Sailing Infinity
LogbuchÜber uns & SchiffUnser BuchMitsegelnBeratung & VorträgeLive-TrackerFanshopApp „Meine Reise“
LogbuchÜber uns & SchiffUnser BuchMitsegelnBeratung & VorträgeLive-TrackerFanshopApp „Meine Reise“
← Logbuch
Voriger Nächster

Indischer Ozean · 5. Mai 2025

Urlaub im Addu Atoll

Einen Schaden am Boot muss man nie vorspielen – irgendein Defekt findet sich immer. Deshalb dürfen wir ausnahmsweise im Hafen festmachen, was natürlich nicht unbemerkt bleibt. Der Zollbeamte kommt kurzerhand mit seiner Tochter vorbei und schenkt uns selbstgefangenen Rifffisch. Andere kommen auf dem Moped, manche spazieren einfach vorbei – kaum ein Moment vergeht, in dem nicht jemand mit uns plaudern möchte oder uns etwas schenkt. So bekommen wir spannende Einblicke in das Leben in der zweitgrößten Stadt der Malediven. Neben uns liegt ein kleines Fischerboot, das regelmäßig mit eindrucksvollem Fang zurückkehrt. Ein 30-Kilo-Gelbflossenthunfisch kostet rund 50 Euro, allerdings nur auf Vorbestellung. Nachdem wir uns interessiert gezeigt haben, werden wir tags darauf zum Boot gerufen. Der Fischer ist wieder erfolgreich gewesen, Martin erhält frischen, auf Wunsch filetierten Thun – unsere Gefriertruhe ist nun bis zu den Seychellen versorgt.

Maththi, unser Agent, kommt regelmäßig vorbei. Auf Satellitenbildern sehen wir vor der gegenüberliegenden Insel auffällig helle Sandflächen mit vereinzelten Bommies. Die Tiefe scheint gering, der Meeresboden ist klar zu erkennen. Wir entscheiden uns, die Insel zunächst mit der Fähre zu besuchen. Mit 50 Plätzen ist das Boot spärlich besetzt: fünf Besatzungsmitglieder, zwei Gäste und wir. Martin trackt die Route, erkundigt sich bei der Crew nach möglichen Ankerplätzen und Wassertiefen. Die Unterhaltung scheint gut zu tun – als Martin nach einer Dreiviertelstunde mit glühenden Ohren aussteigt, wartet bereits Maththis Verwandter am Anleger, um uns die Insel Meedhoo (ausgesprochen wie „me too“) mit dem Auto zu zeigen. An beiden Enden der Insel gibt es Resorts – wenig Gäste, hohe Preise. Für ein kleines Bier werden sieben Dollar verlangt, für einen Tagesaufenthalt 25. Wir winken höflich ab.

Maththi scheint mit der halben Insel verwandt zu sein. Wir besuchen Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel – und landen schließlich bei seiner Großmutter, wo ein liebevoll gedeckter Tisch auf uns wartet. Die gesamte weibliche Verwandtschaft kommt aus der Küche, lacht, redet durcheinander und bewirtet uns wie lang vermisste Familienmitglieder. Für einen weiteren Ausflug schreiben wir unserem Taxifahrer, der ein Moped besorgen wollte. Die Antwort kommt einen Tag später mit der Begründung: „Gestern habe ich geschlafen.“ So läuft das hier. Wer körperlich arbeitet, stammt meist aus Bangladesch, Nepal oder Indien. Die Malediver hingegen führen ein oder mehrere Unternehmen: Souvenirshops, Gästehäuser, Bau- oder Fischereibetriebe – manchmal alles in Personalunion.

Wenig später segeln wir nach Meedhoo hinüber – diesmal mit dem eigenen Schiff. Den Weg durch die Korallen finden wir problemlos, der Anker hält, das Wasser ist klar. Als erste Segler vor dieser Insel genießen wir ein kleines Paradies ganz für uns – in Sichtweite von Resort und Dorf. Martin organisiert Tauchgänge über ein lokales Center, das im Gegensatz zu den Resort-Tauchbasen faire Preise bietet. Da die Touristen rar sind, ist man über jeden Kunden erfreut. Die Tauchgänge sind herrlich. Riesige Korallenriffe und das Leben unter Wasser scheint hier noch in Ordnung zu sein. Mantarochen, Delfine, Rifffische und so weiter. Sogar ein Wrack gibt es im Atoll. Die British Loyalty, ein Tanker aus dem zweiten Weltkrieg, der nach so vielen Jahrzehnten noch immer etwas Öl von sich gibt. 

