Bahamian Rhapsody – Nassau, Berry Islands und Grand Bahama

Gerne hätten wir euch Drohnenaufnahmen von den herrlichen Inseln gezeigt. Das ist leider nicht möglich, da diese am Meeresgrund liegt. Eine ärgerliche und auch relativ teure Niederlage. Da das Fliegen und Filmen mit der Drohne bis jetzt problemlos funktioniert hat, wagen wir die erste Aufnahme von der fahrenden Infinity unter unserem größten Segel, dem Blue Water Runner. Unsere Drohne hat ja auch eine Wasserlandungsausstattung, aber wozu montieren, wenn das bisher auch ohne wunderbar funktioniert hat. Die Tücken unserer Ex-Drohne finden wir leider erst heraus als diese bereits in der Luft ist und sich der Geo-Fence Modus mit der Fernbedienung nicht ausschalten lässt. Das heißt die Drohne bleibt im Umkreis von 200 Metern ihres ursprünglichen Startplatzes und nicht beim sich vom Startplatz wegbewegenden Schiff samt Fernsteuerung. Bis wir wissen was los ist und wie wir es beheben können, bis der Blue Water Runner alleine von Kerstin (!) geborgen ist und wir die Motoren gestartet und das Schiff gewendet haben, blinken die Batterielämpchen der Drohne bereits bedrohlich rot. Schließlich schaffen wir es in die Nähe der Drohne zurückzukommen. Aber leider nur fast. Einige 100 Meter vor uns versinkt die Drohne lautlos im Meer. Naja, Segler sollten halt nicht fliegen.

In Nassau ankern wir einfach in der Mitte des westlichen Hafens, da die Marinas hier empfindlich teuer sind. Das macht einen Unterschied von 60 Metern und 250 Dollar pro Nacht. Kein Wunder, hier steigen laufend Betuchte aus den USA und aller Welt ab. Wir sichten die 100 m Superyacht des Ölmagnaten und Dallas-Cowboys-Eigentümers Jerry Jones, der gerade auf der Insel ist und eine Strandbar, in der Lenny Kravitz Stammgast ist, wie Schilder stolz bezeugen. Nassau fehlen 10.000 Kreuzfahrtgäste pro Tag meint ein Einheimischer. Das merkt man. Restaurants sind leer und dürfen nur im Außenbereich öffnen, die Museen sind geschlossen und ab 23.00 Uhr ist Ausgangssperre. Egal, Downtown ist mit netten Häusern gestaltet und lädt zum Verweilen ein. Als einstige Piratenhauptstadt gibt es hier noch Anwesen, die von pensionierten Piraten errichtet wurden. Nach den Häusern zu schließen, dürften die Piraten super verdient haben. Berüchtigte Personen wie Blackbeard, Calico Jack, Anne Bonnie und Mary Read gingen hier ein und aus. Ein Piratengen dürfte die Evolution bis heute durchgebracht haben, denn im Dunkeln – so heißt es – sollte man hier auch dieser Tage nicht südlich der Hafenstraße sein. Das beherzigen wir und obwohl wir die Hafenstraße im Dunkeln häufiger frequentieren haben wir nie ein ungutes Gefühl bezüglich Sicherheit. Zwischendurch müssen wir umankern, da sich unsere Ankerkette um ein auf 4,5 m Tiefe liegendes Wrack gewickelt hat. Martin schnorchelt bei 2 Knoten Strom zum Wrack hinunter und versucht die verzwickte Ankerkette zu lösen während Kerstin mit den Motoren Richtung Wrack fährt um die Kette zu entlasten. Das Manöver ist gar nicht so ohne und ohne Flossen geht Martin die Luft aus. Schließlich klappt es beim vierten Versuch mit Flossen und Martin schürft sich am Wrack auf. Er ist schwer außer Atem aber es ist nochmal alles gut gegangen.

Ein nettes französisches Paar lädt uns spontan zum Essen ein und es stellt sich heraus, dass sie berühmte Musik-Publisher mit vielen Nummer 1 Hits weltweit sind und in Nashville, Paris und Nassau leben. Sie freuen sich, mit Europäern plaudern zu können, denn hier wäre die Gesellschaft sehr amerikanisch mit allen Vor- und Nachteilen wie zum Beispiel sozialen Barrieren. Da sie jedes Jahr für 6 Monate auf den Bahamas leben, sehnen sie sich manchmal nach Liberté, Egalité und Fraternité. Auf der Insel kann man sich auch in der Stadt nicht auf die öffentliche Strom- und Wasserversorgung verlassen. Diese fällt angeblich mehrmals täglich aus und deshalb hat beinahe jedes Haus hier einen eigenen Generator und einen Wassertank. Je nach Gegend lärmen manchmal mehrere kleine Benzin-Generatoren in der Nachbarschaft. Ruhig und friedlich geht anders. Es wird uns nun klar, warum oft gerade bei Sonnenuntergang das Mobilfunknetz schwächelt. Es muss wohl mit der Überlastung des Stromnetzes und den damit einhergehenden Ausfällen von Funkantennen zu tun haben.


