Karibik · Trinidad · 28. Oktober 2026
Infinitys Kur auf Trinidad
Nach einem ruhigen Nachtschlag kommen wir in Chaguaramas auf Trinidad an. Gleich beim ersten Landgang finden wir ein Café mit verführerischen Mehlspeisen. Danach wird unsere Kreditkarte gleich einmal wegen Betrugsverdachts gesperrt. Gut, wenn man mehrere Karten dabeihat. Auf Infinity stehen die jährlichen Arbeiten an: Ölwechsel, Filterwechsel, Keilriemen, Impeller und so weiter. Bei der Hitze eine schweißtreibende Angelegenheit.

Am nächsten Morgen rückt der Hebekran für Infinity überpünktlich an. Kaum hängt Infinity in den Gurten, wird sichtbar, was die Flussfahrten in Südamerika hinterlassen haben: Die im trüben Wasser treibenden Baumstämme haben am Rumpf ziemliche Kratzspuren im Antifouling hinterlassen. Ein klarer Auftrag für die Werfttage.

Allein auf unserer Werft werden während der Hurrikan-Saison mehr als 350 Boote an Land gelagert. Geparkt wird eng mit einem separaten, wendigen Fahrzeug. Da wird auch schon mal ein Spanngurt am Nachbarschiff gelöst, damit Infinity die Kurve besser kratzen kann. Am selben Tag liegen noch sämtliche Angebote vor und es werden alle vergebenen Arbeiten koordiniert. Manche Preise für Arbeiten sind fair, andere lächerlich teuer. Diese Arbeiten übernehmen wir dann selbst.

Wind geht hier nun gar keiner mehr, der Schweiß fließt in Strömen und wir kommen mit dem Trinken nicht nach. Mit unserem täglichen Statusbericht an die Werft werden die Soll-Ist-Abweichungen rasch beseitigt und in einer Rekordzeit von wenigen Arbeitstagen ist alles erledigt. Nachmittags wird die Stimmung der Arbeiter unter manchen Booten ausgelassen und es wird viel gelacht. Zur gleichen Zeit riecht der Zigarettenrauch verdächtig süßlich.




In der Werft trudeln nach und nach die Schiffseigentümer ein, denn die Hurrikan-Saison endet bald und die nächste Karibiksaison steht vor der Tür. Bei den wöchentlichen Grillabenden gibt es regen Austausch zu den Angeboten, Arbeiten und Ankerplätzen. Unsere Prioritäten sind aber anders: Kaum im Wasser, wird zweimal täglich das Wetter gecheckt, um den optimalen Absprung nach Grenada zu schaffen. Man fährt gegen den Nordost-Passatwind und da machen ein paar Grad beim Windwinkel und ein paar Knoten bei der Windgeschwindigkeit gleich einen großen Unterschied beim Reisekomfort – sprich: Landstraße oder Feldweg.

Dann geht alles ganz schnell. Alles festzurren, was nicht niet- und nagelfest ist, und schon geht es nordwärts nach Grenada. Wir befinden uns zwar noch in der Hurrikan-Saison, aber bei einem herannahenden tropischen Tief wollen wir bei rechtzeitiger Warnung und passenden Bedingungen wieder nach Süden ausweichen. Außerdem hoffen wir wegen El Niño dieses Jahr auf eine weniger aktive Hurrikan-Saison. Trotzdem beobachten wir das Wetter täglich sehr sorgfältig. Wir hoffen, vor der Hauptsaison noch ruhige Ankerplätze zu finden, bevor die Karibik zur alljährlichen Party-Zone erklärt wird.
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