Indischer Ozean · 1. April 2025
Baa Atoll und Nord Male Atoll
In den Atollen navigieren wir mit Satellitenbildern und auf Sicht. Auch die Ankerplätze suchen wir vorher mithilfe von Satellitenbildern aus. Dabei suchen wir, wenn möglich nach türkisen Sandspots ohne Korallen im Umkreis von ungefähr 100 Metern, die eine einigermaßen hindernisfreie Zufahrt erkennen lassen. Wir ankern in einem ringförmigen Riff mit s-förmiger Zufahrt. Nachdem das Riff durchwegs unter Wasser liegt, ist man vor Wellen geschützt aber nicht vor Wind. Das bevorzugen wir in diesen Breiten, weil ein Lüftchen am Ankerplatz sehr zum Wohlbefinden beiträgt. Plötzlich röhrt ein Wasserflugzeug auf, das genau auf uns zuhält. Nach einem Schwenk landet es einige hundert Meter entfernt von uns. Wir sehen nochmals nach und finden keine entsprechenden Hinweise in der Seekarte. Trotz der Schrecksekunde bleiben wir an Ort und Stelle. Die Korallen nahe der Wasseroberfläche stellen sich wie auch in den vorigen Atollen als Ruinen heraus.
Mittlerweile haben wir die unterschiedlichsten Ankerplätze gefunden. Einmal ankern wir inmitten eines Aquariums, ein anderes Mal zwischen Delfinen, die unter einem auftauchenden Regenbogen planschen. Jetzt fehlt nur mehr ein rosa Einhorn und der mythische Green Flash beim Sonnenuntergang. Fünf Jahre halten wir jetzt schon Ausschau nach dem sogenannten Green Flash, bei dem direkt nach dem Sonnenuntergang ein grüner Lichtblitz erscheint. Er ist nur am Meereshorizont bei klarem Wetter sichtbar. Und unglaublicher Weise sehen wir ihn beide zur gleichen Zeit! Wie er entsteht ist unseres Wissens nicht erforscht. Aber es scheint ihn zu geben, sei es als optische Täuschung oder als Naturphänomen.








Nach einem einsamen Ankerplatz für uns ganz alleine ankern wir am nächsten Tag bei Dhonfanu. Die Insel wurde uns aufgrund des dort ansässigen lokalen Tauchguides Hussein empfohlen. Leider gibt es an der Insel keinen guten Ankerplatz und es ist uns nicht erlaubt, in den kleinen Hafen hineinzufahren. Die Regeln erlauben dies nur in einem Notfall. Der Zoll möchte nicht, dass Einheimische leichten Zugang zu mitgebrachten Waren, wie alkoholischen Getränken, kommen. Wir versuchen unser Glück mit 70 Metern Kette auf Anweisung Husseins in 35 Metern Wassertiefe vor der Hafeneinfahrt. Immerhin muss Hussein die Bodenbeschaffenheit als Taucher rund um seine Insel kennen. Wir fahren den Anker ein und er hält auf Anhieb bombenfest. Nachdem gutes Wetter und annähernd Windstille angesagt ist, bleiben wir drei Tage. Die Tidenströmung ist stark und das Boot schwoijt in einem Radius von 100 Grad je nach Tageszeit. Eine starke Strömung verspricht aufgrund der transportierten Nährstoffe im Wasser meist viele Fische.
Auch auf dieser Insel gibt es Baustellen und viel Arbeit. Der Hafen wird neu gemacht, ein kleiner Park angelegt, die Kanalisation sieht neu aus. Hussein ist nicht nur Inhaber des örtlichen nagelneuen Tauchcenters und ein exzellenter Tauchguide, sondern auch Betreiber eines gemütlichen kleinen Hotels samt Restaurant und einer kleinen Baufirma. Entsprechend beschäftigt ist er. Man sieht ihn nur mit scheinbar angewachsenem Mobiltelefon am Ohr. Trotzdem nimmt er sich Zeit, Martin die nahegelegene Unterwasserwelt zwei Tage lang zu vernünftigen Preisen zu zeigen. Es handelt sich um absolute Top-Tauchplätze. Die Schönheit der Korallen, die Vielfalt der Lebewesen sowie einige Tricks, die Martin trotz hunderter Tauchgänge noch nie gesehen hat, sind einzigartig. Adlerrochen, Schildkröten, Ammenhaie, Riffhaie, riesige Schwärme von Rifffischen, große Thunfische, Muränen und so weiter und so fort. In der Manta-Saison dürften sich die Mantas bei den vielen Putzerstationen anstellen. Das große Nachbarriff Hanifaru ist ein Naturreservat, das möglicherweise auch zur hiesigen Vielfalt beiträgt. Tauchen, Fischen und Ankern sind dort verboten.
