Fidschi – Lau-Gruppe, Savusavu, Namena Island und Makogai

Die Überfahrt nach Fidschi ist aus seglerischer Sicht sehr schön, maximaler wahrer Wind bei 37,5 Knoten. Wir kommen gut voran, am zweiten Tag müssen wir den Motor dazuschalten, da der Wind deutlich nachlässt. Dabei kommt es wie beim Segeln regelmäßig auftretend zum ersten Gebrechen. Der Backbordmotor läuft heiß. Mittlerweile kennen wir ja die Tricks zur Reparatur und daher sind wir schnell wieder voll fahrtüchtig. Alle Schläuche runter, mit Luft durchblasen, mit Wasser füllen und wieder zusammenstecken und festschrauben.

Ein Unglück kommt bekanntlich selten allein. Der Bilgenalarm brüllt los. Die Ursache ist schnell gefunden. Ein mit Stahl armierter Anschlussschlauch der Wasserarmatur im Bad hat ein Loch bekommen, durch das praktisch unser gesamtes Trinkwasser in der Bilge gelandet ist, weil die Frischwasserpumpe bei Druckverlust so lange pumpt, bis nichts mehr kommt. Normalerweise würden wir die Pumpe hören aber es muss genau passiert sein, als wir vor dem Segel setzen motoren und das Motorengeräusch die Pumpe übertönt hat. Wir fluchen über die Bilgepumpen-Installation von Fountaine Pajot. Bei anderen Booten liegt die Bilgepumpe in einem Sumpf etwas unterhalb des Stauraums. Dadurch wird der Stauraum nicht nass weil die Bilgepumpe anspringt, bevor das Wasser den Stauraum erreicht. Bei uns steht die Bilgepumpe ebenerdig im Stauraum und bis die Pumpe startet, muss das Wasser 10 cm hoch in der Bilge stehen. Dadurch ist jedes Mal der gesamte Stauraum samt Inhalt geflutet und man muss die Bilge des gesamten Rumpfes zum Trocknen ausräumen. Ein Gutes hat das Dilemma aber: Die Bilge steuerbord ist komplett mit Süßwasser gereinigt. Nur noch trockenlegen und auswischen, fertig. 

Leider können wir das Loch nicht rasch reparieren. Der Einbau ist ein Pfusch. Die Schläuche der Armatur waren so eingebaut, dass sie abgeknickt waren und es ist dort so eng, dass sie noch dazu gescheuert haben. Bei der Installation handelt es sich um eine Plastik-Stecksystem, wofür man die passenden Ersatzteile braucht. Es ist so verbaut, dass man zum Leck entweder reinschauen oder reingreifen kann und damit fällt eine rasche Reparatur flach. Wir lassen also die Frischwasserpumpe ausgeschaltet und bedienen uns das erste Mal unseres 20 Liter Reserve-Wasserkanisters, der für diese Zwecke gefüllt in unserem Ankerkasten wohnt.  

Normalerweise müssten wir zunächst nach Savusavu auf Vanua Levu in Fidschi zum Einklarieren, aber mit unseren Problemchen segeln wir zunächst in die Bay of Islands in der Lau-Gruppe. Dort müsste man sich beim Dorf-Häuptling melden und eine Kava-Wurzel als Gastgeschenk überreichen. Die haben wir aber noch nicht, wir dürfen ja ohne Einklarieren auch noch nicht an Land. Also fällt das erst einmal aus. Wir hoffen, dass der Häuptling nicht nachtragend ist.

So bleiben wir an Bord und staunen über die wunderschönen Buchten, wie man sie nur selten sieht. Hier sieht es aus wie in einem Märchen. Viele kleine bewaldete Inselchen liegen in malerischen Buchten. Überall gibt es Vogelgezwitscher, Riffe, Korallen und versteckte Sandstrände. Am Abend bietet sich uns noch dazu ein besonderes Spektakel. Auf der Nachbarinsel steigen bei Sonnenuntergang tausende Flughunde auf, fliegen über unser Boot und landen auf der Insel hinter uns. Gegenüber den Tölpeln, tropischen Vögeln und Fregattvögeln wirken sie recht unbeholfen in der Luft, flattern aber fröhlich vor sich hin. Nach zwei unruhigen Segelnächten schlafen wir uns zur Abwechslung einmal aus. 

