Tahaa – die Vanilleinsel

Von Raiatea zum nächsten Ankerplatz auf Tahaa ist es gerade mal ein Katzensprung. Nach 12 km liegen wir wieder vor Anker in türkisem, flachen Wasser, wo die Kinder mit Leichtigkeit zum Anker tauchen können. Die größte Bucht von Tahaa, die Haamene Bucht geht fast bis zur Inselmitte. Allerdings sind die Ankerplätze nicht besonders, die wenigen Bojen scheinen belegt. Zum Ankern, Schnorcheln und Schwimmen ist es in der Nähe des Außenriffs auch viel schöner.

Tags darauf möchten wir eine Vanillefarm besuchen, was natürlich ein Fixpunkt auf der Vanille-Insel ist. Martin telefoniert mehrfach mit dem Farmer, der erklärt, dass wir an einer Boje anlegen können. So gehen wir Anker auf und fahren in die Faaha Bucht. Obwohl wir bis zum Ende der Bucht fahren, finden wir keine einzige Boje. Ach ja, meint der Farmer. Sie haben einen kleinen Hafen, dort können wir festmachen. Also schnell die Fender raus, Festmacherleinen fixiert und angelegt. Martin geht vorsichtshalber auf das Gemeindeamt fragen, ob wir dort stehen bleiben können. Geht natürlich nicht, da am Nachmittag zwei große Schiffe hereinkommen werden. Da der Farmer noch dazu nicht rechtzeitig daherkommt, müssen wir wieder los, um vor Anbruch der Dunkelheit wieder an den Ankerplatz anzukommen. Was soll´s, Vanillefarmen gibt es ja noch mehr auf der Insel. 

Unser nächster Stopp ist auf der Westseite von Tahaa bei der Ilot Tautau. Dort ist der Ankerplatz wieder so seicht, dass nur noch 50 cm unter unserem Kiel sind. Sicherheitshalber ankern wir um, da wir mit höheren Wellen eventuell eine Grundberührung haben könnten. Der nächste Ankerplatz ist berühmt für seinen Schnorchelpass. Man kann zu Fuß ans Ende des Passes gehen um danach gemütlich zurück zu schnorcheln. Dieses Mal wird unsere Erwartung mehr als übertroffen. So eine Vielfalt an Rifffischen in maximal 3 Meter Tiefe zwischen Korallen und Anemonen. Das haben wir auf unserer Reise noch selten so gesehen. Leider sieht man auch hier schon eine beginnende Korallenbleiche, was bedeutet, dass das Riff in einigen Jahren tot sein wird. Und mit ihm werden auch die Fische verschwinden. 

Direkt beim Pass ist ein schönes Resort, das Abendessen leider nur für Hotelgäste anbietet. Dann gehen wir eben zur Bar und bestellen Getränke. Wir schaffen Fakten und öffnen gleich die Getränkedosen um nicht auch an der Bar abgewiesen zu werden. Plötzlich stellen die Angestellten fest, dass wir nicht zum Hotel gehören. Jetzt ist es aber für die Getränkedosen zu spät und wir dürfen nun doch etwas trinken, essen und dafür zahlen. Wo ein Wille da ein Weg. 

Auf der Vanilleinsel finden wir noch einen weiteren Farmer. Er will uns im kleinen Dorf Terauapai in der Tapuamu Bucht abholen und wieder dorthin zurückbringen. Wir liegen gut an einer Boje und beginnen den Tag recht bald. Am Anlegesteg gibt es die Pari Pari Rumdestillerie. Sie ist 6 Jahre alt und klein. Nachdem Zuckerrohr wie Unkraut wächst, wird auf der Insel mittlerweile Zuckerrohr angepflanzt. Nach einer kurzen Führung und Verkostung von teurem Rum machen wir uns auf den Weg in den Ort. 

Wir kommen an der Kirche vorbei. Daneben wird fleißig gegrillt, Boule-Bahnen sind vorbereitet, die Stimmung der Leute ist hervorragend. Da unser Frühstück noch nicht allzu lange her ist, nehmen wir nur eine kleine Mehlspeise zu uns, von der wir gleich noch etwas nach holen. Hier ist ein astreines Pfarrfest im Gange. Auf dem Weg zum Treffpunkt mit dem Farmer kommen wir zu einem Supermarkt, bei dem wir uns noch eindecken. Wer weiß, wo wir zu welchem Preis auf Der nächsten Insel Bora Bora einkaufen können. Martin holt gleich einmal unser Dinghi, da der Einkauf doch größere Dimensionen angenommen hat. Da wir noch ein bisschen Zeit haben, besichtigen wir auch noch die Mana´o Detillerie aus Tahiti, die zufällig in der gleichen Bucht einen Informationsstand hat. 

Endlich werden wir zur Vanillefarm abgeholt. Der Besitzer fährt uns quer über die Insel zur Ha`amene Bucht, wo wir nicht ankern konnten. Damit haben wir gleich auch eine Inselrundfahrt gemacht. Wir werden von einer Meute Hunde begrüßt, von denen einer der Liebling des Chefs ist und in seinem Bett schlafen darf. Leider darf er dafür nicht durch den Schlamm bei den Vanillegewächshäusern laufen und wird daher vom Herrchen getragen. Am ersten Gewächshaus hebt er ihn auf das Dach eines der Gebäude, wo er nicht alleine herunterkommen kann. Das gefällt ihm so gar nicht und das tut er auch lautstark kund. Wir gehen währenddessen in das Gewächshaus, wo wir in die hohe Kunst der Vanille-Produktion eingeführt werden. Wir lernen zu verstehen, warum Vanille ein derart teures Gewürz ist. Die sogenannte Tahiti Vanille wird im Gegensatz zur Bourbon Vanille aus Madagaskar nicht von den Bienen bestäubt, da diese hier aufgrund der Überzahl an Vögeln nicht überleben können, sondern von Menschenhand. Das bedeutet, dass jede einzelne Blüte, aus der eine Schote werden soll, auseinandergefaltet wird. Die Pollen werden mit einer Art Zahnstocher in den Blütenkelch gesetzt. Dabei darf die Blüte natürlich nicht verletzt werden. Nach der Demonstration und Erklärung wollen wir uns auf den Rückweg zum Haus des Farmers machen.  Der Hund ist allerdings beleidigt und schnappt nach seinem Herrchen. Nach einer Weile lässt er sich dann aber dazu herab, vom Herrchen nach Hause getragen zu werden.

