Südatlantik · 16. Juni 2026
Machu Picchu und Lima
Um 3.30 Uhr läutet der Wecker. Um 3.32 das Telefon: “Ankunft des Busses vor dem Hotel in zwei Minuten.“ Hoppla, etwas früher als das angekündigte 4.00 Uhr. Auf die Schnelle raffen wir alles zusammen und stürzen zur Tür. Die Situation entspannt sich, als die Tür des Kleinbusses sich nicht öffnen lässt. Das wiederholt sich bei jedem nächsten Stopp und wir verlieren mehrmals vermeintlich wertvolle Minuten, um dann letztendlich doch eine Stunde zu früh anzukommen… Wir bewundern, wie man es schafft, mit einer Attraktion, die jährlich fast zwei Millionen Besucher anzieht, noch immer das Gefühl einer Expedition zu vermitteln. Die Straße ist über weite Strecken schlecht und 5.000 Besucher werden täglich mit hunderten Minibussen zum Zug über die gleiche Straße mit Felsstürzen, Muren, Schlaglöchern, Schotterpisten und Umleitungen gekarrt. Die letzten 60 Kilometer nach Machu Picchu erreicht man schließlich nur zu Fuß über die alten Inkatrails oder per Eisenbahn. Wir wählen die Eisenbahn. Im ungewollt historisch erscheinenden Zug geht es durch das imposante Tal weiter. Fast zeitgleich fahren mehrere Züge los, gefüllt mit Menschen aus den hunderten kleinen Ausflugsbussen. Im Zug ist es erwartungsgemäß kalt, aber durch das enge Tal ist die Fahrt sehr abwechslungsreich. Die Vegetation ändert sich während der Fahrt in Richtung Regenwald. Unsere versprochene Ansprechperson am Zielbahnhof ist leider nicht anzutreffen und wir suchen verzweifelt mit Anleitungen von drei unterschiedlichen WhatsApp-Peruanern unsere Zielperson, die auch weiterhin nicht am vereinbarten Ort auftaucht. Schließlich schreien wir unseren Namen vor dem Büro des Kulturministeriums, welches die Tickets für Machu Picchu verkauft. Wer zuerst dort ist, bekommt die Tickets für die gewünschte Tour zur gewünschten Zeit. Sind die Tickets vergriffen, muss man entweder mit schlechteren Routen Vorlieb nehmen oder einen bis mehrere Tage warten. Durch den verlorenen Ansprechpartner sind wir mittlerweile die letzten vom ganzen Zug, die sich um Tickets bemühen.
In diesem Zusammenhang sei bemerkt, dass man es nach unserer Erfahrung tunlichst vermeiden soll, kurzfristig über Internet ein vermeintliches All-in-Paket für Machu Picchu zu buchen, weil dieses schlichtweg mit voneinander zu erwerbenden unabhängigen Bus-, Zug- und Eintrittskarten nicht existiert. Im Endeffekt läuft man der Person nach, der man bereits über den Online-Provider sein Eintrittsgeld gezahlt hat, um es vor dem Büro von einem Agenten in bar zurückzukommen, damit man selbst mit seinem Pass seine Tickets mit eben diesem Geld kaufen kann. Nicht nur sinnlos, sondern sogar hinderlich. Schlussendlich gibt uns einer der Mitarbeiter vor dem Ticket Office das Geld für die Eintrittskarten. Immerhin erhalten wir dank Nebensaison noch Tickets für die gewünschte Tour für den nächsten Tag zu einer Zeit, in der wir den Retourzug noch nicht verpassen. Ende gut alles gut. Nächstes Mal organisieren wir uns aber wieder alles selber.








