Fakarava – eine Klasse für sich

Die Einfahrt durch den Tumakohua Pass im Südosten des Atolls klappt problemlos, die Sicht zum Ankerplatz ist ausreichend und betonnt. Den Anker lassen wir samt „Kettenschwebe-Fender“ schon viel routinierter fallen. Auf Anhieb gräbt er sich gut ein und die Kette schwebt oberhalb sämtlicher, wenn auch bereits kaputter Korallen. Anders verhält es sich dort, wo weder Yachten noch Dinghis hinkommen, da es viel zu flach ist. Wir finden einen schmalen Weg zwischen den Korallen zu einem kleinen Strand auf Tetamanu, wo wir unser Dinghi anlanden können und machen uns auf die Suche nach Infrastruktur. 14 Tage ohne Internet sind schon eigenartig, zumal auch unser Iridium nicht mehr funktioniert hat, da Martins Handy beschlossen hat, dass es erst wieder Internet benötigt, um die notwendige App zu öffnen. Sofort haben wir bei 4G-Empfang die App auch auf Kerstins Handy als Backup installiert. Dann haben wir das einzige Lokal ausgemacht, wo wir uns einen Rumpunsch gönnen. Dort gibt es ein kleines Becken, wo sich viele Schwarzspitzenriffheie und große Napoleonfische tummeln. Da braucht man nicht einmal den Kopf unter Wasser zu stecken, um zu sehen, wie die Fische gegen die Strömung schwimmen um gemütlich wieder zurück driften. Das Lokal gehört zu einer kleinen Anlage mit einfachen Hütten aber hier finden sich in erster Linie Taucher ein, die im berühmten Pass tauchen wollen. Essen kann man dort nur, wenn man in den Hütten wohnt, weil das Versorgungsschiff letzte Woche nicht gekommen ist. So kommen wir zu „Chez Sabrina“. Dort gibt es keine Getränke, die muss man selber mitbringen. Ansonsten wird am Abend für uns groß aufgetischt. Sabrina hat sogar einen kleinen Gemüsegarten, sodass wir frischen Salat und Auberginen zum Fisch bekommen. Das ist unsere beste Mahlzeit seit Ankunft in Französisch Polynesien.

Der Pass Tumakohua ist weltberühmt und wie die gesamte Insel ein Teil eines UNESCO geschützten Biosphärenreservats. Es gibt im Pass hunderte Haie, die praktisch eine ganze „Wall of Sharks“ bilden. Je stärker die Strömung umso mehr Haie. Natürlich buchen wir auch gleich einen Tauchgang um diese einmalige Chance zu nutzen. Mit der Strömung wird man sanft in den Pass hineingetragen, auf 27 Meter gibt es eine kleine Höhle, wo man sich hinlegen und das einzigartige Treiben der großen und kleinen Fische beobachten kann. Beim Weiterdriften und langsamen Auftauchen ziehen wir an einer intakten Korallenwelt vorbei. Dreht man den Kopf in eine andere Richtung sieht man in die Tiefe zu den Haien. 


Kurzvideo: Wall of Sharks – Fakarava South Pass

Im Lokal treffen wir auf Landsleute aus Kärnten. Fredi filmt professionell über und unter Wasser, hat auch schon einen Filmpreis gewonnen. Seine Filme kann man auf seinem YouTube-Kanal anschauen. Mit seinen Aufnahmen begeistert er vor allem Martin, der beschließt hier auch einen Nachttauchgang zu den jagenden Haien zu machen. Auf einem Kilometer langen, schmalen Pass gibt es hier bis zu 700 Haie. Die Bedingungen sind nicht ideal. Es ist sehr dunkel, weil der Vollmond noch nicht aufgegangen ist und die Strömung läuft aus dem Pass hinaus. Die Instruktionen sind einfach. Erstens: keinen Hai berühren. Sie kommen ohnehin auf Tuchfühlung weil sie vom Licht der Lampen angezogen werden. Zweitens: keinem Beutefisch mit der Lampe hinterher leuchten, weil diese dann eventuell mit der ganzen Verfolgermeute zur Lampe retour kommen und der Hubschrauber braucht einfach zu lange bis ins Krankenhaus. Drittens: dicht zusammenbleiben und nicht von der Strömung fortspülen lassen. Viertens: je später der Abend desto wilder die Jagd, also wird der Tauchgang maximal 40 Minuten dauern. So weit so gut. Es kostet einige Überwindung, um nur mit einer Lampe bewaffnet in die stockdunklen von der Strömung brodelnden Fluten zu springen aber diese wird reichlich belohnt. Unzählige Tiere schwimmen um uns vier Taucher herum. Hin und wieder wird man von ihnen angestupst aber geschnappt wird nur nach Fischen. Ein tolles Erlebnis, das wohl in dieser Intensität nur an wenigen Plätzen der Welt zu erleben ist. Aber nicht mehr lange, denn die Nachttauchgänge im Südpass von Fakarava werden möglicherweise in Zukunft beschränkt oder sogar verboten.


