die frischen Lebensmittel werden möglichst schonend gestaut, die Kartoffeln kommen in den anderen Rumpf, da sie Gärsäuren absondern und damit zu einer beschleunigten Reifung und damit auch Fäulnis der anderen frischen Lebensmittel führen. Danach wird alles noch mit Insektenvernichtungsspray eingesprüht, damit sich ja keine Tierchen an Bord wohlfühlen, die man beim Einkaufen hier fast nicht vermeiden kann. Nach einem letzten Spaziergang durch die Altstadt und einem gemütliches Abendessen mit Theres und Claude, unseren Schweizer Bootsnachbarn, lassen wir das kontinentale Festland-Leben hinter uns. Unglaublich, aber unser nächster Kontinent wird Australien sein.

Zum Abschluss unseres Panama-Abenteuers fahren wir auf die Las Perlas, eine kleine Inselgruppe vor der pazifischen Panamaküste. Unterwegs schleppen wir wieder einmal unsere Fischerleine nach. Ein großer Thunfisch zappelt an unserer Angel und wird erfolgreich an Bord gehievt. Wir werden diese Mahlzeit besonders würdigen und verwerten den restlichen Fisch als Steaks für die Gefriereinheit.

Unser erstes Ziel ist die Isla Pacheca, eine private und anscheinend meist unbewohnte Insel, auf der sich tausende Vögel tummeln. Viele segeln anmutig und in schöner Formation über uns. Ganz allein am Ankerplatz genießen wir zu dem Naturschauspiel Thunfisch-Sushi und ein Glas Wein. Herrlich!

Tags darauf nehmen wir uns die nächste Insel vor. Isla Contadora ist mit Hotels und einer kleinen Flugpiste auch für Landtouristen zugänglich und hat dafür auch die entsprechende Infrastruktur. Hier treffen wir die deutsch-holländisch-südafrikanische Eden Crew und Hermann von der 2fast4you aus Österreich. Schön, dass sich immer Freunde finden, mit denen man sich auf der nächsten Strecke austauschen kann.

Auf den Las Perlas ist das Ausruhen für die zirka 8-tägige Segelreise zu den Galapagos wirklich angenehm. Abwechslungsreiche Inseln mit grünem Bewuchs, Sandstränden und schroffen Felsen. Beim Schnorcheln im Pazifik fällt sofort auf, dass der Fischreichtum nicht nur mengenmäßig sondern auch größenmäßig in einer anderen Liga als die Atlantikseite spielt. Hier tummeln sich um einen kleinen Korallenblock hunderte Fische, die zum Teil stattliche Größen erreichen. Jeden Tag springen kleine Rochen zu Dutzenden aus dem Wasser und erfreuen sich des Lebens. Vögel fischen rund um uns. Was für ein Schauspiel. Ein Vorgeschmack auf die tierreichen Galapagosinseln, die wir in 7 bis 10 Tagen erreichen wollen. Vorher wird noch einmal das Unterwasserschiff geschrubbt, denn auf Galapagos muss das Schiff nicht nur ausgeräuchert sondern auch außen blitzblank sein um keine fremden Arten auf die Darwin-Inseln einzuschleppen.

Ein Rochen springt aus dem Wasser

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