Kurzvideo Rockiguanas

Mit unserer Mitzi fahren wir zwischen haushohen Superyachten zum Dinghisteg des Hotel Atlantis auf Paradise Island im Norden von Nassau. Paradise Island wird seinem Namen absolut gerecht. Etwas Vergleichbares mit dem von einem Südafrikaner errichteten Atlantis-Hotel haben wir noch nie gesehen. Hier wurde im Keller des Hotels die versunkene Stadt Atlantis gebaut, geflutet und mit Meerestieren bevölkert. Der Hotelkeller lässt große Meerestiergarten blass aussehen. Mehrere Haiarten – darunter ein Leopardenhai – alle Arten von auf den Bahamas lebenden Meeresfischen, ein riesiger Manta-Rochen, Adlerrochen und mehrere Sägefische tummeln sich neben versunkenen Statuen, Räumen und Plätzen. Die eingebaute Shopping-Mall und das großzügige Casino sowie die Marina suchen ihresgleichen. Die Außenanlage ist mehrere Kilometer lang und es gibt vom Schwimmen mit Delfinen, Seehunden, Schildkröten bis zum Rochen streicheln, mehreren Stränden alles was man sich vorstellen kann. Der Zugang zu den Wasserrutschen ist so wenig bescheiden wie alles andere hier. Man hat einfach einen Mayatempel gebaut, um den Aufstieg zu den Rutschen etwas interessanter zu gestalten. Wenig überraschend ist der Südafrikaner angeblich mit dem Hotel bankrott gegangen. Chinesen haben es gekauft und tragen es nun durch die Krise. Die Einheimischen sind froh darüber, denn hier gibt es viele wichtige Arbeitsplätze. Derart künstliche Welten sind nicht das Unsere, aber die Kinnlade klappt uns trotzdem herunter.

Miami, die zweite. Das ESTA Visum der USA will es so, dass man nur 90 Tage im Land bleiben darf, nachdem man mit einem öffentlichen Verkehrsmittel eingereist ist. Diese neigen sich bald dem Ende zu, nachdem wir aus Sint Maarten nach Miami eingeflogen sind um die US Virgin Islands und Puerto Rico besuchen zu können. Nachdem wir nach den Bahamas an die US Ostküste wollen, müssen wir also unser ESTA auffrischen. Ein herkömmliches Visum bekommt man ja momentan wegen Corona nicht. Also den billigsten Hin- und Rückflug an einem Tag von Nassau aus gebucht, nasengebohrt und los geht es. Für die USA braucht man nur einen Antigen-Test aber für die Rückreise auf die Bahamas einen PCR-Test. Am Tag des Abflugs erfahren wir, dass für die Einreise auf die Bahamas kein Test eines Labors der Bahamas gültig ist. Dieser muss aus dem Land sein wo man herkommt, auch wenn man am gleichen Tag fliegt. Logik zu hinterfragen haben wir uns abgewöhnt, mit Beamten zu diskutieren auch. Mit der Hilfe von Bekannten aus Uruguay in Nassau schaffen wir es trotzdem an einem Tag hin und zurück. Die US Einwanderungsbehörde sitzt ausnahmsweise direkt am Flughafen in Nassau und nachdem wir sie passiert haben, fragen wir uns ob wir überhaupt in den Flieger steigen sollen, denn das ESTA ist nun schon vor dem Flug wieder für 90 Tage gültig. Sicher ist sicher und wir fliegen trotzdem einmal hin und her. Interessant ist, dass die Passagiere zum Boarding in 9 Gruppen aufgerufen werden, damit es kein Gedränge gibt. In den ersten 8 Gruppen sind ganze 5 Personen und in der Gruppe 9 die restlichen 80 Personen. Man muss nicht alles verstehen, außerdem kommen im vollbesetzten Flieger ohnehin alle wieder zusammen. Der Flieger ist wieder wie in USA üblich heruntergekühlt auf Tiefkühlmodus. Neben uns sitzt eine Dame mit Stepp-Winterjacke obwohl es sowohl in Miami als auch in Nassau 26 Grad Außentemperatur hat. Wir mümmeln uns ein mit allem was wir mithaben um – Gott bewahre – keinen Schnupfen zu entwickeln und damit noch des Corona-Virus verdächtigt zu werden.

Infinity muss jetzt dringend mal ins Trockene um den Unterwasser-Anstrich zu erneuern, also suchen wir entlang unserer zukünftigen Route einen Kran, der einen Katamaran ins Trockene bringen kann und einen Dienstleister, der sich mit Copper-Coat auskennt, einem speziellen Antifouling, das nicht jedes Jahr erneuert werden muss. Das ist gar nicht so einfach. In Freeport werden wir fündig. Leider bemerkt Martin im Telefonat, dass die Leute dort weder wissen, wo man Copper-Coat bestellt noch wie man es aufträgt. Nach 2 Stunden Internet-Recherche beantworten wir die beiden Fragen und ersuchen den Werft-Chef ob wir das selber gemeinsam mit der Werft erledigen können. Da ist er beleidigt. Aber jemandem das Schiff für teures Geld zu überlassen, der sich mit dem Thema nicht auskennt und dann auch selbst nicht mithelfen zu dürfen, damit es richtig gemacht wird, behagt uns nicht. Die Suche geht also weiter.