Am Morgen kommen zwei Stand-Up Paddler vorbei. Ein längeres Gespräch kommt aufgrund des Windes nicht zustande, da sie sehr schnell wegdriften. Sie liegen in der Nachbarbucht. Wir wollen ohnehin mit dem Dinghi durch die Buchten tingeln, also schauen wir auch in der Nachbarbucht vorbei. Dort liegt eine Segel-Luxusyacht, eine wunderschöne klassische 128 Fuß Yacht. Vorsichtig fahren wir mit unserer totenkopfbemalten Mitzi Richtung Schiff und die beiden begrüßen uns herzlich und laden uns ein, an Bord zu kommen. Wir tragen unser Arbeitsgewand, alt mit Flecken und Löchern und trauen uns fast nicht an Bord, wo alles blitzt und glänzt. Ramona und Jörg sind sehr sympathisch und wir plaudern gleich übers Segeln. So ein Schiff kann man natürlich nicht alleine segeln. So kommt der Kapitän David gleich zu unserem Dinghi und macht es fest. Eine freundliche Dame kommt zu uns und fragt, was wir gerne trinken würden. Kurz darauf serviert sie auch schon einen Cappuccino. Die Winschen haben einen Durchmesser von einem halben Meter, der Steuerstand ist mit allem ausgestattet, was das Herz begehrt. Die Innenausstattung kann man nur als traumhaft beschreiben. Eine gelungene Abwechslung von maßgeschneidertem Leder und Edelhölzern. Die beiden haben sich ihren Seglertraum erfüllt und beim Bau des Schiffes, der Vijonara, mitgeplant. Wir verabschieden uns und hoffen in Savusavu auf ein Wiedersehen.


Fidschi

Auf dem Weg nach Savsavu kreuzen wir den 180. Längengrad. Jetzt sind wir offiziell auf der östlichen Seite der Weltkugel angekommen. In Savusavu werden wir sofort von einem Marinero in Empfang genommen und zu einer Boje gelotst. Der informiert auch gleich das Komitee zum Einklarieren. Leider kommen wir an einem Samstag an. Dafür wird ein Wochenendzuschlag für die Formalitäten fällig. 

Als erstes erscheint wie immer eine Vertreterin der Gesundheitsbehörde an Bord und füllt jede Menge Fragebögen aus, geht einmal durchs Boot, macht Fotos von unseren Lebensmitteln und findet nichts Auffälliges. Ein Baguette liegt in der Gefrierbox ganz oben. Ein Foto und gut ist´s. Die Rechnung hat es in sich und ist am Montag bar zu bezahlen. Die nächsten Invasoren kommen gleich zu dritt. Zoll, Immigration und Bio-Schutz-Beauftragter. Er fragt nach Honig, den wir ihm zeigen. Er erklärt, dass dieser nicht aus Fidschi ist und daher von uns während des Aufenthaltes nicht zu verzehren und gekühlt aufzubewahren ist. Er erzählt etwas von Inhaltsstoffen im Honig, die die heimischen Bienen töten können. Also erklären wir uns bereit, keinen Honig auf der Insel zu essen. Dann wird wieder geschrieben. Jeder stellt sehr höflich die immer gleichen Fragen, die wir geduldig beantworten. Jede Behörde  präsentiert ihre eigene Rechnung. In Summe kommt das Einklarieren hier auf einige hundert Euro. Ganz schön geschmalzen. Mit unserer Mitzi fahren wir gleich in die Marina und sehen schon von Weitem eine österreichische Flagge an einer Alu-Segelyacht. Wir winken gleich mit einem „Servus“ auf den Lippen. Die Freude über Landsleute ist groß und wir verabreden uns gleich auf ein Bier. 

Brigitte und Ferry von der SV Alrisha sind schon sechs Jahre unterwegs, haben viele Segler getroffen und entsprechend viele Anekdoten zu erzählen. Damit vergeht die Zeit wie im Flug. Es wird über Technik gefachsimpelt, über Routen, Gesehenes und noch zu Entdeckendes geplaudert. Sie haben in etwa die gleiche Route wie wir, kranen ihr Boot, eine Ovni 435 auch in Whangarai aus, so wie wir es geplant haben.

Die meisten Geschäfte in Savusavu sind am Wochenende geschlossen. Damit können wir erst am Montag unseren Marathon starten. Erst einmal müssen wir die Behörden-Rechnungen begleichen und Geld abheben, welches rasch wieder weiter verteilt wird. Simkarten müssen her. Brigitte und Ferry empfehlen zwei verschiedene zu nehmen, da nicht auf jeder Insel alle Mobilfunkanbieter ein funktionierendes Netz haben. Martin macht sich auf die Suche nach passenden Ersatzteilen. Entweder brauchen wir eine neue Wasserarmatur oder entsprechende Schläuche um die bestehende zu reparieren. Beim Baumarkt gibt es sogar neue Schläuche. Die Endstücke haben zwar eine andere Größe aber wenn man in unserer Installation die Adapter entfernt, passen die neuen Schläuche drauf. Manchmal braucht man Glück. Die Reparatur der Wasserleitung ist zeitraubend, nachdem man ohne Sicht arbeiten muss. Wir müssen leider einen Teil der Verkleidung wegflexen, damit man überhaupt an das Leck rankommt. Das ist nicht weiter schlimm, da sich das Loch in einem Schrank hinter einem Holzbrett versteckt. Nachdem Martin beim fachgerechten Entfernen des alten Stecksystems ohne Sicht verzweifelt wird das bestehende Teil kurzerhand herausgeschnitten und glücklicherweise findet Kerstin bei den Ersatzteilen zum Wassermacher einen neuen passenden Dreifachverteiler, den wir anstattdessen mit einer Verlängerung einsetzen können. Puh, alles wieder dicht. Zwei halbe Tage schweißtreibende Arbeit ohne Lüftchen an der Boje in Savusavu finden ihr Happy End.

