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Indischer Ozean · Südostasien · 1. Juni 2024

Ho-Chi-Minh-Stadt und Da Nang

Leider vergessen wir diesmal zu überprüfen, ob man auch auf dem Landweg nach Vietnam mit einem „Visum on Arrival“ wie am Luftweg einreisen kann. Deutsche brauchen kein Visum, Österreicher aber schon und das hätte man einige Tage vorher online beantragen müssen. Martin spricht mit mehreren Beamten. Keine Chance. Noch dazu ist gerade Wochenende und da wird auch online kein Visum bearbeitet. Da Kerstin mit deutschem Pass in der Zwischenzeit bereits aus Kambodscha ausgecheckt ist, fährt sie mit dem Bus weiter und Martin sucht sich ein Hotel in der kleinen Grenzstadt, die aus Casinos besteht. In Vietnam herrscht Glücksspielverbot für Einheimische. Deshalb spielen sie hier direkt an der Grenze in Kambodscha. Das Finden eines Zimmers gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die meisten Casinohotels haben chinesische Eigentümer. Keines der sechs angefragten Hotels vergibt Zimmer. Nur online gibt es von einem einzigen Hotel ein Kontingent bei der Plattform Agoda. Es ist immer wieder interessant, wenn man an der Rezeption abgewiesen wird, aber nach fünf Minuten eben doch ein Zimmer im gleichen Hotel bekommt, weil man es online gebucht hat. Die Hotels in der Stadt sehen bei weitem nicht ausgebucht aus und es werden fleißig weitere gebaut. Trotzdem keine Zimmer verfügbar. Jeder mag sich selber einen Reim auf das Geschäftsmodell machen. 

Im ganzen Kaff spricht keiner auch nur ein Wort englisch und es ist keine weitere Langnase weit und breit zu sehen. Menschen kaukasischen Aussehens werden in Asien als „Langnasen“ bezeichnet. In die Casinos darf man in kurzer Hose und T-Shirt. Die Asiaten spielen in den halb leeren Casinos Tag und Nacht fast ausschließlich eine Form von Siebzehn und Vier. Casinos sind nichts für Martin, der in Statistik in der Schule nicht gefehlt hat. Jetzt wird erst das Online Visum beantragt, das mit einem Aufpreis erst übermorgen verfügbar ist. Nach zwei langen Tagen des Wartens kommt endlich das erlösende e-Mail mit dem Visum. Zu Fuß geht es über die Grenze nach Vietnam. Mit dem nächstbesten Bus weiter nach Ho-Chi-Minh-Stadt oder früher auch Saigon genannt. 

Der Verkehr ist in der 10 Millionen Einwohner Stadt um eine weitere Stufe auf der Chaos-Skala nach oben geklettert. Jeder fährt irgendwie, Ampeln sind, sofern überhaupt vorhanden, nicht mehr als eine Empfehlung. Tuktuks findet man nicht, dafür scheint jeder der Einwohner mindestens ein Moped zu haben. Autos werden sehr hoch besteuert. Sind Gehsteige begehbar, werden sie auch von Mopeds befahren. Meist sind die Gehsteige aber Abstellplätze für Mopeds, Müll, Straßenküchen und so ziemlich alles was man sich vorstellen kann. Der Verkehr fließt trotzdem erstaunlich gut. Oder wahrscheinlich gerade wegen der flexiblen Auslegung der Regeln und den wenigen Ampeln. Jeder rollt durch die Kreuzung wo gerade Platz ist. Die Mopeds biegen komplett auf der falschen Seite neunzig Grad ab, und das nicht zu langsam. Mopeds sind generell allgegenwärtig und in der Mitte eiern die Autos herum. Insgesamt ein Erlebnis.

Leider sprechen die Vietnamesen kaum Englisch und falls doch, ist es unmöglich zu verstehen. Mit Google Übersetzer und Google Maps geht es aber. Auch Vietnam hat im letzten Jahrhundert viele Kriege erleben müssen. Erst der Freiheitskampf als französische Kolonie, dann die Japaner während des zweiten Weltkriegs, dann wieder die Franzosen und dann der Bürgerkrieg zwischen dem Süden und dem kommunistischen Norden Vietnams. Nordvietnam wurde von den Guerilla-Kämpfern der Vietcong unterstützt. Die Amerikaner haben in der Zeit des kalten Kriegs auf Seiten des Südens eingegriffen. Die Spuren des erbittert geführten Vietnam-Krieges sind bis heute geblieben. Mit Dioxin wurden 20 Prozent des Dschungels vergiftet. Napalm kam gegen den unsichtbaren Gegner ebenfalls zum Einsatz. Ausschlaggebend für den Rückzug der Amerikaner war die Besetzung der amerikanischen Botschaft in Saigon, wodurch das Ausmaß des Krieges in der amerikanischen Öffentlichkeit publik wurde und die Antikriegsbewegung ihren Lauf nahm. In der Folge konnten die gemäßigten vietnamesischen Kommunisten mit Unterstützung von China und Russland Vietnam vereinen. Vietnam scheint sich heute gut zu entwickeln. Es gibt rege Bautätigkeit. 100 Millionen Einwohner treiben die Modernisierung voran. 

