El Hierro, die kleinste und jüngste Insel der Kanaren

Ende Oktober fahren wir nach El Hierro. Sie ist mit etwa 1,12 Millionen Jahren die jüngste und kleinste Insel. Daher unterscheidet sie sich doch in vielen Dingen von den anderen kanarischen Inseln. Dank seiner überschaubaren Größe kann man die Hauptsehenswürdigkeiten an einem Tag mit dem Auto erkunden.

Zuvor staunen wir bereits in der Marina de la Estaca. Zwei große, moderne Schwimmstege sind komplett leer. Das heißt, dass wir freie Platzwahl haben. Unser Nachbarlieger Frank klärt uns auf, dass es genau eine Cafeteria gibt. Diese befindet sich in der Wartehalle der Fähre. Tatsächlich hat die Marina eine gute Infrastruktur und hat davon profitiert, dass hier Kreuzfahrtschiffe Halt gemacht haben. Mit Corona ist das leider vorbei. Touristisch hat der Hafen bis auf eine Autovermietung nichts zu bieten. Möchte man etwas einkaufen, muss man in die „Hauptstadt“ Valverde. Diese ist so klein wie die Insel, hier lebt knapp die Hälfe der insgesamt 10.900 Einwohner. So beschaulich geht es auch zu. Einklarieren geht auch „manana“, sprich morgen, was eigentlich hier eher so viel bedeutet wie „heute nicht“. Die Eisenwarenhändlerin überrascht mit einem Sortiment in einem winzigen Geschäftslokal, dass so manch einen riesigen Baumarkt blass aussehen lässt. Ein neues Plastikfenster muss in das Dach des Steuerstandes eingenäht werden. Die Verkäuferin vom Handarbeitsbedarf empfiehlt uns die Möbelpolsterei. Siehe da, so geht es auch.


Atlantik und El Hierro im Zusammenspiel der Naturgewalten

Die Insel punktet mit großen Gegensätzen der Natur, wie sie auch auf den anderen Vulkaninseln zu finden sind. Dabei gibt es trotzdem Besonderheiten. 90 % der Küste fallen steil ins Meer hinab. Ein grandioser Anblick, der sich an den zahlreichen Aussichtspunkten zeigt. Interessant ist auch, dass diese kleine Insel einen derartig hohen Berg hat. Der Malpaso ist 1.500 Meter hoch und oft in den Wolken. Hier gibt es dann auch den typischen Nebelwald. Hochlandebenen werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Besonders im Südosten finden sich auch noch einige Lavawüsten, die von dem jugendlichen Alter der Insel zeugen. Der letzte große Vulkanausbruch auf der Insel war im 18. Jahrhundert. Doch ganz zur Ruhe ist die Insel nicht gekommen. Es hat zwar keine Ausbrüche auf der Insel gegeben, aber im Meer nahe der Küste, zuletzt im Südosten. Der letzte größere Ausbruch war im Dezember 2013, wodurch die gesamte Insel um ca. 6 bis 8 cm angehoben wurde.

Die dortige Gegend um La Restinga, dem zweiten Hafen der Insel, hat die UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt. Damit gibt es dort Beschränkungen beim Wassersport. In einigen Abschnitten ist nicht einmal schwimmen erlaubt. Dafür findet sich dort eines der schönsten Tauchreviere mit jeder Menge Tauchschulen. Tauchen möchten wir auch, daher nehmen wir die schlechten Hafenbedingungen in Kauf. Wir können nämlich nur an der seitlichen Mole festmachen, die allerdings eher für die Großschifffahrt gedacht ist. Noch dazu haben wir einen Tidenhub von 1,5 Metern. Aber wir werden das Schiff schon schaukeln.

Alles in allem ist El Hierro eine sehenswerte Insel, besonders für Wanderer und Naturliebhaber. Seglerisch ist es sehr eingeschränkt. Es gibt lediglich die beiden Marinas, wobei man sich entscheiden kann zwischen schlechten Bedingungen und einigem Leben in Restinga oder guter Marina-Infrastruktur und Einsiedlerleben in La Estaca. Ankerplätze gibt es praktisch keine. Im Süden gibt es ein paar Möglichkeiten, allerdings häufig mit Schwell und Fallwinden behaftet. Ein kleines liebevoll gestaltetes Freilichtmuseum mit seltenen Echsen, einer Lavahöhle und historischen Häusern ist eine nette Abwechslung zur Naturgewalt.

Wir haben keine Bedenken bei der Seetüchtigkeit von Infinity aber beim Anblick mancher Schiffe, deren Crew damit von hier aus bald über den Atlantik in die Karibik fährt, wird einem etwas mulmig. Sei es der Wartungszustand oder die Größe des Bootes. Da gibt es den Einhandsegler aus Marseille mit zerfallendem Boot oder die Familie aus Südfrankreich mit einem winzigen Katamaran ohne Deckshaus. Mehrere Herren älteren Semesters aus vielen Ländern Europas segeln seit einigen Saisonen auf den Kanaren und wollen hier auch bleiben.

Wir freuen uns schon auf unsere Überfahrt. Michi, ein alter Freund hat sich kurzentschlossen angemeldet, damit sein Traum, die Atlantiküberfahrt endlich Wirklichkeit wird. Das Schiff und wir sind bestens vorbereitet. Ende November geht es los. Wir werden ungefähr drei Wochen auf See sein und peilen Barbados an.

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