Mit dem Bus wird man über Serpentinen den steilen Berg hinauf zu Machu Picchu gebracht. Der Anblick ist überwältigend. Gut, dass es die Spanier nie gefunden haben. Die Inka flohen aus Angst, entdeckt zu werden an einen anderen Ort und nahmen Gold und Silber mit. Machu Picchu wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts völlig überwuchert wiederentdeckt. 80 Prozent der Anlage sind mittlerweile wieder freigelegt. Getrennt in einen landwirtschaftlichen und einen herrschaftlichen Teil sind die Gebäude aus dem 15. Jahrhundert gut erhalten. Lediglich die Grasdächer fehlen. Eine Quelle sprudelt über Leitungen durch die ganze Anlage und die Steinmetz-Kunst ist in jeder einzelnen Mauer verewigt. Mit unserem Tourguide wandern wir 3 Stunden lang staunend durch die Bauwerke: Vom damaligen Hotel für Reisende, Wachturm, Tor, Terrassenmauern gegen Erosion, Felder, Steinbruch, Tempel über Wohnhäuser zum großen zentralen Platz, der wie eine Arena erscheint. 1.500 Personen arbeiteten 30 Jahre lang an dieser Stadt. Schließlich wurde sie von ungefähr 500 Personen höheren Standes bewohnt. Machu Picchu war und ist noch immer durch den Inkatrail zu Fuß erreichbar. Die Wanderung dauert drei Tage. Die Trails gehen sternförmig von Cusco weg und einer davon mündet über Berg und Tal eben in dieser herrlichen Anlage. Die Inka hatten die Trails und Brücken bei Ankunft der Spanier unzugänglich gemacht und so das Auffinden von Machu Picchu verhindert. Allein schon durch seine Lage auf dem steilen Felsen ist es ein besonderer Ort, der sich den Platz in den neuen sieben Weltwundern verdient.
Der Ort Aguas Calientes am Fuße von Machu Picchu heißt „Heiße Quellen“. Ein Abstecher zum örtlichen Thermalbad ist also vorprogrammiert. Das angeblich gesunde Wasser offenbart sich im trüben Tümpel-Gewand. Der Glaube versetzt Berge und wir stürmen die 37 Grad warmen Fluten mit nachheriger eiskalter Dusche. Gleich fühlen wir uns gesünder. Das ganze Dorf im Tal zwischen steilen Felswänden ist einziger Basar für Alpaka-Produkte. Alles was keine Alpaka-Produkte verkauft, ist Steinmauer, Hotel oder Restaurant. Meerschweinchen gibt es hier nicht im Streichelzoo sondern gebraten auf dem Teller. Coca-Blätter werden überall günstig angeboten. Beim Kauen wird die Zunge taub. Angeblich hilft das gegen Höhenkrankheit. Wir haben keine Probleme mit der Höhe, da Machu Picchu wesentlich niedriger liegt als Cusco.
Wie soll es anders sein? Auch bei der Rückfahrt ist der versprochene Ansprechpartner, der uns vom Zug mit dem Auto nach Cusco bringen soll, nicht auffindbar. Nach einigen Telefonaten mit dem Ausflugsveranstalter erbarmt sich schließlich ein Fahrer und nimmt uns mit.
In Lima schließen wir mit Peru ab. Die Millionen-Stadt ist reich an archäologischen Ausgrabungsstätten aus der Prä-Inka-Zeit. Monströse Pyramiden aus Lehmziegeln zeugen von der damaligen Kultur. Die koloniale Altstadt ist wegen Streiks derzeit nur zu Fuß zugänglich. Die Präsidentschaftswahl ging sehr knapp aus und die Leute demonstrieren friedlich. Außerdem ist heute Nationalfeiertag und es gibt eine kirchliche Prozession am Hauptplatz mit tausenden Teilnehmern. Die Bauten der spanischen Eroberer in der Innenstadt haben gewaltige Ausmaße, besonders die Kirchen und Klöster. Im Kloster San Francisco bestaunen wir die außergewöhnliche Sakral-Kunst und die Gebeine der 25.000 bestatteten Menschen in den Katakomben. Die Stadtviertel Miraflores und Barranca sind über weite Strecken nett und durchsetzt mit alten Häusern. Sie erheben sich über den Klippen des Pazifik. Ansonsten finden wir in Lima nicht viel Ansehnliches. Es gibt kaum öffentliche Verkehrsmittel, der Verkehr ist erdrückend und die Stadt ist riesig. Man braucht für die Strecken zwischen den touristisch interessanten Stadtteilen zumeist 45 Minuten mit dem Taxi. Ein Lichtblick ist das Museum Larco, wo Artefakte und Kunstwerke der indigenen Bevölkerung interessant kuratiert sind.









Die Fußball WM hat Südamerika fest im Griff. In jedem Lokal läuft der Fernseher und sowohl Einheimische als auch Touristen verfolgen gespannt die Spiele. Unser nächster Stopp ist Kolumbien. Kolumbien nimmt im Gegensatz zu Peru auch an der Fußball WM teil und deren Spiel steht bald an. Wir sind schon gespannt auf die Stimmung in der alten Drogenhochburg Medellin.
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