Essen reicht man uns beiden einzigen Touristen auf der Insel ausnahmsweise auch vor Sonnenuntergang. Die Menschen sind sehr freundlich und die Kinder neugierig. Gastarbeiter in Gastronomie und Bauwesen kommen häufig aus Bangladesch und Nepal. Der Muezzin ist besonders fleißig und singt über Lautsprecher bereits um 2.30 Uhr morgens für mehr als eine Stunde. Das geht dann alle paar Stunden so dahin. Wir hoffen für die Einwohner, dass er sie nur während des Ramadans um diese Zeit weckt. Bald ist das Fest des Fastenbrechens, das als Familienfest gefeiert wird. Mit Feiertag, Festessen und mit Geschenken für Kinder. Wir erhalten per SMS ein „Eid Mubarak“ vom maledivischen Präsidenten. Damit grüßt man sich zum Ende des Ramadans beim Eid al-Fitr, dem Zuckerfest.
Die knapp 40 Seemeilen ins Nord Male Atoll, die wir bei leichtem Wind mit Gennaker segeln können, lassen eine Ankunft erst nach 17.00 Uhr zu. Zu dieser Zeit reflektiert die Wasseroberfläche die tiefstehende Sonne und die Sicht auf Hindernisse unter Wasser ist sehr eingeschränkt. Aus diesem Grund suchen wir uns einen Ankerplatz, der aufgrund des Satellitenbildes ganz einfach zugänglich aussieht. Beim Ankern unter diesen Bedingungen herrscht Anspannung und höchste Konzentration an Bord. Radiert man mit einem Glasfaserboot eine Koralle oder einen Felsen, kann es für so ein Boot schon mal schnell zu Ende gehen. Kerstin steht am Vorschiff mit polarisierender Sonnenbrille und sucht das Fahrwasser nach Hindernissen ab und Martin steuert nach dem Satellitenbild, außer es kommen Zurufe vom Vorschiff. Es kommt hin und wieder auch mal vor, dass einzelne Korallenbommies nicht in Satellitenbildern sichtbar sind. Deshalb nähern wir uns nur sehr langsam dem steilen Unterwasserabhang aus einem Berg von Sand. Das Manöver klappt und wie immer wird sofort nach dem Anker geschnorchelt. Zwei riesige Stachelrochen schwimmen neugierig an der Ankerkette empor. Es ist schön, wenn man von der Tierwelt an einem Ankerplatz empfangen wird.
Die nahegelegene Insel ist eine private Ressortinsel ohne Moschee und wir genießen wieder einmal die nächtliche Ruhe. Die Vorbereitungen für unsere Gäste beginnen bereits auf der Fahrt nach Himmafushi quer durch das Nord Male Atoll. Zurückverwandlung der Stauräume in Kabinen und so weiter. Bei vier bis fünf Knoten Wind fahren wir zwei bis drei Knoten langsam. An Bord ist es dadurch praktisch windstill, was bei 35 Grad Außentemperatur recht unangenehm ist. Hin und wieder lässt man sich an der Badeleiter praktisch als schwimmender Fischköder zur Abkühlung vom Boot hinterherziehen. Eine willkommene Erfrischung.









Von Himmafushi hatten wir uns mehr erwartet. Es liegt in der Nähe der Hauptstadt und des Flughafens. Dementsprechend hört man ständig Flug- oder Bootsverkehr. Immerhin sind die Lokale nach dem Fastenbrechen nun auch tagsüber wieder geöffnet und es gibt einen vor Blicken geschützten umzäunten Strand für Bikiniträgerinnen. Auf Inseln, die von Einheimischen bewohnt werden, herrscht generell Alkoholverbot. Aus diesem Grund gibt es in der Lagune der Insel ein Boot, das als schwimmende Bar fungiert. Dort gibt es zu geschmalzenen Preisen Bier, Wein und Schnaps. Das durchwegs europäische Klientel vergnügt sich bei einigen Drinks zwischen 16.00 und 2.00 Uhr lautstark.
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