Gran Canaria

Die Marina von Las Palmas ist ein krasser Gegensatz zum letzten netten Ankerplatz auf Fuerteventura. Allein die Marina Muelle Deportivo de las Palmas fasst über 1.400 Liegeplätze. Hier findet man die Langfahrer. Mit ihnen die ausgerüsteten Boote mit kreativen Ideen wie man sein Boot verbessern kann ohne Teures zu kaufen. Jedes Boot hat seine Geschichte. Egal mit wem man spricht, Begeisterung und Abenteuerlust steckt in jedem hier. Viele Schiffe haben schon einige Jahre wenn nicht Jahrzehnte auf dem Buckel. Man findet viele Zweimaster, Stahlboote, Windfahnensteuerungsanlagen, Solar- und Windgeneratoren und vieles mehr. Vor dem einen oder anderen Schiff steht man schon einmal ehrfürchtig, da man ihm die vergangenen Strapazen deutlich anmerkt. Von Alleinreisenden bis hin zu 80-jährigen Paaren findet man hier alles. Und es ist auch eine Gemeinschaft, die den anderen wohlwollend gegenübersteht. Natürlich finden sich hier besondere Charaktere. Es ist wohl so ähnlich wie auf dem Campingplatz, in der Kleingartensiedlung oder im Motorrad-Club. Die Atmosphäre ist ganz anders als zum Beispiel in Kroatien, wo man im Sommer hauptsächlich Chartergäste findet. Hier auf Gran Canaria ist die Stimmung besonders, da wir in jenem Hafen sind, von dem aus bisher jährlich die ARC (Atlantic Rallye for Cruisers) startet. In diesem Jahr ist sie noch nicht abgesagt, allerdings schaut es Corona-bedingt nicht sehr gut aus. Alleine deswegen haben wir wahrscheinlich als Nicht-Teilnehmer der ARC einen Liegeplatz bekommen. Wir wollen keine Massenveranstaltung sondern alleine genießen.

Aber wer will schon nach einer Atlantiküberquerung auf jeder Insel 2 Wochen in Quarantäne bleiben? Viele Inseln sind überhaupt nicht geöffnet. Einige Segler überlegen alternative Routen oder wollen das Schiff erst einmal ein Jahr auf den Kanaren parken. Wir überlegen natürlich auch, was wir machen werden. Inseln, die derzeit offen und sicher sind und Corona-testmäßig ein erreichbares Ziel haben, kann man an einer Hand abzählen. Der Plan, vielleicht eine Rundreise in den USA zu machen und Infinity dort in einen Hurrican-sicheren Hafen zu legen, ist wegen der derzeitigen Visum-Situation höchst ungewiss.

Trotzdem ist es sehr nett hier in der Marina Las Palmas. Der Liegeplatz kostet für unseren Katamaran für 14 Tage ungefähr 200 Euro. Dafür kann man in Kroatien nicht einmal zwei Nächte bleiben. Wie der Zufall so will, bekommen wir in der Marina einen Liegeplatz direkt neben einem Österreicher. Karl ist weit gereist und kennt Leute auf der ganzen Welt. Er hat eine interessante Biografie und erzählt viele witzige Anekdoten. Die Qualität vieler Schiffsbauteile kommt dabei wenig überraschend nicht gut weg. Dafür gibt es deftige Ausdrücke, die wir aus dem eigenen Sprachgebrauch über sogenannte „Qualitätsprodukte“ und „Arbeiten von Experten“ nur zu gut kennen. Dabei gibt es aber auch rühmliche Ausnahmen: Der Rigger hier ist kompetent und schnell. Ihn beauftragen wir mit einem Riggcheck, da wir dabei auf Nummer sicher gehen wollen. Außerdem werden die Segel auf Salings- und Wantenhöhe verstärkt und weitere Tell Tells angebracht um den Luftstrom auch bei gerefften Segeln gut sehen zu können. Auch Jon, ein ehemaliger Marine der Royal Navy, ist nach einem Email sofort zur Stelle, hat auch schon im Vorfeld Fragen geklärt und weiß, wo man was bekommt und wie die Teile eingebaut werden.

Mit einem deutschen Paar machen wir uns einen lustigen Abend. Sie haben bereits Länder bereist, die wir aus Respekt vor Kriminalität gar nicht anlaufen wollten. Ein Bruch des Vorstag hat sie Richtung Brasilien in Bedrängnis gebracht. Auf die Nachfrage, wo man in Brasilien Ersatz bekommen könne, ernteten sie Lachkrämpfe. Sie folgten der Empfehlung, nachhause zu fliegen und das Teil selber zu holen. Nach der Rückkehr ist allerdings der Autopilot kaputt gewesen. Diesen mussten die nächsten Besucher mitbringen. Den täglichen 180 Liter Wassereinbruch schöpften die zahlenden Chartergäste aus. Meuterei bei Regen und Gegenwind konnte knapp vor Trinidad abgewendet werden. Das Vorstag war noch einige Male kaputt, bis jemand mit WD40 kam. So einfach könnte es sein!