Ein Muss ist der Besuch der unterirdischen Tunnel im Dschungel von Cu Chi, die die Vietcong im Vietnamkrieg benutzt und weitergegraben haben. Damit waren sie für den Feind unsichtbar. Ein bei den Tunnels gezeigter Dokumentarfilm zeigt glückliche Vietcong, die einen Wettbewerb im Umbringen von US-Soldaten laufen haben. Von Kampfhandlungen, Verletzten oder Toten ist nichts zu sehen. Der unpassende Propagandafilm wird den Gräueln, die hier auf beiden Seiten passiert sind, keineswegs gerecht. Generell scheint hier der Krieg so dargestellt zu werden, als wäre er rein gegen USA geführt worden und nicht auch gegen Südvietnam. Die Führung durch den Dschungel mit der Demonstration von Fallgruben, Belüftungssystemen und unterirdischen Tunneln ist interessant. Für die Touristenführungen hat man einen Tunnel vergrößert. Die Vietnamesen passten früher gerade eben durch, aber eben keine Menschen größerer Statur. Sie wurden noch dazu im Zickzack-Verlauf gegraben, damit ein Schuss nur eine kurze Reichweite hatte. Die gut getarnten kleinen Löcher im Boden waren überall im Dschungel. 250 Kilometer zu diesem Zweck gegrabene Höhlen gibt es hier noch immer. Die Eingänge waren mit ortsfremdem Laub bedeckt, damit die Einheimischen die Eingänge und Fallgruben erkannten. Zum Abschluss der Tour dürfen kichernde schießwütige Touristen mit russischen und amerikanischen Maschinengewehren mit scharfer Munition herumballern. Einer Gedenkstätte wird der Ort durch diese Aufbereitung aus unserer Sicht leider nicht ganz gerecht. 

Mit der Besichtigung des Wiedervereinigungspalastes schließen wir mit dem dunklen Kapitel Vietnams ab und wenden uns dem Leben in der jetzigen Ho-Chin-Minh-Stadt zu. Am Saigon Skydeck hat man eine schöne Übersicht, allerdings ist der Blick durch den Smog getrübt. Der etwas weiter weg vom Zentrum gelegene Turm „Landmark 81“ ist mit 461 Metern der höchste Wolkenkratzer in Vietnam. Dort gibt es ein Einkaufszentrum und eine Eisbahn. Brauchen wir nicht. Abends zieht es uns in die Bui Vien Walking Street. Hier gibt es zahlreiche Lokale, die absolut einen Besuch wert sind. Es ist leicht, nette Leute kennenzulernen.

Gewitter können sehr heftig ausfallen. Es blitzt und kracht sehens- und hörenswert. Die Straßen werden vom Platzregen überschwemmt, Autos im Schritttempo, Mopeds quälen sich durch die flussgewordene Straße und Fußgänger versinken knietief im Wasser. Es geht aber auch schnell wieder vorbei. Als wir uns wieder auf die Straße trauen, kommen wir fast trockenen Fußes ins Hotel. 

Unser nächster Stopp ist Da Nang, eine Großstadt, die an der vietnamesischen Ostküste liegt. Die Stadt mit etwa 1,2 Millionen Einwohnern ist eine der am schnellsten wachsenden Städte Vietnams. Mit schönen Stränden, guter Luft, kleinen Inseln und Hügeln im Hinterland ist es zurecht ein beliebtes Urlaubsziel. Ganz im Norden des Strandes liegen hunderte kleine Fischerboote, südlich wachsen die Ressorts aus dem Boden. Teilweise fühlt man sich wie an Spaniens Stränden. Die Häuser sind hoch, der Sandstrand breit. Vietnam ist allerdings um ein Vielfaches preiswerter und die Strände weniger frequentiert als in Spanien. 

Uns gefällt es gut hier. Die eigentliche Sehenswürdigkeit in der Gegend ist aber Hoi An, eine kleine Stadt südlich von Da Nang, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Die Altstadt ist groß und architektonisch abwechslungsreich. Jahrhundertealte Holzgebäude und Tempel chinesischer Architektur werden durch Bauten aus der französischen Kolonialzeit ergänzt. Spaziert man am Vormittag beinahe ungestört durch die Stadt, ändert sich das jäh mit unzähligen Busladungen von Touristen am Nachmittag. Die Gassen sind übervölkert, Tempel werden gestürmt und einige Rikschas fahren Slalom durch die Fußgänger. Fast alle Häuser beherbergen sich wiederholende Geschäfte oder Lokale. Die einen haben sich auf Leder spezialisiert, andere auf Seide oder Lampions, wieder andere auf ortstypische Mitbringsel. Außerdem reiht sich ein Schneider an den nächsten. Das Anfertigen eines maßgeschneiderten Kleides dauert eine Stunde. Der Preis dafür beträgt ungefähr 30 Euro.

Am zweiten Tag in Da Nang steht die riesige Lady-Buddha-Statue am Programm. Sie ist die größte Buddha-Statue in Vietnam mit einer Höhe von 67 Metern und steht für Frieden, Freude, Wohlstand und Weisheit. Sie ist von mehreren Tempeln umgeben. In den nahegelegenen „Marble Mountains“ gibt es mächtige Höhlen. 16 Stockwerke Stufen muss man bewältigen um eines der Höhlensysteme zu besichtigen, ganz schön anstrengend bei brütender Hitze. Aber die außergewöhnlich hohen Höhlen sind die Mühe wert. Überall stehen Buddha Figuren und andere Gestalten. Ohne Buddha geht hier nämlich gar nichts. Wir freuen uns auf die Zugfahrt mit dem Wiedervereinigungsexpress über die Kaiserstadt Hue nach Dong Hoi, dem Naturparadies.

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