Eine Vanilleschote hat nach erfolgreicher Befruchtung eine Wachstumsdauer von 9 Monaten und wird dann täglich für eine Stunde an der Sonne getrocknet. Mehrmals wöchentlich wird jede Schote mit der Hand „massiert“, das heißt, von oben nach unten und zurück mit etwas Druck ausgestrichen. Nach Abschluss des Trocknungsvorganges wird sie verpackt und überwiegend an Gourmet-Restaurants verkauft. Im Schnitt kostet eine Schote zirka 10 Euro in der Produktion. Viele schwören darauf, dass die Tahiti Vanille die beste der Welt ist. Sie erzielt Preise von 600,- bis 1.750,- Euro pro Kilo. Ja, wenn man so schön gestreichelt wird…

Die Besitzer der Farm sind äußerst geschäftstüchtig, da sie neben Vanille auch Perlen von den Gambier-Inseln, Holzskulpturen von den Marquesas, Bekleidung der Hinano-Brauerei und Pareos verkaufen. Wenn man möchte, kann man alles auch im Internet bestellen und bekommt es sogar nach Hause geschickt. 

Da wir etwas hungrig geworden sind, machen wir uns auf den Weg zum Pfarrhaus. Auf Nachfrage erfahren wir, dass an jedem Wochenende ein Fest gefeiert wird, drei Tage grillen, speisen, boulen und trinken. Die Boule-Spieler sind wahre Künstler. Bei jedem Wurf landet die Kugel genau neben dem Zielball. Wir dürfen auch spielen, haben aber natürlich keine Chance gegen die Einheimischen. Das gesamte Dorf scheint etwas angeheitert oder einfach gut drauf zu sein. Hier gefällt es uns so gut, dass wir bei der Frau des Bürgermeisters Obst für nächsten Tag bestellen und gleich nochmals herkommen. Tags darauf sind sogar noch mehr Gäste hier. Von den immer wieder durchziehenden Regenschauern lässt sich niemand beeindrucken. Alles findet im Freien statt. Alkohol gibt es keinen zu kaufen, dafür hat aber immer ein Supermarkt offen, der den Durst stillen kann. Der Bürgermeister persönlich fährt Martin zum Supermarkt, um Bier holen zu können. Eigentlich darf Bier im Supermarkt nicht gekühlt verkauft werden und der Bürgermeister ist auch Chef der lokalen Gendarmerie. Spaßhalber auf den Interessenskonflikt angesprochen, antwortet er lapidar: „Ach, das sind ja bloß Gesetze, die die Franzosen gemacht haben und nicht unsere polynesischen.“ Auf einer Insel weit weg vom Mutterland ist der Arm des Gesetzes nicht ganz so lang wie am Festland. Das merkt man auch an den Autos. Eine technische Prüfplakette gibt es hier nicht. So bestaunen wir einen uralten Citroen, bei dem die Heckscheibe durch Plastikfolie ersetzt wurde und der nur mehr durch Rost zusammengehalten wird. Der Scheibenwischer hat keine Wischerblätter mehr, Lichter sind Fehlanzeige. Mit diesem Fahrzeug benötigt man auf den Bergstraßen hier Mut, den sich der Fahrer antrinken musste. Auf dem Beifahrersitz findet sich nämlich passender Weise eine leere Flasche Bier. Absperren muss man diesen Seelenverkäufer bestimmt nicht. 

Auch andere Yachties aus den USA finden sich auf dem Pfarrfest ein und es entsteht ein interessanter Plausch über Reisen, Politik und Waffen. Es gibt auch US-Bürger, die Trump und Waffen sehr kritisch gegenüberstehen. Wir kaufen drei riesige Bananenstauden, Pampelmusen und Passionsfrüchte vom Bürgermeister, auf die wir uns schon sehr gefreut haben.

Schweren Herzens verabschieden wir uns von der sympathischen Vanilleinsel und fahren am Vormittag durch den Pass zirka 25 Seemeilen nach Bora Bora. Manche behaupten, dies sei die schönste Insel der Welt. Wir sind gespannt.

2 Kommentare

  1. Hallo Ihr Lieben, mich frisst der Neid…was für eine Reise!!! Ob Ihr jemals zurück kommt ist fast zu bezweifeln. Und einen Vanillegroßhandel wird es auch nicht geben, gell? Ja, ich habe einmal eine Doku über die händische Bestäubung gesehen..kein Wunder wenn die Vanille so teuer ist. Wie ihr wisst haben wir einen heißen Sommer, seit Sonntag erträglicher, Gott sei Dank. Uns geht es gut,aber ein bisserl Fernweh krieg ich schon, wenn ich eure interessanten und anschaulichen Berichte lese. Danke für ein bisserl Dabeiseindürfen!!! Ganz liebe Grüße, passt gut auf euch auf. Liebe Grüße Eva und Gerhard.

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