Indischer Ozean · 20. April 2025
Notreparatur, Tigerhaie und südliche Malediven
Im nahegelegenen Hulhumale, der Flughafeninsel von Male, gibt es eine ansehnliche Haipopulation, weil die Tiere dort durch die früher ins Meer geworfenen Fischabfälle angezogen wurden. Mittlerweile sind sie eine Tauchattraktion und werden mit Thunfischköpfen angefüttert. Martin und zwei weitere Gäste sowie acht Tauchguides in Ausbildung beobachten das bunte Treiben in 20 Metern Tiefe. Man setzt sich auf den Boden und die Guides platzieren den Thunfischkopf hinter einem Stein. Hunderte Fische und dutzende Stachelrochen werden vom unwiderstehlichen Geruch angezogen und es dauert nicht lange, da kreuzen auch schon die ersten Tigerhaie auf. Schöne Tiere mit vier bis fünf Metern Länge und einigen hundert Kilogramm Gewicht. Sie kommen bis auf einen Meter heran. Wichtig ist, dass man sich selbst wie ein Raubtier verhält. Das heißt Blickkontakt halten, sich umsehen, nicht zurückweichen und bei Bedarf den Hai an der Nase von sich weghalten. Eine Chinesin hat das vor einigen Wochen nicht beherzigt. Seitdem hat sie 44 Zahnabdrücke und ebenso viele Nähte am Hinterkopf. Gottseidank ist nicht mehr passiert.
Von der angenehmen Kühle der Tiefen des Ozeans geht es zurück auf das heiße Deck von Infinity. Ein letzter schweißtreibender Check aller kritischen Systeme, bevor unsere Gäste ankommen. Leider müssen wir zum ersten Mal in fünf Jahren feststellen, dass wir Mayonnaise in einem der Saildrives haben. Seewassereintritt ins Getriebe bei der Propellerwelle. Seewasser schmiert schlecht, lässt das Getriebe korrodieren und nach einiger Zeit ist ein teurer Getriebeschaden unvermeidlich. Die Simmeringe wurden vor eineinhalb Jahren gewechselt. Alterserscheinungen können es also nicht sein. Möglicherweise ist das Wasser durch einen Ruck am Propeller einer im Wasser treibenden Leine eingedrungen. Von diesen Leinen gibt es in Südostasien mehr als genug. Das lässt sich am besten beheben, indem man das Schiff auskrant, das Altöl ablässt, die Simmeringe und das Getriebeöl wechselt. Beim Abpumpen des Altöls von oben bleibt immer ein Rest der Mayonnaise im Saildrive. Es gibt auch eine Methode, mit der man das gesamte Altöl herausholen kann obwohl das Schiff im Wasser bleibt. Dabei füllt man das Getriebeöl maximal auf und öffnet tauchend unter Wasser die Ölablassschraube, dreht einen vorbereiteten Schlauch mit passendem Gewinde ein und pumpt das Altöl von unten in einen Kanister aus. Danach von oben das neue Öl wieder bis zum Anschlag einfüllen und die Ölablassschraube unter Wasser wieder eindrehen. Das neue Getriebeöl muss man danach bis zum vorgesehenen Füllstand von oben wieder abpumpen. Fertig. Nachdem Öl leichter ist als Wasser darf bei dieser Prozedur kaum ein Tropfen Öl ins Meer gelangen. Das bringt aber nur dann eine dauerhafte Lösung, wenn die Simmeringe intakt sind. Sonst kann das gleiche Problem nach einiger Zeit wieder auftauchen.












