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Südatlantik · 4. Juni 2026

Atacama Wüste

In aller Herrgottsfrühe geht es mit dem Linienbus Richtung San Pedro de Atacama, in die Oase der Atacama Wüste. Nur weil es eine Wüste ist, ist es aber noch lange nicht warm hier. San Pedro liegt auf 2.800 Meter, die Ausflugsziele bis zu 4.800 Meter. Frieren steht weiterhin auf der Tagesordnung. Wir suchen Hotels nur noch mit Heizung. Unser Quartier strotzt nur so vor hervorragenden Rezensionen. Leider trotzdem keine Heizung, Heißwasser nur mit Glück, Frühstück im Freien bei fünf Grad Außentemperatur. Immerhin bekommen wir auf Anfrage nach etwas Verhandeln am nächsten Tag widerwillig einen kleinen Heizlüfter. Die Türen schließen nicht dicht und die Badezimmerfenster weisen fingerdicke Spalten zwischen den lamellenartigen Glasteilen auf.

Von San Pedro kann man sternförmig Ausflüge machen. Diese werden von gefühlt hundert Agenten angeboten, die einen alle auf die gleichen Busse buchen. Dieses Mal nehmen wir die Ausflugsbusse, denn fahren in dieser Höhe ist gar nicht so ohne. Man fühlt sich in den höheren Lagen eben etwas „high“. Gehen in der dünnen Luft wird begleitet durch Sauerstoffmangel und unser damit einhergehendes Dampflock-Schnaufen. Das Tempo verringert sich. Durch die trockene Luft bekommen wir zusätzlich aufgerissene Lippen und Nasenbluten. „Letztendlich sind wir aber schon freiwillig da“, müssen wir uns wieder einmal selber vorsagen. 

Die Busse starten sehr früh in der Kälte. Sie sind nicht geheizt. Der Busfahrer trägt neben drei Jacken auch noch einen Mundschutz, eine Mütze und Handschuhe. Dazu legt er eine Wolldecke über die Beine. Martin fragt wieder mal, ob er die Heizung einschalten könnte. Der Blick gleicht dem fahrenden Untersatz: völlig verständnislos. Dabei sieht man eine wunderschöne neue Klimaanlage am Armaturenbrett. Sogar eine Standheizung ist eingebaut. Die Heizung will er nicht einschalten, weil dann die Windschutzscheibe anläuft. „Nun, zum Entfeuchten wäre die Klimaanlage nahezu perfekt“, halten wir dagegen. Keine Reaktion. Was diese neunmalklugen Europäer sagen, macht hier aus Prinzip schon keiner. Wurscht, frieren wir halt alle weiter. An den Seitenfenstern läuft das eiskalte Kondenswasser herunter. Es geht zum Regenbogental mit vielen farbigen Felsen. Unser enthusiastischer Guide mit Geologie-Hintergrund erklärt uns die verschiedenen Farben, die unterschiedlichen Mineralien und ihre Entstehungsgeschichte. Im Anschluss fahren wir zu einer archäologischen und gleichzeitig heiligen Stätte mit in Stein gehauenen Informationen zu Jagd, Wohnstätten und Leben der Steinzeit-Vorfahren. Am Nachmittag beginnt die nächste Tour, dieses Mal in das Mondtal. Anderer Touranbieter, anderer Guide. Der Bus ist älter, aber dafür genauso kalt. Immerhin wärmt mittlerweile die Sonne etwas. Tatsächlich unterscheiden sich die Felsformationen im Mondtal von jenen der morgendlichen Tour. Mondlandschaft eben, samt Dünen mit Wüstensand. Abends wird ein Tisch vor dem Bus für den Sundowner aufgestellt. Dabei handelt es sich um den chilenischen National-Cocktail Pisco Sour. Eine Mischung aus Grappa-ähnlichem Schnaps, Sirup, Eiweiß und Limettensaft. Schmeckt ausgezeichnet und der Sonnenuntergang hinter den in rosa und bläulich getauchten 6.000 Meter hohen Vulkanen ist sowieso traumhaft. Die Busausflüge über Schotterpisten werden begleitet durch abwechslungsreiches Reifen-Wechseln und Tiersichtungen. Füchse, die von Vikunjas – den Vorläufern der domestizierten Alpakas – verjagt werden und kleine Nagetiere sind überall anzutreffen.

Am Abend geht es direkt weiter mit der Astronomie-Tour. Hier in der Wüste gibt es kaum Lichtsmog. Ganz in der Nähe befindet sich das unter Sternforschern bestens bekannte Alma. In den Bergen darüber sind die vielen riesigen Teleskope der internationalen Forschungsstationen. Wir haben bald Vollmond und damit sind die Sterne neben dem hellen Mond derzeit schlechter zu sehen. Die Wüste ist zwar nicht schlecht für Himmelsbeobachtungen, aber den weiten Ozean finden wir trotzdem besser.

Am nächsten Morgen fahren zu den El Tatio Geysiren auf 4.300 Höhenmetern, und damit zu den höchstgelegenen weltweit. Falls wir es noch nicht erwähnt haben: „Im Bus ist es saukalt“. Wir landen bei Sonnenaufgang. Zu diesem Zeitpunkt kann man den Dampf über den Geysiren sehen. Der Guide hat bereits als Berg-, Tauch- und Seenotretter in Europa gearbeitet. Hier hat er schon einmal einen fotophilen Japaner aus einem Geysir fischen müssen. Überlebt hat leider keiner der bisherigen vier Selfie-Opfer, denn das Wasser hat über 90 Grad. Heiß blubbert es aus verschiedenfarbigen Löchern. Man tut gut daran, sich auf die Luv-Seite zu stellen. Der nächste Stopp sind die Baltinache Lagunen. Auf einem großen Salzsee finden sich Lagunen, welche im Sonnenlicht mit den umgebenden verschiedenfarbigen Ufern sehr schön leuchten. Der unglaubliche Farbenmix, den die Natur in der Atacama hervorbringt, dürfte selten so zum Vorschein kommen. Schließlich kann man in einer dieser Lagunen schwimmen. Bei zehn Grad Wassertemperatur räkeln sich nur wenige Touristen inklusive Kerstin im äußerst salzhaltigen Wasser. Der sechste und letzte Ausflug in drei Tagen ist ganztags und führt uns zu Süßwasserseen mit James-, Chile- und Anden-Flamingos, Vulkanausblicken und zum Salar de Talar, einem Salzwassersee mit rotem Lavagestein. Die Ausblicke sind allesamt derart vielfältig und atemberaubend, das man mit dem Fotografieren hier wirklich nichts falsch machen kann. Nachdem wir Chile nun vom äußersten Süden bis in den Norden sehen durften, verlassen wir das abwechslungsreiche und etwas teure Land Richtung Peru. Mit zweimal Umsteigen bewältigen wir die Strecke wieder mal über die Andenpässe in 4.600 Metern Höhe nach Puno am Titicaca-See MIT EINEM WARMEN BUS! Puno liegt auf 3.800 Metern. Wir schnaufen weiter.

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