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Südatlantik · Brasilien · 10. April 2026

Fernando de Noronha – Samba in Brasilien

Knapp neun Tage auf See ohne Schäden, ohne größere Wellen, 1.111 Seemeilen, kaum Schiffsverkehr, keine Fischer, sieben bis 14 Knoten Wind von hinten. Wir sind uns einig, entspannter geht es nicht mehr. Die Schiffsbewegungen unterwegs sind geringer als an vielen Ankerplätzen. Noddies sind die einzigen, die für Bewegung an Bord sorgen. Am zweiten Abend hört man ein Tapsen auf dem Bimini über dem Steuerstand. Ein schwarzer Schatten huscht im Mondlicht durch die Luft. Am nächsten Abend zeigt sich unser dunkelgrauer Gast mit seinem weißen Häubchen und bringt gleich Freunde mit. Die Nächte darauf bis zu 20 Freunde. Nicht genug, dass sie Solarpaneele und Mitzi verschmutzen, debattieren sie auch noch lautstark, sodass wir immer wieder aus dem Schlaf aufschrecken. Bei den derzeitigen Flugpreisen ist ja verständlich, dass sie lieber Boot fahren aber jetzt reicht es. Unser Guano-Dampfer braucht eine Vogelpause. Wir kramen das Nebelhorn hervor, liebevoll auch Kasperltröte genannt, und blasen den Vögeln den Marsch. In der darauffolgenden Versuchs-Irrtum-Prozedur lernen unsere gefiederten Freunde in 90 Minuten, dass sie nur auf dem Vorschiff sitzen dürfen. Wenn man sie rechtzeitig mit einem Scheinwerfer blendet, können sie nicht landen, weil sie dann nichts sehen. Das schont ihre und unsere Ohren. Mittlerweile sind sie so konditioniert, dass sie bereits wegfliegen, wenn sie einen von uns sehen. Je näher wir nach Fernando de Noronha kommen, desto weniger Noddies verirren sich zu uns.

Der Wassermacher muss rackern, damit wir das Deck wieder sauber bekommen. Natürlich beginnt es kurz nach dem Saubermachen zu regnen. Wir nähern uns dem Äquator und damit der Innertropischen Konvergenzzone mit Schwachwind und Regenschauer. Und es wird so richtig warm. Jetzt sind wir endgültig zurück auf der Barfußroute.

Bei leuchtendem Vollmond kommen wir am Ankerplatz vor Fernando de Noronha an. Deshalb wagen wir die Nachtansteuerung durch das Bojenfeld. Beim Einklarieren wartet bereits unser Vergaser-Wartungsset für den Außenborder beim Hafenmeister auf uns. Was für eine nette Überraschung. Jetzt sind wir zwar in Brasilien einklariert, der Zoll kommt aber am Festland noch extra dran. Es wird ausschließlich portugiesisch gesprochen. Vorbei ist die Steifigkeit der britisch kolonialisierten Länder. Die Insel ist lebhaft, die Leute tragen kaum Kleidung. Am ersten Abend tappen wir durch Zufall auf eine Terrasse über dem Meer. Es gibt Live-Musik im Samba-Rhythmus und die Szenerie ähnelt einem Bacardi-Werbespot. Traumhaft bei Sonnenuntergang. Tags drauf erfahren wir, dass es zwar kein Werbespot für Bacardi, aber eine von Corona gesponserte Feier zum Abschluss des Foot-Volley-Ball-Turniers war. Erst nächsten Tag realisieren wir, dass sich auf der kleinen Party mit uns brasilianische Fußballlegenden wie Zico, Romario, Adão und viele mehr herumgetrieben haben. Wir erkennen sie erst, als sich die gesamte Jugend der Insel für Selfies bei ihnen anstellt.

Martins Geburtstag feiern wir in einem netten Restaurant mit freiem Blick auf eine große Bühne. Nach vier Stunden Soundcheck wissen wir nicht mehr, womit wir uns die Ohren zuhalten sollen. Als Krönung erscheint dann ein Playback-Sänger. Zeit zu flüchten.

Auf der Insel wimmelt es nur so von kleinen bissigen Fliegen, ähnlich aggressiv und juckreizfördernd wie die Sandfliegen in Kuba. Ironischer Weise meldet sich der gerade hier urlaubende Franziskus mit Freundin Daniela von der Tula, der mit uns bereits die Sandfliegen-Party auf Kuba genossen hat. Ein herzliches Wiedersehen nach fünf Jahren mit Sundowner am Boot.

Die Hälfte von Fernando de Noronha ist UNSECO Weltnaturerbe. Entsprechend hohe Gebühren fallen an. Aber dafür ist es nicht überrannt. Ein geborgter Buggy mit altem VW-Käfermotor inklusive entsprechendem Abgasduft und Motorsound bringt uns über Stock und Stein zu den Wanderwegen und Aussichtspunkten. Einsteigen erfordert das Einsortieren von Armen und Beinen in der richtigen Reihenfolge, sonst steckt man fest. Das Fahrerknie betätigt in regelmäßigen Abständen irrtümlich Scheibenwischer und Blinker. Alles funktioniert mechanisch – ein archaisches Fahrvergnügen. Immerhin brauchen wir uns nicht zu fürchten, damit liegen zu bleiben, denn die Abschleppvorrichtung ist bereits vorne an der Stoßstange montiert.

Auf den Wanderwegen folgt ein gut gelauntes spärlich bekleidetes Paar einem eingemummten, gegen Sonne und Moskitos geschützten Guide, der gleichzeitig als Packesel fungiert, inklusive Rettungsring und Flossen zum Schnorcheln. Die Damenbekleidung besteht hauptsächlich aus Bikini und Häkelröckchen. Wir passen nicht so recht in die brasilianische Schicki-Micki-Urlauber-Szene der Insel, fühlen uns aber dennoch recht wohl. Zwei Tauchgänge offenbaren Schildkröten, Rochen, kleine Haie und jede Menge Fische in felsiger Umgebung ohne Korallen.

Der angeblich schönste Strand Brasiliens Praia do Sancho ist auch für uns Strandgewöhnte wirklich sehr schön. Der Weg vom Felsen hinunter ist eng und zum Teil nur mit steilen Leitern zu erreichen. Gegenverkehr ist nicht möglich. Deshalb gibt es separate Zeitfenster für Auf- und Abstieg. Beim Schnorcheln begrüßen uns Stachelrochen und Schildkröten. In den Bäumen rund um den Strand nisten hunderte Boobies, kleine flauschige Küken schauen neugierig aus ihrem Nest. Weiter oben kreisen Fregatt-Vögel. Der Wanderweg auf den Klippen bietet spektakuläre Ausblicke über Strände und Felsen. Unten tummeln sich die Delfine zwischen den ankernden Yachten.

So schön das Inselleben hier ist, verabschieden wir uns dennoch bei Regenwetter Richtung Cabedelo. Nur zwei Segeltage liegen vor uns bis zum brasilianischen Festland. Die sitzen wir auf einer Backe ab.

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