Nach dem Tauchen verbringen wir einige Abende mit Salomé und Shasheef, die uns auch eine Inselrundfahrt ermöglichen. Im Mathikilhi Eco Garden staunen wir über eine kleine Oase inmitten sumpfiger Graslandschaft – UNESCO-Biosphärenreservat, durchzogen von Holzstegen und Pavillons. Natur pur, wie aus einem verwunschenen Märchenbuch. Im Schritttempo fährt Shasheef mit uns über die Straße – nicht viel los, da bleibt man auch mal mitten auf der Straße stehen, um den Müllbeauftragten beim Spielplatzcheck vorzustellen. Wir treffen den jüngsten Landwirt der Malediven, der als einziger Drachenfrüchte anbaut – und sie sich auch vergolden lässt. Dafür schmecken sie fantastisch. Auch Gurken baut er an – und verkauft sie maledivenweit. Die kleine Farm dürfen wir besichtigen wo auch die politischen Persönlichkeiten am Tag der offenen Tür anwesend sind – viele davon Frauen.

Wir werden fast Teil der Dorfgemeinschaft. Man erkennt uns auf der Straße, chauffiert uns zum Café, wo der Besitzer längst Bescheid weiß, wer wir sind, woher wir kommen, was wir tun. In den Gesprächen hören wir viel über Ideen für die Zukunft – und über die Hindernisse, die Resorts und Politik mit sich bringen. Öffentliche Investitionen sind beeindruckend: Jedes Dorf bekommt ein Krankenhaus mit Ambulanz, aber ohne Personal, einen Hafen ohne Schiffe, Solarpaneele ohne Anschluss, Parkplätze ohne Autos. Immerhin: Es wird etwas getan.

So vergehen die Tage im sanften Rhythmus. Ein Gastgeschenk für Maththis Oma steht noch aus – sie hatte uns so herzlich bewirtet. Auf dem Weg dorthin hält ein Mann vor seinem Haus an und schenkt uns ein paar Bananen. Im kleinen Laden der Großmutter erhalten wir Kekse, Bananen und andere Lebensmittel – alles geschenkt. Unsere Geldbörse wird abgewehrt. Und obwohl es auf Meedhoo gemütlich ist, segeln wir zurück auf die Westseite des Atolls – der aufkommende Westwind bringt Wellen, die wir lieber hinter der schützenden Insel abwettern möchten.

Buchcover 360° Freiheit

Hat dir dieser Einblick gefallen?

Unser Logbuch zeigt dir, wo wir waren. Unser Buch erzählt dir, wie es uns verändert hat – und gibt dir das ehrliche Rüstzeug für deinen eigenen Aufbruch, das in keinem Blogartikel steht.

Mehr zum Buch „360° Freiheit“

Voriger Bericht

Notreparatur, Tigerhaie und südliche Malediven

Nächster Bericht

Ankern am Ende der Welt – die stille Wildnis von Chagos

Passend für dich

Passend zu diesem Bericht

Mitsegeln auf Infinity

Ausgewählte Etappen für Mitsegler – vom Insel-Hüpfen bis zur Blauwasser-Passage. Bordleben, Nachtwachen und Wetterrouting aus der Praxis.

Mitsegeln anfragen

App „Meine Reise“

Kostenlos

Planungstool vor dem Start und Cockpit für unterwegs: Kosten, Sparplan, Etappen, Seemeilen und Bordkasse.

Meine Reise planen

Das Buch: 360° Freiheit

Abenteuer, Know-how und der Wegweiser für deinen Traum vom Blauwassersegeln – mit über 30 Checklisten und Praxistipps.

Zum Buch

Post von Bord

Der Infinity-Newsletter

Neue Logbuch-Einträge, Reviertipps und Mitsegel-Termine – etwa einmal im Monat.

Double-Opt-In: Du erhältst eine Bestätigungs-E-Mail. Abmeldung jederzeit über den Link in jeder E-Mail.

Sailing Infinity

Kerstin & Martin mit ihrem Katamaran Infinity – seit 2020 auf den Weltmeeren.

Reise

LogbuchLive-TrackerÜber uns & Schiff

Angebote

App „Meine Reise“Vorbereitungs-ChecklistenBordhandbuch unterwegsMitsegelnBeratung & VorträgeBuch „360° Freiheit“Fanshop

Kontakt

info@sailing-infinity.netImpressumDatenschutzHaftungsausschluss

© 2026 Sailing Infinity · Kerstin & Martin Giretzlehner