Auf dem Weg nach Grand Bahama nutzen wir zwei Buchten der kleinen Inselkette Berry Islands als Zwischenstopps. Irgendwie werden wir den Eindruck nicht los, dass hier alle kleineren Inselgruppen so aussehen wie die Exumas. Das ist kein Nachteil. Schöne weiße Strände, urige Bars, Haie und Rochen im seichten Wasser kleiner Inseln, die zum Spazieren einladen. Essbare Fische sind kaum zu sehen. Die sind auf dem Fischmarkt. 

Bei mehr als 15 Knoten Wind in die Cuts zwischen den Inseln rein- oder rauszufahren will gut geplant sein. Auch wenn wir das Thema Wind mit Tiden-Strom immer beherzigen sind die Fahrten durch die kurzen steilen Wellen gelinde gesagt „etwas ruppig“. Mittlerweile haben wir dazugelernt und verstauen alles was nicht niet- und nagelfest ist kurzfristig gleich am Boden, dann muss es sich den Weg durch den Cut dahin nicht selbst suchen. Die berühmte Joe’s Bar und gleichzeitig auch einzige Bar besuchen wir natürlich auch und sind die einzigen Gäste in der gemütlichen mit signierten Ein-Dollar-Scheinen und Segler-Memorabilia tapezierten Holzhütte. Joe schläft selig vor dem Fernseher während wir unsere Cola schlürfen. Hinter der Holzhütte stapeln sich alte Kühlschränke, Griller und Rasenmäher. Sperrmüll-Sammlung scheint es keine zu geben. Dafür tummeln sich direkt vor der Bar im knietiefen Wasser einige Ammen- und Zitronen-Haie, die warten, bis Joe wieder Fische putzt und etwas für sie abfällt. Man muss aufpassen, dass man keinen mit dem Dinghi überfährt was dank des klaren Wassers kein großes Problem ist. Im Norden der Berry Islands hat ein großer Kreuzfahrtschiff-Betreiber eine Insel gekauft und es stehen 2 große Schiffe am Dock. Die Insel wurde zu einer Art Abenteuerland umgebaut, um den Gästen Karibik-Eindrücke mit Wasserrutschen, Bars und Stränden zu bieten. Auf unserem elektronischen Schiffsidentifikations-System AIS sehen wir zusätzlich hinter der Insel rund ein Dutzend große Kreuzfahrtschiffe vor Anker liegen. Wie lange das wirtschaftlich gut gehen mag?

Die Siedlungen auf Grand Bahama sind relativ jung und wurden in den 1950ern aus dem Busch geschält. Groß angelegte Kanalsysteme laden ein, erkundet zu werden. Wir fahren durch eine der seichten spärlich betonnten Einfahrten nach Lucaya, einer Hotel- und Casino-Stadt. Direkt nach der Einfahrt gibt es ein Becken, in dem wir als Einzige mittig den Anker fallen lassen. Die Szenerie ist wunderschön. Hier schafft man es – anders als vielerorts – die Hotelbauten so zu gestalten, dass sie sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen. In den Marinas gibt es kaum Gastlieger und einige haben erst gar nicht geöffnet. Einheimische erzählen uns, dass seit dem letzten Hurrikan 2019 nicht mehr viele Gäste kommen. Mit zwei Tagen Windgeschwindigkeiten bis 295 km/h und einer Flutwelle von 8 Metern Höhe hat Matthew den gesamten riesigen Kiefernwald des Ostteils der Insel ausradiert. Die Bäume, die noch stehen sind wegen der Salzwasserflutwelle abgestorben und es sieht auf diesem Teil der Insel aus wie auf einem fremden Planeten. Verlassene Hausruinen stehen manchmal neben neu renovierten Häusern.

Kurzvideo Bahamian Rhapsody

Wir erkunden die Insel mit einem Leihauto. Interessant finden wir die improvisierte Drive-in-Corona-Teststraße. Hier muss man nicht einmal aus dem Auto aussteigen um einen Test machen zu können. Ein schöner botanischer Garten mit sprechenden Papageien und verzauberten Wegen liegt östlich von unserem Ankerplatz. Im Westen der Insel gibt es eine schöne Anlage mit tollem Sandstrand. Wenn uns der Wind die nächsten Tage herträgt, würden wir gerne hier vor dem Absprung in die USA ankern. Wir warten auf ein Wetterfenster zum Überqueren des Golfstroms, der zwischen den Bahamas und Florida zum Teil mit 4 Knoten Richtung Norden fließt. Dafür sollte der Wind einige Zeit aus dem südlichen Sektor kommen, damit die bei vorherrschenden nördlichen Winden hohen steilen Wellen abgebaut sind und uns Richtung Cap Caneveral hinaufspülen.

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