Natürlich brauchen wir auch Lebensmittel und die obligatorischen Kava-Wurzeln, die man in den Dörfern überreichen muss, um ankern zu dürfen. Die gibt es auf dem Gemüsemarkt in einigermaßen kunstvollen Bündeln zu kaufen. Kava wird in Fidschi als berauschendes Getränk in einer eigenen Zeremonie verzehrt.

In Savusavu ist es nicht sehr gemütlich auf dem Boot. Man kann nicht im Wasser schwimmen, es ist heiß, auch müssen wir Wasser machen, was wir nicht in dieser Brühe tun. So beobachten wir die Wettervorhersage und fahren zum erstbesten Zeitpunkt nach Namena Island. Es soll dort ein Tauchresort geben und wunderschöne Tauchplätze. Einige Stunden später fällt der Anker in klarem Wasser direkt vor einem kleinen Riff, das sich als toller Schnorchelspot herausstellt. Das Tauchresort wurde unglücklicher Weise vor drei Jahren vom Zyklon weggeweht und so ist man dort fleißig beim Wiederaufbau. Leider ist es zu den Tauchplätzen recht weit und die Tauchguides sind mit anderen Aktivitäten verplant. Vielleicht klappt es nächstes Jahr wenn wir wieder in Fidschi vorbeikommen. 

Ein Highlight ist der Grillabend auf Alrisha mit Holzkohlegrill. Das Steak vom Metzger in Savusavu ist leider von der zähen Sorte aber der Holzkohlegeschmack wiegt das wieder auf. Nach einigen Tagen schnorcheln und relaxen brechen Alrisha und wir auf zur 25 Seemeilen entfernten Insel Makogai. 

Nach einem gemütlichen Segeltag laufen wir am Ankerplatz in Makogai ein. Wir ankern vor einer Muschelfarm und besuchen das Dorf wegen der obligatorischen Sevusevu-Prozedur. Dabei handelt es sich um die Überreichung der Kava-Wurzeln und um die Erlaubnis, die Insel besuchen zu dürfen. Dabei wird das Kava-Gebräu meist sofort verzehrt und man „muss“ mittrinken. Wir gehen am Vormittag zum Dorf, da wir hoffen, dass uns zu dieser frühen Stunde das Trinken des erdigen Kava-Gebräus erspart bleibt. Wir haben Glück. Von einer netten jungen Dame werden wir willkommen geheißen und sie fragt, ob es uns etwas ausmacht, wenn wir die Kava-Wurzeln einfach hier lassen, uns in das Gästebuch eintragen, und die Sevusevu-Prozedur mangels derzeitiger Anwesenheit von autorisierten Personen ausfällt. Hurra, dieser Kelch geht an uns vorüber! 

Die junge Dame gibt uns dafür eine Führung durch die Muschelfarm, die eigentlich ein staatlich gefördertes Programm zur Erhaltung der Riesenmuscheln darstellt. Diese Muscheln verdienen ihren Namen zu Recht. Sie sind so groß, dass sie Martin beim Schnorcheln glatt mit einem großen Stein verwechselt hat. Sie wachsen bis zu einem Meter Durchmesser heran, schillern im Wasser blaugrün oder ocker und dürfen auf dieser Insel nicht verzehrt werden. 

Die Häuser, die der letzte Zyklon hier weggeweht hat, wurden von der Regierung wieder aufgebaut. Am Ende eines kleinen Weges befindet sich ein malerischer verwachsener Friedhof. Die Insel war vor mehr als hundert Jahren eine Lepra-Kolonie und manche Gräber stammen noch aus dieser Zeit. Ein verfallenes Kino sowie ein verfallenes Gefängnis zählen weiters zu den Sehenswürdigkeiten hier in Makogai. Will man mobiles Netzwerk, muss man schon bei 30 Grad Celsius einen Hügel erklimmen oder bequemer mit dem Dinghi hinter eine kleine vorgelagerte Insel fahren. 

Begeistert sind wir von der Unterwasserwelt in Fidschi. Die Korallenriffe zählen zu den schönsten unserer bisherigen Reise. Die Sicht ist zumeist gut, so dass man auch beim Schnorcheln schon Vieles zu sehen bekommt. Der Fischreichtum ist groß. 

2 Kommentare

  1. Hallo Kerstin und Martin,
    Vielen Dank für die Mühe, die Sie sich mit Ihren Berichten machen, sehr interessant und lesenswert,. Nachdem ich im letzten Trans Ocean Magazin über die Problematik mit Quallen gelesen habe, haben Sie damit zu tun?! Alles Gute und beste Grüße aus Nähe Attersee/Lenzing ! Ich kenne diese „Ecke“ der Welt leider nicht, es hatte mich allerdings so um 1990 herum nach Venezuela verschlagen, wo ich mit meiner Formosa 51 unterwegs war.
    Gerhard

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