Kurzvideo: Nachttauchgang im Südpass von Fakarava

Ein Ausflug zum berühmten rosa Strand muss natürlich auch sein und so fahren wir mit dem Beiboot einen riesigen Umweg um die Untiefen zu den Stränden. Auch wenn sie nicht wirklich tiefrosa sind, ist es wunderschön hier. Ein Südseetraum ohne andere Strandgäste.

Das Resort Motu Aito hat leider kein Essen für uns, dafür aber Bier. Ist auch gut und mehr, als man auf den meisten Motus bekommt. Manchmal wundern wir uns trotzdem über die Lokalbetreiber hier. Etwas Essbares aus dem Gefrierschrank zu holen, scheint bei Preisen zu 35 Dollar pro Mahlzeit nicht der Mühe wert zu sein. Auch nicht mit Voranmeldung. Die Leute sind zufrieden mit dem wie es ist und mehr zu verdienen heißt auch, mehr zu arbeiten. Also besser nicht zu viel werkeln sondern lieber chillen. Dabei ist die Auslastung weit entfernt von hundert Prozent.

Das Wrack eines Segelschiffs im Atoll erinnert uns daran, besser mit gutem Licht zu segeln und aufmerksam zu bleiben. Heute gibt es auf Kanal 16 sogar einen Mayday Ruf aus dem Norden Fakaravas von einem großen Segelkatamaran. Wir sind gewarnt.

Bevor wir im Atoll nach Norden segeln, machen wir zu zweit noch einen Tauchgang mit unserem Beiboot. Wir quälen uns gegen die Strömung nach draußen in den Pass und gehen mit einer 20 Meter langen Dinghi-Leine ins Wasser. Nur zehn Minuten später werden wir durch den einen Kilometer langen und 200 Meter breiten Pass schon am inneren Ende des Passes angespült. Leider treibt der Wind unser Beiboot an der Oberfläche dermaßen zur Seite, dass wir gleich auftauchen müssen bevor das kleine Boot an das innere Riff gespült wird. Das ist wohl der kürzeste Tauchgang unserer bisherigen Karriere.

Wir verlassen unseren Ankerplatz und machen uns zur 30 Seemeilen langen Fahrt durch den betonnten Wasserweg in den Norden des Atolls auf. Hier gibt es angeblich Lebensmittelgeschäfte und das Versorgungsschiff begegnet uns direkt am Weg. Vielleicht gibt es sogar frisches Obst und Gemüse? Allzu viele Hoffnungen machen wir uns nicht aber ein wenig Zivilisation kann 17 Tage nach unserem letzten Einkauf nicht schaden. Am Weg begegnet uns das österreichische Segelboot Ibex, deren Crew wir zuletzt in Panama zum Frühstück getroffen haben. Was für eine nette Überraschung mit Funkspruch und ausgiebigem Winken. Als wir die Boje im Norden Fakaravas aufnehmen trauen wir unseren Augen nicht. Schon wieder ein österreichisches Segelboot neben uns. Franz mit seiner Bright Star aus Niederösterreich ist seit 17 Jahren unterwegs und seit drei Jahren in Französisch Polynesien. Man glaubt es nicht wieviele Österreicher im Pazifik unterwegs sind.

2 Kommentare

  1. Hallo Ihr Weltenbummler…oh mein Gott ist es schön, eure Berichte zu lesen,,,als wäre man mit an Bord.Wunderbare Fotos lassen mich träumen . Aber auch eure präzisen Schilderungen sind hochinteressant. Ein bisserl beneide ich euch…Passt gut auf euch auf und genießt mit allen Sinnen. Ganz liebe Grüße, Eva und Gerhard

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