Eine Einhandseglerin vom Nachbarsteg mit einem 2-Mast-Stahlschiff bricht mit großem Abschied Richtung Südamerika auf. Nach fröhlichem Winken am Vormittag ist sie am gleichen Tag pünktlich um 17.00 Uhr zurück. Auf unser fragendes Schulterzucken erklärt einer der Nachbarn, dass sie drei Jahre unterwegs war, aber ein Wurmloch passiert haben muss. Damit sei das nur uns so kurz vorgekommen. In Wirklichkeit hatte sie trotz langer Vorbereitung direkt nach der Abfahrt Probleme mit der Elektronik und ist zur Reparatur zurückgekommen. Jetzt heißt es warten auf Ersatzteile, wie auch wir und die meisten hier.

Wir verfolgen jetzt erstmal unseren Karibikplan weiter, verproviantieren uns reichlich, da man hier fast alles sehr günstig bekommt. Der Supermarkt hat amerikanische Ausmaße und konzentriert sich dabei auf die „wichtigen“ Dinge. Die Drogerieabteilung ist klein. Auch 50 verschiedene Milchsorten sucht man vergeblich. Dafür gibt es mindestens 40 Meter Regale für verschiedenste Biersorten, ebensolche auch für Weine und Spirituosen. Dank geringer Mehrwertsteuer ist alles billiger als zuhause und daher haben wir unsere Bar kräftig aufgestockt. Es soll schließlich für die ganze Karibik reichen. Haltbare Lebensmittel haben wir natürlich auch gebunkert.

Die Altstadt von Las Palmas ist übersichtlich, aber sehr nett. Von der Marina aus sind es einige Kilometer Fußmarsch, aber unsere Beine gehören ohnehin wieder einmal bewegt. Was die Eisherstellung betrifft, sind die Kanaren ein komplettes Entwicklungsland. Auch wenn „Italien“ draufsteht ist es kaum genießbar. Dafür ist es teuer. Unser letztes gutes Eis haben wir in Melilla gegessen aber das beste bisher gab es im Café „Martina“ in Bar/Albanien direkt am Wasser.

Das für uns wichtigste Gebäude in Las Palmas ist geöffnet. Es ist das Kolumbus-Haus mit entsprechendem Museum. Wirklich beeindruckend. Kolumbus`Schiff „Santa Maria“ war gerade mal knapp 24 Meter lang und 8 Meter breit. Darauf waren 39 Mann und sie brauchten ähnlich lange wie heutige Yachten bis in die Karibik. Interessanterweise hatte Kolumbus bei seiner vierten Reise fast die gleiche Route wie sie heute immer noch gesegelt wird: von den Kanaren Richtung Süden und auf Höhe der Kapverden Richtung Westen.

Natürlich machen wir hier auch erst einmal eine Erkundungstour mit dem Auto. Die Insel ist klein und damit ist alles gut erreichbar. Außerdem kosten die Marinas im Süden das Doppelte. Da kann man schon mal ein Auto für 15 Euro pro Tag mieten. Am ersten Tag schauen wir uns steinzeitliche Höhlen an. Leider haben auch viele interessanten Museen wegen Corona geschlossen. Im Süden gibt es das hübsche Hafenstädtchen Puerto de Mogan. Ein relativ neuer Yachthafen, der optisch gut in den Fischerort integriert ist. Ein schöner Platz um seinen Urlaub zu genießen. Die Westküste ist schroff und steil, die Strände sind etwas rarer hier. Allerdings punktet man hier mit dem grandiosen Ausblick auf den höchsten Berg Spaniens – den Vulkan Teide – und den Rest von Teneriffa samt Sonnenuntergang.

Der schönste Ort auf Gran Canaria befindet sich ähnlich wie auf Fuerteventura im Inneren der Insel. Teror ist sehr ursprünglich und kein Touristenzentrum. Er ist aber der Wallfahrtsort der Kanaren schlechthin. Die Basilika Nuestra Senora del Pino zieht zwischen Mitte August und Mitte September viele Einheimische an. Dort gibt es nicht nur Messen zu Ehren der heiligen Maria, die den Bewohnern 1481 in einer Pinie (Pino) erschienen ist, sondern auch richtige Volksfeste.

Ohne in Maspalomas` Sanddünen gewesen zu sein, darf man nicht abreisen. Vor Jahren haben wir diese schon einmal besucht. Dort und in den angrenzenden Hotels war es voll, Massen von Feiernden haben Tag und Nacht die Orte in Atem gehalten. Jetzt bewegt sich in erster Linie der Sand durch den kräftig wehenden Wind. Tauben besetzen den freien Strand. Einkaufszentren sind ausgestorben, viele Geschäfte stehen zum Verkauf. Hier zeigt sich das ganze Ausmaß der Coronakrise im Tourismussektor. Sand ohne Touristen hat keine Kaufkraft. Die Menschen sind frustriert und einige resignieren allmählich. Wir wünschen ihnen, dass es bald wieder bergauf geht. Es gibt Hoffnung, immerhin ist hier auch im Winter Saison.

Jetzt warten wir noch auf unsere Pakete, basteln noch ein wenig am Schiff und freuen uns schon auf den nächsten Ankerplatz in Gran Canaria und auf Teneriffa. Von größeren Städten haben wir erstmal genug.

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