Als hätten wir schon etwas Derartiges geahnt, haben wir uns vor einigen Tagen einfach so aus Interesse bezüglich der Kranpreise der in Himmafushi ansässigen Werft informiert, als wir zufällig dort vorbeikamen. Unsere Gäste kommen bereits in zwei Tagen an. Wir wollen mit ihnen innerhalb der nächsten zwei Wochen von Male bis in das südlichste Atoll der Malediven fahren. Kran gibt es dort weit und breit keinen. Wir haben alle erforderlichen Ersatzteile samt Werkzeug und Öl mit. Worauf also warten. Innerhalb einer halben Stunde haben wir einen Krantermin und innerhalb von 48 Stunden schwimmt Infinity mit gewechselten Simmeringen und Getriebeöl wieder in der türkisen Lagune von Himmafushi. Wir wären sogar in 24 Stunden fertig gewesen aber am Freitag haben hier die Kranarbeiter frei. Dafür werden wir am folgenden Tag morgens wieder eingekrant. Martin holt sich zwar bei der schweißtreibenden Arbeit einen kleinen Hitzschlag, aber wir sind heilfroh, dass das so rasch geklappt hat. Unser Nachbar Ahmed am Hardstand ist sehr nett und lädt uns zu Martins Geburtstag zum Essen ein. Er versucht sogar eine Torte zu organisieren und wir speisen gegrillten Fisch gemütlich in einem Lokal für Einheimische.
Für uns geht es weiter in die Crossroads Marina südlich von Male wo unsere Gäste in einigen Stunden eintreffen. Wir landen in der unwirklichen Märchenwelt der privatisierten maledivischen Inseln. Alles ist superschön und superteuer. Eine kleine Dose Bier kostet mit Cruiser-Rabatt sieben US-Dollar. Die Insel dürfte im Besitz von internationalen Hotelketten sein und einen Teil davon an den Marinabetreiber vermieten. Die Marina ist leer. Kein Wunder bei den Preisen. Nach dem freudigen Empfang unserer Freunde Rosi, Anna-Maria und Werner und einem Relax-Tag auf der Märcheninsel machen wir uns gleich auf den Weg ins Ari-Atoll um einsame Inseln und Manta-Rochen zu sehen. Manner-Schnitten, Punschkrapfen, Geschenke und ersehnte Ersatzteile aus Österreich treffen dankenswerter Weise mit den Dreien ein. Sie sind schon Segelprofis und es stellt sich auch für uns sofort das ersehnte Urlaubs-Wohlgefühl ein. Wir zögern, als uns der stolze Preis für eine Manta-Schnorcheltour genannt wird und hoffen, dass wir die eleganten Tiere auch ohne Tour sehen werden. Während des Frühstücks sehen wir ein Ausflugsboot unweit von unserem Ankerplatz. „Jetzt oder nie“, wir springen ins Wasser und haben Glück, der Manta kommt genau auf uns zu und schwebt elegant unter unserem Boot hinweg. Nach zehn Minuten hervorragendem Manta-Erlebnis sitzen wir wieder beim Frühstück auf Infinity. So stellt man sich das vor.










Es folgen abwechselnd unbewohnte Inseln mit Traumstränden, Ankerplätze inmitten von Riffs und Korallen, sowie Einheimischen-Inseln. Manchmal werden die Dinghi-Fahrten gegen Wind etwas nass und spritzig. Das Schorcheln ist an den meisten Plätzen ein wundervolles Erlebnis mit klarem Wasser, Stachelrochen, Riffhaien und unzähligen bunten Rifffischen. Einmal müssen wir die Kette mit Fendern schweben lassen, damit wir beim Ankern keine Korallen beschädigen. Oft suchen wir uns die Ankerplätze nach Satellitenbildern aus und finden so unberührte Natur. Für weitere Strecken zwischen den Atollen, segeln wir nachts um 2.00 Uhr los, damit wir nächsten Tag bis 15.00 Uhr bei gutem Licht am nächsten Ankerplatz ankommen. An einer Einheimischen-Insel dürfen wir eine Boje für die Nacht nehmen und sind immer wieder von der Gastfreundlichkeit begeistert. Immer wieder bekommen wir Thunfische oder Bananen geschenkt.
Nachdem wir vor dem Addu-Atoll den Äquator überqueren, gibt es für unsere drei Gäste natürlich die Äquatortaufe mit feierlicher Zeremonie, Schwimmaufgaben und fast persönlicher Anwesenheit Poseidons. Es werden die Namen „Windrosi, Flamme der Tropensonne“, „Anna-Maria, Stern der Äquatornacht“ und „Werner, der Horizontjäger“ verliehen und die Täuflinge fröhlich in die Gemeinschaft der Salzbuckel aufgenommen.









Das selbst gebackene Sauerteigbrot von Kerstin kommt so gut an, dass die Backstube während der zwei Wochen gleich dreimal glüht. Wie so oft vergeht die Zeit viel zu schnell und wir kommen nach zwei erlebnisreichen Wochen in Gan an, von wo die drei leider wieder ihre Heimreise per Flugzeug antreten müssen. Für uns geht es wieder in den Alltag über. Mithilfe unseres freundlichen Agenten Maththi vor Ort bunkern wir Diesel und Lebensmittel. Es folgen Reparaturen, Wartung, putzen und so weiter. Immerhin haben wir mittlerweile bereits unser Permit für Chagos und Madagaskar erhalten. Bis wir die Weiterreise nach Chagos/BIOT antreten, bleibt uns noch etwas Zeit, das südlichste maledivische Atoll zu erkunden.
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